Wöchentliche Marktberichte

Mai 29, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Chinas Vergeltung

USD

EUR USD (1,1160)
Dass die US-Sanktionen gegen den chinesischen Telekommunikationsgiganten Huawei nicht ohne Folgen bleiben würden war von vornherein klar. Nun scheint sich der Handelsdisput zwischen den zwei größten Volkswirtschaften jedoch auch auf den Rohstoffhandel auswirken zu können. Berichten zufolge plant der chinesische Staatspräsident Xi Jinping die Ausfuhr von seltenen Erden in die Vereinigten Staaten zu begrenzen und so Washington unter Druck zu setzten. Dass dies Folgen für die amerikanische Wirtschaft haben könnte, wird schnell ersichtlich, zumal die USA zwischen 2014 und 2017 80 Prozent der seltenen Erde aus China geliefert bekam. Als Verlierer dieser potenziellen Vergeltungsmaßnahmen sehen sich bislang risikoreichere Währungen in Schwellenländern, aber auch die europäische Gemeinschaftswährung, welche ohnehin aufgrund der politischen Unsicherheit in der Union angeschlagen bleibt. Zuletzt rückte dabei der Streit zwischen Italiens Premierminister Matteo Salvini und Brüssel in den Vordergrund, da Salvini mit Steuersenkungen voraussichtlich ein Überschreiten der von der EU festgelegten Budgetgrenze plant und die Europäische Kommission Berichten zu Folge mit einer Strafe von vier Milliarden Euro entgegenhalten könnte. Währenddessen steigt die Prämie die Investoren verlangen, um italienische Staatsanleihen zu halten weiter an. Die Spanne zwischen den Renditen der deutschen und italienischen zehnjährigen Staatsanleihe betrug gestern 2,86% und stellte somit die größte Differenz seit Februar dar. Somit genießt die Politik die letzten Tage weiterhin einen größeren Stellenwert als die Wirtschaft, insbesondere da nach den Wahlen zum Europäischen Parlament nun die zwei wichtigsten Positionen in der EU frei geworden sind, das Präsidium der europäischen Kommission und Zentralbank. Als Favoriten für die Kommissionspräsidentschaft werden derzeit die Spitzenkandidaten der supranationalen Parteien gehalten, wobei CSU Politiker Manfred Weber von Buchmachern an die Spitze gestellt wird. Der französische Präsident Emmanuel Macron möchte einen Deutschen an der Spitze der Kommission so gut wie möglich verhindern und schlug andere Kandidaten vor. Falls Weber nicht die Kommission übernimmt, würde das den Weg für einen deutschen EZB-Präsidenten ebnen und mit dem Bundesbankchef Jens Weidmann (derzeit von Buchmachern auf Platz vier gesetzt) einen geldpolitischen Falken an die Spitze des europäischen Währungshüters stellen. Aufseiten wirtschaftlicher Veröffentlichungen zeigen Verbrauchervertrauensindikatoren einen erhöhten Optimismus in der Eurozone als auch in den USA. Beide Indizes verweisen auf einen positiven Ausblick der Konsumenten, welche die Wirtschaftslage trotz erhöhter politischer Anspannung aufgrund beidseitig starker Arbeitsmärkte optimistisch sehen.

Der EURUSD bleibt aufgrund der geopolitischen und europäischen Unsicherheit weiterhin bereichsgebunden in seinem sechsmonatigen Abwärtstrend, welcher an der Oberseite mit 1,1220 einen schwer zu durchbrechenden Widerstand darstellt. Somit bleibt weiterhin das Szenario eines Durchbruchs unter das Jahrestief 1,1100 möglich.

CHF

EUR CHF (1,1235)
Der Franken befindet sich weiterhin auf einem guten Weg die Verluste des Vormonats (-2,4% ggü. dem Euro) komplett zu annullieren, wobei die Nachfrage nach sicheren Häfen insbesondere mit dem gestrigen Tag weiter zugenommen hat. Im Mittelpunkt standen gestern jedoch seit langem wieder Wirtschaftsdaten für die Schweiz. Erstaunlich übertrifft das Schweizer Bruttoinlandsprodukt alle Erwartungen und steigt im ersten Quartal 0,6 Prozent (auf Jahresbasis 1,7%). Dieses Zeichen einer leichten Erholung bieten eine Abwechslung zu den zuletzt enttäuschenden Daten, welche auf Kollateralschäden aufgrund der schwächeren deutschen Wirtschaft und dem Handelsdisput hindeuteten. Dies bildet einen starken Kontrast mit den vor Kurzem veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe, welche auf ein vierjähriges Tief fallen. Bestätigt wurde die pessimistische Haltung von dem KOF Leitindex, welcher die derzeitige Situation von Unternehmen abbildet und fünf Monate hintereinander gefallen ist. Der Schweizer Franken scheint von den Veröffentlichungen wenig bis kaum getrieben zu sein, zumal die Funktion als sicherer Hafen derzeit jegliche andere Probleme überschattet. Eine zu starke Aufwertung könnte jedoch von der Zentralbank verhindert werden, welche mit Negativzinsen und der Bereitschaft in den Währungsmarkt einzugreifen versucht, den Schweizer Franken konkurrenzfähig zu halten.

Eine längerfristig anhaltende Risikoaversion könnte unter den Marktteilnehmern dafür sorgen, dass der Euro weiterhin unter Druck gerät und temporär die Unterstützung 1,1220 durchbricht. Ein Durchbrechen dieses Niveaus könnte Bewegungen in Richtung 1,1195 (Tief 24. Mai) auslösen, bleibt jedoch von den Handelsgesprächen und der Haltung der Zentralbank abhängig.

GBP

EUR GBP (0,8820)
Der EURGBP beendet den gestrigen Tag wiederholt über 0,8800 (200-1D Moving Average) und scheint bei diesem Niveau eine stabile Unterstützung gefunden zu haben. Unsicherheiten bezüglich des gescheiterten Brexitabkommens verhalfen dem Euro zu einer vierzehntägigen Aufwertung gegenüber dem Pfund. So eine Schwäche der britischen Währung war zuletzt vor zwanzig Jahren zu sehen und zeigt, wie angeschlagen das Pfund momentan ist. Umso überraschender war die positive Reaktion der Märkte auf die Ankündigung des Rücktritts der Premierministerin Theresa May, was kurzfristig sogar eine leichte Aufwertung des Pfunds zur Folge hatte. Berichten von der Rating Agentur S&P zufolge, habe sich die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal Brexits deutlich erhöht, wobei sich die ökonomischen Risiken eines Austritts ohne Deal als verheerend herausstellen könnten. Fortschritte und weitere Austrittsgespräche werden nun von beiden Seiten erschwert werden. Vertreter der Europäischen Union verweigern weiterhin jegliche Annäherungsversuche, wobei der Sieg der Brexit Partei bei den Europawahlen den No-Deal Brexiteers Rückenwind für härtere Verhandlungstaktiken bieten wird. Der überraschende Anstieg der liberalen Demokraten, welche mit rund 20 Prozent auf den zweiten Platz landen, bietet Hoffnungen auf ein zweites Referendum, bleibt vorerst jedoch unwahrscheinlich.

PLN

EUR PLN (4,2970)
Nach einem starken Auftakt in die Woche lässt die Nachfrage nach dem polnischen Zloty gestern leicht ab und verschafft dem EURPLN einen Schub in Richtung des oberen Bewegungsbandes zwischen 4.2900 und 4,3100. Dabei wurden die Äußerungen des Zentralbankenmitglieds Kamil Zubelewicz über eine potenzielle Zinserhöhung weitgehend ignoriert. Zubelewicz sieht den derzeit zunehmenden Inflationsdruck (vier Monate hintereinander gestiegen) mit nur einer Zinserhöhung leicht bekämpfbar, wobei die höheren Kreditkosten die Nachfrage leicht senken würden und somit auch die inflationären Risiken. Dies stand in starkem Kontrast mit den Aussagen des NBP-Präsidenten Adam Glapinski, welcher sich mehrmals über die Vorteile des niedrigen Zinsumfeldes äußerte und eine Zinsveränderung erst im Jahr 2022 vorsieht.

HUF

EUR HUF  (327,20)
Die gestrige Zinsentscheidung der ungarischen Zentralbank setzt ein klares Zeichen. Mit dem Beibehalten des Zinsniveaus signalisiert die NBH die Zufriedenheit über die heimische Wirtschaft und stellt zugleich den steigenden externen Risiken einen höheren Stellenwert zu, als dem erhöhten Inflationsdruck.  Somit bleibt der Leitzins mit 0,9% auf dem Rekordtief, trotz einer Inflation welche mit 3,9% nur knapp unter dem Inflationsziel der Zentralbank (2-4%) liegt. Somit rückt das Treffen der Notenbank im Juni in den Fokus der Marktteilnehmer, da ein weiterer Anstieg des Preisniveaus, gekoppelt mit der Veröffentlichung des Inflationsberichts zu einem Anpassen des Zinssatzes führen könnte. Dieses Szenario bleibt jedenfalls aufrecht, da die Zentralbank Ihre flexible Politik betont und die Bereitschaft zeigt bei erhöhten Problemen einzugreifen.

Mit der gestrigen Abwertung des Forints bleibt der steile einmonatige Aufwärtstrend weiter erhalten erreicht erneut ein sechsmonatiges Hoch bei einem Schlusskurs von 327,30. Unterstützung findet die Aufwärtsbewegungen bei einem unerwarteten Fall bei 325,80 und 324,60, wobei das „Risk-off“ Sentiment Bewegungen in Richtung 330,00 (Psychologische Grenze und Hoch 05. September 2018) weiterhin möglich erscheinen lässt.

CZK

EUR CZK  (25,850)
Neben den gestrigen Veröffentlichungen der ökonomischen Sentimentindikatoren für die USA und die Eurozone, ging der Indikator für die tschechische Wirtschaft weitgehend unter, könnte jedoch eine wichtige Rolle in der nächsten Zinsentscheidung der Zentralbank spielen. Dem Indikator zufolge sehen Firmen und Verbraucher die tschechische Wirtschaft auf einem dreijährigen Tief (Indikator fällt auf 95,7). Der Stimmungsabfall markiert somit weitere Bewegungen unter die Marke von 100, welche ein optimistisches von einem pessimistischen Sentiment trennt. Getrieben wurde der Verfall durch eine pessimistische Haltung der Unternehmen, wobei die Stimmung unter Konsumenten leicht ansteigen konnte. Diese Erkenntnis deckt sich mit den gescheiterten Handelsgesprächen zwischen China und den USA, welche sich bei weiterer Eskalation über erhöhte Zölle zumindest kurzfristig stärker auf die Unternehmen als die Konsumenten auswirken könnten.


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