Wöchentliche Marktberichte

Mai 28, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

USD

EUR USD (1,1180)
Es war wohl den Feiertagen in den USA und Großbritannien zu verschulden, dass der gestrige Tag einen ruhigen Start in die Woche markierte. Die leicht positive Überraschung über die ersten Hochrechnungen der Europawahlergebnisse in der Nacht auf den Montag ließ den Verkaufsdruck gegenüber der Gemeinschaftswährung abschwächen. Obwohl der Anstieg rechtspopulistischer und euroskeptischer Parteien deutlich in den Wahlergebnissen spürbar ist, scheinen Marktteilnehmer die linken (ALDE 109 Mandate) und Grünen (69 Mandate) Parteien als klare Sieger gegenüber dem Vorjahr identifiziert zu haben. Euroskeptische Parteien halten knapp 25 Prozent der 751 Sitze im Parlament, konnten jedoch nur in vier Ländern eine absolute Mehrheit erlagen (Italien, Polen, Ungarn und Griechenland). Dass die politischen Turbulenzen mit der Wahl zum Europäischen Parlament nicht ganz vom Tisch sind, scheint nicht nur in dem fehlenden Antrieb der Gemeinschaftswährung deutlich zu werden. Die zuletzt angespannte Beziehung zwischen Brüssel und dem italienischen Premierminister Matteo Salvini scheint mit dem Sieg seiner nordischen Liga nicht gerade leichter kontrollierbar geworden zu sein. Kernthema des Konfliktes bleibt der Schuldenstand Italiens. Berichten zufolge soll die Europäische Kommission ein disziplinäres Verfahren gegen Italien eingeleitet haben, aufgrund fehlender Bereitschaft Maßnahmen einer Schuldenreduktion einzuführen. Die zuletzt vorgeschlagene Steuersenkung Salvinis wird den Konflikt nicht gerade beruhigen und so bleibt Italien auch nach der Wahl ein offenes Thema und potenzielle Schwachstelle für die Gemeinschaftswährung. Ebenso scheint die Europawahl Ihre Spuren in Griechenland hinterlassen zu haben, nachdem Premierminister Alexis Tsipras aufgrund des schlechten Ergebnisses Neuwahlen ausruft. Der Fokus der Marktteilnehmer wechselt somit langsam wieder von der Politik zur Wirtschaft, wobei am Kalender für heute die beiden Verbrauchervertrauensindizes für Deutschland und die USA bevor stehen, gefolgt von der Veröffentlichung des finanziellen Stabilitätsberichts der Europäischen Zentralbank am Mittwoch.

Aufgrund fehlender ökonomischer Daten und infolgedessen geringerer Liquidität am Markt konnten sich die Neuigkeiten wenig bis kaum auf den Kurs auswirken. Der Bereich 1,1200/50 scheint jedoch wiederholt seit zwei Monaten zu halten und so bleibt die Tendenz zur Schwäche mit dem Szenario eines Durchbruchs des Jahrestiefs 1,1100 weiter möglich.

CHF

EUR CHF (1,1235)
Die gestrigen Ergebnisse der Wahl zum Europäischen Parlament stärkten die Gemeinschaftswährung leicht, substanzielle Aufwärtsbewegungen werden jedoch von 1,1260 in Grenzen gehalten. Aufseiten relevanter Veröffentlichungen für die Schweizer Wirtschaft stechen das Bruttoinlandsprodukt (heute), der KOF Leitindikator (Mittwoch) und die Herausgabe der Einzelhandelsumsätze (Donnerstag) hervor. Die zuletzt veröffentlichten Daten konnten dem Schweizer Franken keinen Rückenwind verschaffen und so bleiben Aufwertungsversuche gegenüber dem Euro vom globalen Risikosentiment abhängig, welches dem Franken einen leichten Vorteil gegenüber dem Euro zuspricht.

GBP

EUR GBP (0,8825)
Die derzeitige Polarisierung der britischen Politik scheint mit den Wahlen zum Europäischen Parlament einen Höhepunkt gesetzt zu haben. Wie erwartet gewinnt die Brexit Partei von Nigel Farage mit 35 Prozent die meisten Mandate, gefolgt von den liberalen Demokraten, welche etwas unerwartet mit 18 Prozent auf den zweiten Platz landen. Als Verlierer des Abends stehen die Tories von Theresa May da, welche mit 8,7 Prozent sogar zusammen mit der derzeitigen Regierungsopposition (Labour) weit hinter der Brexit Partei stehen würden. Spätestens der Rücktritt Theresa Mays konnte deutlich vor Augen führen, dass die zweigleisige Strategie beide Seiten glücklich zu stimmen nicht viel bringen konnte. Nach Bekanntgabe des Rücktritts meldeten sich acht Kandidaten bereit, die Führung der konservativen Partei zu übernehmen. Als klarer Favorit wird dabei Boris Johnson gehandelt, wobei der Ex-Bürgermeister darauf hindeutete, man solle sich auf einen harten Brexit vorbereiten, falls es zu keinen Kompromissen bis zum 31. Oktober kommt.

Nach einem kurz anhaltenden Optimismus nach der Verkündung des Rücktritts der Premierministerin, scheint die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines No-Deal Brexits die Märkte wieder im Griff zu haben und so wertet der EURGBP gestern wiederholt auf. Jegliche Bewegungen oberhalb des psychologischen Niveaus 0,8800 signalisieren ein Weiterführen der Aufwärtsbewegung, wobei potenzielle Verluste von 0,8720 limitiert werden könnten.

PLN

EUR PLN (4,2890)
Dass der polnische Zloty die Woche mit der größten Aufwertung gegenüber dem Euro seit Anfang März beginnen konnte, lag an der positiven Reaktion der Marktteilnehmer auf die europäischen Wahlen. Ebenso positiv fiel laut einigen Analysten der Sieg der regierenden nationalistischen PiS-Partei aus, welche mit 46 Prozent knapp die absolute Mehrheit verpasste. Aufseiten relevanter Wirtschaftsdaten verweisen die gestern veröffentlichten Industrieaufträge auf einen Jahresanstieg von 15,9% im April, nachdem diese im März um elf Prozent gewachsen sind. Dass sich auch der Arbeitsmarkt leicht verbessern konnte, wird an der Arbeitslosenquote deutlich, welche im März auf 5,6% sinkt und laut den neuesten Prognosen der Europäischen Kommission in den Jahren 2020/2021 3,5% erreichen könnte. Fast unbeeindruckt sah sich die polnische Zentralbank (NBP) jedoch über die zuletzt besser als erwarteten Wirtschaftsveröffentlichungen, wobei Notenbankpräsident Adam Glapinski eine Zinserhöhung erst auf den Dezember im Jahr 2022 setzt. Einstimmigkeit in den Reihen der polnischen Zentralbank scheint jedoch nicht zu herrschen, insbesondere nach den gestrigen Aussagen des NBP-Mitglieds Eugeniusz Gatnar, welcher eine Intervention in der Zinspolitik für notwendig sieht, sollte die Inflation das 2,5 Prozent Ziel erreichen. Derzeit befindet sich diese bei 2,2% und verzeichnete die letzten vier Monate einen konstanten Anstieg, was sich laut Gatner fortführen könnte, sollte das Fiskalpaket der Regierung sich in einem höheren Preisniveau widerspiegeln.

Trotz des positiven Starts in die Woche, bleiben bereichsgebundene Bewegungen zwischen 4,2900 und 4,3100 mittelfristig zu erwarten. Ein Anstieg der Verbraucherpreisindizes am Mittwoch könnte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung jedoch stärken und so Bewegungen in Richtung 4,8200 ermöglichen.

HUF

EUR HUF  (325,75)
Laut den neuesten Umfragen von Reuters und Aussagen mehrerer Mitglieder der ungarischen Zentralbank sollte es bei der heutigen Zinsentscheidung zu keinen Überraschungen kommen und so könnte der Leitzins am Rekordtief von 0,9 Prozent gehalten werden. Die ungarische Wirtschaft konnte gestützt von einem geringen Leitzins und einem starken Arbeitsmarkt ein Wachstum von 5,1 Prozent verzeichnen und liegt somit deutlich über dem regionalen Durchschnitt. Der Zinssatz, welcher von 2014 konstant von 2,3 Prozent auf die derzeitigen 0,9 Prozent gesenkt wurde, führte eine leichte Schwäche des Forints mit sich, insbesondere da regionale Währungen durch ein höheres Zinsniveau und geringere Inflationszahlen deutlich attraktivere Investitionsmöglichkeiten darstellten. Mit 3,9 Prozent befindet sich die Inflation jedoch auf einem siebenjährigen Hoch und könnte zu Überraschungen bei der Zinsentscheidung führen.

CZK

EUR CZK  (25,830)
Nach dem Verwerfen der „Forward-Guidance“ der ungarischen und polnischen Zentralbank, scheinen die Zinsentscheidungen der tschechischen Zentralbank das größte Potenzial für unerwartete Überraschungen zu haben. Laut Aussagen des CNB-Mitglieds Tomáš Holub sollte der Zinssatz bei dem nächsten Treffen im Juni konstant gehalten werden, wobei ab dann Zinsänderungen in beide Richtungen möglich erscheinen. Holub zufolge könnte die Schwäche der Krone, verursacht durch ein „Risk-off“ Sentiment, die nächsten Monate anhalten und so die tschechische Währung leicht nach unten treiben. Manifestiert hat sich die erhöhte Risikoaversion durch den Durchbruch der EURCZK aus der sechsmonatigen Dreiecksformation, wobei weitere Aufwärtsbewegungen derzeit von 25,880 limitiert werden.


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