Wöchentliche Marktberichte

Jul 24, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Negative Tendenzen

USD

EUR USD (1,1140)
Kurz vor der mit Anspannung erwarteten morgigen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank, nimmt die Schwäche der Gemeinschaftswährung noch mal an Fahrt auf. Obwohl Marktteilnehmer weitgehend von keiner Zinssenkung in dieser Woche ausgehen, scheint ein breit angelegter Konsens darüber zu bestehen, dass die Notenbank wohl Ihre neu gefundene taubenhafte (expansive) Haltung betonen wird. Ausdruck könnte diese Stellung in einem Weiterführen der Anleihenkäufe der EZB und einer Zinssenkung im September finden, was den Euro inmitten der ebenso politisch angespannten Situation schwächen könnte. Zwei Faktoren, welche sich diese und letzte Woche ebenfalls negativ auf die Gemeinschaftswährung ausgewirkt haben, sind die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines No-Deal Brexits und die Annahme, dass die FED den Zinssatz doch „nur“ um 25 Basispunkte senken wird. Aufseiten der gestrigen Datenlage fand der Tag ein relativ ruhiges Ende, wobei sich das leicht gestärkte europäische Verbrauchervertrauen (Anstieg von -7,1 auf -6,6) zwar verbessern konnte, jedoch weiterhin im negativen Bereich bleibt.

Das Hauptereignis des heutigen Tages bleibt somit voraussichtlich die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes, welche zeigen werden, ob sich das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone und speziell Deutschland leicht verbessern konnte. Beide Indikatoren befinden sich seit einigen Monaten im negativen Bereich (Kontraktion), wobei der US-Index weiterhin eine schwache, wenn auch bestehende Expansion verzeichnen kann.

Mit der nun dritten täglichen Abwertung infolge, scheinen Marktteilnehmer immer mehr den Glauben an eine Erholung der Gemeinschaftswährung zu verlieren. Ob es tatsächlich wieder zu Bewegungen in Richtung Jahrestief (1,1110) kommt, könnte von den heute und morgen veröffentlichten Daten für die Eurozone abhängig sein. Dabei bleibt die offene Frage nicht, ob die Europäische Zentralbank den Zinssatz am Donnerstag senken wird, sondern wie pessimistisch sich Mario Draghi zeigen wird. Eine Bestätigung der taubenhaften Expansionswünsche der EZB, könnten den Euro ein neues Tief finden lassen.

CHF

EUR CHF (1,0990)
Die Angst vor einer neuen Lockerungsperiode der Europäischen Zentralbank und anhaltende geopolitische Probleme, lassen den Schweizer Franken in den letzten Monaten in die Höhe schießen. Dabei scheinen Investoren keines Wegs von den negativen Zinsen in der Schweiz abgeschreckt, welche mit einem Wert von -0,75 Prozent, den geringsten Zinssatz der entwickelten Welt darstellen. Der neuerliche Aufwärtsdruck der sicheren Währung könnte den Druck auf die Schweizer Notenbank erhöhen, stärker in den Währungsmarkt einzugreifen, um eine als negativ empfundene, zu starke Aufwertung zu verhindern. Die Bereitschaft seitens der Zentralbank, die Stärke des Franken zu minimieren, scheint durch die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer europäischen Rezession in den kommenden Quartalen verstärkt betont zu werden. In diesem Szenario würde sich der gestärkte Franken in einer schwächeren Exportleistung der Schweizer Ökonomie widerspiegeln und Erholungsversuche erschweren.

Der Wunsch der Zentralbank den Franken nachhaltig zu beeinflussen, stößt derzeit auf einige Probleme. Nicht nur würde sich laut einigen Analysten eine weitere Zinssenkung als kontraproduktiv für die gesamtheitliche Wirtschaft auswirken. Das schlimmere Problem wäre dabei die Aufmerksamkeit des US-Finanzministeriums zu wecken, welches die Schweiz auf die Manipulationsliste setzten würde, was folglich mit Sanktionen enden könnte. Trotzdem scheinen die Bedingungen derzeit für eine weitere expansive Geldpolitik (wenn auch unkonventionell) zu sprechen. Für dieses Argument spricht auch die Bilanz der Schweizer Zentralbank, welche kurzfristig keine großen Änderungen aufweist, bezogen auf das Jahr 2014 jedoch deutlich gewachsen ist. Das Szenario einer Zinssenkung scheint von vielen Marktteilnehmern für dieses Jahr ausgeschlossen zu sein, wobei Geldmärkte derzeit eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Senkung im September einpreisen.

Somit bleiben alle Blicke auf die SNB gerichtet, welche zeigen wird, ob ein EURCHF unter 1,1000 eine Intervention rechtfertigen würde. Weitere Konsolidierungen unter diesem Niveau könnten zu Bewegungen in Richtung 1,0900 führen, wobei Potenzial bis zu 1,0600 bestehen bleibt.

GBP

EUR GBP (0,8960)
Das politische Drama der letzten Wochen nahm mit der gestrigen offiziellen Verkündung des neuen Premierministers einen Höhepunkt. Somit ist ex-Außenminister und Vertreter eines harten Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union, Boris Johnson, neuer Führer der konservativen britischen Partei. Dass das Pfund anfangs wenig bis kaum auf die Neuigkeiten reagierte, lässt darauf schließen, dass Marktteilnehmer die Entscheidung im Vorhinein erwartet und eingepreist hatten. Die neuerliche Abwärtsbewegung wurde in den letzten Tagen noch mal verstärkt, nachdem Boris Johnson seine Wünsche, Großbritannien am 31. Oktober aus der EU zu führen betonte, den „Irish Backstop“ jedoch ablehnte. Die Alternative zu einem No-Deal Szenario wäre eine Verkündung neuer Wahlen, welche sich aufgrund einer fehlenden Mehrheit der regierenden- und oppositionellen Partei als schwierig erweisen würde. Die zweite Option bleibt eine Verlängerung des Austrittsdatums. Diese Alternative sehen politische Analysten derzeit als wahrscheinlichste, da die Differenzen zwischen Johnson und der EU in so kurzer Zeit schwierig zu überbrücken wären. Dabei könnte sich die Verlängerung bis März 2020 ziehen und Großbritannien mehr Zeit geben, ein Abkommen auszuhandeln.

Beide Alternativen könnten die Schwäche des Pfunds und die Wahrscheinlichkeit einer britischen Rezession erhöhen, da sich die damit verlängerte Unsicherheit deutlich in der Wirtschaftsaktivität widerspiegeln würde.

PLN

EUR PLN (4,2560)
Obwohl Marktteilnehmer weitgehend von einem konstanten europäischen Zinssatz bis September ausgehen, überwiegt die Vorsicht in den Märkten, welche Währungen in Schwellenländern abwerten lässt. Ohne wirklich signifikante Datenveröffentlichungen für die polnische Wirtschaft, wird die Euro-dynamik die Funktion des Wechselkurstreibers dieser Woche übernehmen. Dabei könnte es schon vor der am Donnerstag statt findenden Zinsentscheidung der EZB zu einer erhöhten Volatilität kommen, da Marktteilnehmer die heutige Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes als erstes Signal werten werden.

Somit befindet sich der EURPLN weiterhin bereichsgebunden zwischen 4,2380-4,2700, wobei ein Durchbruch aus dieser Spanne nur durch unerwartete Marktgeschehnisse gerechtfertigt werden könnte.

HUF

EUR HUF  (325,80)
Der unerwartete Anstieg der geopolitischen und geldpolitischen Unsicherheiten der letzten paar Monate, scheint die Währungshüter in Ungarn zu keiner Zinsveränderung verleitet zu haben. Viel mehr bestätigt die Zentralbank Ihre „flexible Haltung“ bezüglich des zukünftigen Zinsniveaus, welches von externen und heimischen Gegebenheiten beeinflusst werden wird. Somit bleibt der Leitzins weiterhin bei 0,9 Prozent, wie im Vorhinein prognostiziert. Obwohl der inflationäre Druck weiterhin bestehen bleibt, wurde von einer Zinsstraffung abgesehen. Begründet wurde dies durch die Unsicherheiten bezüglich der Lage der globalen Wirtschaftsaktivität und dem Richtungswechsel der Zentralbanken, hin zu einer expansiven Geldpolitik.

Interne Daten der Zentralbank über die ungarische Wirtschaft deuten weiterhin auf eine souveräne heimische Nachfrage, wobei die Verlangsamung der deutschen Wirtschaft deutliche Gefahren mit sich bringen könnte. Von Reuters befragte Ökonomen sehen eine Zinsstraffung erst gegen Ende des nächsten Jahres, wobei der Leitzins auf 1,25 Prozent bis Ende 2021 steigen könnte.

Die gestrige Abwertung des Forints könnte kurz gelebt sein, da eine neutrale ungarische Zentralbank, gekoppelt mit einer expansivfreudigen EZB, zu einem erhöhten Zinsdifferential führen könnte und so zu einer Stärkung der ungarischen Währung. Fürs Erste bleibt der kurzfristige Aufwärtstrend des EURHUF erhalten, solange sich dieser oberhalb 323,00 befindet.

CZK

EUR CZK  (25,540)
Eine fehlende Datenlage, gekoppelt mit der anhaltenden Anspannung bezüglich der europäischen Zinsentscheidung, halten die Volatilität im zentraleuropäischen Währungspaar gering und lassen wenig Bewegung zu. Dies könnte sich mit den heutigen Veröffentlichungen der Einkaufsmanagerindizes ändern, welche die EZB jedoch kaum in Ihrer Entscheidung am Donnerstag beeinflussen werden.

Kommt es im unerwarteten Fall zu einer Zinssenkung, so würde die Krone wieder in Richtung 25,420 aufwerten, wobei ein Durchbruch dieses Niveaus, Potenzial in Richtung 25,350 auslösen könnte. Das laut den Geldmärkten wahrscheinlichste Szenario bleibt die Verschiebung der Zinslockerung bis zum September, was die EURCZK weiterhin bereichsgebunden lassen könnte.


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