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Okt 18, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Deal oder kein Deal, das ist die Frage

USD

EUR USD (1,1125)  Es dürfte gestern während der europäischen Handelssitzung wohl keinen Bereich an den Finanzmärkten gegeben haben, der nicht von den Verhandlungen zum Brexit-Vertrag zwischen der EU und Großbritannien betroffen gewesen war. Und insgeheim haben sich doch viele Akteure gewundert, dass der britische Premierminister Boris Johnson und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker gestern tatsächlich den Abschluss eines „great new deal“ verkünden konnten. Offenbar sei Johnson, wie es die britische Zeitung „The Times“ gestern feststellte, ein besserer und effektiverer Premierminister, als sich dies viele [Parlamentarier] in Westminster gedacht hatten.
Eine andere Erkenntnis von gestern dürfte darin bestanden haben, dass sich Johnson auf dem Weg zu diesem Deal zeitweise umstrittener Hilfsmittel bedient und dabei bekanntermaßen die eine oder andere rote Linie überschritten hat. Aber dies dürfte angesichts des Erfolges, den vermutlich selbst mancher Parteifreund Johnsons nicht für möglich hielt, wohl in den Hintergrund treten. Allerdings nicht bei denjenigen Abgeordneten, die Boris Johnson einst vor den Kopf gestoßen und aus der Fraktion gedrängt hat.

Stimmen, auf die Johnson auf jeden Fall angewiesen sein dürfte. Denn bei dem gestrigen vereinbarten Abkommen mit der EU hat die nordirische DUP ein gewichtiges Wort mitzureden. Aber bislang ist es ausgesprochen unsicher, ob die DUP bei der Abstimmung am Samstag im britischen Unterhaus ihre Zustimmung zum Deal geben wird. Denn die DUP, die derzeit die Tory-Minderheitsregierung stützt, zeigte sich gestern von dem neuen Abkommen wenig begeistert, um das Mindeste zu sagen. Aber gerade, weil Boris Johnsons Lage vor gut einer Woche in Sachen Brexit-Abkommen noch trostlos aussah und der Premier eine bemerkenswerte Wende hinlegte, zeigten sich die Aktienmarkt-Teilnehmer vor allen Dingen hierzulande besonders optimistisch. Und selbst der Euro profitierte im Verhältnis zum Dollar von einer gewissen Euphorie, die sich hier und da breitmachte.

Letztlich sorgten aber auch diverse ökonomische Daten aus den USA dafür, dass der Dollar weiterhin unter Druck stand. So blieben sowohl die Zahlen zur Industrieproduktion, zur Kapazitätsauslastung als auch die Neubaubeginne im September hinter den Erwartungen der Ökonomen zurück. Dies alles hatte jedoch keine Auswirkung auf das viel beachtete Prognosemodell der Fed von Atlanta, GDPNow, das unverändert ein Wachstum von 1,8 Prozent (annualisiert) für das dritte Quartal vorsieht. Damit bleibt der kurzfristige Aufwärtstrend des Euro nunmehr mit verstärktem Potenzial bis 1,1230 – dieses muss nicht zwingend ausgeschöpft werden – erhalten. Zumindest, solange an der Unterseite 1,1030 unverletzt bleibt.

CHF

EUR CHF (1,0985) Dass der Brexit-Deal zwischen Großbritannien und der EU noch nicht in trockenen Tüchern ist, lässt sich am ehesten von der Entwicklung des Franken am gestrigen Handelstag ablesen. Dieser war zunächst im Rahmen der Erfolgsmeldungen unter Druck geraten, so dass der Euro die obere Begrenzung seiner von uns angedachten Handelsspanne bei 1,1050 testete. Als dann im weiteren Verlauf deutlich wurde, dass der Deal aus derzeitiger Sicht am Samstag wohl kaum das britische Unterhaus passieren dürfte, setzte sich im Zuge der damit aufkommenden Risikoaversion eine neuerliche Franken-Stärke durch. Der Abwärtstrend des Euro dürfte sich nun nach Unterschreiten von 1,0935 sogar noch verstärken.

GBP

EUR GBP (0,8655) Zumindest die Hoffnungen auf den Abschluss eines Deals zwischen Großbritannien und der EU müssen auch bei den Pfund-Händlern sehr groß gewesen sein. Vor allem nachdem vorgestern bereits durchgesickert war, dass ein Abkommen noch in dieser Woche für möglich gehalten werde. Dabei markierte Sterling gegenüber dem Euro den höchsten Kurs seit dem 8. Mai, bevor sich dieser im Zuge von Gewinnmitnahmen etwas erholen konnte. Vielleicht auch, weil klar geworden sein dürfte, dass das Brexit-Abkommen zwischen der EU und Großbritannien am Samstag zu großen Teilen von der Zustimmung der nordirischen DUP im Unterhaus abhängt.
Aber selbst, wenn die DUP dem Deal zustimmen sollte, blieben die Mehrheitsverhältnisse im Unterhaus für Boris Johnson recht eng. Denn für die 320 Stimmen, die erforderlich sind, um den Deal durchzubringen, ist der Premierminister auch auf Stimmen der 35 unabhängigen, einst konservativen Abgeordneten angewiesen. Ohne die Zustimmung der DUP bräuchte Johnson zudem Stimmen von Labour-Abgeordneten, wobei nicht einmal sicher wäre, ob einige konservative Abgeordnete in diesem Fall noch für den Deal votieren würden. Auf jeden Fall ist der Aufwärtstrend für das britische Pfund derzeit intakt, hängt aber naturgemäß von der Abstimmung zum Brexit-Deal im britischen Unterhaus am Samstag ab. Sein Momentum wäre allerdings gefährdet, wenn der Euro 0,8790/95 überqueren würde.

PLN

EUR PLN (4,2830) Angesichts des verkündeten Deals zwischen der EU und Großbritannien blieben die gestern publizierten ökonomischen Daten Polens zweitrangig. Auch das veröffentlichte Protokoll der vergangenen Sitzung des Geldpolitischen Rates der polnischen Zentralbank änderte nichts an der Zloty-Nachfrage, die dem Euro nun den sechsten Handelstag hintereinander einen Tagesverlust bescherte. Damit bleibt das weitere Abwärtspotenzial des Euro in Richtung 4,2700 (gegebenenfalls auch tiefer) erhalten. Das ganze unter der Prämisse, dass 4,3045 an der Oberseite nicht mehr überschritten wird.

HUF

EUR HUF (331,10) Auch der Forint profitierte gestern von der gestiegenen Risikofreude der Devisenhändler. Dabei wurde der Euro im Rahmen seines Aufwärtstrends in eine Korrekturphase gedrängt, die bis 328,00 reichen kann. Um die korrektive Schwächephase der Gemeinschaftswährung zu beenden, müsste auf der anderen Seite 333,60 überwunden werden.

CZK

EUR CZK (25,72) Auch die Krone konnte sich im Zuge der gestrigen Risikofreude der Akteure befestigen, wobei der Euro das wichtige Niveau von 25,70 unterschritt. Gleichzeitig hat sich die Unterseite für das Währungspaar wieder deutlicher in Richtung 25,52 geöffnet, wobei zuvor bei 25,61 eine gute Zwischenunterstützung angezeigt ist. Das Abwärtsmomentum bleibt ungetrübt, solange auf der anderen Seite 25,81 nicht überwunden wird.


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