Wöchentliche Marktberichte

Jul 11, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Powell gibt sich pessimistisch

USD

EUR USD (1,1270)
Nach wochenlangen Spekulationen über eine potenzielle Zinssenkung der US-amerikanischen Notenbank, bestätigt Jerome Powell in seiner gestrigen Rede die Bereitschaft einer geldpolitischen Lockerung und betont die strukturellen Probleme, welche die globale Wirtschaft seit einiger Zeit plagen. Die negative Tonation des Präsidenten bestätigte Investoren in ihren seit einigen Wochen anhaltenden Erwartungen einer US-Zinssenkung und lässt das Szenario einer Reduktion im Wert von 50 Basispunkten wieder über 15 Prozent steigen (am Vortag noch bei 3 Prozent). Somit scheint eine erste Zinssenkung im Juli komplett eingepreist, wobei sich Powell bezüglich der weiteren Zinsentscheidungen nach dem Juli-Termin kaum äußerte. Die besser als erwarteten US-amerikanischen Arbeitsmarktdaten scheinen nicht von der Tatsache abgelenkt zu haben, dass sich die Unsicherheiten bezüglich der globalen Handelsbeziehungen in den neuesten Wirtschaftsdaten widerspiegeln. Ebenfalls scheint die robuste Lage am Arbeitsmarkt nicht für die weiterhin sinkenden Inflationserwartungen in den USA kompensieren zu können und so bleibt die einzige Lösung der FED, eine präventive Zinssenkung einzuleiten. Diese negative Einschätzung des FED-Präsidenten deutet ebenfalls auf fehlenden Optimismus bezüglich des neu gefundenen Waffenstillstandes im Handelskrieg zwischen den USA und China.

Ganz von dem Zentralbanker überschattet, sahen sich die neuen Wirtschaftsprognosen der Europäischen Kommission, welche die strukturelle Schwäche der Eurozone noch mal bekräftigen. Inmitten der angeschlagenen globalen Handelsbereitschaft und schwachen Industriedaten, verweisen die Prognosen auf ein jährliches Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent. Erste Schätzungen legten das Bruttoinlandsprodukt für dieses Jahr auf 1,5 Prozent an, wobei die neuerliche Revision nach unten, als Manifest der anhaltenden Folgen der globalen Handelsunsicherheit zu sehen ist. Viel Zeit zum Verarbeiten dieser neuen Informationslage bleibt jedoch kaum, da die nächste signifikante Datenveröffentlichung für heute angesetzt ist. Jegliche negative Abweichung der Prognosen für die heutigen Verbraucherpreisindizes (Wachstum von zwei Prozent erwartet) könnten das Argument einer stärkeren Zinssenkung festigen und den Dollar weiter schwächen.

Die erhöhten US-Zinssenkungswahrscheinlichkeiten scheinen weiterhin die strukturellen Probleme der Eurozone zu überschatten und führen zu einer Aufwertung des Euro. Längerfristige Aufwärtsbewegungen könnten durch fehlende Verbesserung der deutschen Industrie und geringen Inflationserwartungen gemildert werden, wobei das kurzfristige Marktgeschehen von der Frage abhängen wird, ob die Europäische Zentralbank bis September/Ende des Jahres warten wird, um die Zinsen zu senken.

CHF

EUR CHF (1,1120)
Inmitten des gestrigen Pessimismus bezüglich der globalen Wirtschaftssituation, scheint es nicht verwunderlich, dass die Nachfrage nach dem sicheren Schweizer Franken gestiegen ist. Dabei konnten sich die Kommentare des FED-Präsidenten Jerome Powell und die Revision der europäischen Wachstumszahlen noch in keiner Aufwertung der Schweizer Währung bemerkbar machen. Erst mit der Veröffentlichung der Protokolle des letzten Offenmarktausschusses (20:00h), welche die taubenhaften Worte Jerome Powells bestätigten, fingen Investoren wieder an, die erhöhten Zinssenkungswahrscheinlichkeiten im Wechselkurs einzupreisen.

Was die mittelfristige Aufwärtsbewegung des Schweizer Franken ebenfalls deutlich erhöhen könnte, ist der weiterhin anhaltende Handelsdisput zwischen den USA und China. Trotz des neu gefundenen Friedens, bleiben die am Anfang des Jahres erhobenen Zölle weiterhin aufrechterhalten, weshalb die US-Zentralbanker skeptisch bezüglich des Waffenstillstandes bleiben. Dieses nachhaltige Potenzial zur Stärke des Franken, könnte in die Quere der geldpolitischen Ziele der Schweizer Zentralbank kommen, welche sich für eine Abwertung der eigenen Währung ausgesprochen hatte. Und obwohl eine Zinssenkung bei der SNB noch keine wirkliche Option darstellt, scheinen Geldmärkte diesem Szenario eine höhere Wahrscheinlichkeit beizumessen, als einer Zinsstraffung.

Ob der Euro seine marginale Erholung fortsetzten kann, bleibt kurzfristig von den deutschen Inflationszahlen und der Industrieproduktion für die Eurozone abhängig. Derzeit scheint die Bewegungsspanne zwischen 1,1050 und 1,1160 weiterhin bestehen zu bleiben, wobei aufgrund der heutigen Veröffentlichung der EZB-Protokolle eine leichte Tendenz zur Schwäche beim Euro bestehen bleibt.

GBP

EUR GBP (0,8990)
Obwohl die gestrigen Datenveröffentlichungen im Gesamten ein wenig besser ausfielen als gedacht, scheint die britische Wirtschaft weiterhin kein positives Momentum aufzuweisen. Somit wird die neue Datenlage das Pfund voraussichtlich nicht vor der zehnten wöchentlichen Abwertung in Folge retten. Trotz der leichten Erholung des verarbeitenden Gewerbes und der Bauindustrie, bleiben die beiden Branchen weiterhin von den Unsicherheiten bezüglich des Brexits und der globalen Handelsbeziehungen beeinflusst und deuten auf keine Verbesserung im dritten Quartal. Diese seit einigen Monaten durchwachsene Datenlage für Großbritannien, lässt nicht nur bei Investoren ein ungutes Gefühl zurück. Der normalerweise optimistische Bank of England Präsidenten Mark Carney schlägt in seiner Rede letzte Woche einen negativen Ton an und lässt die Wahrscheinlichkeiten einer Zinssenkung in diesem Jahr auf mehr als 50 Prozent steigen.

Somit bleibt das Pfund von den Unsicherheiten bezüglich der zukünftigen politischen- und wirtschaftlichen Lage Großbritanniens bedrückt. Kurzfristige Erholungen könnten nur durch eine breite Schwäche des Euro ausgelöst werden, wobei 0,9100 an der Oberseite weitere Verluste des Pfunds verhindern könnte. Erholungsversuche könnten bei 0,8970 und 0,8810 deutlichen Widerstand finden.

PLN

EUR PLN (4,2650)
Der polnische Zloty scheint sich als einzige Währung der Region, den neuerlich gefundenen Aufwärtsbewegungen des Euro entgegenzusetzten. Nach vier täglichen Abwertungen hintereinander, leistet die polnische Währung Widerstand und schafft es, den gestrigen Tag im Positiven zu beenden. Dies könnte womöglich auch mit dem derzeit erhöhten Inflationsdruck in Polen zu tun haben. Der jährliche Inflationsanstieg erreicht mit 2,6 Prozent im Mai ein achtjähriges Hoch und lässt die Frage aufkommen, ob sich die polnische Zentralbank der globalen Tendenz zur Lockerung der Zinsen entgegensetzten wird. Auch wenn die Mitglieder der NBP von einem maximalen Inflationsanstieg von 3,0 Prozent bis 2020 ausgehen (unter dem oberen Inflationsziel von 3,5 Prozent) und eine Zinsstraffung somit nicht gewährleistet wäre, scheint eine neutrale Haltung der Bank schon als positives Zeichen gewertet zu werden und könnte dem Zloty zugutekommen.

HUF

EUR HUF  (325,70)
Mit der gestrigen Aufwertung des zentraleuropäischen Währungspaares, scheint sich der Forint nun auch wieder auf dem kurzfristigen Zeithorizont in einem Abwärtstrend zu befinden. Dabei konnten weder die pessimistischen Worte Jerome Powells, noch die vorgestern veröffentlichten Protokolle der letzten ungarischen Zinsentscheidung etwas ändern. Obwohl die ungarische Zentralbank einstimmig entschieden hatte, das Zinsniveau konstant zu halten, schien der Forint von der überaus flexiblen Haltung der Währungshüter gestärkt. Mit dem im Juni abgekühlten Inflationswachstum, scheint diese Bereitschaft zum Handeln kaum mehr eine Rolle zu spielen, da Marktteilnehmer Ihre Erwartungen einer Zinsstraffung in Ungarn deutlich gesenkt hatten. Zu schnell sollte man sich an den gestärkten Euro jedoch nicht gewöhnen, insbesondere da die internen Unsicherheiten weiterhin anhalten. Ein Weiterführen der neu gefundenen Aufwärtsbewegung des Euro könnte durch ein positives Ergebnis bei der deutschen Inflation (Heute) und der Industrieproduktion für die Eurozone (Morgen) bestätigt werden und somit zu anschließenden Abwertungen des Forint führen.

CZK

EUR CZK  (25,580)
Die gestrigen Kommentare des FED-Präsidenten Jerome Powell schienen bei regionalen Investoren auf taube Ohren zu stoßen und helfen der Krone nicht, die fünfte tägliche Abwertung in Folge zu verhindern. Seit einigen Wochen scheint die positive Korrelation zwischen der Krone und den erhöhten US-Zinssenkungswahrscheinlichkeiten das Marktgeschehen zu dominieren. Neue Prognosen bezüglich der Morgen veröffentlichten tschechischen Verbraucherpreise deuten nun auf eine Verlangsamung des Inflationsniveaus und könnten die Zinsstraffungsperiode der tschechischen Zentralbank definitiv auf Eis legen. Ein Rückgang des jährlichen Preisanstiegs von 2,9 Prozent auf 2,7 Prozent, könnte die Krone kurzfristig schwächen und dem Euro einen Schub in Richtung 25,650 (25,720) verleihen.


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