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Jun 21, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Märkte verarbeiten Zinsentscheidung

USD

EUR USD (1,1300)
Märkte scheinen den taubenhaften Richtungswechsel der US-amerikanischen Zentralbank (FED), gekoppelt mit der neuerlich schwachen Datenlage für die USA als Grund für den Verkaufsdruck des Dollars interpretiert zu haben. Obwohl es bei der geldpolitischen Entscheidung am Mittwoch zu keiner Veränderung des Zinsniveaus kam, signalisierten Währungshüter die Bereitschaft einer geldpolitischen Lockerung, welche frühestens schon im Juli stattfinden könnte. Bei der Rede des FED-Präsidenten Jerome Powell, lässt dieser seine übliche Phrase einer „geduldigen Haltung“ fallen und wechselt in eine pessimistische Stellung. Der zugrunde liegende Ton war somit der gleiche wie bei dem letzten Treffen der Europäischen Zentralbank, welche ebenfalls Stimuluspakete ankündigte, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Die Folgen der nun erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung in den USA und der Eurozone scheinen sich marktübergreifend in dem Fall der Renditen einiger Staatsanleihen widerzuspiegeln, wobei die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries zum ersten Mal in zweieinhalb Jahren unter die 2-Prozent Marke fallen. Im Fokus des geldpolitischen Treffens waren ebenfalls die neuen Inflationsprognosen der FED, welche nach unten revidiert worden sind. Die Ökonomen der Zentralbank gehen nun von einem Inflationsanstieg von 1,5 Prozent im Jahr 2019 aus (gesenkt von 1,8 Prozent), weit unter der angezielten 2-Prozent Marke der FED. Im Zentrum des heutigen Handelstages steht die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe, welche bei unterschiedlichen Lesungen für die Eurozone und den USA zu neuen Impulsen im EURUSD führen könnten.

Somit baut sich der Druck gegenüber dem Dollar weiter auf, lässt jedoch offen wie weit der Euro von der neuerlichen Dollar-Schwäche profitieren kann. Die Rede Jerome Powell´s hat Zinssenkungen für den Juli wahrscheinlicher gemacht, baut jedoch kein Fundament für darauffolgende Zinslockerungen auf. Kurzfristig scheint der technische Widerstand um 1,1350 (200-1D Moving Average) wiederholt jegliches Potenzial nach oben zu limitieren. Das größte Hindernis für eine langfristige Aufwärtsbewegung des EURUSD stellt das Niveau um 1,1400 dar. Ein Durchstoßen dieses Niveaus könnte zu weiteren Aufwärtsbewegungen führen. Abwärtspotenzial bis zum Jahrestief 1,1100 scheint weiterhin möglich, wobei das Szenario eines Durchbruchs unter das Niveau 1,1100 aufgrund der Zinssenkungswahrscheinlichkeit der FED derzeit nicht gegeben, mit einer Zinssenkung der EZB jedoch wieder in den Raum der Möglichkeiten rückt.

CHF

EUR CHF (1,1090)
War es im Mai noch die erhöhte Anspannung bezüglich der globalen Handelsbeziehungen, welche die Nachfrage nach dem Franken stärkte, scheint es nun der Richtungswechsel der beiden wichtigsten Zentralbanken zu sein. Obwohl es bei der Zinsentscheidung der FED am Mittwoch zu keiner Veränderung des Zinsniveaus kam, scheint dieses Szenario nun für den Juli vorbestimmt. Bei der Rede von Jerome Powell scheint der Zentralbanker seine „geduldige“ Haltung nun für eine pessimistische und potenziell expansive ausgetauscht zu haben. Somit geht der Höhenflug des Schweizer Franken weiter und könnte der Zentralbank (SNB) bei einer zu hohen Aufwertung Sorgen bereiten und die Exporte der Schweizer Wirtschaft schwächen.

Mit den jüngsten Ereignissen scheint die heimische Wirtschaft immer mehr in den Hintergrund der Marktteilnehmer zu geraten und so werden weitere Kursbewegungen von dem globalen Risikosentiment abhängig sein. Mit dem gestrigen Sprung setzt der Schweizer Franken ein neues 21-monatiges Hoch gegenüber dem Euro und trotzt jeglichen möglichen Erwartungen einer Zinssenkung der SNB.

GBP

EUR GBP (0,8890)
Inmitten der expansiven Pläne der Zentralbanken in den USA und der Eurozone, scheint eine weiterhin geduldige Haltung der Bank of England als positiv gedeutet zu werden und verschafft dem britischen Pfund eine Pause in der zuletzt anhaltenden Abwärtsbewegung. Obwohl die angespannten Handelsbeziehungen und die heimische Wahrscheinlichkeit eines No-Deal Szenarios weiter steigen, belässt die Zentralbank am gestrigen Tag das Zinsniveau konstant, bleibt jedoch flexibel Ihre Politik an das Ergebnis des Brexits anzupassen, um das Inflationsziel zu erreichen.
Allzu optimistisch schienen Marktteilnehmer von den Aussagen der Währungshüter nicht zu sein, zumal die Wachstumsprognosen wiederholt gesenkt wurden und die neuerlich schlechte Datenlage in Großbritannien bestätigen. Obwohl sich die Arbeitslosigkeit auf dem geringsten Niveau seit 1974 befindet, scheint das Lohn- und Preiswachstum langsam an Fahrt zu verlieren und zeigt in Verbindung mit den im Mai gefallenen Einzelhandelsumsätzen eine sinkende Wahrscheinlichkeit einer Zinsstraffung wie Anfang des Jahres gedacht. Kommt es mit Boris Johnson zu einem Premierminister, welcher sich positiv für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ohne Abkommen eingesetzt hat, würden Ängste um einen No-Deal Brexit steigen und eine Zinssenkung in den Raum stellen. Dies scheint immer möglicher, zumal mit Außenminister Jeremy Hunt nur noch ein Kandidat im Wege steht und den letzten Wahlgängen zufolge Johnson deutlich größere Unterstützung genießt. Marktteilnehmer ignorierten die neuesten Ergebnisse und so warten Märkte gespannt auf das Wochenende, an dem es zu der endgültigen Entscheidung kommen wird.

PLN

EUR PLN (4,2520)
Der neuerliche Richtungswechsel der beiden Währungshüter in den USA und der Eurozone zeigt einen immer größeren Kontrast zu den Notenbanken in der zentraleuropäischen Region und schlägt sich in einer Aufwertung des Zloty wider. Der Präsident der polnischen Zentralbank Adam Glapinski verneint letzte Woche aufgrund der externen politischen Unsicherheiten und der Verlangsamung der globalen Wirtschaft erneut eine Zinserhöhung. Dies scheint die Nachfrage nach dem polnischen Zloty kaum verringert zu haben, da die nun erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung in den USA und der Eurozone zu einer Kapitalverlagerung in risikoreichere Währungen führt und das Zinsdifferenzial zwischen den Regionen erhöhen könnte. Bekräftigt wird die Aufwärtsbewegung des Zloty durch die weiterhin schwache Wirtschaftslage in der Union, wobei Daten für Polen derzeit auf keine großen Spill-over Effekte der globalen Risiken auf die heimische Wirtschaft deuten lassen. Ob sich dies im Juni verändert hat, wird erst mit nächster Woche bestätigt werden, in der Veröffentlichungen der Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze und der Verbraucherpreisindizes anstehen.

Trotz der taubenhaften Stellung der EZB und FED scheint die Abwärtsbewegung des EURPLN wiederholt bei 4,2530 ein Ende zu nehmen, was die Signifikanz dieses Niveaus deutlich macht. Ein Unterlaufen der Unterstützung könnte zu Bewegungen in Richtung 4,2470 führen, wobei an der Oberseite 4,2700 jegliche Aufwertungsversuche des Euro limitiert.

HUF

EUR HUF  (323,00)
Der Forint scheint als einzige Währung der Region nicht von dem globalen Richtungswechsel der Zentralbanken hin zu einer expansiven Geldpolitik profitiert zu haben. Die leichte Schwäche des Forint scheint aufgrund neuer Erwartungen über die Zinsentscheidung der ungarischen Notenbank (NBH) ausgelöst worden zu sein. Die Gefahr einer Überhitzung der heimischen Wirtschaft und ein stetig steigender Inflationsdruck ließ Spekulationen über eine Zinserhöhung aufkommen und erhöhte die Nachfrage nach der ungarischen Währung. Die von der EZB angekündigte Expansionspolitik scheint Marktteilnehmer nun auch die Haltung der NBH überdenken zu lassen. Von Reuters befragte Ökonomen sehen eine geringe Wahrscheinlichkeit einer Änderung des ungarischen Zinsniveaus nächste Woche und somit erholt sich die Gemeinschaftswährung inmitten einer weiterhin schwachen europäischen Datenlage.

CZK

EUR CZK  (25,590)
Nach den beiden Zinsentscheidungen der Zentralbanken in den USA und der Eurozone bleibt der Fokus in Zentraleuropa weiterhin bei der Geldpolitik. Dabei könnten die zuletzt aufgekommenen Unstimmigkeiten in den eigenen Reihen der tschechischen Zentralbank (CNB) endlich eine Aufklärung finden und der Krone einen richtungsweisenden Impuls gewähren. Zuletzt äußerte der geldpolitische Falke und Zentralbankmitglied Vojtěch Benda seine Wünsche bezüglich einer Erhöhung des Zinsniveaus. Die Mehrheit der im geldpolitischen Rat vertretenen Ökonomen scheinen dabei andere Ansichten zu teilen und so wird die nächste Zinsentscheidung hohe Aufmerksamkeit genießen. Die Tendenz einer Stabilisierung des Zinsniveaus im Jahr 2019 scheint laut dem CNB-Präsidenten Jiri Rusnok jedoch die wahrscheinlichste Alternative zu bleiben. Zwei Szenarien könnten dabei zu einer potenziellen Zinserhöhung führen. Eine unerwartete Wende in den Handelsgesprächen zwischen den USA und China und eine somit erhöhte Risikofreudigkeit unter den Teilnehmern oder ein Anstieg der Inflation, deutlich über das von der Zentralbank gesetzte Niveau von 3 Prozent.

In den kommenden Tagen bis zur Zinsentscheidung bleibt die Unterstützung 25,520 zu beachten, wobei ein Durchbruch unter dieses Niveau zu Abwärtspotential in Richtung 25,450 führen könnte. Bleibt eine Zinserhöhung bei dem nächsten geldpolitischen Treffen der Zentralbank aus, würde dies Raum für eine Erholung des Euro mit dem Ziel 25,720 schaffen.


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