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Wöchentliche Marktberichte

Jul 25, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wie reagiert die EZB?

USD

EUR USD (1,1135)
Mit der heutigen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank findet die Woche einen absoluten Höhepunkt und könnte zeigen, wie stark sich die Währungshüter von der zuletzt schlechten Datenlage beeinflussen lassen werden. Obwohl Marktteilnehmer weiterhin von keiner Zinsveränderung bei dem heutigen Treffen ausgehen, scheinen sich die Anzeichen bezüglich einer Verlangsamung der europäischen Wirtschaft anzuhäufen und lassen auf eine Lockerung der Zinsen in diesem Jahr schließen. Das Szenario einer Zinssenkung im September wird dabei von Geldmärkten zu 100-Prozent eingepreist, wird jedoch stark von der heutigen Entscheidung und der Wortwahl Mario Draghis abhängen.

Nicht nur die erwartete Änderung der „Forward-Guidance“, also die Änderung des zukünftigen Zinsausblicks lässt den Druck gegenüber der Gemeinschaftswährung steigen. Der Euro geht im Vorhinein schon geschwächt in das heutige EZB-Treffen, nachdem die gestrigen Einkaufsmanagerindizes auf ganzer Front enttäuschten und auf fehlende Erholung der Wirtschaft deuten lassen. Der Indikator, welcher die Gesundheit des europäischen verarbeitenden Gewerbes widerspiegelt, sinkt mit einem Wert von 46,4 auf das geringste Niveau seit mehr als sechs Jahren. Verschlimmert wird das Bild durch den Fall des gleichen Indikators für Deutschland, welcher sich sogar auf einem siebenjährigen Tief befindet und die deutlichen Folgen des Handelskriegs und der globalen Verlangsamung in China zu spüren bekommt. Infolgedessen warten Marktteilnehmer nun gespannt auf die vor der Zinsentscheidung veröffentlichte Ifo Umfrage zur deutschen Konjunktur, welche bei einem ebenfalls negativen Ergebnis nochmal zu deutlichen Volatilitätsschwüngen führen könnte.

Auch mit der vierten täglichen Abwertung infolge, scheint der Abwärtsdruck nicht an Kraft zu verlieren, wobei das Szenario eines Durchbruchs unter das Jahrestief 1,1110 immer wahrscheinlicher wird. Dies wird kurzfristig alleine in den Händen der Europäischen Zentralbank liegen, wobei die US-amerikanische Zinsentscheidung nächste Woche, weiteren Aufschluss über die globale geldpolitische Haltung geben wird.

CHF

EUR CHF (1,0970)
Wie auch in den letzten Tagen, scheint der Schweizer Franken den größten Nutzen aus der neuerlichen Euro-Schwäche zu ziehen. Mit dem erhöhten Pessimismus der Investoren bezüglich der momentanen Lage der europäischen Wirtschaft und breit angelegten Erwartungen einer Zinssenkung der EZB und FED noch vor Ende des Jahres, scheint der Franken als Zufluchtsort wieder interessanter zu werden. Da in der nahen Zukunft von keiner Verbesserung des globalen Wirtschaftsausblicks zu rechnen ist und sich die Währungshüter mit Ihrem angekündigten Richtungswechsel zu einer  Lockerung der Zinsen verleitet lassen haben, bleiben die Schweizer Währungshüter (SNB) die einzige Barriere weiterer Aufwertungen des Franken.

Somit werden heutige Wechselkursbewegungen von der Zinsentscheidung und der Tonation Mario Draghis abhängen, wobei mittelfristig die Frage in den Mittelpunkt rückt, ab welchem Niveau sich die SNB zu einer Intervention bereit erklären wird. Der EURCHF verzeichnet am gestrigen Tag die fünfte Abwertung infolge und rückt weiter unter die kürzlich durchbrochene Unterstützung bei 1,1000.

GBP

EUR GBP (0,8920)
Das Pfund verzeichnete erste Erholungsversuche, nachdem der leicht aufgekommene Optimismus bezüglich eines Abkommens zwischen Großbritannien und der Europäischen Union Aufwärtspotenzial entfalten konnte. Gekoppelt mit dem enttäuschenden Datenfluss aus der Eurozone, schien sich der Verkaufsdruck gegenüber dem Euro so stark aufzubauen, dass dieser ein neues einmonatiges Tief gegenüber der britischen Währung fand. Ohne wirkliche Neuveröffentlichungen bezüglich der Wirtschaft Großbritanniens oder einer Neueinschätzung der britischen Zentralbank, scheint die gestrige Schwäche des Währungspaares vielmehr durch einen labilen Euro ausgelöst worden zu sein und nicht durch eine neu gefundene Stärke des Sterlings. Trotzdem muss man sich vor Augen halten, dass die neuerlichen Verluste des Pfunds, welche in den letzten zwei Monaten knapp fünf Prozent betrugen, risikoreiche Investoren angelockt haben, welche sich eine schnelle Erholung wünschen.

Dies wird jedoch ausschließlich von dem Versprechen Boris Johnsons abhängen, Großbritannien vor dem 31. Oktober aus der EU austreten zu lassen. Ein Austrittsabkommen würde dabei deutliches Aufwärtspotenzial des Pfunds entfalten, wobei alle anderen Alternativen (Neuwahlen, No-deal Brexit und Verschiebung des Austritts) die Unsicherheit der britischen Wirtschaft und somit auch des Pfunds weiter aufrechterhalten könnten.

PLN

EUR PLN (4,2530)
Dass die gestern auf breiter Front enttäuschenden deutschen und europäischen Wirtschaftsdaten zu einer Aufwertung der regionalen Währungen geführt hatten, lag an den dadurch erhöhten Spekulationen eines schneller als gedachten Aktivwerdens der Europäischen Zentralbank. Geldmärkte scheinen die implizite Wahrscheinlichkeit einer heutigen Zinssenkung auf circa 48 Prozent zu setzen, wobei Marktteilnehmer weiterhin den September-Termin als Zeitpunkt der ersten Lockerung festmachen. Verweist die heute veröffentlichte Umfrage zur deutschen konjunkturellen Lage ebenfalls auf ein finsteres Bild, gekennzeichnet durch eine fehlende Erholung der Industrie, könnte der Zloty vor der Zinsentscheidung an Fahrt gewinnen.

Potenzielle Verluste des EUR/PLN könnten bei 4,2460 ein kurzfristiges Ende finden, wobei ein Durchbruch dieses Niveaus, Bewegungen in Richtung 4,2370 entfalten könnte. Eine weniger als erwartet pessimistische Europäische Zentralbank stellt dabei den einzigen Widerstand einer Abwärtsbewegung der Gemeinschaftswährung dar.

HUF

EUR HUF  (325,40)
Eine der bedeutendsten Wochen für das zentraleuropäische Währungspaar nimmt mit der heutigen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank den Höhepunkt. Zwei Tage zuvor hatten sich die Währungshüter in Ungarn entschieden, das Zinsniveau aufgrund einer erhöhten geopolitischen Anspannung und der evidenten Wirtschaftsverlangsamung der Eurozone konstant zu halten. Mit dem Argument, dass der steigende inflationäre Druck gekoppelt mit der inaktiven Haltung der Zentralbank eine Überhitzung der Ökonomie auslösen könnte, fangen die Notenbanker nichts an. MNB-Präsident Nagy scheint die neuerlichen Entwicklungen vielmehr als Bestätigung der Zentralbank-Prognosen zu sehen und geht weiterhin von einem steigenden, jedoch deutlich schwächeren Lohn- und Inflationswachstum im zweiten Halbjahr 2020 aus. Die Haltung der Währungshüter bleibt jedoch weiterhin der Datenlage getreu und könnte sich im September ändern, da zu diesem Zeitpunkt der neue Inflationsbericht veröffentlicht wird. Ebenfalls könne man dann besser auf die europäische Zinsentscheidung reagieren als in dem derzeitigen Umfeld, in dem weiterhin Unsicherheit bezüglich der EZB und FED und Ihrer langfristigen Politik besteht.

CZK

EUR CZK  (25,510)
Obwohl die tschechische Ökonomie gemessen an den Ländern in der Eurozone weiterhin mit hohen Wachstumsraten brilliert, scheint das ökonomische Sentiment deutlich stärker zu fallen als der regionale Durchschnitt. Der Indikator, welcher die ökonomische Stimmung im Land abbildet und vom tschechischen Statistikamt veröffentlicht wird, verzeichnete den dritten monatlichen Fall infolge und deutet auf erste Zeichen einer Verschlechterung der Wirtschaftsaktivität. Dabei wurden die Verluste im Vertrauen durch den Subindex verursacht, welcher das Business-sentiment abbildet, wobei das Konsumentenvertrauen leicht ansteigen konnte.

Ungeachtet dessen verzeichnete die Krone eine leichte Aufwertung, gestärkt von dem erhöhten Verkaufsdruck gegenüber dem Euro. Somit bleibt das zentraleuropäische Währungspaar weiterhin in der Spanne zwischen 25,410 und 25,620, mit leichter Tendenz nach unten.


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