Wöchentliche Marktberichte

Jun 04, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Mexiko im Visier von Donald Trump

USD

EUR USD (1,1250)
Die gestrige Rede des US Zentralbankenmitglieds James Bullard bestätigte die Märkte in Ihrer Annahme potenzieller Zinssenkungen in diesem Jahr und nimmt dem Dollar jeglichen Rückenwind. Bullard nannte die erhöhten Risiken bezüglich des Handelskriegs und den fehlenden Inflationsdruck als Grund für eine mögliche expansive Geldpolitik.
Gemessen an den Federal Funds Futures sehen Marktteilnehmer eine 50,4 prozentige Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juli. Anfang des Jahres war aufgrund des starken Wirtschaftswachstums und einer geduldigen FED noch von keiner Veränderung des Zinsniveaus auszugehen. Nun scheinen laut Marktteilnehmern und den Futures auf den US-amerikanischen Leitzins bis Jahresende sogar zwei oder mehr Senkungen möglich (Zwei Zinssenkungen bis Jahresende mit einer 80 prozentigen Wahrscheinlichkeit notiert). Gekoppelt mit der geringen Chance einer sofortigen Lösung des Handelsdisputs vor dem G20 Treffen Ende Juni bleibt die Anspannung weiter erhalten und könnte negative Einflüsse auf die beiden Volkswirtschaften haben. Die Bestätigung einer negativen Einflussnahme in Form einer schwächeren Industrie scheint dabei immer deutlicher zu werden. Der US-amerikanische Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe erreicht mit 52,1 den niedrigsten Wert seit Oktober 2016 und lässt die normalerweise resistente US Wirtschaft angeschlagen. Im heutigen Fokus stehen Inflationsdaten für die Eurozone, welche vor dem Treffen der Europäischen Zentralbank am Donnerstag Aufschluss über die Preisbewegungen geben könnten. Obwohl eine Verringerung der harmonisierten Inflation von 1,7 auf 1,3 Prozent erwartet wird, gehen Marktteilnehmer von keiner Veränderung des Zinsniveaus aus. Händler erwarten sich jedoch Einzelheiten über das neue geldpolitische Expansionsprogramm (TLTRO), welches dieses Jahr in die dritte Runde gehen soll und das „Quantitive Easing“ Programm der EZB ablösen wird. Mit dem erwarteten Fall der US-amerikanischen Werkaufträge, welche heute veröffentlicht werden, könnte sich der Druck auf den Dollar erhöhen und weitere Bewegungen des EURUSD nach oben entfalten. Eine wirkliche Aufwärtsbewegung des EURUSD könnte durch eine taubenhafte EZB und die am Freitag positiv erwarteten US-Arbeitsmarktdaten jedoch gedämpft werden.

Somit verzeichnet der EURUSD die größte tägliche Aufwertung seit dem 25. Januar und durchbricht den seit September 2018 anhaltenden Abwärtstrend. Nachhaltige Aufwärtsbewegungen werden erst über 1,1300/75 signalisiert, wobei die neu gefundene Unterstützung bei 1,1200/20 Bewegungen nach unten limitieren könnte.

CHF

EUR CHF (1,1172)
Potenzielle Spekulationen einer US-Zinssenkung und die von Donald Trump angekündigte Drohung weiterer Zölle auf mexikanische Waren lassen die Nachfrage nach sicheren Häfen gerade erheblich steigen. Die erhöhte Risikoaversion stärkt die Attraktivität des Schweizer Franken und lässt diesen kurz auf ein neues Jahreshoch steigen (1,1110). Der EURCHF annulliert somit jegliche im April erworbenen Gewinne und wertet im Mai um 2,20 Prozent ab, was den größten monatlichen Verlust seit August 2018 für das Währungspaar darstellt. Marktteilnehmer ignorieren dabei die Bereitschaft der Zentralbank das Zinsniveau und somit die Stärke des Franken gering zu halten.

Aufgrund der anhaltenden Handelssorgen und einer womöglich taubenhaften Europäischen Zentralbank am Donnerstag, könnte die Tendenz zur Schwäche der Gemeinschaftswährung weiter anhalten. Ein Durchbruch der neu gefundenen Unterstützung bei 1,1110 könnte Bewegungen in Richtung 1,1010 auslösen.

GBP

EUR GBP (0,8880)
Mit dem gestrigen Tag beginnt Donald Trump seinen dreitägigen Staatsbesuch in Großbritannien. Laut einem Interview mit der Sunday Times, habe Trump den neu gefundenen Chef der Brexit Partei Nigel Farage gelobt und hinterfragt, wieso diesem kein Platz bei den Austrittsverhandlungen zugesprochen wurde. Ebenso unterstützt der US-amerikanische Präsident den Brexit Hardliner Boris Johnson in seinen Versuchen neuer Premierminister zu werden und die konservative Partei zu übernehmen. Mit der Rücktrittsankündigung der Premierministerin wechselte der Fokus von der Findung eines Austrittsabkommens zu der Suche nach einem Nachfolger und so bleiben Fortschritte in Sachen Brexit zumindest vorerst weiter aus. Somit wechselt die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer seit langer Zeit wieder auf die Wirtschaft Großbritanniens, welche aufgrund der politischen Unsicherheit unbeachtet blieb. Diese scheint dem Pfund jedoch genauso wenig Unterstützung zu bieten, insbesondere da erste Zeichen einer Verlangsamung ersichtlich werden. Sorgen um einen No Deal Brexit ließen den Einkaufsmanagerindex auf 49,4 fallen, den geringste Wert seit Juli 2016, nachdem neue Exportaufträge den größten Fall seit 2014 verzeichnet hatten.

Die gestrige Schwäche in der britischen Datenlage stärkt den Aufwärtstrend des EURGBP, welcher im Mai mehr als 4,5 Prozent zulegen konnte und so den besten Monat seit August 2017 hinlegte. Ein Überwinden des Hindernisses bei 0,8920 könnte zu Bewegungen in Richtung Jahreshoch 0,9000 führen, wobei an der Unterseite 0,8780 (200-1D Moving Average) potenzielle Verluste minimieren könnte.

PLN

EUR PLN (4,2805)
Unbeeindruckt von den gestrigen Ereignissen führt der polnische Zloty seine leichte Aufwärtsbewegung weiter fort und setzt nach der Vierten täglichen Aufwertung in Folge ein neues einmonatiges Hoch. Die gestrige Stärke kam inmitten der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der US-amerikanischen Notenbank, trotz der enttäuschenden heimischen Einkaufsmanagerindizes (polnische PMIs), welche für das verarbeitende Gewerbe auf 48,8 fallen und somit weiterhin eine monatliche Kontraktion aufweisen. Der Fall des Indizes im Mai stellt somit den siebten Monat im negativen Bereich dar und markiert die längste Kontraktion der Industrie seit sechs Jahren. Die heutigen Veröffentlichungen der Verbraucherpreisindizes könnten laut Prognosen einen Anstieg der Inflation auf 2,40 Prozent verzeichnen und sich so dem Inflationsziel der polnischen Zentralbank von 2,5 Prozent annähern. Die NBP sieht sich diesbezüglich einem Dilemma entgegen, in welchem die stetig wachsende Inflation aufgrund externer globaler und wirtschaftlicher Probleme womöglich nicht mit einer Zinserhöhung bekämpft werden könnte.

Potenzielle Bewegungen zum Jahrestief 4,2600 werden durch die beiden signifikanten Unterstützungen bei 4,2800 und 4,2700 verhindert. Auf der Oberseite limitiert 4,2900/70 (200-50-1D Moving Average) zu große Verluste der polnischen Währung gegenüber der Gemeinschaftswährung.

HUF

EUR HUF  (323,10)
Im Gegensatz zu Polen scheint der ungarische Einkaufsmanagerindex mit dem Anstieg im Mai weiterhin die Stärke der heimischen Wirtschaft widerzuspiegeln. Mit dem Anstieg des Indikators auf 57,9 (im Vormonat noch 55,1) bekräftigt dieser das zuletzt überraschend positive Bruttoinlandsprodukt. Die ungarische Wirtschaft expandierte im ersten Quartal (auf Jahresbasis) um 5,3 Prozent und verzeichnet somit das größte Wachstum seit fünfzehn Jahren.
Als Begleiterscheinung des rasanten Wirtschaftswachstums stieg die Inflation auf 3,9 Prozent und befindet sich somit auf einem siebenjährigen Hoch, konnte die ungarische Zentralbank bei dem letzten Treffen jedoch zu keiner Zinshebung bewegen.

Mit der gestrigen Aufwertung des Forints findet der EURHUF ein dreiwöchiges Tief bei der Unterstützung 323,00. Weitere Abwärtsbewegungen mit Potenzial 319,90 könnten von 321,60 (200-1D Moving Average) gedämpft werden.

CZK

EUR CZK  (25,790)
Die Argumente für eine Stärkung der tschechischen Krone werden immer geringer. Inmitten der erhöhten Handelsanspannung und einer schwächeren ausländischen Nachfrage verbleibt der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe auf einem sechsjährigen Tief (Wert von 46,6). Die weiteren Datenveröffentlichungen für diese Woche werden mit dem Einzelhandelsumsätzen (Mittwoch) und einigen Industriedaten (Donnerstag) Aufschluss über die derzeitige Lage der tschechischen Ökonomie geben. Bislang bleibt die leichte Tendenz zur Schwäche trotz der gestrigen Aufwertung der Krone jedoch weiter erhalten.


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