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Wöchentliche Marktberichte

Aug 09, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Kleines Signal, große Wirkung

USD

EUR USD (1,1190)
Am gestrigen Handelstag haben die Finanzmärkte spürbar Luft geholt, und auch der Dollar-Handel verlief in relativ engen Bahnen. Vermeintliche Ursache: Die People‘s Bank of China hatte gestern ihre Währung gegenüber dem US-Dollar fester als erwartet amtlich fixiert. Vielerorts wurde diese Aktion als Zeichen gewertet, dass sich die Zentralbank darum bemüht, ihre eigene Währung zu stabilisieren. Ob dieses Verhalten dauerhaft sein wird, kann man durchaus bezweifeln. Aber letztlich greifen die Marktteilnehmer gerade in Zeiten eines eskalierten Handelskrieg und wenn Spekulationen über einen drohenden Währungskrieg die Runde machen, nach jedem Indiz, dass solche Szenarien weniger wahrscheinlich aussehen lässt. Dazu gehörten auch die chinesischen Handelsbilanzdaten von gestern.

Jedenfalls fiel die Reaktion an den Finanzmärkten dies- und jenseits des Atlantiks gleich aus. So konnten sich die Aktienkurse etwas erholen, und die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen zog vorübergehend auf 1,79 Prozent an, nachdem sie am Mittwoch noch marginal unter der Marke von 1,6 Prozent gelegen hatte. Und dies hatte natürlich auch Auswirkungen auf die US-Zinsstrukturkurve, bei der die Akteure ganz besonders auf den Renditeabstand zwischen besagten Staatsanleihen und T-Bills mit dreimonatiger Laufzeit blicken. Ist dieser sogenannte Spread aufgrund der (abschnittsweise) invertierten Zinsstrukturkurve negativ, gilt dies als Vorbote einer Rezession in den darauffolgenden 12 bis 24 Monaten. Zumindest zeigt dies eine Studie der Fed von San Francisco aus dem vergangenen Jahr. Danach ist allen neun Rezessionen in den USA während der vergangenen 50 Jahre ein negativer Spread zwischen jenen beiden Fälligkeiten vorausgegangen. Man kann sich vorstellen, dass das Entsetzen groß war, als sich der Abstand zwischen den zehnjährigen Treasuries und den dreimonatigen T-Bills am vergangenen Mittwoch auf -40 Basispunkte vergrößerte. Aber weil sich gestern glücklicherweise die Rendite der zehnjährigen Papiere erholt hatte, schrumpfte der Abstand auf -30 Punkte.

Allerdings wird häufig unterschlagen, dass es in den der Vergangenheit auch Fälle gab, in denen auf eine inverse Zinsstrukturkurve keine Rezession folgte. Außerdem wiesen wir erst gestern darauf hin, dass die große Gefahr einer solchen Betrachtungsweise darin besteht, dass sich die Rezessionsängste in einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale, sozusagen als Self-fulfilling prophecy, niederschlagen können. Mehr Angst bedeutet gleichzeitig Suche nach sicheren Anlagen wie den langlaufenden US-Staatsanleihen, deren Rendite durch die gestiegene Nachfrage abermals sinkt, so dass sich gleichzeitig deren negativer Abstand zu den dreimonatigen T-Bills weiter vergrößert. Nicht umsonst hat der frühere US-Finanzminister und Regierungsberater während der letzten Rezession, Lawrence Summers, gestern darauf hingewiesen, dass das Risiko einer Rezession eigentlich „viel höher als notwendig“ sei.

Auch machte gestern ein Kommentator darauf aufmerksam, dass die globalen Anleihemärkte mit vielfach negativen Renditen, begleitet von einer Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen nahe dem Allzeittief, eventuell zu heiß gelaufen seien. Eine Situation, die möglicherweise mit der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende vergleichbar sei.

Es gibt vermutlich zwei Dinge, die sich Finanzmarktakteure derzeit kaum vorstellen können. Dass es tatsächlich eine Einigung im US-chinesischen Handelskonflikt gibt, was sinkende Anleihekurse und schwindende Rezessionsängste zur Folge hätte. Zum anderen scheint es das Wort „Inflation“ im Vokabular der Akteure nicht mehr zu geben. Möglicherweise wird dieser Begriff auch nicht so schnell wieder auftauchen. Aber sollten die Strafzölle im Handelskrieg und der damit verbundene Protektionismus tatsächlich mittelfristig greifen, hätte dies nach gängiger Definition eine Wirkung: Inflation und letztlich fallende Anleihekurse.

Unterdessen hat sich der Euro gegenüber dem US-Dollar gestern regelrecht eingeigelt und den zweiten Handelstag hintereinander eine noch engere Handelsspanne als am Vortag produziert. Der Euro bleibt in seiner Seitwärtsentwicklung mit Grenzen zwischen 1,1100/05 und 1,1365/70 (1,1410), wobei wir weiterhin die Chance für einen Test der oberen beiden Begrenzungen höher einschätzen. Daran änderten auch die von Matteo Salvini (Lega Nord) gestern Abend geforderten Neuwahlen in Italien nichts.

CHF

EUR CHF (1,0900)
Die Erholung an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks hat nicht zu einer Frankenschwäche geführt. Tatsächlich ist das Währungspaar gegenüber dem Vortag fast unbewegt geblieben. Das Potenzial an der Unterseite reicht für den Euro immer noch bis 1,0850 bzw. 1,0790, aber bereits nach Überschreiten von 1,0985 wäre der kurzfristige Abwärtstrend des Euro gebrochen.

GBP

EUR GBP (0,9225)
Einem Medienbericht zufolge haben zwei Drittel der britischen Exporteure, die für 25 Prozent des Handels mit der EU verantwortlich zeichnen, immer noch keine grundlegenden Schritte unternommen, um sich auf einen Brexit ohne Deal vorzubereiten. Denn im Falle eines sogenannten No-deal-Brexit müssen sich britische Unternehmen, sofern sie mit der EU weiter Handel treiben wollen, als „economic operator“ („zugelassener Wirtschaftsbeteiligter“) registrieren lassen. Immerhin: 70.000 der 240.000 betroffenen Unternehmen haben sich bereits registrieren lassen – sie machen etwa 75 Prozent des britischen Handelsvolumens mit der EU aus. Dies hat allerdings nichts am Aufwärtstrend des Euro gegenüber dem Pfund geändert, dem jedoch allmählich etwas die Luft auszugehen scheint. Dennoch bleibt das Potenzial an der Oberseite bis 0,9325 erhalten. Auf der anderen Seite droht unterhalb von 0,9120 ein Momentum-Verlust, und mit Unterschreiten von 0,9060 wäre der kurzfristige Aufwärtstrend beendet.

PLN

EUR PLN (4,3220)
Der Euro hat gestern gegenüber dem Zloty zwar kaum Fortschritte gemacht, befindet sich aber dennoch auf gutem Weg in Richtung 4,3350. Die Trenduntergrenze bleibt bei 4,2750.

HUF

EUR HUF (324,10)
Obgleich eine Reihe von ökonomischen Daten für Ungarn eigentlich nicht aus dem Rahmen fiel, hat sich der Forint gestern befestigt. Zumindest blieb der Verbraucherpreisindex in der Kernrate im Juli mit einem Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr nur leicht hinter den Erwartungen der Ökonomen zurück. Gleichzeitig schwenkte der bisherige kurzfristige Aufwärtstrend des Euro in eine Seitwärtsbewegung, deren Begrenzungen wir bei 321,50 und 328,80 verorten. Allerdings würde ein Überschreiten von 326,80 die früheren Aufwärtsperspektiven der Gemeinschaftswährung wieder aufleben lassen.

CZK

EUR CZK (25,78)
Wenig gibt es aus Tschechien von gestern zu vermelden, außer dass die Arbeitslosenquote im Juli mit 2,7 Prozent gegenüber dem Vormonat leicht angestiegen ist, aber den Erwartungen der Ökonomen weithin entsprach. Damit bleibt der Euro in guter Verfassung und dürfte sein Aufwärtspotenzial (25,89) beibehalten. An der Unterseite sollte zum Erhalt des Aufwärtstrends 25,61 nicht mehr unterlaufen werden.


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