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Aug 08, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Die Fed ist an allem schuld

USD


EUR USD (1,1210)
„Unser Problem ist nicht China – wir sind stärker als je zuvor“, polterte gestern Donald Trump via Twitter und untermauerte gleichzeitig damit seine Forderung, adressiert an die US-Notenbank, nach größeren und schnelleren Zinssenkungen. Das Problem [der USA] sei eine Fed, die zu stolz sei, ihren Fehler [die Zinsen zuvor zu stark und zu schnell angehoben zu haben] einzugestehen, so der US-Präsident. Allein aus diesem Statement könnte man schließen, dass Trump die Eskalation des US-chinesischen Handelskrieges nur aus einem einzigen Grund begonnen zu haben scheint: Um die Notenbank unter Druck zu setzen.

Deswegen sind die Finanzmärkte auch gestern nicht wirklich zur Ruhe gekommen, obwohl die Aktienkurse dies- und jenseits des Atlantiks keine neuen Tiefpunkte mehr markiert hatten. Allerdings war die Nachfrage nach US-Staatsanleihen ungebrochen, so dass deren Rendite vorübergehend unter 1,6 Prozent rutschte. Gleichzeitig erhöhte sich deren Renditeabstand zu T-Bills mit dreimonatiger Laufzeit auf -40 Stellen. Damit hatte sich die Inversion der Zinsstrukturkurve in diesem Bereich allein im August um 35 Punkte verstärkt.

Bekanntermaßen gilt eine inverse Zinsstrukturkurve, namentlich zwischen US-Staatsanleihen mit 10jähriger und T-Bills mit dreimonatiger Laufzeit, als Vorläufer einer Rezession. Und die große Gefahr dabei ist, dass sich diese Rezessionsängste in einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale niederschlagen. Denn noch mehr Angst bedeutet gleichzeitig Suche nach sicheren Anlagen wie langlaufende US-Staatsanleihen, deren Rendite durch die gestiegene Nachfrage abermals sinkt, so dass sich gleichzeitig deren negativer Abstand zu den dreimonatigen T-Bills weiter vergrößert.

Natürlich haben gestern auch die Fed-Funds-Futures reagiert. Ohnehin zeigt das CME FedWatch-Tool für September eine implizite Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent für eine 0,25-prozentige Zinssenkung der Fed an, während die Wahrscheinlichkeit für einen großen Schritt von 50 Basispunkten gestern zeitweise 32 Prozent erreichte. Noch dramatischer sieht es aus, wenn man die Wahrscheinlichkeit für mindestens drei Zinssenkungen bis zum Jahresende betrachtet: Hatte sie vor einer Woche, im Anschluss an die Sitzung der US-Notenbank, nur 8 Prozent betragen, so ist sie gestern auf knapp 45 Prozent gestiegen.

Die Einschätzung, dass Rezessionsängste möglicherweise übertrieben sind, kann indes nicht für die Eurozone gelten. Insbesondere nicht für Deutschland. Denn die gestern publizierten Zahlen zur Industrieproduktion des Monats Juni blieben mit einem Minus von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr nicht nur deutlich hinter den ohnehin schon negativen Erwartungen der Ökonomen (Medianprognose: -3,1 Prozent) zurück. Auch die Zahl des Vormonats wurde von ursprünglich -3,7 auf -4,4 Prozent herunterrevidiert. Damit wird der Abwärtstrend der jährlichen Veränderungsraten fortgesetzt, und es steht zu befürchten, dass die Wachstumszahlen für Deutschland auch im dritten Quartal dieses Jahres nicht erfreulich ausfallen werden.

Deswegen musste der Euro gestern zeitweise einen kleinen Dämpfer hinnehmen, präsentierte sich allerdings gegenüber dem Dollar zum Ende der europäischen Handelssitzung in fester Verfassung – im Vergleich zum Vortag konnten wir sogar ein kleines Plus notieren. Damit verbleibt der Euro in seiner Seitwärtsentwicklung mit Grenzen zwischen 1,1100/05 und 1,1370 (1,1410), wobei wir weiterhin die Chance für einen Test der oberen beiden Begrenzungen höher einschätzen als für einen Rückschlag zur Untergrenze.

CHF

EUR CHF (1,0940)
Der Franken hatte gestern zunächst noch etwas nachgegeben und den Euro vorübergehend bis auf 1,0960 getrieben. Dieses Niveau darf in der Folge nicht überschritten werden, um das Momentum des Abwärtstrends der Gemeinschaftswährung aufrechtzuerhalten. Dieser reicht an der Unterseite nunmehr bis 1,0850 bzw. 1,0800. Um den kurzfristigen Abwärtstrend zu beenden, müsste auf der anderen Seite 1,1000/05 überwunden werden.

GBP

EUR GBP (0,9215)
Ein Kommentator bezeichnete die Zukunft Großbritanniens gestern als unsicherer denn je. Nicht nur, weil sich Staatsminister Michael Gove darüber beklagte, dass die EU nicht willens sei, neue Brexit-Verhandlungen aufzunehmen. Gegenwind kommt nämlich aus Schottland, wo der Labour-Schattenkanzler des Finanzministeriums, John McDonnell, bei einem Festival in Edinburgh erklärte, seine Partei würde einem zweiten Referendum zur Unabhängigkeit Schottlands nicht im Wege stehen. Dies stünde nicht nur im Gegensatz zur Haltung von Premierminister Boris Johnson, der eine zweite Abstimmung nicht billigen würde. Vorausgesetzt, McDonnell hat tatsächlich die Unterstützung von Labour-Chef Jeremy Corbyn, könnte ein Bündnis zwischen der Arbeiterpartei und der Scottish National Party (SNP) nicht nur die Torys in Schottland entmachten, sondern dort möglicherweise einen sogenannten No-deal-Brexit verhindern. Am Ende des Tages half dies jedoch dem Pfund nicht, so dass der Euro seinen Aufwärtstrend, dessen Potenzial wir bis 0,9325 sehen, fortsetzen konnte. Oberhalb von 0,9110 bleibt der Trend robust und wäre lediglich unterhalb von 0,9025 gefährdet.

HUF

EUR PLN (4,3200)
Der Euro hat sich gestern gegenüber dem Zloty leicht befestigt und befindet sich auf seinem Weg in Richtung 4,3350. Die Trendunterseite liegt nun etwas höher bei 4,2750.

CZK

EUR CZK (25,76)
Dass die Einzelhandelsumsätze in Tschechien im Juni mit einem Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr die Erwartungen der Ökonomen übertroffen haben, half der Krone gestern nicht wirklich. Am Ende des Tages präsentierte sich der Euro in robuster Verfassung und dürfte sein Aufwärtspotenzial (25,89) beibehalten. An der Unterseite sollte zum Erhalt des Aufwärtstrends 25,61 (deutlich höher) nicht mehr unterlaufen werden.


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