Wöchentliche Marktberichte

Jun 07, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EZB hält Zinsen konstant

USD

EUR USD (1,1270)
In einer allgemein erwarteten Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) lässt diese alle drei angebotenen Zinsniveaus konstant und bestätigt nochmals die Bereitschaft einer aktiven Unterstützung der europäischen Wirtschaft. Neuigkeiten gab es trotz einer fehlenden Zinsveränderung jedoch einige. Um die zuletzt schwache Inflationserwartung für den Euroraum zu beflügeln, setzt die EZB auf ein neues Expansionsprogram (TLTRO) als Nachfolger des Kontroversen „Quantitive Easings“ und bietet Banken eine zweijährige Kreditvergabe zu günstigen Konditionen. Die neue Kreditvergabe soll Banken zehn Basispunkte über dem Leitzins angeboten werden und könnte weitere Prämien enthalten, falls sich diese an gewisse vordefinierte Ziele halten. Hoffnungen einer Veränderung der Strafzinsen, welche Banken Zahlen um Geld bei der EZB zu lagern, bleiben unerhört und so verweilt der Zinssatz für Eigenfazilitäten unverändert bei -0,40 Prozent. Trotz der gestrigen expansiven und taubenhaften Rhetorik springt der EURUSD auf 1,1300 und notiert derzeit knapp unter diesem Niveau. Grund für diesen erhöhten Optimismus bieten dabei die nach hinten verschobene „Forward Guidance“ der EZB, welche eine Zinssenkung erst im zweiten Halbjahr 2020 vorsieht und ein fehlender Pessimismus bezüglich der momentanen Wirtschaftslage der Eurozone. Die EZB geht sogar einen Schritt weiter und erhöht Ihre Inflations- und Wirtschaftswachstumsprognose für das Jahr jeweils um 0,1 Prozent. Die Währungshüter zeigen sich somit taubenhaft, jedoch weitaus optimistischer als Marktteilnehmer erwartet hatten, was sich auch in den Verringerung der impliziten Wahrscheinlichkeiten einer Zinssenkung widerspiegelt.

Blickt man auf den Geldmarkt (Future Verträge), sehen Märkte eine 45 prozentige Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bis Ende des Jahres, ein deutlicher Abstieg der zuletzt 75 prozentigen Chance. Somit bleibt Potenzial eines positiven Ausbruchs weiter erhalten, wobei sich die Gemeinschaftswährung auf gutem Weg befindet die beste Woche seit September 2018 zu verzeichnen. Dieses Szenario bleibt von dem heute veröffentlichten Arbeitsmarktbericht (Nonfarm Payrolls) abhängig, welcher nun in den Fokus der Marktteilnehmer rückt. Erwartet wird ein leichter Rückgang des Arbeitswachstums von 263 Tausend im April auf 185 Tausend im Mai. Für die durchschnittlichen Löhne wird jedoch ein leichter Anstieg prognostiziert. Einen Vorgeschmack wie negativ sich schwache Arbeitsmarktdaten auf den Dollar auswirken können, bekamen Marktteilnehmer am Mittwoch, nachdem der ADP Bericht das schwächste Jobwachstum seit 2009 verzeichnet hatte. Somit bleibt der heutige Verlauf von den Nonfarm Payrolls und den Handelsgesprächen zwischen den USA und Mexiko abhängig. Kommt es über das Wochenende zu keinem Abkommen, würde US Präsident Donald Trump am Montag Zölle im Wert von 5 Prozent auf mexikanische Güter einführen, welche ab dann konstant auf 25 Prozent im Oktober steigen würden.

CHF

EUR CHF (1,1175)
Unbeeindruckt von der gestrigen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank verweilt der EURCHF auf seinem neunwöchigen Tief. Die neuerliche Stärke des Schweizer Franken kam inmitten der erhöhten Handelsanspannungen zwischen den USA und China und wurde durch die Drohungen potenzieller US Zölle gegen Mexiko weiter ausgebaut. Der gestrige Tag markierte den Vierten fehlgeschlagenen Versuch des Franken die Unterstützung bei 1,1150 nachhaltig zu durchbrechen und so bleibt das Aufwärtspotenzial für den Euro nach einer optimistischen EZB weiterhin vorhanden. Die positive Tendenz könnte durch ein Abkommen zwischen Mexiko und den USA weiter verstärkt werden, wobei spürbare Bewegungen nach oben erst bei einem Nachlassen der globalen Risikoaversion zu sehen wären. Erste Widerstände einer potenziellen Aufwertung des EURCHF können bei 1,1220 und 1,1300 definiert werden, wobei weitere Verluste der Gemeinschaftswährung vom Jahrestief 1,1110 verhindert werden.

GBP

EUR GBP (0,8870)
Mit dem heutigen Tag beendet Premierministerin Theresa May endgültig ihren Kampf um ein Austrittsabkommen und tritt von der Führung der britischen Nation und der konservativen Partei zurück. Schon wenige Stunden nach Ihrer Rücktrittsankündigung füllte sich das Feld potenzieller Nachfolger und erreichte mehr als zehn Kandidaten aus allen Bereichen der Politik. Mit einer neuen Abstimmung der konservativen Partei sollen nun die besten Kandidaten ausgewählt werden. Potenzielle Nachfolger müssen acht Stimmen bestehender Parlamentsabgeordnete erhalten, um im Rennen für die Führung der Konservativen zu bleiben. Zeit haben diese bis zum 10. Juni, wobei die Abstimmung am 13. Juni und zwischen dem 18. und 20. Juni stattfinden wird. Mit der nächsten Woche rücken Wirtschaftsveröffentlichungen wieder in den Fokus, welche aufzeigen könnten in welcher Situation sich Großbritannien wirtschaftlich befindet. Zuletzt wurde verstärkt das Bild einer Verlangsamung der Wirtschaft skizziert, konnte aufgrund einer fehlenden Datenlage jedoch nicht bestätigt werden. Weisen die Daten der nächsten Woche ein positives Momentum auf, könnte sich der EURGBP in einem leichten Abwärtstrend wiederfinden, zumal der Widerstand bei 0,8880 trotz einer starken Gemeinschaftswährung nicht durchstoßen werden konnte.

PLN

EUR PLN (4,2770)
Die anfänglich leichte Schwäche des Zloty nach der polnischen Zinsentscheidung am Mittwoch ließ auf eine Umkehr der zweiwöchigen Abwärtsbewegung des EURPLN schließen. Marktteilnehmer scheinen über die Resistenz der polnischen Währung jedoch überrascht und so verzeichnet der Zloty an sechs der letzten sieben Tagen einen Anstieg. Die erwartete Entscheidung der Zentralbank das Zinsniveau auf dem Rekordtief von 1,50 Prozent beizubehalten scheint dabei von dem Richtungswechsel der US-amerikanischen Zentralbank überschattet zu werden und führt zumindest kurzfristig zu keiner Abwertung des Zloty. Obwohl das verarbeitende Gewerbe laut den letzten Daten des Einkaufsmanagerindizes weiterhin im negativen Bereich bleibt, scheint sich die starke heimische Nachfrage im Wechselkurs widerzuspiegeln. Dabei stechen insbesondere die Einzelhandelsumsätze und die Unternehmensentlohnung heraus, welche auf Jahresbasis im April ein Wachstum von 13,6 und 7,1 Prozent verzeichnen konnten. Diese erhöhte Kaufkraft spiegelt sich auch in der Inflation wider, welche den Vierten monatigen Anstieg vermerkt und sich nun auf 2,30 Prozent befindet, weiterhin unter dem durchschnittlichen Ziel der polnischen Zentralbank von 2,50 Prozent.

Der EURPLN bleibt somit an seinem siebenwöchigen Tief und könnte aufgrund fehlender polnischer Wirtschaftsdaten für nächste Woche von dem globalen Risikosentiment und speziell den Handelsgesprächen getrieben werden. Ein unerwarteter Durchbruch der Unterstützung 4,2700 könnte zu Bewegungen in Richtung Jahrestief 4,2600 führen, wobei der erste signifikante Widerstand bei 4,2900 identifiziert werden kann.

HUF

EUR HUF  (320,90)
Der positive Datenfluss für die ungarische Wirtschaft scheint sich nach einer dreimonatigen Abwärtsbewegung der Währung endlich in einer Stärke des Forints bemerkbar zu machen. Somit bleibt die ungarische Währung auf gutem Weg die höchste wöchentliche Aufwertung gegenüber dem Euro seit elf Monaten zu verzeichnen. Neben der wachsenden ungarischen Wirtschaft scheint die Bereitschaft der FED die heimische Ökonomie durch eine Senkung des Zinsniveaus unterstützen zu wollen ebenso ein signifikanter Einflussfaktor in der jüngsten Stärke der zentraleuropäischen Währungen zu sein. Neue Währungsprognosen von Reuters sehen eine längerfristige Aufwertung des Forints für möglich und so sehen die 37 befragten Ökonomen den EURHUF in drei Monaten bei einem Wechselkurs von 320. Dabei scheinen Schwünge zwischen den beiden Extremwerten des Jahres zwischen 310 und 330 weiterhin für möglich und bleiben von den ungarischen Inflationsdaten (heute veröffentlicht) und dem globalen Risikosentiment abhängig.

CZK

EUR CZK  (25,630)
Die gestrigen Daten fügen sich in ein zuletzt positives Bild der tschechischen Ökonomie und bieten der Krone Rückenwind in der bislang größten wöchentlichen Aufwertung seit Juli 2018. Obwohl die tschechische Wirtschaft weiterhin ein relativ positives Wachstum aufweist, scheinen Sorgen um eine Überhitzung vorerst  vom Tisch zu sein.
Die am Mittwoch veröffentlichten Löhne und Einzelhandelsumsätze, welche auf Jahresbasis einen Anstieg von 4,6 und 6,9 Prozent verzeichnen konnten, weisen vermehrt auf eine stabile heimische Nachfrage welche sich in einer erhöhten Inflation widerspiegeln könnte. Die Industrieproduktion stieg im April um 3,3 Prozent und steht somit auf einem fünfmonatigen Hoch.  Das angekündigte Ende der zweijährigen Zinsstraffungsperiode der tschechischen Zentralbank, in welcher das Zinsniveau acht Mal erhöht wurde könnte mit einem weiteren Anstieg der Inflation hinterfragt werden. Somit wechselt der Fokus auf die Veröffentlichung der tschechischen Verbraucherpreisindizes am Dienstag, welche Auskunft über die neuerlichen Preisentwicklungen geben werden.

In der Zwischenzeit bleibt der EURCZK von dem globalen Risikosentiment abhängig und könnte in Nähe des fünfmonatigen Tiefs verweilen. Kurzfristige Unterstützung liefern 25,620 und 25,590 wobei unerwartete negative Entwicklung in den Handelsgesprächen zu Bewegungen in Richtung 25,720 (50-1D Moving Average) führen könnten.


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