Wöchentliche Marktberichte

Aug 07, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Magie der runden Zahlen

USD

EUR USD (1,1215)
Nicht nur Jubiläen und runde Geburtstage gelten als etwas Besonderes. Auch an den Devisenmärkten geht der Glaube an die Zauberkräfte der runden Zahlen um. So sind viele Akteure irrigerweise davon überzeugt, dass die Kurse an diesen Niveaus abprallen und umkehren. Wenn dies in der Vergangenheit tatsächlich geschah, dann war das in erster Linie Zentralbanken zu verdanken, die an solchen Niveaus aktiv wurden und sie manchmal über lange Zeit erfolgreich verteidigten. So gelang es etwa der Schweizerischen Nationalbank (SNB) drei Jahre lang, durch Interventionen zu verhindern, dass der Euro gegenüber dem Franken niedriger als 1,2000 notierte. Vielen Devisenhändlern dürfte aber noch der 15. Januar 2015 in Erinnerung sein, als die SNB die Intervention an diesem Niveau aufgab und der Euro an einem einzigen Handelstag regelrecht kollabierte und zeitweise mehr als 28 Prozent seines Wertes gegenüber dem Franken verlor.

Und nun wurden die Teilnehmer an den Finanzmärkten am Montag in helle Aufregung versetzt, als der chinesische Yuan ebenfalls ein rundes Niveau, die 7,0000er Marke gegenüber dem Dollar, unterschritt. Seit 2008 hatte die chinesische Zentralbank, die People‘s Bank of China (PBOC), dieses Szenario durch geschicktes Währungsmanagement zu verhindern gewusst. Interessanterweise war ausgerechnet die Aufgabe dieses „Managements“ Grund für US-Präsident Donald Trump und dessen Administration, China umgehend offiziell der Währungsmanipulation zu beschuldigen. Dabei hat der Yuan bis heute früh im Vergleich zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag nicht einmal 2 Prozent gegenüber dem Dollar an Wert verloren.

Aber die Verletzung der psychologisch wichtigen 7,0000er Marke wurde von vielen Akteuren als Symbol der Vergeltung im US-chinesischen Handelskrieg gewertet. Nun spricht man vielerorts von einem Währungskrieg und einem Wechsel der Waffengattung in der handelspolitischen Auseinandersetzung zwischen den USA und China.
Aber die PBOC hat Medienberichten zufolge gestern angeblich ausländischen Unternehmen gegenüber durchblicken lassen, dass sie den Yuan nicht signifikant fallen lassen werde. Und sogleich kehrte eine gewisse Erleichterung bei den Händlern ein. Einen Effekt hat das ganze Manöver auf jeden Fall gehabt. Seine Symbolkraft und eine klare Botschaft an die USA: China erwarte von der USA kein Wohlwollen mehr, erklärte der Herausgeber der chinesischen Global Times, Hu Xijin, der als Sprachrohr der chinesischen Regierung gilt. Gleichzeitig ist nun die Überquerung der 7,0000er Marke ausgestanden, und künftigen Kursentwicklungen in Beziehung zum Yuan dürfte – sofern sie nicht hochvolatil verlaufen – weniger Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Von den Mitgliedern des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC), die sich gestern zu Wort meldeten, ist lediglich ein Interview von James Bullard, dem Chef der regionalen Fed von St. Louis, erwähnenswert. Bullard, der vor der vergangenen Sitzung der Fed als erstes FOMC-Mitglied dazu aufgerufen hatte, einen Teil der vier Zinserhöhungen des letzten Jahres rückgängig zu machen, zeigt sich offenbar mit dem derzeitigen Zinsumfeld zufrieden. Aber Bullard machte auch klar, dass die Fed ihre Geldpolitik realistischerweise nicht an einem Handelskrieg mit Gegenschlägen und Retourkutschen ausrichten könne.

Unterdessen konnte der Euro seine Ausgangsbasis vom Vortag gut behaupten und erreichte vorübergehend sogar die Mitte seiner wiederaufgenommenen Seitwärtsentwicklung, deren Grenzen wir zwischen 1,1100/05 (leicht modifiziert) und 1,1370 (1,1410) sehen. Nach wie vor stehen die Chancen für einen Test der oberen beiden Begrenzungen nicht schlecht. Zwar hat US-Präsident Donald Trump Medienberichten zufolge erst unlängst Währungsinterventionen gegen den Dollar ausgeschlossen. Aber sollte es tatsächlich zu einem Abwertungswettlauf kommen, wäre diese Option wahrscheinlich ganz schnell wieder auf dem Tisch.

CHF

EUR CHF (1,0940)
Die starke Schweizerfranken-Nachfrage infolge des eskalierten US-chinesischen Handelskrieges ist gestern wieder etwas abgeebbt, so dass sich der Euro in Richtung 1,0950 erholen konnte. Zwar ist die Unterseite für die Gemeinschaftswährung noch offen bis 1,0840, aber ein erneutes Abgleiten scheint zumindest auf Sicht der kommenden 24 Stunden weniger wahrscheinlich. Auf der anderen Seite kann nun eine kurzfristige Stabilisierung bereits nach Überschreiten von 1,1005 erreicht werden.

GBP

EUR GBP (0,9215)
Dass das Pfund gegenüber dem Euro gestern relativ wenig Eigenbewegung zeigte, mag auch daran gelegen haben, dass die Parlamentsferien in Großbritannien begonnen haben. Aber auch, weil sich die Lage um den Brexit herum nicht verändert hat. Damit blieb es mit rund 0,9245 beim gestrigen Tageshoch und dem höchsten Kurs seit September 2017. Unterdessen besteht das Potenzial des Euro-Aufwärtstrends bis 0,9325 (kein Widerstand) weiterhin. Der Trend präsentiert sich robust, solange sich die Gemeinschaftswährung oberhalb von 0,9110 bewegt, und lediglich ein Unterlaufen von 0,9025 würde den kurzfristigen Aufwärtstrend gefährden.

PLN

EUR PLN (4,3170)
Die gestrige leichte Erholung des Zloty war nicht von langer Dauer, zumal für diese Woche keine wichtigen ökonomischen Daten zur Veröffentlichung anstehen. Damit bleibt der Euro stabil und befindet sich auf seinem Weg in Richtung 4,3350. Unterdessen belassen wir die Trendunterseite bei 4,2740.

HUF

EUR HUF (325,00)
Der im Juni deutlich besser als erwartet ausgefallene Auftragseingang der Industrie in Deutschland hat gestern angeblich zur Befestigung des Forint beigetragen. Zumindest ist eine leichte Stimmungsverbesserung unverkennbar. Obgleich das Potenzial an der Oberseite des kurzfristigen Aufwärtstrends für den Euro noch bis 331,00 reicht, hätte sich diese Perspektive nach Verletzen der Trenduntergrenze bei 324,50 (30 Stellen Mindestdurchstoß erforderlich!) erledigt. Stärkere Abwärtsreaktionen für den Euro wären allerdings erst unterhalb von 322,70 angesagt.

CZK

EUR CZK (25,74)
Fundamentaldaten scheinen derzeit nur wenig Einfluss auf die Entwicklung der Krone zu haben, wenn man bedenkt, dass die Industrieproduktion Tschechiens im Juni mit -3,8 Prozent (ggü. Vj.) deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Dennoch bewegt sich die Krone nach wie vor in relativ ungesichertem Umfeld, so dass der Euro immer noch das Zeug hat, in Richtung 25,89 anzusteigen. Erste Nachfrage bei Rücksetzern erwarten wir nun bei 25,65, während die Trenduntergrenze bei 25,55 verbleibt.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.