Wöchentliche Marktberichte

Jun 05, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Inflationsraten weiter am sinken

USD

EUR USD (1,1260)
Vor dem Hintergrund steigender Erwartungen einer Zinssenkung der US-amerikanischen Notenbank (FED) startete der Euro die Woche mit der größten täglichen Aufwertung seit drei Monaten. Ausgelöst wurde die erhöhte Markterwartung einer geldpolitischen Lockerung, nachdem Zentralbankmitglied James Bullard die derzeit erhöhten Risiken bezüglich des Handelsdisputs und einem fehlenden Inflationsdruck als Rechtfertigung einer Zinssenkung genannt hatte. Nachdem die gestrige Rede des Präsidenten der FED Jerome Powell nicht ganz so pessimistisch ausfiel wie erwartet, schwächte die Abwärtsbewegung des Dollars leicht ab und mit Ihr die Wahrscheinlichkeiten einer Zinssenkung. Diese bleiben jedoch weiterhin auf einem Jahreshoch. Marktteilnehmer sehen eine Vierzehn prozentige Chance einer Zinslockerung bei dem nächsten Treffen Ende Juni, gegenüber einer 27 prozentigen Wahrscheinlichkeit nach der Rede von James Bullard am Montag. Somit bleibt ein konstantes US Zinsniveau für das Jahr fast auszuschließen (zweiprozentige Wahrscheinlichkeit laut FEDWatch Toll) und wird von den Entwicklungen der US-amerikanischen Wirtschaft und den Fortschritten im Handelsstreit abhängig sein. Dass sich der Disput mit China negativ auf die heimische Wirtschaftsaktivität auswirkt, wurde spätestens in den letzten Wochen deutlich. Ersichtlich wird dies durch den einprozentigen Fall der US Werkaufträge im April, welche somit ein 31-monatiges Tief verzeichnen. Mit dem Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag wechselt der Fokus jedoch nach Europa. Die gestrigen Veröffentlichungen der Inflationsdaten zeigen kein gutes Bild für die Eurozone. Nach einer leichten Erholung des Kern Verbraucherpreisindizes für April (1,3 Prozent ggü. Vorjahr) sinkt dieser wieder auf 0,8 Prozent und entfernt sich somit immer weiter von dem 2-Prozent Ziel der EZB. Die schwächeren Inflationsdaten wurden von der Arbeitslosenquote für die Eurozone zum Teil überschattet, welche mit 7,7 Prozent auf das niedrigste Niveau seit August 2008 sinkt. Die EZB wird das allgemeine Zinsniveau voraussichtlich nicht verändern, könnte jedoch indizieren ob Sie die neuesten pessimistischen Beurteilungen der Währungshüter in den USA teilt. Anfang des Jahres wurden die Wachstumsraten für die Eurozone nach unten revidiert. Ein weiteres Zeichen fehlender Hoffnung seitens der EZB könnte die Gemeinschaftswährung negativ beeinflussen.

Der EURUSD durchbricht am Montag den sechsmonatigen Abwärtstrend und notiert auch gestern wieder knapp über der neu gefundenen Unterstützung bei 1,1225. Trotz einiger Veröffentlichungen für den heutigen Tag stehen die EZB Zinsentscheidung am Donnerstag und eine Fülle von US Arbeitsmarktdaten am Freitag im Vordergrund, welche sich als richtungsweisend herausstellen könnten.

CHF

EUR CHF (1,1172)
Wie tief können die Schweizer Zinssätze noch sinken? Laut Erwartungen einiger Investoren und Geldmärkte scheint eine weitere Zinssenkung nicht so abwegig wie anfangs gedacht. Inmitten der erhöhten Handelsanspannungen und der neu aufgekommenen Risikoaversion wertete der Schweizer Franken im Mai um 2,20 Prozent auf. Future Verträge für den März 2020 weisen nun auf eine knapp 50 prozentige Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung (25bp) der Schweizer Nationalbank (SNB). Im April hatte sich SNB Präsident Thomas Jordan Aussagen anderer Zentralbankmitglieder angeschlossen und betonte die Bereitschaft in den Währungsmarkt einzugreifen, sollte die Aufwertung des Franken zu stark werden. Der Zinssatz für Sichteinlagen steht seit 2015 unverändert und wird voraussichtlich beim nächsten Zentralbanktreffen (13. Juni) auf diesem Niveau verbleiben. Das Treffen könnte jedoch Aufschluss über die neuesten Wechselkursbewegungen bieten und somit auch neue Impulse für den EURCHF liefern. Dass der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2015 gefallen ist, scheint dabei kaum jemanden gestört zu haben und so bleibt der EURCHF zum Vortag relativ unverändert über der signifikanten Unterstützung bei 1,1150.

GBP

EUR GBP (0,8860)
Das britische Pfund sah sich gestern leicht gestärkt, nachdem die Popularität von dem ehemaligen Außenminister Boris Johnson zu einem eventuell raschen Nachfolger der Premierministerin führen könnte. Nicht nur erhielt der Favorit für die Führungsposition der konservativen Partei Unterstützung von US-Präsident Donald Trump, sondern auch von hohen Positionen aus der eigenen Partei. Dies scheint ein anfangs unübersichtliches Feld potenzieller Kandidaten auszusortieren und lässt das Pfund höher notieren als die Tage zuvor. Während die neuesten Wirtschaftsdaten für Großbritannien kein allzu gutes Bild skizzieren, scheint jede Form politischen Fortschritts als positives Zeichen für die britische Währung gewertet zu werden. Sowohl der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungssektor fallen in den negativen Bereich und vermerken mit Werten von 49,4 und 48,6 eine Kontraktion im Mai.

Somit wertet der EURGBP nach kurzem Sprung auf 0,8900 leicht ab und signalisiert einen Widerstand für weitere Aufwärtsbewegungen. Lediglich die Einzelhandelsumsätze (Eurozone) könnten neue Impulse für heute setzen wobei der Fokus weiterhin auf dem Zentralbanktreffen und der Rede des Bank of England Präsidenten Mark Carney am Donnerstag liegen wird. Potenzielle Verluste des Paares könnten durch die Unterstützung bei 0,8820 und 0,8780 (200-1D Moving Average) abgefangen werden.

PLN

EUR PLN (4,2780)
Die fünftägige Aufwärtsbewegung des polnischen Zloty scheint nicht an Kraft verloren zu haben und setzt mit dem gestrigen Tag ein neues vierwöchiges Hoch. Rückenwind erhält die polnische Währung dabei von den gestern veröffentlichten Inflationsdaten. Diese sind im April den fünften Monat in Folge gestiegen (2,3 Prozent ggü. Vormonat) und nähern sich dem angestrebten Ziel der polnischen Zentralbank (+/- 2,5 Prozent) immer weiter an. Marktteilnehmer sehen die Wahrscheinlichkeit einer potenziellen Zinserhöhung trotz der zuletzt pessimistischen Aussagen des Präsidenten der polnischen Notenbank (NBP) immer mehr als gerechtfertigt und lassen die Nachfrage nach dem Zloty weiter steigen. Somit blicken Marktteilnehmer auf die heutige Zinsentscheidung, welche den Wechselkurs erheblich beeinflussen könnte.

Der seit Februar anhaltende Bewegungsbereich des EURPLN zwischen 4,2700 und 4,3100 scheint weiter aufrecht zu bleiben, könnte bei einem Durchbruch des unteren Niveaus jedoch zu Potenzial in Richtung 4,2600 (zehnmonatiges Tief) führen. Ein Beibehalten des Zinsniveaus könnte Marktteilnehmer enttäuschen und der Gemeinschaftswährung zumindest kurzfristig Rückenwind in Richtung 4,2900 verschaffen.

HUF

EUR HUF  (321,90)
Erhöhte Erwartungen einer potenziellen Zinssenkung der beiden Währungshüter in den USA und der Eurozone und ein besser als erwarteter Einkaufsmanagerindex (Ungarn) lassen den Forint auf ein sechswöchiges Hoch aufwerten.
Der starke Kontrast zwischen den Inflationsdaten in der Eurozone und der zentral- und osteuropäischen Region könnte weiterhin der stärkste Treiber der Wechselkurse bleiben. Zuletzt stieg die ungarische Inflation auf 3,9 Prozent (auf Jahresbasis) und erreicht somit ein sechsmonatiges Hoch, während die Inflation in der Eurozone nach einem starken Anstieg im April wieder „nur“ 1,2 Prozent (ggü. Vorjahr) wächst. Somit bleibt die Veröffentlichung der ungarischen Verbraucherpreisindizes am Freitag im Fokus der Marktteilnehmer, wobei sich ein Anstieg in einer Abwertung des EURHUF bemerkbar machen würde und zu einem Durchbrechen der Unterstützung 321,50 (50-1D Moving Average) führen könnte.

CZK

EUR CZK  (25,690)
Von der historisch geringen Volatilität des EURCZK scheint am Anfang der Woche nichts zu sehen zu sein. Getrieben von Markterwartungen einer US Zinssenkung und der gestrigen Veröffentlichung der tschechischen Löhne vermerkt die Krone die Zweite rasante Aufwertung in Folge und steigt um 0,40 Prozent gegenüber dem Euro auf ein zweiwöchiges Hoch. Durchschnittliche tschechische Reallöhne verzeichneten einen 4,6 prozentigen Anstieg gegenüber dem Vorjahr (im ersten Quartal) und wecken leichte Hoffnungen auf eine Veränderung der derzeitigen taubenhaften Haltung der Zentralbank (CNB). Diese sieht sich aufgrund der verschlechterten Wirtschaftssituation nicht in der Lage das Zinsniveau weiter anzuheben. Die prekäre Lage wurde am Montag nochmals wiederholt, als der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im negativen Bereich (46,5) verbleibt und für den April eine Kontraktion aufweist.


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