Wöchentliche Marktberichte

Sep 16, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Geldpolitische Dominanz

USD

EUR USD (1,1070)
Eine unerwartet positive Wende an der globalen Handelsfront und die expansive Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank beflügelten gegen Ende der Letzen Woche die Finanzmärkte. Die ersten Versöhnungsgesten kamen dabei aus China, nachdem sich die Regierung für eine Zollverschonung von 16 US-amerikanische Gütergruppen bereit erklärt hatte. Eine Antwort aus den Vereinigten Staaten ließ nicht lange auf sich warten und folgte in Form einer Verschiebung der für den 01. Oktober angekündigten Zollerhöhung auf Ware im Wert von 250 Milliarden US-Dollar um zwei Wochen. Diese Signale der Entspannung scheinen den kurzfristigen Druck auf die Finanzmärkte gemindert zu haben, scheinen jedoch bei Weitem nicht genug zu sein, um eine signifikante Verbesserung der Handelsbeziehungen der beiden Großmächte darzustellen. Auch die als marginal positiv eingeschätzten Verbesserungen des allgemeinen Risikosentiments konnten nicht in die neue Woche mitgenommen werden, da der am Samstag in Saudi-Arabien aufgetretene Vorfall einen Schatten auf die Ergebnisse an der Handelsfront warf. Im Zentrum stand dabei der Angriff auf zwei Ölförderanlagen des saudischen Staatskonzern Aramco, welcher zu einem kurzfristigen 20-prozentigen Anstieg des Ölpreises (Brent Oil) führte, wobei fünf Prozent des gesamten Ölangebots betroffen sein könnten.

Neben der Geopolitik bleiben wie auch in der letzten Woche die geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbanken im Fokus des Geschehens. Marktteilnehmer erwarten sich trotz der zuletzt überraschend positiven US-amerikanischen Wirtschaftsdaten eine weitere Zinssenkung der Fed. Wie auch bei der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank wird aufgrund der hoch bemessen Wahrscheinlichkeit einer Lockerung nicht die Zinsentscheidung selbst im Zentrum stehen, sondern die Situationsbewertung der Fed bezüglich der heimischen Wirtschaft und jegliche Anzeichen einer Änderung der Forward Guidance. Geldmärkte preisen derzeit drei Zinssenkungen der US-amerikanischen Währungshüter bis Ende des Jahres ein, ein Szenario, welches aufgrund weiterhin solider Wirtschaftsdaten und positiver Entwicklungen an der Handelsfront zu optimistisch angesetzt sein könnte.

Die Gemeinschaftswährung konnte trotz der expansiven Zinsentscheidung der EZB die zweite Woche infolge aufwerten, bleibt jedoch weiterhin eine der schwächsten G10-Währungen seit Anfang des Jahres. Signalisiert die Fed weitere Zinssenkungen für das Jahr, könnte sich der Euro leicht in Richtung 1,1250 stärken, solange die EZB nicht mitzieht. Nachhaltige Erholungsversuche werden nur durch eine Verbesserung der Wirtschaftslage in der Eurozone gerechtfertigt sein, auch wenn es zu einer Verbesserung der globalen Handelsbeziehungen kommt. Die Bewegungsspanne des EURUSD bleibt weiterhin zwischen dem Jahrestief 1,0920 und 1,1110.

CHF

EUR CHF (1,0940)
Die unerwartete positive Reaktion der Gemeinschaftswährung auf die Verkündung des Expansionspakets der Europäischen Zentralbank hätte das Potenzial, die Zinssenkung der schweizerischen Währungshüter überflüssig zu machen. Derzeit wird die Nachfrage des Franken durch zwei globale Phänomene gesteuert. Zum einen treibt der weltweite Lockerungszyklus der Notenbanken Investoren in sichere Hafen. Auf der anderen Seite ist es die erhöhte Erwartung einer globalen Rezession, welche den Franken über eine verstärkte Risikoaversion aufwerten lässt. Mit den zuletzt gesehenen guten Gesten der beiden Großmächte, USA und China und verschobenen Importzöllen, scheint zumindest das Risikosentiment nicht mehr im Wege einer Euro-Aufwertung zu stehen. Ob diese marginale Verbesserung an der Handelsfront die Schweizer dazu verleiten wird, den Zinssatz konstant zu halten bleibt weiterhin ungewiss. Geldmärkte setzten die Möglichkeit einer Zinssenkung im Wert von 25 Basispunkten weiterhin auf 44 Prozent, wobei genau diese geldpolitische Entscheidung den kurz- bis mittelfristigen Verlauf des EURCHF beeinflussen wird. Mit dem ersten positiven Bewegungsansatz über 1,0960 scheint das Potenzial bis 1,1050 zu bestehen, wobei ein Durchstoßen dieses Niveaus deutliche bullische Signale setzen würde. An der Unterseite verhindert 1,0840 weitere Verluste des Euro.

GBP

EUR GBP (0,8870)
Das Pfund konnte die positiven Bewegungen der letzten Woche am Freitag noch mal deutlich ausbauen, nachdem sich die größte nordirische politische Partei laut Medienberichten bereit erklärt hatte, nach dem Brexit, weiterhin europäische Gesetze und Regelungen zu akzeptieren. Diese Neuigkeiten ließen Hoffnung bezüglich einer Lösung der nordirischen Grenze aufkommen, welche derzeit die größte Barriere eines Abkommens zwischen Großbritannien und der Europäischen Union darstellt. Am heutigen Tag fliegt der Premierminister, Boris Johnson, zu einem Gespräch mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Luxemburg, welches mögliche neue Erkenntnisse und somit eine erhöhte Volatilität im Pfund mit sich bringen könnte. Den Höhepunkt der Woche stellt jedoch die britische Zinsentscheidung am Donnerstag dar, welche trotz eines erwartet konstanten Zinsniveaus einen Blick auf die derzeitige Situationsbewertung der Bank of England geben wird. Die Erholung des britischen Pfunds findet derzeit bei 0,8850, wobei ein durchbrechen des Niveaus 0,8830 (200-1d Moving Average) Potenzial bis 0,8700 entfalten würde. Dieses Szenario bleibt aufgrund der weiterhin erhöhten Unsicherheit bezüglich des Austritts jedoch weiterhin relativ unwahrscheinlich.

PLN

EUR PLN (4,3280)
Mit den positiven Entwicklungen an der Handelsfront und dem angekündigten Stimuluspaket der Europäischen Zentralbank, scheint sich die Positionierung der Marktteilnehmer wieder zugunsten der Schwellenländer zu richten. Die Handels- und Geldpolitik überschatten somit die weiterhin anhaltenden Anzeichen einer globalen Wirtschaftsverlangsamung, welche den Zloty im August auf ein 13-monatiges Tief geführt haben. Von dieser Schwäche ist im September deutlich weniger zu sehen, wobei sich die polnische Währung im Rahmen des verbesserten Risikosentiments sogar auf ein einmonatiges Hoch kämpfen konnte. Entwicklungen in der anstehenden Woche werden größtenteils von der Fed-Entscheidung dominiert sein, wobei eine Fülle heimischer Daten für die polnische Wirtschaft leichte Impulse für das Währungspaar setzen könnte. Mit der erwarteten Zinssenkung der Fed bleibt die Tendenz einer Stärkung des Zloty mit Potenzial bis 4,3000 aufrechterhalten, solange die US-amerikanischen Währungshüter nicht vom Protokoll abweichen.

HUF

EUR HUF  (331,60)
Auch der ungarische Forint konnte von dem verbesserten Risikosentiment der Anleger profitieren und entfernt sich marginal von dem neu gesetzten Allzeittief am Mittwoch. Ohne signifikante ökonomische Veröffentlichung oder eine Neubewertung der ungarischen geldpolitischen Stellung, bleibt das Währungspaar größtenteils von Daten bezüglich der Eurozone und der Zinsentscheidung der Fed abhängig. Bei weiteren Erholungsversuchen bildet 327,90 die erste Unterstützung für den EURHUF, wobei ein Durchbrechen dieses Niveaus zu Potenzial bis 325,50 führen könnte.

CZK

EUR CZK  (25,850)
Die historisch geringe Volatilität in der Krone scheint trotz der externen Turbulenzen weiterhin bestehen zu bleiben und lässt das Währungspaar am Freitag nur marginal verändert zurück. Auch die Kommentare des tschechischen Zentralbankers Marek Mora über die fehlende Bereitschaft einer Zinsveränderung konnte zu keiner signifikanten Aufwertung der Krone beisteuern. Im Rahmen der Bewegungsspanne zwischen 25,700 und 26,000 besteht die Tendenz einer Abwertung der EURCZK, wobei dieses Szenario von einem weiterhin positiven Marktsentiment und einer Zinssenkung der Fed abhängig bleibt.


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