Wöchentliche Marktberichte

Aug 02, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Euro stark belastet

USD

EUR USD (1,1070)
Auch einen Tag nach der US-amerikanischen Zinsentscheidung verarbeiten Märkte die dadurch entstandenen Implikationen. Dabei scheinen die Kommentare des Präsidenten der Notenbank für Verwirrung gesorgt zu haben, nachdem der Zentralbanker eine „nachhaltige Lockerungsperiode“ verneint, weitere Zinssenkungen für das Jahr jedoch nicht ausschließt. Somit bleibt der endgültige US-amerikanische Leitzins bis zum Ende des Jahres von der Datenlage abhängig, wobei die Bereitschaft einer Lockerung weiterhin gegeben ist, jedoch nicht zum Vorschein treten könnte, solange sich die Wirtschaft in einer deutlichen Expansion befindet. Investoren sahen dies als Zeichen einer möglichen Zinssenkung gegen Ende des Jahres, wobei erwartet wird, dass sich die Europäische Zentralbank aggressiver in Ihren Expansionswünschen zeigt und schon im September eine Veränderung des Zinsniveaus durchführt. Diese Annahme basiert auf zuletzt enttäuschenden Wirtschaftsdaten für die Eurozone und weiterhin sinkenden Inflationserwartungen, welche die EZB womöglich zu einer Zinsintervention zwingen könnten. Blickt man auf den gestrigen Tag, konnte sich der Euro am Abend noch mal von seinem Tief hochkämpfen, nachdem eine Ankündigung neuer US-Zölle auf chinesische Ware, den US-Dollar auf breiter Front geschwächt hatte. Dabei soll Ware im Wert von $300 Milliarden Dollar ab dem ersten September mit 10 Prozent verzollt werden. Gefolgt wurden die per Tweet verkündeten Zölle mit einer Bestätigung, dass weiterhin auf ein Handelsabkommen hin gearbeitet wird und das man sich auf einem guten Weg befinde. Somit lässt Donald Trump Marktteilnehmer verunsichert in den neuen Tag starten, welche sich fragen, wie wahrscheinlich eine Eskalation des Handelsstreits wirklich ist.

Ob der EURUSD die Woche an seinem 26-monatigen Tief beendet, wird deutlich von den heutigen Datenveröffentlichungen abhängen, welche den Abwärtsdruck wieder leicht lindern könnten. Aufseiten der Eurozone wendet sich die Aufmerksamkeit zu den Einzelhandelsumsätzen, welche sich auf Monatsbasis leicht verbessert haben können. Für die US-amerikanische Wirtschaft steht der Arbeitsmarktbericht (Non-Farm Payrolls) im Vordergrund, welcher zuletzt ein stabiles Jobwachstum von 224 Tausend verzeichnen konnte.

Weitere Verluste mit Potenzial bis 1,0835 müssten erst die Unterstützungen bei 1,1000 und 1,0950 unterlaufen, wobei an der Oberseite, 1,1150 Erholungsversuche bis 1,1230 (1D-50 Moving Average) verhindert.

CHF

EUR CHF (1,0950)
Nun durchbricht der EURCHF zum zweiten Mal innerhalb eines Monats die wichtige Unterstützung bei 1,1000 und erreicht aufgrund des gedämpften Risikosentiments ein neues 22-monatiges Tief. Obwohl die Veröffentlichung des KOF Leitindikators für die Schweizer Wirtschaft weitgehend ignoriert wurde, konnte sich dieser von seinem im Februar gesetzten vierjährigen Tief weiter erholen und lässt auf erste positive Signale aus der heimischen Ökonomie deuten.
Die absoluten Impulsgeber des gestrigen Tages waren jedoch die Tweets des US-Präsidenten Donald Trump, welcher für eine negative Schockwelle in den Finanzmärkten sorgte und die Nachfrage nach sicheren Anlagen in die Höhe schießen ließ.

Wie weit der Franken aufwerten kann, bis die schweizerische Notenbank nachhaltig anfängt diesen zu schwächen, bleibt weiterhin offen. Unmittelbarer Abwärtsdruck bleibt für den EURCHF bestehen, solange sich dieser unterhalb des Niveaus 1,1050 befindet.

GBP

EUR GBP (0,9150)
Die vor zwei Wochen veröffentlichten Studienergebnisse der Ratingagentur Moodys, welche Großbritannien bei einem No-Deal Szenario in einer Rezession sehen, wurden von den Markteilnehmern nicht besonders gut aufgenommen. Diese Befürchtung bekommt nun mit den eigenen Prognosen der Bank of England eine weitere Bestätigung, welche eine 33-prozentige Chance einer Rezession im nächsten Jahr sieht. Dies stellt die größte Rezessionswahrscheinlichkeit seit Anbeginn des Brexits im August 2016 dar und deutet darauf hin, dass sich erste Anzeichen einer Wirtschaftsverlangsamung breit machen. Am stärksten davon betroffen scheint das verarbeitende Gewerbe zu sein, welches sich laut Einkaufsmanagerindizes auf dem geringsten Niveau seit Februar 2013 befindet.
Die Verlangsamung der britischen Wirtschaft und die Unsicherheiten bezüglich des Brexits wurden von der Bank of England als Begründung genannt, wieso das Zinsniveau bei dem gestrigen Treffen nicht erhöht wurde. Dabei verzichten die Währungshüter auf Ihren Plan, die Zinsen langsam aber nachhaltig zu erhöhen, da die Ungewissheit bezüglich dem Austritt Großbritanniens jegliche langfristige Planung erschwert.

Trotz der nach der Zinsentscheidung veröffentlichten Wirtschaftsprognosen, welche auf einen schlechteren Wirtschaftsausblick weisen lassen, konnte sich das Pfund leicht stärken. Ein unterlaufen des Niveaus 0,9100 könnte zu Bewegungen bis 0,8950 führen, wobei die Tendenz zur kurzfristigen Schwäche weiterhin bestehen bleibt.

PLN

EUR PLN (4,3080)
Die seit zwei Wochen anhaltende Schwäche in der Region schien sich mit der US-Zinsentscheidung eine kleine Verschnaufpause gegönnt zu haben. Lange hielt das positive Sentiment jedoch nicht an, da die Sorgen der Investoren nicht von den gestrigen Wirtschaftsdaten gestillt werden konnten. Dabei sinkt der polnische Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe mit einem Wert von 47,4 weiter in den negativen Bereich und verdeutlicht die industrielle Verlangsamung in der Region. Mit dem dritten monatlichen Verlust des verarbeitenden Gewerbes befindet sich der Indikator auf dem geringsten Niveau seit mindestens September 2016 und überschattet die sonst so stabile heimische Konsumnachfrage Polens.

Die gestrige Abwertung des polnischen Zloty nahm gegen Ende des Tages noch mal deutlich an Fahrt zu, nachdem Donald Trump neue Zölle auf chinesische Waren im Wert von $300 Milliarden Dollar angekündigt hatte. Die dadurch verunsicherten Investoren ließen den Verkaufsdruck gegenüber dem Zloty deutlich zunehmen, was die Währung auf ein 10-monatiges Tief fallen ließ. Nun könnte sich Potenzial bis 4,3300 entfalten, wenn es zu einem Durchstoßen des Niveaus bei 4,3200 kommt.

HUF

EUR HUF (326,54)
Auch das sonst so stabile ungarische verarbeitende Gewerbe scheint von der regionalen Schwäche betroffen zu sein, wenn auch nicht so stark wie in den Nachbarländern. Der Einkaufsmanagerindex fällt auf einen Wert von 51,4 und nähert sich somit langsam der 50er Marke zu, welche die Expansion von der Kontraktion trennt. Verstärkt wurde die gestrige Abwertung durch das ausgelöste „Risk-off“ Sentiment, welches nach den Tweets vom US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump entstanden war.

Somit befindet sich der Forint kurz- als auch mittelfristig weiterhin in seinem Abwärtstrend und verweilt in Nähe des 10-monatigen Hochs. Nachhaltige Erholungsversuche würden erst bei einem Niveau unterhalb 324,00 signalisiert werden.

CZK

EUR CZK (25,790)
Große Überraschungen blieben bei dem gestrigen Treffen der tschechischen Währungshüter (CNB) aus. Gefolgt wurde die allgemein erwartete Entscheidung, das Zinsniveau bei 2,00 Prozent zu belassen, von einer Bestätigung der neutralen „Forward-Guidance“. Obwohl die CNB den Zinssatz seit 2017 achtmal erhöht hatte, scheint der Expansionswunsch der europäischen und US-amerikanischen Notenbank deutlich in die eigene Zinsentscheidung eingeflossen zu sein. Entscheidet sich die tschechische Notenbank zu einer weiteren Erhöhung des Zinsniveaus, könnte dies zu einem unerwarteten Kapitaleinfluss führen, welcher Spekulationen antreiben und die Erholung der Industriebranche gefährden würde. Die gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe machten noch mal deutlich, wie eingeengt der Handelsspielraum der CNB momentan ist. Der Indikator fällt auf ein zehnjähriges Tief, getrieben durch einen drastischen Fall in den Neuaufträgen und stellt den größten monatlichen Verfall seit 2010 dar.

Somit bleibt der Balanceakt der Zentralbank, die negativen Risiken und das erhöhte Inflationsniveau zu steuern, weiterhin aufrechterhalten und lässt die Unsicherheit bestehen. Die gestrige Schwäche der Krone ließ das zentraleuropäische Währungspaar (EURCZK) noch mal deutlich an Fahrt gewinnen, welches ein neues einmonatiges Hoch erreicht. Weitere Aufwärtsbewegungen mit Potenzial bis 25,820 können nicht ausgeschlossen werden und bleiben von der heutigen Datenlage abhängig. An der Unterseite verhindert 25,680, dass sich Druck in Richtung 25,600 ausbreitet.


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