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Wöchentliche Marktberichte

Sep 12, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Verankerte Erwartungen einer Senkung

USD

EUR USD (1,1010)
Einen Tag vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank standen wiederholt die globalen Handelsbeziehungen, speziell die zwischen den USA und China im Fokus der Marktteilnehmer. Dabei ließ die chinesische Regierung erste Zeichen einer möglichen Kompromissbereitschaft aufkommen, nachdem die Entscheidung gewisse US-amerikanische Güter von den Strafzöllen zu verschonen, für positives Risikosentiment in den Märkten gesorgt hatte. Eine Antwort vom US-Präsidenten Donald Trump ließ nicht lange auf sich warten, welcher sich großzügig zeigt und die für den ersten Oktober angesetzte Zollerhöhung auf Waren im Wert von 250 Milliarden US-Dollar zwei Wochen nach hinten verschiebt. Aufseiten der globalen Inflationsentwicklung scheinen die überraschend schwachen chinesischen Produzentenpreise von einem deutlichen Anstieg der Teuerungsrate bei den US-amerikanischen Produzenten überschattet worden zu sein und lassen Marktteilnehmer weiterhin unsicher bezüglich des globalen Inflationsniveaus.

Mit dem heutigen Tag legen Investoren und Analysten den Handelsdisput beiseite und schenken der Zinsentscheidung der EZB die vollkommene Aufmerksamkeit. Dies lässt sich zumindest aus der eintägigen impliziten Volatilität (des EUR/USD) herauslesen, welche als Maß der erwarteten Währungsschwankung am Folgetag gesehen wird und gestern das höchste Niveau des Jahres erreicht hatte. Somit scheinen Optionspreise in jedem Falle von einer erhöhten Volatilität für den heutigen Tag auszugehen und markieren den Zinsentscheid als klares Schlüsselereignis der letzten paar Monate.

Dabei lässt ein Blick auf die jüngste Bewegung der europäischen Aktien- und Staatsanleihenmärkte verraten, wie stark die Erwartungen eines geldpolitischen Expansionspakets in den Märkten verankert sind. Mit den erhöhten Hoffnungen auf eine 20-Basispunkte Zinssenkung, einer sofortigen Wiederaufnahme der monatlichen Anleihenkäufe im Wert von 30 Milliarden Euro, und einem Stufenzinssatz (als Entlastung für kleinere Banken), bleibt die Tendenz einer Enttäuschung der Marktteilnehmer und somit einer Stärkung des Euro ungewöhnlich hoch. Fokussieren werden sich die Investoren dabei auf den genauen Beginn und die Höhe des Anleihenkaufprogramms (QE), welches weiterhin die größte Unsicherheit im Rahmen der geldpolitischen Entscheidung der EZB darstellt. Abwärtspotenzial besteht aufgrund einer möglichen Revision der europäischen Wachstumsraten für das nächste Jahr und eines größer als erwarteten Quantitative Easing Programms jedoch weiterhin und könnte zu einer erneuten Talfahrt der Gemeinschaftswährung führen.

Die durch die Zinsentscheidung induzierte Ungewissheit in den Märkten und die verringerte Liquidität scheint einen Tag vor der geldpolitischen Entscheidung noch mal deutlich Druck auf den Euro aufgebaut zu haben. Der gestrige Fall unter 1,1025 scheint auch die kurzfristige Korrekturphase zunichtegemacht zu haben und lässt den Euro verletzlich vor der Zinsentscheidung zurück. Ein möglicher Fall bis 1,0920 bleibt möglich, hängt jedoch von dem Ausmaß ab, in welchem Marktteilnehmer die geldpolitische Entscheidung in den Wechselkurs eingepreist haben. Marktanalysten sehen weiterhin eine große Enttäuschungsgefahr seitens der EZB, welche den Euro zumindest kurzfristig in Richtung 1,1150 stärken könnte.

GBP

EUR GBP (0,8930)
Investoren, welche sich aufgrund der Suspension des britischen Parlaments zwei ruhige Wochen erwartet hatten, werden derzeit deutlich in Ihren Hoffnungen enttäuscht. Dabei spitzte sich das Brexit-Drama rund um Premierminister, Boris Johnson, noch mal erheblich zu, nachdem das höchste schottische Gericht, die Aussetzung des Parlaments als verfassungswidrig anerkannt hatte. Die Entscheidung leitet eine Machtprobe in der nächsten Woche ein, in der das höchste Gericht Großbritanniens in London die Legalität der Schließung prüfen wird. Das Pfund war davon alles andere als unmittelbar betroffen und bleibt weiterhin in einem seit Mitte August abwärts geneigten Trend, mit Potenzial bis 0,8840.

CHF

EUR CHF (1,0940)
Eine mögliche Revision der europäischen Wachstumsraten für das kommende Jahr, im Rahmen der heutigen Zinsentscheidung, könnte zu deutlichen Verlusten des Euro gegenüber dem Franken führen. Wie nachhaltig der weiterhin intakt bleibende Abwärtstrend des Währungspaares dabei wirklich ausfallen wird, lässt sich aufgrund der hohen Unsicherheit bezüglich der heutigen Entscheidung schwer sagen. Ebenfalls bleibt die tatsächliche Bereitschaft der schweizerischen Nationalbank den Franken zu schwächen eine bislang offene Frage, welche jede Woche aufs Neue mit den am Montag veröffentlichten Sichteinlagen der Notenbank eine kurzfristige Aufklärung findet. Dabei scheint es, als hätten sich die Währungshüter das Ziel der Schwächung der eigenen Währung in den letzten Wochen als Priorität gesetzt, was den EURCHF nicht von einer Rückkehr zur Schwäche abhalten konnte.

PLN

EUR PLN (4,3390)
Die polnischen Währungshüter bleiben den Markterwartungen treu und belassen das Leitzinsniveau trotz des erhöhten Inflationsdrucks konstant bei 1,5 Prozent. Abermals wurden die externen Wachstumsprobleme hervorgehoben und als deutliches nachteiliges Risiko für die heimische Ökonomie genannt. Dabei sollen sich die Verlangsamungserscheinungen laut den Prognosen der Zentralbank jedoch in keiner signifikanten Dämpfung der polnischen Wirtschaft ableiten, wobei die Inflation im ersten Quartal im Jahr 2020 ein Hoch bei 3,5 Prozent (derzeit bei 2,9 Prozent) finden soll. Die Möglichkeit einer Zinssenkung, bei einer Eskalation der globalen politischen Lage, könnte laut dem NBP-Präsidenten, Adam Glapinski, gerechtfertigt sein, wobei dies in direktem Kontrast zu den Meinungen einiger Mitglieder der Nationalbank stehen würde, welche sich sogar für eine Zinsstraffung eingesetzt hatten. Somit bleibt die geldpolitische Haltung der polnischen Zentralbank weiterhin durch eine Neutralität gekennzeichnet, welche ein breites Szenario von Zinsmöglichkeiten für den weiteren Jahresverlauf offen lässt.

HUF

EUR HUF (331,70)
Die gestern in der Region ersichtliche Schwäche, angetrieben durch eine anhaltende Marktanspannung und geringe Liquidität in den Märkten, resultierte in einem neuen Allzeittief für die ungarische Währung (333,40). Mögliche Beweggründe für die anhaltende Schwäche des Forints bleiben die in den letzten Monaten deutlich abgenommene Inflationsrate und die Neupositionierung der Investoren in sichere Anlagen kurz vor der heutigen Zinsentscheidung. Wirkliche Erklärungsversuche bleiben jedoch unbefriedigend und könnten aufgrund fehlender unmittelbarer negativer Faktoren zu möglichen Erholungsversuchen des Forints in Richtung 327,90 führen. Wie signifikant und nachhaltig dieses Reversal ausfallen wird, bleibt dabei in den Händen der Europäischen Zentralbank.

CZK

EUR CZK (25,880)
Die globalen geldpolitischen Lockerungsvorhaben der Zentralbanken scheinen noch nicht bei den tschechischen Währungshütern angekommen zu sein. Obwohl eine Zinsstraffung für dieses Jahr zwar fast ausgeschlossen bleibt, befände man sich laut CNB-Vizepräsident, Marek Mora, jedoch weit von einer Senkung des Zinsniveaus entfernt. Dies hatte keinen sichtbar positiven Einfluss auf die Krone, welche sich der gestrigen Schwäche der Region anschließt und den Abwärtstrend mit Potenzial bis 26,00 intakt bleiben lässt.


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