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Wöchentliche Marktberichte

Mrz 29, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Auf der Stelle treten

USD

EUR USD (1,1235)             

Wer als Euro-Händler im ersten Quartal 2019 auf größere Trends setzte, musste sich wie bereits im vierten Quartal 2018 getäuscht sehen. War die Handelsbandbreite des Euro gegenüber dem US-Dollar im letzten Quartal 2018 auf rund 400 Stellen geschrumpft, stellt sich die Situation Ende März für die vergangenen drei Monate mit einem Band von ebenfalls nur knapp 400 Stellen nahezu identisch dar. Fast sieht es so aus, als ob der Markt immer neue Trends antäuschen wolle, die sich aber dann in Luft auflösen. So hat etwa der Euro fünf der sechs vergangenen Handelstage mit einem Minus beschlossen, während acht der neun davor liegenden Handelstage mit einem Plus beendet worden waren. Kurzum: Es gab zuletzt zwei Impulsbewegungen des Euro, eine nach oben, und eine schnellere nach unten. Aber diese haben nicht ausgereicht, um etwa mittel- oder langfristig orientierte Marktteilnehmer in die Bredouille zu bringen, um so einen stärkeren Trend auszulösen. Zumal sich der von uns anhand eines verhaltensorientierten Modells berechnete (wahrgenommene) Einstandspreis bei etwaigen mittelfristigen Schieflagen zuletzt bei 1,1330, also leicht unter der Mitte des Quartalshandelsbandes (1,1175-1,1570) befand.

Dass es derzeit aus ökonomischer Datensicht keinen triftigen Grund dafür gibt, den Kurs des Euro gegenüber dem Greenback deutlich neu zu bewerten, zeigte sich an den ersten Zahlen zur Inflationsentwicklung in der Eurozone für den Monat März. So ist etwa der Konsumentenpreisindex Deutschlands mit einem Plus von 1,3 Prozent (ggü. Vorjahr) hinter der Konsenserwartung der Ökonomen von 1,5 Prozent zurückgeblieben. Kurz zuvor gab es noch die zweite Revision des US-Bruttoinlandsprodukts für das vierte Quartal 2018 zu begutachten, das gegenüber dem Vorquartal in der endgültigen Version von 2,6 (ggü. Vorquartal) auf 2,2 Prozent zurückgenommen werden musste. Damit ergibt sich für das Jahr 2018 ein Gesamtwachstum von 2,9 Prozent, das damit hinter den Erwartungen des Weißen Hauses zurückbleibt. Die US-Regierung hatte für das vergangene Jahr mit einem Wachstum von 3,0 Prozent gerechnet.

Nun handelt es sich beim US-Bruttoinlandsprodukt um eine „alte“ Zahl, die aufgrund des auch noch am Anfang des Jahres anhaltenden Government Shutdown ohnehin erst verspätet publiziert werden konnte. Aber die Wachstumsaussichten sind in den USA wahrscheinlich immer noch ein wenig besser als in der Eurozone zu bewerten – zumindest, was die jüngsten Schätzungen betrifft. Bei der Inflationsentwicklung stehen sowohl die US-Notenbank als auch die EZB vor dem Problem, dass sich die Inflation nicht nachhaltig nach oben entwickeln will. Und sollte es darüber hinaus auch noch zu einer Verschlechterung der globalen Wachstumssituation bis hin zu einer Rezession kommen, hätte die US-Notenbank den Vorteil, durch die bisherigen Leitzinserhöhungen etwas Puffer für etwa erforderliche Zinssenkungen geschaffen zu haben. Dagegen beendete die EZB ihren geldpolitischen „Normalisierungsprozess“, bevor sie ihn richtig begonnen hat. Etwa indem sie die erste Leitzinserhöhung in der Eurozone in die Zukunft verschob. Von einer quantitativen Straffung ganz zu schweigen.

Und so scheint es auch zumindest aus dieser Sicht gerechtfertigt, dass der Euro zum Ende des Quartals fast an der unteren Begrenzung seiner Handelsspanne liegt – wir sehen sie mit 1,1135 sogar noch etwas niedriger, aber gut unterstützt. Eine erste Stabilisierung wäre demnach bei 1,1355/60 denkbar.

GBP

EUR GBP (0,8590)             

War es Zynismus oder echtes Bedauern, als der politische Herausgeber der britischen The Sun gestern andeutete, dass die Abgeordneten des britischen Unterhauses wohl die erste Woche ihrer vom 4. bis 23. April dauernden Osterpause für den Brexit würden opfern müssen? Zumindest wird erwartet, dass die Fraktionsführerin der Konservativen Partei im britischen Unterhaus, Andrea Leadsom, heute eine entsprechende Ankündigung machen wird. Eine wesentlich wichtigere Ankündigung stammte gestern von dem Parlamentspräsidenten John Bercow, der die für heute von der Regierung geplante Abstimmung über das EU-Austrittsabkommen nun doch zuließ, da sich die Vorlage der Regierung „substantiell“ von den vorhergehenden Anträgen unterscheide. Allerdings scheint die britische Premierministerin Theresa May die erforderliche Mehrheit für die sogenannte „meaningful vote“ immer noch nicht zusammen zu bekommen, da sich einige Brexiteers, aber auch die nordirische DUP derzeit offensichtlich nicht bewegen wollen. Und so schien es gestern, als ob Sterling-Optimisten zunehmend realistischer zu werden beginnen, weshalb sich der Euro recht gut erholen konnte. Allerdings liegt dessen Stabilitätspunkt immer noch erst bei 0,8695/00, während die Unterseite bis 0,8415 schlecht unterstützt ist.

 


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