Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Jun 06, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Alle Blicke auf der EZB

USD

EUR USD (1,1230)
Der EURUSD beendet gestern den dritten Tag in Folge über dem psychologischen Niveau 1,1200 und stärkt somit Hoffnungen auf weitere Aufwärtsbewegungen. Die gestrige Veröffentlichung des ADP Arbeitsmarktberichtes für die US-amerikanische Wirtschaft enttäuschte mit einem monatlichen Jobwachstum von nur 27 Tausend (erwartet waren 180 Tausend) und markiert so den schwächsten Anstieg neuer Jobeinstellungen seit neun Jahren. Marktteilnehmer sahen dies als weiteres Zeichen einer Verlangsamung der US-amerikanischen Ökonomie und erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung seitens der US Notenbank (FED). Dass der EURUSD nach Erreichen eines fünfwöchigen Hochs bei 1,1305 auf den Tag gesehen jedoch abwertete, lag an dem neu gefundenen Optimismus eines potenziellen Handelsabkommens zwischen den USA und Mexiko. Diese Freude scheint mit dem letzten Tweet des US Präsidenten Donald Trump ziemlich schnell erloschen zu sein, welcher die neuesten Fortschritte in den Gesprächen begrüßt, diese jedoch bei Weitem kein Abkommen rechtfertigen würden. Somit sieht sich der Euro vor dem Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) nochmals gestärkt, könnte durch eine taubenhafte Haltung der Notenbank dennoch in der Aufwärtsbewegung limitiert werden. Die EZB befindet sich momentan in Zugzwang, nachdem die nachteiligen externen Risiken und der fehlende Inflationsdruck Stimmen für eine Zinssenkung erhöht hatten. Marktteilnehmer gehen weiterhin von keiner Veränderung des Zinsniveaus aus, für die kommenden geldpolitischen Entscheidungen der Notenbank scheint dies jedoch nicht so eindeutig zu sein wie noch zu Jahresbeginn. Der zuletzt schwache Anstieg der Kerninflation (0,8 Prozent ggü. Vorjahr im Mai) lässt weiterhin die Frage offen, welche Maßnahmen den Währungshütern noch zur Verfügung stehen um effektiv in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen zu können. Marktteilnehmer erwarten sich heute Neuigkeiten zum geldpolitischen Instrument der TLTRO´s (Targeted longer-term refinancing operations), welche den Banken das Leihen von Geld erleichtern würde und somit die heimische Nachfrage wieder leicht stärken könnte.

Somit blicken Marktteilnehmer auf die heutige Entscheidung der EZB, um richtungsweisende Impulse zu erkennen, wobei die leicht negative Tendenz des EURUSD weiterhin aufrechterhalten bleibt. Unterstützung bei potenziellen Verlusten würde das Paar bei 1,1200 und 1,1170 erhalten, wobei die Oberseite beim gestrigen Hoch 1,1300 als Widerstand definiert werden kann.

CHF

EUR CHF (1,1172)
Nach dem Erreichen des neuen Jahrestiefs bei 1,1119 am Montag, scheint sich der EURCHF halbwegs stabilisiert zu haben und bleibt den dritten Tag in Folge fast unverändert. Das allgemeine Risikosentiment scheint die Nachfrage nach sicheren Anlagen erheblich gesteigert zu haben und lässt die Schweizer Währung als klaren Sieger des Vormonats hervorgehen (Aufwertung von 2,10 Prozent ggü. dem Euro). Dabei konnte der Franken nicht nur von der angespannten geopolitischen Lage profitieren, sondern auch von den neuesten Aussagen einiger Mitglieder der US-amerikanischen Notenbank, welche immer mehr die Bereitschaft für eine Zinssenkung aufweisen.

Die Stabilisierung des EURCHF am Niveau 1,1160 scheint die Vorsicht der Marktteilnehmer widerzuspiegeln, welche nun auf die geldpolitische Entscheidung der EZB warten, um richtungsweisende Handlungen unternehmen zu können. Mit der anhaltenden politischen Unsicherheit könnte die Stärke des Schweizer Franken jedoch noch eine Weile anhalten.

GBP

EUR GBP (0,8850)
Mit dem britischen Staatsbesuch des US Präsidenten Donald Trump scheint der Austritt Großbritanniens, wenn es sein muss auch ohne ein Abkommen mit der Europäischen Union, einen neuen Befürworter gefunden zu haben. Am Dienstag äußerte sich Trump über den positiven Einfluss eines Austritts aus der EU und versprach Großbritannien ein großes Handelsabkommen, bei dem sogar das staatliche Gesundheitssystem auf dem Verhandlungstisch stehen müsste. Donald Trumps Staatsbesuch überschattet jedoch nur kurzfristig die Unsicherheit bezüglich der Nachfolge der Premierministerin, welche Ihren Rücktritt angekündigt hatte. Mit Boris Johnson als Favoriten der Buchmacher scheinen sich die Wahrscheinlichkeiten eines No-Deal Szenarios weiter erhöht zu haben. Ein Austritt ohne Abkommen würde das britische Pfund gegenüber dem Euro massiv schwächen und könnte laut neuen Umfragen von Reuters zur Parität des EURGBP führen (EURGBP 1,0000).

Das britische Pfund wertet nichtsdestotrotz nach schwachen Einzelhandelsumsätzen für die Eurozone (-0,3 Prozent ggü. Vormonat) auf, bleibt jedoch weiterhin in einem Abwärtstrend gefangen. Somit bleibt der fünfwöchige Bewegungsbereich zwischen 0,8780 (200-1D Moving Average) und 0,8900 (Hoch 04. Juni) weiter erhalten.

PLN

EUR PLN (4,2770)
Die fünftägige Abwärtsbewegung des EURPLN scheint mit der gestrigen Zinsentscheidung der polnischen Zentralbank (NBP) vorerst an Kraft zu verlieren und so stärkt sich der Euro leicht gegenüber dem Zloty trotz schwacher Wirtschaftszahlen der Eurozone. Trotz der Entscheidung des geldpolitischen Rates das Zinsniveau beizubehalten, hält sich die gestrige Abwertung des Zloty in Grenzen. Auch an der allgemeinen Haltung der Notenbank konnte keine wirkliche Veränderung erkannt werden und so bleiben Erwartungen einer Zinsveränderung im Jahr 2019 weiter gering.
In den Tagen vor der Zinsentscheidung ließ der Anstieg der polnischen Inflation (auf Jahresbasis 2,3 Prozent gestiegen) leichte Spekulationen eines Stimmungswechsels der NBP aufkommen, welche jedoch vom Zentralbankpräsidenten Adam Glapinski ziemlich schnell wieder erloschen wurden. Mittelfristig könnte sich der Zloty somit in einer leichten Tendenz zur Schwäche wiederfinden, zumal Glapinski von einer Erhöhung der Inflation auf 3,0 Prozent im zweiten Halbjahr ausgeht, welche jedoch von keiner Zinserhöhung gefolgt wird. Somit würde das reale Zinsniveau (nomineller Leitzins minus die Inflation) in Polen sinken und die Attraktivität des Zloty verringern.

HUF

EUR HUF  (321,40)
Marktteilnehmer scheinen den zuletzt positiven Datenfluss für die ungarische Wirtschaft immer stärker als Signal einer potenziellen Zinserhöhung zu sehen und lassen den Forint nach einer dreitägigen Aufwertung (+1,10 Prozent) auf ein fünfwöchiges Hoch aufwerten. Dabei bestätigten die in der ganzen Region veröffentlichten Einzelhandelsumsätze die starke heimische Nachfrage und steigen in Ungarn im April um 7,1 Prozent (ggü. Vorjahr). Verstärkt wird der Abwärtstrend des EURHUF dabei durch zuletzt enttäuschende Daten für die Eurozone, wobei Abwärtsbewegungen in Richtung 320,00 (psychologisches Niveau) und 319,00 (Tief 18. April) weiterhin möglich erscheinen. Dieses Szenario wird allerdings von der Haltung der EZB und der Veröffentlichung der ungarischen Inflationsdaten am Freitag abhängig sein, welche einen Sprung über die jährliche Wachstumsrate von 4,0 Prozent verzeichnen könnten.

CZK

EUR CZK  (25,650)
Gestärkt durch einen rasanten Anstieg der Einzelhandelsumsätze kehrt die tschechische Krone den seit Mai anhaltenden Abwärtstrend in nur drei Tagen komplett um und wertet auf ein fünfwöchiges Hoch auf, zuletzt gesehen nach der tschechischen Zinserhöhung Anfang Mai. Die Beschleunigung der Einzelhandelsumsätze auf sieben Prozent (ggü. Vorjahr, erwartet waren 5,1 Prozent) scheint die zuletzt schwächere Datenlage der tschechischen Wirtschaft zu überschatten und könnte sich in einem Aufwärtsdruck der Verbraucherpreise widerspiegeln und weitere Zinserhöhungen rechtfertigen. Verstärkt wird diese Annahme ebenso durch den rasanten Anstieg der Löhne, welche im ersten Quartal ein Wachstum von 4,6 Prozent verzeichnen konnten.

Das Niveau 25,600/620 (Tagestief) dient dem EURCZK vorerst als Unterstützung, wobei der Fokus nun auf dem Treffen der Europäischen Zentralbank liegt.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.