Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Jul 26, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Volatilitätssprung

USD

EUR USD (1,1145)
Es scheint, als hätten sich einige Marktteilnehmer von der gestrigen Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Zinssatz bei seinem derzeitigen Niveau von 0,4 Prozent zu lassen, überrascht gezeigt. Obwohl die allgemeine Markterwartung ganz klar ein konstantes Zinsniveau antizipierte, überschätzten einige Investoren im Vorhinein die Wahrscheinlichkeiten einer Zinssenkung, was zur gestrigen leichten Stärke des Euro führte. Neue Einblicke in die Lagenbeurteilung der Europäischen Zentralbank gab es mit der nach der Zinsentscheidung angesetzten Pressekonferenz. In dieser zeigte Mario Draghi einen Funken Hoffnung, nachdem er die Wahrscheinlichkeiten einer Rezession in Europa als sehr gering eingeschätzt hatte. Die langfristige negative Tendenz bleibt jedoch weiterhin erhalten, was dazu geführt hatte, dass die EZB Ihre „Forward-Guidance“ nochmal nach unten schraubte. Diese sieht den Zinssatz nun nicht mehr bis 2020 unverändert, sondern lässt durch eine Änderung der Wortwahl auf eine Zinssenkung im September deuten. Dieses Szenario preisen Märkte nach dem gestrigen Treffen nun mit einer Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent ein, wird jedoch deutlich von der Zinsentscheidung der US-amerikanischen Notenbank, welche sich nächste Woche treffen wird, abhängen. Zu starke Aufwärtsbewegung konnte der Euro jedoch nicht verzeichnen, insbesondere da Sentiment Indikatoren dieser Woche ein graues Bild skizzieren. Die deutschen Einkaufsmanagerindizes, am Mittwoch veröffentlicht, befinden sich für die deutsche Wirtschaft weiterhin im negativen Bereich. Dass Draghis positive Worte die Sorgen der Investoren nicht allzu stark lindern konnten, lag auch an den im Vorfeld veröffentlichten Ifo Umfragen zur deutschen Konjunktur, welche das Geschäftsklima auf den tiefsten Stand seit 2013 setzten.

Mit dem heutigen Tag wenden sich Marktteilnehmer wieder der US-amerikanischen Wirtschaft zu. Dabei stellt die Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts den Höhepunkt der Woche dar, welches aufzeigen könnte, wie ernsthaft die FED über eine Zinssenkung im Wert von 50 Basispunkten nachdenken müsste. Ein besser als erwartetes Ergebnis (Wachstum über zwei Prozent) könnte den EURUSD wieder in Richtung des gestern neu gesetzten zweijährigen Tiefs bei 1,1101 fallen lassen, wobei an der Oberseite 1,1180 die erste Barriere einer Erholung definiert.

GBP

EUR GBP (0,8955)
Seit knapp einer Woche versucht sich das Pfund wieder hoch zu kämpfen. Dabei verzeichnete die britische Währung in den letzten zehn Tagen eine Aufwertung im Wert 1,3 Prozent, gestärkt durch fehlende negative Überraschungen bei der Wahl Boris Johnsons als Premierminister. Dieser scheint gestern sein Regierungskabinett komplett gefüllt zu haben, welches mit mehr oder weniger Brexit-freudigem Personal besetzt wurde und das Versprechen, Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union austreten zu lassen, wieder glaubwürdiger macht.

Trotz der einwöchigen Erholung des britischen Pfunds weist das Sentiment gegenüber der Währung eine negative Tendenz auf, wobei nachhaltiges Potenzial zu weiteren Abwärtsbewegungen besteht. Ein Austrittsabkommen vor dem 31. Oktober würde die Situation deutlich zugunsten des Pfunds verlagern und eine mittelfristige Rally mit Potenzial bis 0,8800 – 0,8600 starten.

CHF

EUR CHF (1,1040)
Die gestrige Abwertung des Schweizer Franken scheint die Annahme zu bestätigen, dass gewisse Marktteilnehmer eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank zu früh antizipiert haben. Obwohl sich nämlich nichts an der allgemein pessimistischen Tendenz der Währungshüter verändert hatte, scheint der vorerst konstante Zinssatz dem Euro eine kurzfristige Erholungen zu gönnen. Zumindest aus einer kurzen Sichtweise scheint die neuerliche Aufwertung des Schweizer Franken, welcher mehr als 3,5 Prozent in den letzten drei Monaten zulegen konnte, übertriebene Maße erreicht zu haben. Dies wurde ebenfalls mit der gestrigen Franken-Schwäche deutlich, welche sich in der größten täglichen Abwertung seit dem 19. Februar 2019 bemerkbar machte. Längerfristig wird die europäische Gemeinschaftswährung jedoch weiterhin von einer nun zu 100 Prozent eingepreisten Zinssenkung im September und dem allgemeinen „Risk-off“ Sentiment limitiert. Wie sehr der Franken nun von dem globalen Lockerungsumfeld profitieren kann, bleibt weiterhin offen, insbesondere da die laut Geldmärkten impliziten Wahrscheinlichkeiten einer Zinssenkung der SNB im Dezember, bei 80 Prozent angesetzt sind. Somit könnten Spekulationen über eine weitere Senkung der schon niedrigsten Zinsen der entwickelten Welt, potenzielle Aufwertung des Franken abkühlen.

PLN

EUR PLN (4,2570)
Die mit Anspannung erwartete Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank sorgte aufgrund fehlender Überraschungen für wenig Unruhe in den Märkten. Ganz anders sah es jedoch bei der späteren Pressekonferenz aus, in welcher Mario Draghi die derzeitigen Probleme anerkennt, sich jedoch ein wenig optimistischer gibt als von einigen Marktteilnehmern erwartet. Diese willkommene Abwechslung lässt zentraleuropäische Währung wieder leicht abwerten, wobei der Zloty ein einwöchiges Tief erreicht.

An der allgemein negativen Tendenz änderte sich jedoch nichts, weshalb Investoren weiterhin von einer Zinssenkung im September ausgehen. Diese Annahme konnte durch die Wortwahl des EZB-Präsidenten sogar noch mal gestärkt werden und könnte über ein erhöhtes Zinsdifferenzial zu einer Stärkung der polnischen Währung führen. Ob sich der EURPLN aus der seit Juli anhaltenden Bewegungsspanne zwischen 4,2400 und 4,2700 lösen kann, hängt kurzfristig von der US-amerikanischen Zinsentscheidung nächste Woche ab.

HUF

EUR HUF  (326,60)
Obwohl die europäischen Währungshüter wie erwartet nicht am negativen Zinssatz herumgeschraubt haben, sehen sich Marktteilnehmer in Ihrer Erwartung einer Zinssenkung im September bestätigt. Koppelt man diese Tatsache mit der derzeit neutralen ungarischen Notenbank, welche ihre „wait and see“ Haltung weiter verfolgt, besteht die Möglichkeit einer leichten Erholung des Forints. Die Währung wird volkswirtschaftlich durch einen leicht abnehmenden Inflationswachstum und einer positiven Handelsbilanz gestärkt, wobei kurzfristig die Zinsentscheidung der FED die Rolle des dominierenden Wechselkurstreibers übernehmen wird.

Gesamtheitlich gesehen, schneidet der Euro gestern besser ab als im Vorhinein gedacht, wobei die Kraft voraussichtlich nicht reichen wird, um die Barriere bei 327,50 (Hoch 29. Mai) zu durchstoßen. Abwärtsbewegungen mit Potenzial bis 323,00 könnten bei 324,20 (50-1D Moving Average) gestoppt werden.

CZK

EUR CZK  (25,520)
Die tschechische Krone sah sich von der gestrigen regionalen Schwäche nicht verschont und wertet auf ein einwöchiges Tief ab. Abgesehen von den Neuigkeiten, dass alle sieben Zentralbankmitglieder bei der nächsten tschechischen Zinsentscheidung am 1. August anwesend sein werden, gab es keine großen Neuigkeiten. Marktteilnehmer gehen trotz des kürzlichen Stimmungswechsels der europäischen- und US-amerikanischen Zentralbanken davon aus, dass die tschechischen Währungshüter nichts am derzeitigen Zinsniveau (2 Prozent), welches sich auf einem zehnjährigen Hoch befindet, ändern werden.

Die allgemein enttäuschende europäische Datenlage könnte weiteres Aufwärtspotenzial des EURCZK verhindern und zu Bewegungen in Richtung 25,480 führen. An der Oberseite würde ein Durchstoßen des Niveaus 25,610 Tendenzen in Richtung 25,710 aufzeigen.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.