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Wöchentliche Marktberichte

Aug 26, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Handelskrieg eskaliert

USD

EUR USD (1,1145)
Das Wochenende hätte ganz im Namen der multilateralen Politik und der gemeinsamen Problembewältigung stehen sollen. In Zeiten der geopolitischen Anspannungen und ersten Zeichen einer weltweiten Rezession, erwies sich diese Agenda jedoch komplizierter als im Vorhinein gedacht. Schon vor dem offiziellen Beginn des G7-Gipfels in Biarritz, Frankreich, schockierten die angekündigten Zollerhöhungen des chinesischen Staatschefs, Xi Jinping, die Kapitalmärkte. Dabei sollen zusätzliche Zölle in Höhe von fünf bis zehn Prozent auf Waren im Wert von 75 Milliarden US-Dollar erhoben werden, wobei die Einführung in zwei Etappen geschehen soll (1. September und 15. Dezember). Marktteilnehmer, welche sich eine schnelle De-eskalation der Situation erhofft hatten, wurden am selben Tag enttäuscht, als Donald Trump vor seinem Flug nach Frankreich mit einer unmittelbaren Gegenmaßnahme konterte. Dabei schwingt der US-Präsident wieder den Zoll-hammer und verkündet eine weitere Zollerhöhung auf chinesische Importe. In einer Reihe von Tweets erhöht Donald Trump den Zoll auf Waren im Wert von 250 Milliarden US-Dollar von 25- auf 30 Prozent, in kraft tretend ab dem 1. Oktober. Beide Geschehnisse fügen sich in eine unsichere und durch Risikoaversion geprägte geopolitische Lage und limitieren die Möglichkeit einer raschen Aufnahme der Beziehungen.

Die Kommentare des US-Präsidenten überschatteten dabei die Rede des Fed-Präsidenten Jerome Powell, welcher sich nicht zu möglichen Stimuluspaketen äußerte, die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September jedoch deutlich nach oben springen ließ. Abgesehen von dem US-Sino Handelsdisput befände sich die US-amerikanische Wirtschaft in einer günstigen Wirtschaftslage. Dies wird die Währungshüter voraussichtlich nicht von einer Lockerung der Zinsen abhalten, insbesondere aufgrund der negativen Entwicklungen vor dem Wochenende. Das Szenario einer Zinssenkung im September wird von Geldmärkten (CME FedWatch Tool) derzeit mit einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit notiert.

Mit der neuen Woche rückt die Frage in den Vordergrund, wie sehr die US-amerikanische und deutsche Wirtschaft von den neuesten Entwicklungen der verschlechternden Handelsbeziehungen gelitten haben. Erste Hinweise auf diese Frage wird es mit der heutigen Veröffentlichung der Ifo Umfrage zur deutschen Konjunktur und den langlebigen Gütern in den USA geben. Gefolgt werden diese Daten vom US-Bruttoinlandsprodukt am Donnerstag und Inflationsdaten (US und EZ) am Freitag.

Die potenziellen negativen Folgen des Handelsdisputs auf die US-amerikanische Wirtschaft überschatten die Funktion des US-Dollars als sicheren Hafen und lassen den EURUSD deutlich aufwerten. Dabei bleiben 1,1220 und 1,1280 die ersten Barrieren einer kurzfristigen Erholung, wobei ein Überlaufen dieses Niveaus zu Potenzial bis 1,1350 führen könnte. Fürs Erste bleibt dies vom globalen Risikosentiment und den Entwicklungen der Datenlage für diese Woche abhängig.

CHF

EUR CHF (1,0860)
Die neuesten Entwicklungen im Handelskrieg zwischen den USA und China scheinen die Nachfrage nach dem Schweizer Fragen für die nächsten Wochen gesichert zu haben. Wie zu erwarten war, hatten die Ereignisse vor dem Wochenende eine deutliche Abwertung des EURCHF zur Folge, welcher nun die zweijährige Unterstützung bei 1,0850 testet. Ein Durchbruch dieses Niveaus könnte zu weiterem Abwärtsdruck führen, wobei eine Erholung der europäischen Gemeinschaftswährung von 1,0960 limitiert wird.

GBP

EUR GBP (0,9080)
Das britische Pfund scheint gegenüber den Besorgnissen einer globalen Wirtschaftsverlangsamung, hervorgerufen durch die negativen Folgen des Handelskriegs, nicht immun zu sein. Diese Unsicherheit in den Märkten lässt die britische Währung in Verbindung mit den neuerlichen Entwicklungen bezüglich des Austritts Großbritanniens deutlich geschwächt zurück. Sogar die kurzfristige Erholung des Pfunds scheint bei 0,9050 ein Ende genommen zu haben, nachdem optimistische Kommentare der deutschen Kanzlerin bezüglich einer Lösung zum irischen Grenzproblem, einen Abverkauf des Euro verursacht hatte. Insbesondere mit der erhöhten Risikoaversion und einer fehlenden Datenlage für die britische Wirtschaft, könnte EURGBP wiederholt einen Versucht in Richtung 0,9300 starten, wobei an der Unterseite das Niveau 0,9050 verhindert, dass sich Abwärtsdruck bis 0,8900 entfaltet.

PLN

EUR PLN (4,3810)
Die kurz vor dem Wochenende re-eskalierte Handelsbeziehung zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt schien den zentraleuropäischen Währungen deutlich beigesetzt zu haben. Die unmittelbare Folge der angekündigten Zollerhöhungen zeichnete sich für den Zloty in einem deutlichen Rücksetzer ab. Dabei fällt der polnische Zloty auf den geringsten Schlusskurs seit Juli 2018. Die angespannte politische Lage könnte Erholungsversuche deutlich limitieren, wobei aufseiten heimischer Wirtschaftsdaten, die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindizes und des Bruttoinlandsprodukts (Q2) neue positive Impulse liefern sollte und ein Überschreiten des Niveaus 4,4000 verhindern könnte.

PLN

EUR HUF  (329,30)
Die möglichen positiven Folgen der morgigen ungarischen Zinsentscheidung könnten durch die erhöhte Risikoaversion in den Märkten komplett negiert werden. Dabei ist zu erwarten, dass das Treffen der Währungshüter wohl zu keiner Veränderung des Zinsniveaus führen wird, was den Forint etwas besser dastehen lassen könnte.
Diese Annahme bleibt jedoch von der „forward-guidance“ der Zentralbank und der geplanten Geldpolitik für die nächsten Monate abhängig. Lässt sich die Notenbank eine Lockerung der Zinsen bis Ende des Jahres offen, könnte der schon deutlich abgeschwächte Forint noch mal in Richtung 331,00 abschwächen. Mit der Abwertung am Freitag bleibt dieses Szenario weiterhin wahrscheinlich, wobei eine Erholung der ungarischen Währung deutlichen Widerstand bei 327,00 finden würde.

CZK

EUR CZK  (25,880)
Der Veröffentlichung des tschechischen Bruttoinlandsprodukts am Freitag wird eine relativ geringe Aufmerksamkeit erhalten, insbesondere da das zentraleuropäische Währungspaar deutlich von globalen Geschehnissen dominiert wird. Dabei limitieren die geopolitischen Eskalationsgefahren eine nachhaltige Erholung der Krone, welche sich in Gefahr sieht, ein neues neunmonatiges Tief bei 25,910 zu finden. Dies würde mögliches Potenzial einer weiteren Abwärtsbewegung in Richtung 26,000 deutlich wahrscheinlicher machen als zuvor angenommen. 


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