Wöchentliche Marktberichte

Sep 13, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Geldpolitik als Rettung der Wirtschaft?

USD

EUR USD (1,1070)
Die Erwartungen an die gestrige Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank waren hoch. Inmitten des pessimistischen weltweiten Wirtschaftsausblicks, geopolitischer Anspannungen und einem in Gang gesetzten globalen Lockerungszyklus der nationalen Banken, war die Signifikanz der gestrigen Entscheidung umso mehr gegeben. Ökonomen zufolge seien die wirtschaftlichen Verlangsamungserscheinungen zu ausgeprägt, um die EZB nicht aktivwerden zu lassen, insbesondere da sich die Präsidentschaft Mario Draghis nach acht Jahren einem Ende nähert und der expansive Ton vor der Übergabe noch mal bestätigt werden müsste.

Vor diesem Hintergrund schien es wenig erstaunlich, als Mario Draghi fast jedes mögliche Instrument aus dem Repertoire der EZB auspackte, um der europäischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Unter den monetären Anreizen befanden sich eine im Vorfeld erwartete Senkung der Zinsen auf Sichteinlagen auf minus 0,5 Prozent, ein Wiederbeginn des Staatsanleihenankaufs im Wert von 20 Milliarden Euro pro Monat und ein gestaffelter Zinssatz, welcher den Druck auf kleinere Banken und Sparnationen ein wenig dämpfen sollte. Trotz der Vielfalt der eingesetzten Stimulus-Instrumente bleiben sowohl Kritiker des Programms, als auch die Befürworter des Gleichen unzufrieden. Für viele, insbesondere die Präsidenten der nationalen Banken in Deutschland, Frankreich und Holland, hätte es zu keinem Wiederbeginn des Staatsanleihenkaufs kommen dürfen. Dieser Widerstand kann wahrscheinlich dafür verantwortlich gemacht werden, dass es zu keinem größeren Paket gekommen war, wie manche Ökonomen erwartet hatten. Obwohl das Quantitative Easing Programm ohne zeitliches Ablaufdatum anfängt, bezweifeln Analysten die Effektivität und Größe der Stütze.

Auch Draghi äußerte Skepsis bezüglich realwirtschaftlichen Effekte der geldpolitischen Planung und sieht die Limitationen der Europäischen Zentralbank ein. Wie seine voraussichtliche Nachfolgerin, Christine Lagarde, betont Draghi die Relevanz und Notwendigkeit der fiskalischen Unterstützung um die Ökonomie vor einer möglichen stärkeren Verlangsamung zu schützen. Dieser pessimistische Unterton wurde vor der Zinsentscheidung mit der Veröffentlichung der europäischen Industrieproduktion erneut bestätigt, welche sich weiterhin im negativen Bereich befindet, wobei der Fall ganz klar von Deutschland angeführt wurde.

Auf unmittelbare Wechselkurseffekte musste man nach der Veröffentlichung der Zinsentscheidung nicht lange warten. Nach einem ersten Schock-Abverkauf, welcher den Euro von seinem 26-monatigen Tief abprallen ließ, konnte sich die Gemeinschaftswährung wieder souverän nach oben kämpfen und notiert marginal oberhalb der Unterstützung 1,1060. Der kurzfristig positive Ausgang für den EURUSD kann dadurch erklärt werden, dass das Worst-case Szenario einer 20-Basispunkte Zinssenkung und einem weitaus größeren Anleihenkaufporgramm nicht eingetreten ist, obwohl die nachhaltige Bewegung durch die Revision der Inflations- und Wachstumsraten unter Druck kommen könnte. Ob die Kraft für Bewegungen oberhalb 1,1110 reicht, bleibt heute von der wirtschaftlichen Datenlage abhängig. Im Fokus stehen dabei die US-amerikanischen Einzelhandelsumsätze und der Michigan Sentiment-Index, wobei sich die Anspannung auf die Zinsentscheidung der Fed nächste Woche langsam in die Köpfe der Marktteilnehmer schleichen wird.

CHF

EUR CHF (1,0950)
Die gestrige Zinsentscheidung der europäischen Nationalbank brachte nicht nur eine Fülle neuer Informationen bezüglich der globalen Wirtschaftslage und dem geldpolitischen Ausblick mit sich, sondern ebenfalls eine ganze Menge Volatilität. Die im Vorhinein erwartete Schwankung führte den EURCHF auf den ganzen Tag betrachtet fast über seine gesamte kurzfristige Bewegungsspanne zwischen 1,0840 und 1,0970. Der anfängliche Schockabverkauf der Gemeinschaftswährung wurde durch ein charakteristisches profit-taking der Marktteilnehmer eingelöst, nachdem die tatsächliche Zinsentscheidung trotz expansiven Unterton, einige Investoren aufgrund der geringen angesetzten Anleihenkäufe enttäuschen konnte. Die Erholung nahm jedoch zum vierten Tag infolge unterhalb des gleitenden Durchschnitts (50-1D Moving Average) ein Ende und lässt den weiteren Verlauf des Währungspaares offen. Nun fällt der Blick wiederholt auf die schweizerische Notenbank, welche sich aufgrund der Stärke des Franken, womöglich zu einer weiteren Zinssenkung verleiten lassen könnte. Marktteilnehmer gehen weitgehend von einer Zinssenkung im Wert von 10 Basispunkten aus, wobei die Möglichkeit einer 25-Basispunkte-Reduktion laut Geldmärkten mit einer 44-prozentigen Wahrscheinlichkeit belegt ist. Die alleinige Möglichkeit dieses drastischen Szenarios könnte den Euro vorzeitig über Wasser halten, wobei eine nachhaltige Erholung nur durch eine Verbesserung des globalen Risikosentiments gerechtfertigt werden könnte.

GBP

EUR GBP (0,8960)
Mit der für die nächsten zwei Wochen anhaltenden Suspension des Parlaments, bot die EZB das einzige Risikosentiment des Währungspaares, welches dem Euro auf den gesamten Tag über, zugutekommen konnte. Dabei hatte die anfängliche Abwertung der Gemeinschaftswährung bei 0,8890 ein Ende gefunden und signalisiert dieses Niveaus als wichtige Unterstützung bei weiteren Verlusten des Paares. Der seit Anfang August anhaltende Abwärtstrend wurde damit jedoch nicht durchbrochen, solange sich der Euro unterhalb 0,9000 befindet.

PLN

EUR PLN (4,3340)
Einen Tag nach der Zinsentscheidung verdauen regionale Marktteilnehmer die neu erlangte Information, welche sich zunächst als positiv für die zentraleuropäischen Währungen herausgestellt hatte. Auch wenn sich der Zloty am gestrigen Handelstag marginal verbessern konnte, bleibt die große Aufwärtsbewegung aus. Unter anderem auch, aufgrund der Rede Mario Draghis bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung, welcher die Limitation der Geldpolitik anerkennt und sich für eine fiskalische Unterstützung einsetzt. Somit würden sich Nachrichten bezüglich eines Hilfspakets der deutschen Regierung wohl stärker in dem EURPLN abzeichnen, als die gestrige geldpolitische Entscheidung. Der Zloty bleibt zu Handelsschluss in einer leicht verbesserten Ausgangslage, die Bewegungsspanne zwischen 4,322 und 4,3470 bleibt jedoch weiterhin aufrechterhalten.

HUF

EUR HUF (332,60)
Der Forint schien die gestrigen Geschehnisse und neuen Tatbestände fast ganz ignoriert zu haben und führt den Marsch nach unten weiter fort. Dabei wurde den dritten Tag infolge ein neues Allzeittief (bezogen auf den Schlusskurs) gesetzt, welches derzeit bei 332,80 notiert wird. Nachhaltig ist von einem positiven Durchbruch der Barriere 330,00 zu rechnen, wobei das Potenzial einer kurzfristigen Erholung bis 327,00 reichen würde. Dieses Szenario bleibt für diese Woche auszuschließen, könnte mit einer Zinssenkung der Fed an Fahrt gewinnen.

CZK

EUR CZK (25,830)
Obwohl sich die Geldmärkte weiterhin uneinig über die nächste Zinsentscheidung der tschechischen Währungshüter sind, scheinen einige Mitglieder des geldpolitischen Rates schon eine genaue Vorstellung über den längerfristigen Zinssatz zu hegen. Im Rahmen eines Interviews deutet CNB-Mitglied Oldrich Dedek ein konstantes Zinsniveau für das kommende Jahr an und fügt sich in die voll besetzte Reihe von Zentralbankern, welche die fehlende Bereitschaft aufweisen, den gleichen Weg wie die EZB und Fed einzuschlagen. Dies könnte sich nachhaltig positiv auf die Krone auswirken, kurzfristig verweilt diese jedoch in einem seit Anfang August anhaltenden Aufwärtstrend.


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