Wöchentliche Marktberichte

Sep 04, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Briten kurz vor Neuwahlen

USD

EUR USD (1,0970)
Ohne wirklich signifikante Datenveröffentlichung für die europäische Wirtschaft schienen Investoren Ihrer Unsicherheit wieder freien Lauf gelassen zu haben. Die Versuche einen neuen Termin für die angekündigten Handelsgespräche zwischen China und den USA zu vereinbaren, ließ die Märkte ebenfalls relativ kalt, insbesondere da sich die beiden Seiten weder über die Inhalte solch eines Treffens, noch über den genauen Zeitpunkt einigen konnten. Somit könnten die im Laufe des Handelskriegs eingeführten Strafzölle im Wert von knapp 500 Milliarden US-Dollar zu der ersten jährlichen Reduktion des globalen Handels seit 2009 führen, was den Druck auf den Euro, über eine weitere Schwächung der deutschen Industrie, erheblich erhöhen würde.

Dass die Einflüsse der angespannten Handelsbeziehungen nicht ausschließlich die Eurozone belasten, scheint zumindest mit den gestern veröffentlichten US-amerikanischen Einkaufsmanagerindizes klar geworden zu sein. Diese fallen zum ersten Mal seit dem August 2016 in den negativen Bereich und deuten auf erste Zeichen einer Verlangsamung der sonst souveränen Industriebranche. Ganz besonders scheint es die neuen Exportaufträge erwischt zu haben, welche den größten monatlichen Rücksetzer seit der Finanzkrise 2009 erleiden mussten. Der EURUSD konnte sich nach der Veröffentlichung von seinem Tagestief lösen, schaffte es jedoch nicht, die Barriere um 1,1000 signifikant zu durchbrechen.

Vor diesem Hintergrund war es nicht erstaunlich, dass der Euro der siebten tägliche Abwertung infolge nur knapp entgehen konnte, nachdem die europäische Einheitswährung ein neues 28-monatiges Tief findet. Der gestrige Verkaufsdruck wurde gegen Ende des Tages durch eine breit angelegte Dollar-Schwäche, hervorgerufen durch die Ergebnisse der Einkaufsmanagerindizes, und den positiven Entwicklungen in Italien ausgelöst. Mit der finalen Koalitionsbildung scheint zumindest vorerst eine Neuwahl in Europas drittgrößter Volkswirtschaft vom Tisch zu sein und steht potenziellen Aufwertung des Euro nicht mehr im Weg. Diese potenziellen Erholungsversuche scheinen jedoch durch die von Geldmärkten nun zu 80 Prozent eingepreiste Zinssenkung der EZB, im Wert von 20 Basispunkten, limitiert zu werden. Als schlechtes Zeichen kann ebenfalls der weitere Verbleibt des Währungspaares unterhalb 1,1000 gedeutet werden. Der erste Potenzialpunkt im Rahmen der Abwärtsbewegung, welcher von Interesse sein könnte, bleibt 1,0863, wobei ein Bruch der Unterstützung weiteren Druck entfalten würde.

CHF

EUR CHF (1,0835)
Einige Marktteilnehmer hatten sich bei der Präsentation des neuen 100 Schweizer Franken Scheins eine begleitende geldpolitische Situationsbewertung des SNB-Präsidenten Thomas Jordan gewünscht. Dieser hält sich jedoch ans Protokoll und verweigerte jegliche Kommentare bezüglich der kommenden Zinsentscheidung am 19. September. Somit blieb die enttäuschende Datenlage in den USA im Fokus der risikoaversen Investoren, welche sich über neu aufgekommene Rezessionsängste und eine aggressive Zinssenkung der Fed, Ausdruck in einer Nachfrage nach dem Franken verschaffte. Dieser erhöhte Kaufdruck der sicheren Währung ließ das im August zum stillstand gekommene Währungspaar auf ein neues 27-monatiges Tief stürzen und öffnet die Tür weiterer Abwärtsbewegungen. Kommt es zu keiner Verbesserung des globalen Risikosentiments, scheint die Bewegung in Richtung 1,0795 möglich, wobei an der Oberseite, 1,0890 jegliche Erholung verhindert.

GBP

EUR GBP (0,9070)
Mit der gestrigen Niederlage des Premierministers, Boris Johnson, befindet sich Großbritannien auf einem guten Weg zu generellen Neuwahlen. Gesetzgeber machten mit der abendlichen Abstimmung den ersten Schritt, einen Austritt Großbritanniens ohne Abkommen mit der Europäischen Union zu verhindern. Somit steht die Tagesagenda wieder in den Händen des Parlaments und ebnet den Weg, um für eine weitere Verlängerung der Austrittsfrist bis 31. Jänner 2020 zu stimmen. Obwohl die gestrige Abstimmung eine reine Formalität bezüglich der Tagesordnung bildete, war Sie doch das erste Zeichen einer Rebellion gegen den neuen Premierminister, welche diesen laut eigenen Worten, wohl zu einem Ausrufen von Neuwahlen zwingen wird.  Das britische Pfund zeigte sich von der Kontrollübernahme wenig bis kaum beeindruckt und blieb gestern ohne jegliche Dynamik. Ein tatsächliches Aufrufen neuer Wahlen würde sich als „Worst-Case“ Szenario in einer Abwertung des Pfunds in Richtung 0,9300 Ausdruck verschaffen, wobei der Euro kurzfristige Verluste erleiden könnte, sollte der Verlängerungsantrag durchgehen.

PLN

EUR PLN (4,3470)
Inmitten der weiterhin anhaltenden Risikoaversion scheint die gestrige Schwäche der US-amerikanischen Währung deutliche Vorteile für die zentraleuropäische Region gebracht zu haben. Der Zloty bricht mit dem gestrigen Vorstoß sogar den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend und signalisiert neue Erholungsversuche. Dies kommt insbesondere regionalen Investoren zugute, wenn man bedenkt, dass der Zloty im letzten Monat einen Verlust von knapp drei Prozent hinnehmen musste. Ebenfalls scheinen die Kommentare des polnischen Zentralbankers Jerzy Kropiwnicki als positiv für den Zloty gewertet worden zu sein, nachdem sich der geldpolitische Falke für ein weiterhin konstantes Zinsniveaus ausspricht. Sollte die Inflation das Niveau von 3 Prozent deutlich überschießen, wäre eine Zinsstraffung laut dem Notenbanker ebenfalls eine Möglichkeit.

HUF

EUR HUF  (329,90)
Das zentraleuropäische Währungspaar schien sich eine Zeit lang immun gegenüber den Schwächen in der Eurozone zu zeigen und führte die seit März 2019 anhaltende Aufwärtsbewegung ohne Mühe fort. Dieser Verkaufsdruck gegenüber dem Forint artete in einem Allzeittief der ungarischen Währung gegenüber dem Euro aus und ließ weitere Abwertungen aufgrund der fehlenden Risikofreude der Anleger vermuten. Nun scheint die gestrige Schwäche in der US-Datenlage jedoch zu einer kurzen Verschnaufpause geführt zu haben und lässt den Forint die größte Aufwertung seit Anfang August verzeichnen. Somit wurde die Tür für eine Abwertung des EURHUF in Richtung 327,90 geöffnet, wobei ein Unterlaufen dieses Niveaus, neues Potenzial bis 326,30 wecken würde.

CZK

EUR CZK  (25,840)
Die Anfangs fehlende Dynamik der Krone nahm mit der am Nachmittag aufgekommenen Dollar-Schwäche an Fahrt auf und ließ das zentraleuropäische Währungspaar (EURCZK) den zweiten Tag infolge abwerten. Das Unterlaufen der Unterstützung bei 25,850 kann als das Ende des seit Juli anhaltenden Aufwärtstrends des EURCZK gewertet werden, wobei nun das Potenzial für Bewegungen bis 25,680 besteht. Die gestern veröffentlichten tschechischen Löhne, welche ein jährliches reales Wachstum von 4,3 Prozent verzeichneten, könnten die Währungshüter an Ihre neutrale Haltung binden und die Krone ebenfalls in Ihren Erholungsversuchen unterstützen. Dieses Szenario wird mit der erwarteten Zinssenkung der EZB umso wahrscheinlicher, je höher die geldpolitische Lockerung ausfällt.


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