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Wöchentliche Marktberichte

Mai 27, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Parlament fragmentiert

USD

EUR USD (1,1210)
Der zuletzt eingesetzte Verkaufsdruck gegenüber der Gemeinschaftswährung wird gegen Ende der letzten Woche aufgrund enttäuschender US-amerikanischer Daten gemildert und so wertet der EURUSD am Freitag auf ein achttägiges Hoch auf. Diese kurzfristige Aufwärtsbewegung wurde auch nach der Öffnung der Märkte am Montag fortgeführt, nachdem erste Ergebnisse der Europawahl ein besser als erwartetes Bild für europafreundliche Parteien skizzieren. Euroskeptische und rechts-populistische Parteien haben laut Schätzungen deutlich gegenüber der letzten Wahl vor vier Jahren aufgeholt, die absoluten Gewinner gegenüber dem Vorjahr scheinen jedoch die grünen und neueren liberalen Parteien zu sein, welche der weiterhin größten Partei (EPP- Europäische Volkspartei) Mandate entzogen haben. Somit lassen die Wahlen ein stärker fragmentiertes Parlament als Resultat zurück, wobei die beiden stärksten Parteien (EPP und S&D) Ihre Mehrheit wie erwartet zum ersten Mal in vierzig Jahren verloren haben. Zusammengenommen bilden euroskeptische Parteien 23 Prozent der Mandate im Parlament, wobei die größten Sieger der Rechtspopulisten mit Marine Le Pens und Matteo Salvinis in Frankreich und Italien gefunden werden können, welche beide an erster Stelle landen. Mit dem Ende der Wahlen blicken die Märkte wieder auf Wirtschaftsveröffentlichungen und die Handelsprobleme, um die globale Risikobereitschaft einzuschätzen. Aufgrund des heutigen Feiertages in den USA und Großbritannien könnten sich Kursschwankungen in Grenzen halten, wobei der Fokus der Woche am Bruttoinlandsprodukt für die USA am Donnerstag und Inflationsdaten für Deutschland und die USA am Freitag liegt. Der deutsche Verbraucherpreisindex könnte einen Rückgang auf 1,6% verweisen, nachdem im Vormonat die 2 Prozent-Marke geknackt wurde, welche von der Europäischen Zentralbank (EZB) angezielt wird. In den USA ist von einem Gleichbleiben der Kerninflation (PCE Core) auszugehen. Dass Inflationsdaten gerade hohes Interesse genießen, liegt ebenso an den letzte Woche veröffentlichten Protokollen der Zentralbanken der Eurozone und den USA, welche sich um fehlenden Inflationsdruck Gedanken machen. Laut dem EZB-Rat spiegeln die schwachen Inflationsdaten eine schwächere Konjunkturaussicht wider und bestätigen die taubenhafte Haltung der Währungshüter.

Die größte technische Hürde für das Einleiten eines Aufwärtstrends im EURUSD bleibt der sechsmonatige Abwärtstrend, welche an der Oberseite durch 1,1230 gekennzeichnet ist. An der Unterseite bleibt der Bereich 1,1105/10 gut unterstützt, könnte jedoch bei einem Durchbruch zu Bewegungen Richtung 1,0280 führen.

CHF

EUR CHF (1,1240)
Die allgemein anhaltende Risikoaversion und der langsame Verfall des neu ausgearbeiteten Austrittsabkommens der britischen Premierministerin, verhalfen dem Schweizer Franken auf ein siebenwöchiges Hoch gegenüber dem Euro.  Die Stärke des Franken wurde ebenfalls durch die derzeitigen Handelsprobleme zwischen den USA und China gefestigt. Die fehlende Risikobereitschaft zeigt sich ganz klar in der Aufwertung sicherer Häfen wie dem japanischen Yen, Gold und dem Schweizer Franken, welche deutlich gegenüber dem Euro aufwerten konnten. Aufseiten der Wirtschaftsdaten für diese Woche stehen das Schweizer Bruttoinlandsprodukt am Dienstag (Wachstum von einem Prozent im ersten Quartal erwartet), der KOF Leitindikator am Mittwoch und Einzelhandelsumsätze am Freitag im Fokus der Marktteilnehmer. Die gleitenden Durchschnitte (50-200-1D Moving Average) bei 1,1310 und 1,1330 bilden derzeit den Widerstand für weitere Aufwärtsbewegungen des Paares, wobei an der Unterseite 1,1195 verhindert, dass sich Bewegungen zum Jahrestief (1,1165) entfalten.

GBP

EUR GBP (0,8800)
Nach einer fast einmonatigen Aufwärtsbewegung verzeichnet das europäische Paar am Freitag erste Verluste, nachdem Premierministerin Theresa May Ihren Rücktritt verkündet und voraussichtlich am 07. Juni den Vorsitz der Konservativen Partei abgeben wird. Nun wechselt der Fokus auf potenzielle Nachfolgerinnen der Premierministerin, wobei Boris Johnson, der ehemalige Außenminister ein führender Kandidat bleibt. Dieser äußerte sich letzte Woche über die Notwendigkeit des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union und dass es eine Verlängerung über der Frist am 31. Oktober nicht geben werde. Der Rücktritt der Premierministerin erhöht laut einem Bericht der Ratingagentur S&P die Wahrscheinlichkeit eines härteren Austritts Großbritanniens aus der Union. Dies scheint Marktteilnehmer kurzfristig jedoch nicht allzu negativ eingestimmt zu haben und so verzeichnet das Paar die erste Abwertung seit vierzehn Tagen. Die Frustration gegenüber der führenden Partei Mays zeigte sich auch bei den Europawahlen, bei denen die Tories gerade Mal neun Prozent der Stimmen holten und laut Zählungen klar von der EU-feindlichen Brexit-Partei von Nigel Farage (33 Prozent) besiegt worden sind.

Mit dem Rücktritt Theresa Mays bleibt die Unsicherheit trotz der ersten positiven Reaktion weiterhin erhalten und könnte die britische Währung weiter schwächen, falls keine konkreten Zeichen einer Verbesserung sichtbar werden. Das psychologische Niveau 0,8800 stellt derzeit die erste Unterstützung an der Unterseite dar, wobei im Falle weiterer Verluste 0,8720 verhindern könnte, dass sich Potenzial in Richtung 0,8670 entfaltet. Auf der Oberseite scheint der erste signifikante Widerstand bei 0,8900 zu liegen.

PLN

EUR PLN (4,2920)
Die am Freitag leicht sichtbare Verbesserung der Risikobereitschaft gewisser Marktteilnehmer ließ die Stärke der polnischen Wirtschaft zum Vorschein kommen und führte zu der größten Aufwertung des polnischen Zloty seit dem 08. März. Dies macht noch mal deutlich, wie signifikant die Stärke der polnischen Währung durch die externen Unsicherheiten bezüglich der deutschen Industrie, dem Handelskrieg und dem Brexit limitiert wird. Verhindert wird eine potenziell längerfristige Aufwertung des Zloty ebenfalls durch die Zentralbank, welche von keiner Zinserhöhung in diesem Jahr ausgeht. Diese Erwartungen wurden durch Zentralbankmitglied Grazyna Ancyparowicz bestätigt, welcher ein Beibehalten des Zinsniveaus mit „mehr oder weniger 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit“ notiert und dies an die Öffentlichkeit kommunizieren will, um Stabilität und sichere Erwartungen für die Zukunft zu schaffen.
 
Somit könnte der EURPLN eine Zeit lang bereichsgebunden zwischen 4,2900 und 4,3100 notieren, wobei ein Durchbruch der Unterseite weitere Unterstützung bei 4,2820 und 4,2710 finden würde.

HUF

EUR HUF  (325,15)
Der Verkaufsdruck gegenüber dem US-Dollar, ausgelöst durch enttäuschende Daten für das verarbeitende Gewerbe und eine taubenhafte Zentralbank stärkten zentraleuropäische Währungen gegen Ende letzter Woche. Trotz dieser leichten Stärke des Forints am Freitag, hielten sich die Gewinne gegenüber dem Euro in Grenzen, insbesondere da Marktteilnehmer von keiner Zinserhöhung beim morgigen Treffen der Zentralbank ausgehen. Laut einer Umfrage von Reuters, sehen Analysten den Leitzins im Dezember 2020 bei 1,2% und auf 1,4% im Jahr darauf. Neben der morgigen Zinsentscheidung könnte die endgültige Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts am Freitag ein starkes Wachstum für das erste Quartal bestätigen und möglicherweise die Zinsentscheidung bei dem Treffen im Juli beeinflussen.

Der Aufwärtskanal sieht sich mit der Abwertung des EURHUF am Freitag in Gefahr, wobei an der Unterseite 324,50 verhindert, dass sich Verluste in Richtung 323,00 ausbauen können. Kommt es bei dem morgigen Treffen der Zentralbank zu einem erwarteten Beibehalten des Zinsniveaus, könnte das Währungspaar leicht aufwerten, wobei 326,50 (sechsmonatiges Hoch) den derzeitigen Widerstand weiterer Aufwärtsbewegungen bildet.

CZK

EUR CZK  (25,810)
Die seit dem Ersten Mai anhaltende Aufwärtsbewegung des EURCZK (+1,15%) konnte mit dem Ausbruch aus der seit Juni 2018 anhaltenden Dreiecksformation gefestigt werden, bleibt jedoch weiterhin von dem globalen Risikosentiment und der Stellung der tschechischen Zentralbank (CNB) abhängig. Trotz einer robusten Wirtschaft und weiterhin steigender Inflation, beendete die CNB Ihr zweijähriges Zinsstraffungsprogramm, in welchem der Zinssatz achtmal erhöht wurde. Laut eigenen Aussagen könnte die nächste Zinsentscheidung in beide Richtungen gehen. Dieser Stimmungswechsel in den Reihen der Zentralbank ließ die tschechische Krone abwerten und so bleibt die Tendenz zur Schwäche weiterhin erhalten.


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