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Tägliche Marktberichte

Mai 23, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

May kurz vor dem Ende

USD

EUR USD (1,1150)
Die gestrige Veröffentlichung der Protokolle (FED Minutes) des letzten Offenmarktausschusses (FOMC) der US-Amerikanischen Notenbank (FED), bestätigen das Bild einer geduldigen Zentralbank und lassen auf keine baldige Zinsveränderung hoffen. Die Veröffentlichungen manifestierten sich in keinen allzu großen Kursbewegungen des EURUSD, angesichts der fehlenden geldpolitischen Neuigkeiten. Anfang der Woche betonte New York Fed Präsident John Williams, dass die derzeitigen Argumente für eine Zinsveränderung bei Weitem nicht ausreichen würden, um als Notenbank aktiv zu werden. Diese Einstellung bleibt laut Aussagen einiger Mitglieder der FED jedoch von der angespannten politischen Lage zwischen China und den USA abhängig. Weitere Zollerhöhungen könnten zu einem angebotsseitigen Anstieg des Preisniveaus führen und sich in einem erhöhten Inflationswachstum wiedergeben. Die derzeitige natürliche Inflation scheint bezogen auf die starke Wirtschaft weiterhin schwächer als erwartet zu wachsen  und könnte Sorgen bei den Währungshütern wecken. James Bullard, Präsident der St. Louis FED schließt eine Zinssenkung im Laufe des Jahres nicht aus, da das starke Wirtschaftswachstum derzeit durch fehlenden Inflationsdruck überkompensiert wird. Somit gehen Marktteilnehmer von keiner Zinsveränderung bei dem nächsten Treffen der Zentralbank aus, diese Annahme bleibt jedoch weiterhin stark von der Datenlage und dem Handelsdisput abhängig. Mit dem heutigen Tag, welcher von einigen Marktteilnehmern als „Super Thursday“ benannt wurde, wechselt der Fokus von den USA zu der Wirtschaft der Europäischen Union. Die Wahlen zum Europäischen Parlament finden offiziell ihren Beginn und bieten mit den Veröffentlichungen der Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und der IFO Umfrage zur deutschen Wirtschaftslage einen ereignisreichen Tag.
Abgerundet wird der datenreiche Tag mit der Herausgabe der Protokolle des letzten Treffens der Europäischen Zentralbank, welche im Rückblick auf die gestrigen Protokolle der FED einen Vergleich der momentanen Haltung der beiden Währungshüter bieten wird.

Der ohnehin bereits angeschlagene Euro bekam gestern einen leichten Schub in Richtung Jahrestief 1,1110, bleibt jedoch weiterhin oberhalb des wöchentlichen Tiefs bei 1,1140. Sollte im Falle weiterer Kursrückgänge auch noch die Unterstützung bei 1,1110 fallen, wären weitere Abwärtsbewegungen mit anfänglichem Potenzial bis 1,0980 denkbar. Auf der Oberseite verhindert derzeit 1,1180 (Tief 02. April), dass sich Aufwärtsbewegungen in Richtung 1,1220 entfalten.

CHF

EUR CHF (1,1245)
Die in den letzten Wochen aufgekommene Unsicherheit konnte sich positiv auf die Nachfrage nach dem Schweizer Franken ausüben und so führt der EURCHF seinen Abwärtstrend weiter fort. Mit der gestrigen Abwertung erreicht das Währungspaar ein sechswöchiges Tief. Prognosen von Reuters und UBS sehen den Franken mittelfristig gegenüber dem Euro jedoch leicht abgeschwächt, zumal sich die Haltung der Schweizer Nationalbank (SNB) kaum geändert hat und die Negativzinsen bei einer Normalisierung der Handelsbeziehung wieder zum Vorschein treten werden. Der unberechenbare Charakter des zuletzt re-eskalierten Handelsdisputs lässt weitere Aufwärtsbewegungen des Franken zu, könnte jedoch durch das geschwächte Wirtschaftswachstum der Schweiz und der taubenhaften Haltung der Zentralbank limitiert werden.

GBP

EUR GBP (0,8815)
Inmitten des politischen Dramas in Großbritannien scheint es nicht verwunderlich, dass die Schwäche des britischen Pfunds zum Vorschein kommt und die Währung gegenüber dem Euro auf ein viermonatiges Tief fallen lässt. Am Mittwoch bekamen Marktteilnehmer einzelne Details des neuen Austrittsplanes Theresa Mays zu Gesicht, welcher aufgrund einer potenziellen Option für ein zweites Referendum zu positiver Stimmung führte. Schnell wurde jedoch klar, dass die fehlende Unterstützung für eine der Alternativpläne eine Ratifizierung durch das Parlament praktisch unmöglich machen würde. Im neuen Plan soll Parlamentsabgeordneten die Möglichkeit einer Abstimmung über die Zollunion und eine neue Volksabstimmung angeboten werden. Dies passte einigen Abgeordneten in den eigenen Reihen der Konservativen gar nicht und so zogen mehr als dreißig Tories Ihre Unterstützung für May über die Nacht auf den Mittwoch zurück. Ohne die Unterstützung Ihrer eigenen Partei scheint der Rücktritt der Premierministerin nur eine Frage der Zeit, wobei einige Marktteilnehmer von einem Positionswechsel noch vor der Abstimmung des Planes in der ersten Juniwoche ausgehen. Die derzeitige politische Unsicherheit zwängt die britische Zentralbank in ein Dilemma. Eine Zinserhöhung wäre aufgrund des stärker als erwarteten Wirtschaftswachstums und der weiterhin steigenden Inflation (Verbraucherpreisindex im April auf 2,1% gestiegen) gerechtfertigt, wird jedoch aufgrund des Brexits erschwert.

Der gestrige Tag markiert die Dreizehnte Aufwertung des EURGBP in Folge, wobei die Aufwärtsbewegung den kritischen Widerstand bei 0,8800 (200-1W Moving Average) durchstößt und ein mehrmonatiges Hoch findet. An der Unterseite bleibt 0,8720 (Tief 21. März) die derzeit wichtigste Unterstützung, im Falle unerwarteter Kursverluste.

PLN

EUR PLN (4,3050)
Dass sich die globale Wirtschaftsverlangsamung nicht wirklich negativ auf das polnische Wachstum ausgewirkt hat, wurde mit der gestrigen Veröffentlichung der Industrieproduktion gezeigt, welche auf Jahresbasis um 9,2% wächst. Die positive Datenlage wurde jedoch von den Aussagen einiger Mitglieder der polnischen Zentralbank getrübt, welche die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung weiter nach unten senken. Notenbankpräsident Adam Glapinski betonte nochmals seine Erwartungen einer Verlangsamung der Inflation im zweiten Halbjahr und der fehlenden Notwendigkeit einer Zinsveränderung. Dass sich Polen in nächster Zeit nicht dem europäischen Wechselkursmechanismus (ERM2) oder der Euro Zone anschließen wird, konnte ebenfalls aus der gestrigen Pressekonferenz entnommen werden. Ein Beitritt würde laut Glapinski nur Nachteile und einen Verlust der geldpolitischen Unabhängigkeit mit sich ziehen und käme in der Amtszeit des derzeitigen geldpolitischen Rates (bis 2020) nicht infrage. Zentralbanker Rafal Sura schließt sich gestern seinem Kollegen an und äußerte sich über den fehlenden Inflationsdruck, welcher eine Zinserhöhung rechtfertigen würde. Ob der weiterhin anhaltende positive Nachrichtenfluss die anderen Zentralbankmitglieder zu einer Erhöhung des Zinsniveaus anregen wird, bleibt weiter fraglich und wird erst bei der nächsten Zinsentscheidung am 05. Juni eine Antwort finden. Das Szenario einer Zinserhöhung wird von Marktteilnehmern fürs Erste jedoch als gering eingeschätzt und von Reuters mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 Prozent notiert. Somit wird der Leitzins voraussichtlich an seinem allzeitigen Rekordtief von 1,5% bleiben.

HUF

EUR HUF  (326,47)
Dass sich die anhaltend steigende Inflation Ungarns (3,9% ggü. Vorjahr) gekoppelt mit einem der geringsten Zinsniveaus (0,9%) in der Region in einer allgemein anhaltenden Schwäche des ungarischen Forints widerspiegelt, wird diese Woche wieder deutlich. Das Währungspaar steigt auf ein neunmonatiges Hoch, nachdem Marktteilnehmer eine geldpolitische Kontraktion für das nächste Treffen der Zentralbank am 28. Mai ausschließen. Verbindet man die passive Haltung mit dem allgemein anhaltenden „Risk-off“ Sentiment, scheint es nicht erstaunlich, dass der Forint in zwei Monaten (seit dem 21. März) knapp 4,7% gegenüber der Gemeinschaftswährung einbüßen musste.

Der steile Aufwärtstrend sieht sich mit 326,70 einem Widerstand entgegen, wobei auf der Unterseite ein Durchbruch unter 325,80 zu Bewegungen Richtung 323,15 führen könne.

CZK

EUR CZK  (25,810)
Dass die tschechische Krone gestern gegenüber dem Euro abwertet, scheint aufgrund fehlender Publikationen oder wichtiger Wirtschaftsdaten vielmehr der risikoaversen Haltung der Marktteilnehmer verschuldet zu sein.
Die Krone scheint weiterhin nicht von der zuletzt überraschend positiven Datenlage profitieren zu können, da Sorgen um eine erhöhte Inflation und fehlende Bereitschaft seitens der Zentralbank, Ihr zweijähriges Zinsstraffungsprogramm weiter fortzuführen.

Somit bleibt die Krone weiterhin unter Druck, solange sich das Währungspaar oberhalb 25,760 bewegt. An der Unterseite würde allerdings auch ein Versagen von 25,760 lediglich zu Kursrückgängen in Richtung 25,700 führen.


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