Wöchentliche Marktberichte

Okt 02, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Fehlgeschlagenes Inflationsziel

USD

EUR USD (1,0930)
Die deutsche Nationalbank galt in der Inflationsbekämpfung immer als Vorreiter und konnte die jährliche Teuerungsrate konstant oberhalb des europäischen Inflationsniveaus halten. Seit einiger Zeit scheint das ökonomische Team rund um Jens Weidmann jedoch auch mit den strukturellen wirtschaftlichen Problemen und der politischen Unsicherheit zu kämpfen, welche die deutsche Inflation auf ein jährliches Wachstum von nur 1,2 Prozent ansteigen lässt. Sieht man sich das gesamte europäische Preisniveau an, zeichnet sich ein weitaus schlimmeres Bild ab, da es die Währungshüter der Eurozone Jahre lang nicht geschafft haben, das Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen. Der gestern veröffentlichte Verbraucherpreisindex sinkt sogar auf ein jährliches Wachstum von 0,9 Prozent und verzeichnet somit die schwächste Rate seit 2017. Obwohl sich die beiden Veröffentlichungen deutlich in einer Abschwächung der Gemeinschaftswährung abgezeichnet haben und die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinssenkung gegen Ende des Jahres erhöhen konnten, gehen Marktteilnehmer und Geldmärkte weiterhin von keiner Zinsveränderung im Oktober aus. Insbesondere bleibt neben der Inflation die schwache Industrie ein Faktor, den die EZB in ihre Entscheidung einfließen lassen wird. Der Einkaufsmanagerindex für das europäische verarbeitende Gewerbe kam gestern marginal schwächer rein als erwartet und findet mit einem Wert von 45,7 ein neues siebenjähriges Tief.

Dass sich bei den Vereinigten Staaten trotz weitaus besserer Wirtschaftsaussichten die ersten Zeichen einer Verlangsamung breit machen, konnte den Euro von seinem neuen Jahrestief retten. Dabei fällt der ISM Einkaufsmanagerindex für das US-amerikanische verarbeitende Gewerbe wiederholt in den negativen Bereich (unter den Wert 50), was dem Euro eine Verschnaufpause gönnte. Der Subindikator, welcher die Werkaufträge abbildet, fällt mit 47,8 sogar auf ein 10-jähriges Tief und untermauert die angeschlagene globale Industriebranche. Sollte sich die gestrige Aufwertung des EURUSD in eine leichte Erholung verwandeln, bleibt das Potenzial bis 1,1050 erhalten, wobei ein Durchstoßen dieses Niveaus zu Bewegungen in Richtung 1,1150 führen könnte. Ein Unterlaufen der Unterstützung 1,0875, könnte nachhaltige Abwärtsbewegungen entfalten.

CHF

EUR CHF (1,0860)
Die schweizerischen Einzelhandelsumsätze verzeichnen inmitten der schwachen Weltwirtschaft und einem aufwertenden Franken den größten Verlust in mehr als 11 Monaten und sinken aufs Jahr gesehen 1,4 Prozent. Auswirkungen dieser Veröffentlichung auf den Franken bleiben jedoch aus, da die Nachfrage nach der Schweizer Währung diese Woche von den schwachen Inflationszahlen in Deutschland und der Eurozone untermauert ist. Sollte es im Verlauf einer leichten Euro-Erholung zu Aufwärtspotenzial kommen, scheinen die Barrieren 1,0970 und 1,1000 allzu hohe Aufwertungen in Grenzen zu halten. An der Unterseite verhindert 1,0840 weiterhin neue Abwärtsimpulse.

GBP

EUR GBP (0,8909)
Ist es heute so weit? Laut internen Quellen erwartet Brüssel heute den ersten Vorschlag des britischen Premierministers, Boris Johnson, über die Umsetzung des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union. Durchgesickerte Quellen scheinen dabei ausreichend Informationen bekannt gemacht zu haben, um zu sehen, dass der Antrag weiterhin in starkem Kontrast mit Irland Vorstellung eines Austritts steht. Die Veröffentlichung des Vorhabens Boris Johnsons könnte sich auch aufgrund der fehlenden Datenlage für Großbritannien als Wechselkurstreiber des heutigen Tages entpuppen. Das Durchstoßen der Barriere 0,8920 würde weitere Potenzial bis 0,9000 schaffen, wobei die derzeitige Euro-Schwäche Bewegungen jenseits dieses Niveaus erschweren würden.

PLN

EUR PLN (4,3770)
Die kurzfristige Tendenz scheint derzeit gegen den Zloty zu arbeiten. Inmitten der mit Anspannung erwarteten Entscheidung des europäischen Obersten Gerichtshofs bezüglich der rechtswidrigen Kreditvergabe polnischer Banken und der heutigen Zinsentscheidung scheint sich nun auch die Datenlage gegen den Zloty zu wenden. Die gestrige Abkühlung der Inflationsrate (2,6 Prozent im September ggü. Vorjahr) könnte den polnischen Währungshütern den letzten Grund nehmen, eine Zinsstraffung für 2019 oder 2020 in Erwägung zu ziehen. Dies könnte den Zloty nachhaltig schwächen, solange der Abfall der Teuerungsrate, welche derzeit bei 2,6 Prozent verweilt, in den Folgemonaten bestätigt wird. Die Abwärtstendenz mit Potenzial bis 4,3400 bleibt somit erhalten, wobei ein Durchbruch zu Bewegungen in Richtung 4,3200 führen könnte.

HUF

EUR HUF  (335,00)
Der ungarische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe verzeichnet ebenfalls einen Fall auf das Niveau 51,80 und verweilt somit in Nähe des dreijährigen Tiefs. Obwohl sich der Indikator im regionalen Vergleich und besonders im Vergleich zu Deutschland noch relativ gut schlägt und sogar eine marginale Expansion (oberhalb der 50er Marke) verzeichnen konnte, bleiben die möglichen negativen Effekte des Handelskriegs auf die ungarische Wirtschaft ein limitierender Faktor für den Forint. Die seit August anhaltende Aufwärtsbewegung bleibt somit weiterhin aufrechterhalten, wobei an der Oberseite das Allzeithoch 336,30 eine kurzfristige Barriere darstellt.

CZK

EUR CZK  (25,775)
In einem globalen Umfeld stagnierender Wachstumsraten scheint die gestrige Veröffentlichung des tschechischen Bruttoinlandsprodukts, welches im zweiten Quartal auf Jahresbasis um 2,8 Prozent wächst, eine angenehme Abwechslung dargestellt zu haben. Eine solide Lage am Arbeitsmarkt scheint die Industrieschwäche des exportorientierten Landes weiterhin zu kompensieren. Dies könnte sich in den kommenden Monaten jedoch ändern, da der Subindex des Einkaufsmanagerindizes, welcher die Lage am Arbeitsmarkt abspiegelt, im September den rasantesten Absturz seit November 2009 erleiden musste. Der EURCZK zeigt sich relativ unbeeindruckt und schwankt weiterhin zwischen der wöchentlichen Handelsspanne von 25,760 und 25,860.


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