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Wöchentliche Marktberichte

Aug 06, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Vergeltungsmaßnahmen

USD

EUR USD (1,1205)
Wenn die Entwicklungen an den Finanzmärkten gestern eines zeigen, dann ist es dies: Viele Akteure waren auf die jüngste Eskalation im Handelskrieg zwischen den USA und China nicht vorbereitet. Und es ist ja noch nicht allzu lange her, dass mancherorts auf die Sorglosigkeit vieler Marktteilnehmer hingewiesen wurde. Denn der Handelskrieg, vor einer Woche eher noch ein Handelskonflikt mit der Chance auf eine Lösung nach langwierigen Verhandlungen, spielte in der Wahrnehmung vieler Marktteilnehmer eine untergeordnete Rolle.

Nun hat China mit Vergeltungsmaßnahmen reagiert. Dabei ist es unerheblich, ob nun die von China den USA versprochenen Käufe von Agrarprodukten wie Sojabohnen oder Weizen von den Staatsbetrieben tatsächlich gänzlich ausgesetzt wurden. Vor allem geht es um deren symbolische Bedeutung. Denn die Sojabohnenkäufe waren von der chinesischen Seite als Zeichen des guten Willens bei der Wiederaufnahme der US-chinesischen Verhandlungen eingebracht worden. Aber kam diese Vergeltungsmaßnahme für die Marktteilnehmer so überraschend? Hat man ernsthaft gedacht, dass China die jüngste Ankündigung einer Ausdehnung der Strafzölle seitens der USA und die Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump einfach so hinnehmen würde? Das Ganze gab es im Mai übrigens schon einmal, als Trump erhöhte Strafzölle ins Spiel brachte.

Nun ist allerdings noch eine neue Dimension der Vergeltung hinzugekommen. Die chinesische Währung, der Yuan, ist gegenüber dem Dollar gestern auf den niedrigsten Stand seit März 2008 gefallen und unterschritt die magische 7.0000er Marke. Nun erfolgte umgehend die Reaktion der Trump-Administration, die China gestern Nacht offiziell der Währungsmanipulation bezichtigte. Aber kann man wirklich von einer Manipulation sprechen? Tatsächlich hatte doch die chinesische Zentralbank – nicht nur als ein Zeichen des guten Willens – eine Abschwächung der eigenen Währung unter die magische 7,0000 durch Interventionen lange Zeit verhindert. Bis jetzt kann man also bestenfalls davon sprechen, dass die People‘s Bank of China ihre Währung den Marktkräften überlassen hat. Aber das Signal ist klar: Auch die chinesische Seite setzt im Handelskrieg nicht mehr auf Deeskalation.

Wie auch immer – die Aktienmärkte haben dies- und jenseits des Atlantiks heftig reagiert, und auch die Zinsstrukturkurve der US-Staatsanleihen zeigt wieder in Richtung Rezession. So ist der Renditeabstand zwischen T-Bills mit Laufzeit von drei Monaten und zehnjährigen US-Staatsanleihen auf den negativsten Stand seit April 2007 gefallen und betrug gestern vorübergehend -34 Basispunkte. Wir erinnern uns: Jeder Rezession der vergangenen 50 Jahre ging eine Inversion dieses Abschnitts der Renditekurve voraus.

Aber auch die Fed-Funds-Futures haben sich deutlich verändert. Das CME FedWatch-Tool berechnete gestern die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung von 25 Basispunkten im September mit rund 74 und die eines großen Schrittes von 50 Basispunkten mit 26 Prozent. Bis zum Jahresende beträgt die Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen in Höhe von 75 Basispunkten nunmehr leicht über 50 – vor einer Woche lag dieser Wert noch bei rund 18 Prozent. Eine Entwicklung, die US-Präsident Donald Trump sicherlich entgegenkommt. Und wenn die Fed tatsächlich derzeit bevorzugt auf die Risiken im Handelskonflikt blickt, wird sie bei einer wahrscheinlichen weiteren Eskalation konsequenterweise beherzt reagieren müssen.

Diese Erkenntnis schlug sich gestern naturgemäß auch im Wechselkurs des Euro nieder, der nun den dritten Handelstag hintereinander von der jüngsten Dollarschwäche profitiert. Dabei ist der kurzfristige Abwärtstrend, dem wir ohnehin kein langes Leben konzedieren wollten, gestern zum Erliegen gekommen. Gleichzeitig ist der Euro in seine frühere Seitwärtsentwicklung zurückgekehrt, die wir zwischen 1,1095/00 und 1,1370 (1,1410) verorten. Und da wir zuletzt eine Fehlentwicklung an der Unterseite („False Break“) vermerken konnten, stehen die Chancen für einen Test der oberen beiden Begrenzungen nicht schlecht.

CHF

EUR CHF (1,0925)
Die Flucht in den Schweizerfranken ging gestern weiter, und dieser erreichte mit Kursen um 1,0865 gegenüber dem Euro ein neues Zweijahreshoch. Die bei der Schweizerischen Nationalbank unterhaltenen Sichteinlagen sind in der Woche zum 2. August noch einmal gestiegen, und zwar um 1,5 Mrd. Franken. Da jene bereits in der Woche davor um 1,7 Mrd. Franken auffällig angewachsen waren, wird dies mancherorts als Indiz für mögliche Interventionen gegen einen Anstieg des Franken gesehen. Allerdings wäre der Effekt moderat geblieben. Das Restpotenzial des Euro-Abwärtstrends reicht zwar noch bis 1,0840, muss aber nicht mehr zwingend ausgeschöpft werden. Bereits mit Überschreiten von 1,0980 ergäbe sich ein Momentum-Verlust, wobei der Stabilitätspunkt mit nunmehr 1,1055 immer noch recht weit entfernt liegt.

GBP

EUR GBP (0,9210)
Auch gestern geriet das Pfund gegenüber dem Euro erneut unter Druck, so dass dieser mit 0,9245 den höchsten Kurs seit September 2017 erreichte. Zwar könnte Premierminister Boris Johnson nach dem Ende der Sommerpause des Parlaments am 3. September ein Misstrauensvotum im Unterhaus möglicherweise nicht überstehen. Aber es ist völlig unklar, wie schnell der Premierminister seinen Platz räumen wird/muss. Eines scheint zumindest festzustehen: Sollte es zu Neuwahlen kommen, würden diese erst nach dem 31. Oktober, dem Tag, an dem Großbritannien (Stand heute) die EU verlassen wird, stattfinden können. Per Saldo bleibt das Potenzial des Euro-Aufwärtstrends in Richtung 0,9325 erhalten. Solange sich die Gemeinschaftswährung oberhalb von 0,9095 bewegt, bleibt der Trend stark. Um diesen zu gefährden, müsste nämlich 0,9015 unterlaufen werden.

PLN

EUR PLN (4,3150)
Der Euro konnte sich gestern gegenüber dem Zloty etwas befestigen und bleibt auf seinem Weg in Richtung 4,3350. Die Trendunterseite liegt mittlerweile bei 4,2740, wobei bei 4,2920 mit stärkerer Nachfrage zu rechnen ist.

HUF

EUR HUF (326,80)
Der Aufwärtstrend des Euro gegenüber dem Forint bleibt trotz der gestrigen leichten Korrektur stabil, wobei das Potenzial an der Oberseite bis 331,00 reicht. Die untere Begrenzung des kurzfristigen Trends sehen wir nach wie vor bei 324,50 – ein Unterschreiten dieses Niveaus würde zu größeren Abwärtsreaktionen führen.

CZK

EUR CZK (25,80)
Die Eskalation im Handelskrieg zwischen den USA und China hat zu einer weiteren, aber kleinen Abwertung der Krone geführt. Dennoch bleibt die Position des Euro unangefochten, der das Potenzial hat, in Richtung 25,89 anzusteigen. Erste Nachfrage bei Rücksetzern erwarten wir nach wie vor bei 25,63, während die Trenduntergrenze immer noch bei 25,55 zu sehen ist.


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