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Wöchentliche Marktberichte

Jul 29, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Dominanz der Geldpolitik

USD

EUR USD (1,1125)
Auch ohne große Überraschungen bei der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank letzten Donnerstag, scheint das Treffen der Währungshüter für Aufsehen gesorgt zu haben. Dies lag an der leichten Modifizierung der „Forward-Guidance“ für das Jahr 2020, welche alle Türen für eine Zinssenkung und weitere Expansionspakete wie eine Weiterführung des Quantitative Easings (Anleihenkaufprogram) geöffnet hatte. Dass die europäischen Währungshüter das Inflationsziel von „nahe, aber knapp unter 2 Prozent“ nun zum ersten Mal in der Geschichte der Institution hinterfragen, spricht ebenfalls für stärkere Stimuluspakete, welche der EZB ermöglichen würden, das Teuerrungsniveau auch mal zu überschießen. Nun rückt die US-amerikanische Notenbank wieder in den Vordergrund, welche sich am Mittwoch zusammen setzen wird, um über eine Änderung des Zinsniveaus nachzudenken. Geldmärkte preisen eine 100-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Lockerung der Zinsen ein, wobei die meisten Marktteilnehmer von einer Senkung im Wert von 25 Basispunkten ausgehen. An dieser Annahme änderte auch die Veröffentlichung des US-Bruttoinlandproduktes am Freitag nichts, welches ein Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent im zweiten Quartal (auf Jahresbasis) verzeichnen konnte.

Mit dieser Woche rücken die Handelsgespräche wieder in den Vordergrund, wobei US-Handelsbeauftragter Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin am Dienstag nach Shanghai reisen, um die Gespräche fortzuführen. Neben der US-Zinsentscheidung stehen weiterhin hoch relevante Datenveröffentlichungen auf dem Wirtschaftskalender. Die wichtigsten Daten für die US-Wirtschaft sind die am Dienstag veröffentlichten Inflationsdaten und Einkaufsmanagerindizes am Donnerstag. Den Abschluss macht der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag, welcher aufgrund seiner Bekanntgabe nach der Zinsentscheidung wahrscheinlich zu geringeren Volatilitätssprüngen führen könnte, als normalerweise zu erwarten ist. Aufseiten der europäischen Wirtschaft steht Deutschland mit der Veröffentlichung der Verbraucherpreise und des Konsumentenvertrauens im Zentrum, wobei das europäische Bruttoinlandsprodukt den Höhepunkt am Mittwoch darstellen wird.

Diese Woche hält somit das Potenzial inne, den EURUSD nachhaltig auf einen neuen Weg zu setzen. Eine besser als erwartete US-Datenlage könnte den US-Dollar weiter in seiner Aufwärtsbewegung bestätigen. Das Potenzial zur Stärke bleibt jedoch durch die wahrscheinliche Zinssenkung limitiert und könnte den EURUSD wieder von seinem neuen Jahrestief 1,1108 entfernen lassen. Erste Barrieren einer Erholung stellen die Niveaus 1,1220-1,1280 dar, wobei nachhaltige Bewegungen erst nach einem Durchbruch des Widerstandes 1,1400 signalisiert werden könnten. Deutet die FED auf keine weiteren Zinssenkungen für das Jahr 2019, könnte sich der Euro trotz einer US-Zinssenkung am Mittwoch minimal schwächen, da Marktteilnehmer von einer Lockerung der Zinsen der EZB im September ausgehen.

CHF

EUR CHF (1,1050)
Das zentraleuropäische Währungspaar konnte sich am Donnerstag und Freitag von seinem zweijährigen Tief erholen, nachdem die Europäische Zentralbank den Zinssatz konstant gehalten hatte. Obwohl die EZB damit die Tür für eine Zinssenkung im September geöffnet hat, schienen einige Investoren eine Lockerung schon für den Juli vorbestimmt, was den Euro stärker abwerten ließ, als gerechtfertigt wäre.

Für diese Woche wird die US-amerikanische Zinsentscheidung das marktdominierende Ereignis darstellen, wobei die Aufmerksamkeit ebenfalls auf eine Reihe Schweizer Daten fallen wird. Der am Dienstag veröffentlichte KOF Leitindikator wird den Anfang machen, welcher sich derzeit auf dem geringsten Niveau seit April 2015 befindet. Gefolgt wird dieser von dem Einkaufsmanagerindex (Donnerstag). Obwohl sich der Indikator, welcher die Gesundheit des verarbeitenden Gewerbes abbildet, auf einem knapp siebenjährigen Tief befindet, scheint die Nachfrage nach dem Franken in den letzten Wochen in die Höhe geschossen zu sein.

Somit besitzen die heimischen Daten zwar das kurzfristige Potenzial den Wechselkurs zu bewegen, die nachhaltige Richtung bleibt jedoch vom globalen Sentiment gesteuert. Erst mit dem Durchstoßen des Niveaus bei 1,1280 (50-1D Moving Average), könnten neue Aufwärtsimpulse des EURCHF gesetzt werden, wobei die Gefahr eines weiteren Durchbruchs von 1,1000 bestehen bleibt.

GBP

EUR GBP (0,9000)
Das britische Pfund schwächte sich am Freitag wieder leicht ab, nachdem der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, dem neuen britischen Premierminister versicherte, dass das derzeitige Austrittsabkommen das bestmögliche sei. Somit schließt Juncker eine von Boris Johnson geforderte Neuverhandlung aus und stellt die beiden auf Konfrontationskurs. Sorgen um ein No-Deal Brexit bleiben somit weiterhin bestehen und limitieren jegliche Erholungsversuche der britischen Währung. Nichtsdestotrotz rückt mit der britischen Zinsentscheidung am Donnerstag die Wirtschaft wieder in den Vordergrund. Marktteilnehmer gehen von einem Beibehalten des Zinsniveaus aus, wobei der Fokus auf der Beurteilung der zuletzt gesehenen Verlangsamung der britischen Wirtschaft liegen wird.

Kommt es zu überraschenden Ergebnissen in der Datenlage oder der Zinsentscheidung, könnte sich das Währungspaar aus der Bewegungsspanne zwischen 0,8920 und 0,9050 lösen, wobei die Schwäche-Tendenz des Pfunds weiterhin aufrechterhalten bleibt.

PLN

EUR PLN (4,2720)
Die breit angelegte Schwäche in der Region gegen Ende der letzten Woche ließ zentraleuropäische Währungen abwerten und konnte dem Euro vorerst eine leichte Verschnaufpause gönnen. Die am Donnerstag stattgefundene Zinsentscheidung öffnete die Tür für weitere Stimuluspakete der EZB und schwächte den Euro zuerst leicht ab. Gesamtheitlich konnte sich die Gemeinschaftswährung jedoch stärken, nachdem Mario Draghis Kommentare über die geringe Wahrscheinlichkeit einer europäischen Rezession, den verlorenen Optimismus wieder leicht beleben konnte. Das wichtigste Ereignis dieser Woche stellt für die Region die Zinsentscheidung der US-amerikanischen Zentralbank dar, wobei die polnischen Inflationsdaten ebenfalls deutliche Aufmerksamkeit genießen werden. Der Verbraucherpreisindex Polens konnte mit einem 1,9-prozentigen Wachstum in den ersten sechs Monaten des Jahres, den größten Anstieg aller EU-Länder verzeichnen. Ob sich dieser inflationäre Druck leicht abschwächen konnte, wird diese Woche ersichtlich.

Die neuerliche Aufwertung des EURPLN über 4,2700 könnte den Weg weiterer Bewegungen in Richtung 4,2900 ebnen, wobei mehrheitlich davon ausgegangen wird, das die Zinssenkung der FED am Mittwoch die regionalen Währungen ein wenig in Ihrer eigentlichen Aufwärtsbewegung stärken könnte.

CZK

EUR CZK (25,570)
Inmitten der Anspannungen bezüglich der Zinsentscheidung der US-amerikanischen Zentralbank, warten regionale Investoren ebenfalls auf das Treffen der tschechischen Währungshüter (CNB) am selben Tag. Der Vize-Präsident der CNB äußerte sich in Bezug auf die beiden Treffen mit einer eher straffen Haltung. Dabei wäre eine Zinsstabilität bei dem derzeitigen Niveau von 2,0 Prozent das wahrscheinlichste Szenario, welches nicht durch die Pläne einer lockeren Geldpolitik in den USA und der Eurozone beeinflusst werden würde. Die expansiven Wünsche der FED müssen sich keines Wegs in einer tschechischen Zinssenkung bemerkbar machen.

Die allgemein anerkannte straffere Haltung der tschechischen Währungshüter könnte der Krone nachhaltige Vorteile gegenüber dem Euro verschaffen, wobei dies aufgrund der risikoreicheren Natur der regionalen Währungen weiterhin von den globalen Handelsbeziehungen abhängen wird. Diese könnten größere Aufwertungungen bei einer Re-eskalation und einem Auftreten eines Risk-off Sentiments verhindern.

HUF

EUR HUF (326,90)
Die Ankündigung einer ultralockeren Geldpolitik seitens der europäischen Währungshüter müsste der ungarischen Zentralbank gerade richtig gekommen sein. Diese versucht der ungarischen Wirtschaft mit dem geringsten Zinsniveau der Region einen deutlichen Vorteil gegenüber den anderen EU-Mitgliedsländern zu verschaffen. Eine Weiterführung der Expansion der EZB würde den Druck auf die MNB verringern, selber die Zinsen zu erhöhen. Bisher galt die Wirtschaft Ungarns als relativ resistent gegenüber den neuesten Erscheinungen einer Verlangsamung der europäischen Gemeinschaftsökonomie. Umso wichtiger scheint somit diese Woche zu werden, in welcher eine Fülle neuer Veröffentlichungen über die ungarische Wirtschaft anstehen. Den Anfang machen die am Dienstag veröffentlichten Löhne, welche ein derzeitiges (jährliches) Wachstum von 9,0 Prozent vermerken. Diese werden am Mittwoch mit der Veröffentlichung der Verbraucherpreise gefolgt, welche zeigen könnten, ob sich der Inflationsdruck leicht legen konnte. Den Abschluss machen der Einkaufsmanagerindex (Donnerstag) und die Einzelhandelsumsätze am Freitag, welche den Forint kurzfristig prägen könnten.

Zeigen die heimischen Daten nämlich auf eine stabile Wirtschaftslage, könnte dies gekoppelt mit einer möglichen Zinssenkung der FED zu einer Erholung des Forint führen, welcher sich derzeit auf einem zweimonatigen Tief befindet. Enttäuschen die Wirtschaftsdaten, könnte die Abwertung weiter in Richtung des zehnmonatigen Tiefs bei 327,50 fortgesetzt werden.


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