Wöchentliche Marktberichte

Jun 11, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

US Arbeitsmarkt zeigt Schwäche

USD

EUR USD (1,1315)
Erste Anzeichen einer Verlangsamung der US-amerikanischen Wirtschaft waren schon im März spürbar. Nun breitet sich diese Schwäche gleichfalls auf den Arbeitsmarkt aus und lässt Marktteilnehmer immer stärker an eine Zinssenkung der US Notenbank (FED) glauben. Der Arbeitsmarktbericht am Freitag bestätigte die Sorgen des ADP Berichts, welcher zwei Tage zuvor veröffentlicht wurde und fügt sich in ein Bild zuletzt schwacher Wirtschaftsdaten. Laut den offiziellen Arbeitsmarktdaten konnte die US Wirtschaft im Mai lediglich 75 Tausend neue Arbeitsstellen schaffen, eine Lesung weit unter den prognostizierten 224 Tausend. Der ADP Bericht scheint dabei ein Stück pessimistischer zu sein und verzeichnet ein Jobwachstum von 22 Tausend, ein neunjähriges Tief. Verstärkt wurde der Verkaufsdruck gegenüber dem Dollar aufgrund der derzeitigen Markterwartungen einer Zinssenkung der FED und einer zumindest kurzfristig neutralen Europäischen Zentralbank (EZB), welche expansiv agieren will, Zinsänderungen jedoch erst im zweiten Quartal 2020 vorsieht. Gestern konnte sich der US Dollar wieder leicht erholen, nachdem sich die USA und Mexiko nach tagelangen Diskussionen auf ein Abkommen einigen konnten und die Strafzölle gegen mexikanische Ware vorerst verhindern. Die angekündigten Importzölle im Wert von 5 Prozent wären am Anfang der Woche effektiv in Kraft getreten und hätten sich konstant erhöht, bis diese 25 Prozent im Oktober erreicht hätten. Dank langen Verhandlungsrunden und einer Kompromissbereitschaft seitens Mexikos, scheint das „worst case“ Szenario jedoch nicht stattzufinden. Die mexikanische Regierung wird rund sechs Tausend Einsatzkräfte an der Grenze des Landes einsetzen, um die von Donald Trump benannte illegale Migration zu stoppen. Trotz des leichten Optimismus diesbezüglich, hält die Handelsanspannung aufgrund des US-China Konflikts weiter an und lässt das Risikosentiment vorerst auf einem geringen Niveau verweilen. Der Fokus dieser Woche liegt auf der Veröffentlichung deutscher und US-amerikanischer Inflationsdaten am Mittwoch und Donnerstag und den US Industrie- und Einzelhandelsdaten am Freitag. Jegliche Zeichen einer Verlangsamung werden als erhöhte Chance einer US Zinssenkung interpretiert werden und könnten den Verkaufsdruck gegenüber dem Dollar verstärken.

Eine Mischung der schlechten US Daten und der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer US Zinssenkung verhelfen dem EURUSD mit der größten wöchentlichen Aufwertung seit August 2018 zu einem neuen dreimonatigen Hoch. Weitere Aufwärtsbewegungen werden von 1,1345 (1W - Moving Average) limitiert, wobei 1,1220 die erste Unterstützung bei einem Fall liefern würde.

CHF

EUR CHF (1,1200)
Mit der leichten Verbesserung der geopolitischen Lage und der Andeutung eines US-China Deals bei dem G20 Gipfel in Osaka werten sichere Häfen wieder leicht ab und somit auch der Schweizer Franken.  Der EURCHF scheint bei 1,1600 ein lokales Tief gefunden zu haben und vermerkt gestärkt durch den US-Mexiko Deal und eine nicht so taubenhafte EZB die Dritte tägliche Aufwertung in Folge. Dies lässt auf weitere Aufwärtsbewegungen des Paares vermuten und stellt die erste positive Woche seit einem Monat dar. Der Franken sah sich als absoluter Sieger der angespannten geopolitischen Lage und genoss in Mai eine verstärkte Nachfrage. Das Potenzial weiterer Aufwertungen der Schweizer Währung wird jedoch von der Nationalbank (SNB) limitiert, welche keinen Grund für eine Straffung der Zinsen sieht. Diese befinden sich derzeit auf dem geringsten Niveau aller entwickelten Länder (-0,75 Prozent), wobei laut SNB-Präsident Thomas Jordan bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage oder einer zu starken Aufwertung des Franken eine Ausweitung der Negativzinsen nicht auszuschließen ist. Die Strafzinsen kosteten die Schweizer Banken in drei Jahren rund 6,3 Milliarden Euro und manifestieren sich laut einigen Analysten in klaren negativen Auswirkungen. Trotz dessen ist von keiner baldigen Zinserhöhung auszugehen und so steht sich die erhöhte Nachfrage nach dem Franken der schwachen Schweizer Zinsattraktivität entgegen.

GBP

EUR GBP (0,8920)
Nachdem das britische Pfund die letzten Wochen von dem politischen Debakel rund um den Rücktritt und die konsequente Nachfolge der Premierministerin Theresa May getrieben wurde, rücken nun wieder Wirtschaftsdaten in den Vordergrund. Die gestrigen Veröffentlichungen zeigen bislang jedoch wenig Optimismus und fügen sich in ein ebenso schwaches politisches Bild, welches den EURGBP auf ein knapp fünfmonatiges Hoch bei 0,8920 ansteigen lässt. Die gestrige Schwäche des Pfunds folgte den schwächer als erwarteten Veröffentlichungen, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,4 Prozent schrumpft und von der Produktion des verarbeitenden Gewerbes gefolgt wurde, welches einen Rückgang von 2,7 Prozent im April verzeichnen konnte. Am stärksten traf es dabei exportierende Produzenten, welche sich inmitten der erhöhten Wahrscheinlichkeit eines harten Austritts Großbritanniens in Ihrer langfristigen Planung limitiert fühlen. Somit verzeichnet die Produktion von Kraftfahrzeugen den größten Rückgang aller Zeiten und lässt Ängste um eine wirtschaftliche Verlangsamung immer größer werden.
Mit der heutigen Veröffentlichung der Arbeitslosenquote stehen Arbeitsmarktdaten wieder im Fokus und könnten der Bank of England neue Signale für eine Zinsveränderung liefern. Größter Wechselkurstreiber bleibt jedoch weiterhin die Problematik rund um die Nachfolge der Premierministerin. Gestern veröffentlichte das konservative 1922er Komitee die derzeitige Liste der Kandidaten, welche sich nun auf zehn beschränkt und bekannte Namen wie den ex-Außenminister und Favoriten Boris Johnson, die zurückgetretene Präsidenten des Unterhauses Andrea Leadsom und der derzeitige Außenminister Jeremy Hunt enthält.

PLN

EUR PLN (4,2620)
Erhöhte Erwartungen einer US Zinssenkung, welche durch die schlechten Veröffentlichungen zum US-amerikanischen Arbeitsmarkt verstärkt wurden, treiben den Zloty auf ein 22-monatiges Hoch gegenüber dem Euro. Im Gegensatz dazu scheinen Marktteilnehmer auf eine Zinserhöhung der polnischen Zentralbank zu setzten, nachdem die Inflation den vierten Monat in Folge wächst und im April 2,30 Prozent verzeichnet. Das Szenario einer Zinsstraffung scheint nach Aussagen des Notenbankpräsidenten Adam Glapinski jedoch höchst unwahrscheinlich und so beharrt dieser weiterhin auf der Annahme eines konstanten Zinssatzes bis Ende 2022. Aufgrund fehlender Datenveröffentlichungen für die polnische Wirtschaft  wird der EURPLN von dem allgemeinen Sentiment und den Inflationsdaten Deutschlands am Donnerstag getrieben werden, wobei an der Oberseite die Niveaus 4,2700 und 4,2800 einer Erholung des Euro entgegenstehen.

HUF

EUR HUF  (320,00)
Das weiterhin starke Wachstum der ungarischen Wirtschaft lässt Marktteilnehmer die ruhige Haltung der ungarischen Zentralbank infrage stellen und treibt den Forint nach der größten wöchentlichen Aufwertung in knapp zwei Jahren auf ein sechswöchiges Hoch. Dieses positive Bild wurde mit der Veröffentlichung der Verbraucherpreisindizes am Freitag nochmals bestätigt, nachdem die Kerninflation mit einem vierprozentigen Wachstum (ggü. Vorjahr) an das obere Band (2-4 Prozent) der Zentralbank rückt. Somit drängt das nächste Treffen der Notenbank am 25. Juni in den Fokus der Marktteilnehmer. Der allgemeine Konsensus geht weiterhin von keiner drastischen Änderung der geldpolitischen Haltung aus. Diese Annahme könnte sich mit den nächsten Veröffentlichungen jedoch rasch ändern, falls diese eine Überhitzung der Ökonomie andeuten. Ein Fall des Paares unter 319,00 könnte bei einem Nachlassen der globalen Risikoaversion zu Bewegungen in Richtung 312,00 führen, dieses Szenario bleibt jedoch von der Zinsentscheidung der ungarischen Zentralbank abhängig.

CZK

EUR CZK  (25,610)
Die tschechische Krone zeigte sich ziemlich resistent gegenüber den geopolitischen und wirtschaftlichen Neuigkeiten rund um die Eurozone und die USA und beendet die letzte Woche mit der größten (wöchentlichen) Aufwertung seit Juli 2018. Ausgebaut wurde die Stärke der Krone durch die Veröffentlichung der Arbeitslosenquote, welche auf 2,7 Prozent fällt und somit den niedrigsten Wert seit Juni 1997 verzeichnen konnte. Die zuletzt angespannte globale Lage scheint bislang keine Auswirkungen auf den tschechischen Arbeitsmarkt zu haben und erhöht unter Marktteilnehmern Hoffnungen auf eine Zinserhöhung beim nächsten Zentralbanktreffen Ende des Monats. Verstärkt wurde diese Annahme zuletzt durch einen rasanten Anstieg der Löhne und der Einzelhandelsumsätze. Die Zentralbank scheint diese Vermutung bislang nicht zu unterstützen und sieht den EURCZK im zweiten Quartal bei einem Wechselkurs von 25,5.


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