Wöchentliche Marktberichte

Sep 03, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Die Politik belastet den Euro

USD

EUR USD (1,0950)
Dass die US-amerikanischen Börsen feiertagsbedingt geschlossen blieben, konnte eine weitere Abschwächung der  europäischen Gemeinschaftswährung nicht verhindern. Mit der sechsten täglichen Abwertung des Währungspaares infolge, scheint der Kampf um das Niveau bei 1,1000 zugunsten des US-Dollars auszugehen, wobei ein längerer Aufenthalt unterhalb der Barriere, zu weiteren Verlusten des EURUSD in Richtung 1,0840 führen konnte.

Für Devisenanleger scheinen sich die Gründe für eine Abwertung des Euro immer mehr zu häufen. Im Mittelpunkt des gestrigen Tages standen dabei die durchwachsenen Einkaufsmanagerindizes, welche die Verlangsamung des globalen, als auch des europäischen verarbeitenden Gewerbes bestätigten. Insbesondere scheint die größte Volkswirtschaft der Union und der drittgrößte Exporteur der Welt, Deutschland, von den weiterhin angeschlagenen Handelsbeziehungen, über eine schwächere globale Nachfrage betroffen zu sein. Diese Schwäche scheint sich in dem zweiten Argument einer Abwertung des Euro bemerkbar gemacht zu haben, nämlich einer erwarteten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank. Geldmärkte preisen seit einiger Zeit schon eine 100-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Wert von 10 Basispunkten ein. Seit der letzten Rede des EZB-Präsidenten Mario Draghi und den am Freitag enttäuschenden Inflationszahlen, scheinen Marktteilnehmer nun auch eine 20-Basispunkte-Lockerung für möglich zu halten.

Eine mangelnde Datenlage für die Eurozone drängt US-amerikanische Veröffentlichungen in den heutigen Fokus. Marktteilnehmer werden das Ergebnis des ISM Einkaufsmanagerindex begutachten, um Differenzen zu der europäischen Industrie zu erkennen. Ebenfalls könnte die Rede des US-Zentralbankers Rosengren zu neuen geldpolitischen Erkenntnissen führen, da weiterhin Ungewissheit bezüglich der US-amerikanischen Zinsentscheidung besteht.

Zusammengefasst bleibt der Ausblick für den EURUSD weiterhin fragil und anfällig für weitere Abwärtsbewegungen, in Richtung 1,0840 (Jahrestief 2017). Der Schlüsselwiderstand einer kurzfristigen Erholung liegt bei 1,1060, wobei ein Durchbruch oberhalb 1,1163 eine positive Aufwärtsbewegung signalisieren würde.

CHF

EUR CHF (1,0855)
Mit dem gestrigen Tag standen zur Abwechslung mal wieder Schweizer Daten im Vordergrund. Dabei sorgten die jährlichen Einzelhandelsumsätze für eine positive Überraschung, welche den größten Anstieg in neun Monaten verzeichnen konnten. Diese wuchsen um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sorgten für eine Abwechslung zu den sonst so schwachen heimischen Daten. Aufseiten weiterer Veröffentlichungen für die Schweiz, könnte die erwartete Verbesserung des Einkaufsmanagerindizes für Erholung unter heimischen Investoren sorgen, wobei das am Donnerstag veröffentlichte Bruttoinlandsprodukt im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen wird. Nichtsdestotrotz bleibt das Währungspaar stärker vom globalen Risikosentiment als von der heimischen Lage beeinflusst. Mit der gestern breit angelegte Euro-Schwäche war es somit nicht erstaunlich, dass der Franken die zweite tägliche Aufwertung infolge verzeichnen konnte und nun das Niveau 1,0840 wieder ins Visier genommen hat. Ein Durchbruch unter die Euro-Unterstützung könnte jedoch erst nach der europäischen Zinsentscheidung nächste Woche auf sich warten lassen, da Investoren weiterhin unsicher bezüglich der tatsächlichen Höhe der Zinssenkung sind.

GBP

EUR GBP (0,9110)
Mit dem heutigen Tag endet die Sommerpause der britischen Gesetzgeber und so finden sich die Parlamentarier wieder in London ein, um einen letzten Versuch zu starten, ein No-Deal Brexit zu verhindern. Die Meinungsspaltung des Parlaments und des neuen Premierministers eskalierte nach einem erfolgreichen Versuch Boris Johnsons, die Suspension des Parlaments bei der Königin anzufragen. Somit bleibt den Gesetzgebern effektiv nur noch eine Woche Zeit, um eine neue Legislative auf die Beine zu stellen und den Austritt Großbritanniens zu verhindern, bevor die Suspension bis zum 14. Oktober beginnt. Rebellen in den eigenen Reihen der konservativen Partei haben infolgedessen den Versuch gestartet, ein No-Deal Szenario gesetzlich zu verbieten und die Optionen des Premierministers zu minimieren. Die Abstimmung ist für den heutigen Nachmittag angesetzt und könnte den Kurs der britischen Politik bei einer positiven Abstimmung noch deutlich ändern. Eine potenzielle Bestätigung des Gesetzesvorschlages würde Boris Johnson laut eigenen Aussagen dazu zwingen, eine Neuwahl anzusetzen, welche die Unsicherheiten und Risiken eines Austritts ohne Abkommen deutlich erhöhen würde. Somit bleibt fraglich, wie sich die Mitglieder des britischen Parlaments entscheiden werden.

Das heutige Schicksal des britischen Pfunds bleibt in den Händen des britischen Parlaments. Marktteilnehmer würden das Ausrufen genereller Neuwahlen voraussichtlich als das schlechteste Szenario für das Pfund werten, welches sich in Richtung 0,9170 bis potenziell 0,9300 abschwächen könnte. Eine Abstimmung gegen einen No-Deal und ein Verzicht auf Neuwahlen, seitens des Premierministers, könnte leichtes Aufwärtspotenzial mit sich bringen, wäre aufgrund der Verschiebung, jedoch nicht der Beseitigung der Unsicherheiten, weiterhin limitiert. 

PLN

EUR PLN (4,3635)
Obwohl sich das allgemein pessimistischste Bild gegenüber der zentraleuropäischen Region mit dem gestrigen Tag nicht allzu stark verbessern konnte, boten die Einkaufsmanagerindizes aus dem August eine willkommene Abwechslung. Die gestrige Veröffentlichung verwies auf eine leichte Erholung des polnischen verarbeitenden Gewerbes, welches mit einem Wert von 48,8, jedoch weiterhin im negativen Bereich verweilt. Insbesondere die Neuaufträge und die Produktion schienen auf keine Verbesserung hinzudeuten und verzeichnen den zehnten monatlichen Verlust infolge. Somit bleiben nachhaltige Aufwertung des Zloty trotz der dritten täglichen Aufwertung infolge weiterhin in Gefahr, obwohl der steile Abwärtstrend des Vormonats, mit der Untergrenze bei 4,3770, wieder durchbrochen wurde. 

HUF

EUR HUF  (331,28)
Der ungarische Forint bleibt von den gestrigen Geschehnissen wenig bis kaum beeinflusst und verweilt weiterhin in Nähe des Allzeittiefs bei 331,86. Dass die Schwäche auch nach einem besser als erwarteten Einkaufsmanagerindex (52,6, erwartet waren 51,2) unbeeindruckt blieb, lag an dem unveränderten globalen Umfeld, welches weiterhin gegen Währungen in Schwellenländern arbeitet. Neue Impulse könnten die am Mittwoch veröffentlichten Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion (Donnerstag) liefern, scheinen in den derzeitig turbulenten Zeiten jedoch wenig Potenzial zu besitzen, großartige Schwünge herbeizuführen. Die Haupttreiber der Volatilität in der Region bleiben die neuen Entwicklungen in Sachen Brexit und jegliche Nachrichten bezüglich des US-Sino Handelsdisputs.

CZK

EUR CZK  (25,890)
Das tschechische verarbeitende Gewerbe konnte sich marginal von dem im Juli gesetzten 10-jährigen Tief erholen, scheint jedoch keine nachhaltige Verbesserung zu versprechen. Ein Vorstoß unter 25,850 bleibt mit einem positiven Nachrichtenfluss für diese Woche jedoch nicht auszuschließen, da einige signifikante Wirtschaftsveröffentlichungen in den nächsten Tagen anstehen. Verweisen die Einzelhandelsumsätze (Donnerstag) und die am Freitag veröffentlichte Industrieproduktion und Handelsbilanz auf eine Resistenz gegenüber den externen Unsicherheiten, könnte sich die Krone noch mal leicht festigen.


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