Wöchentliche Marktberichte

Mrz 26, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Eine sich selbstverstärkende Angstspirale

USD

EUR USD (1,1310)             

Der gestrige Montag kann durchaus als Pausentag in einem Marktumfeld eingestuft werden, das sich innerhalb weniger Tage in mitunter dramatischer Weise zum Negativen gewandelt hat. Nicht nur hierzulande, als Reaktion auf die geschwundenen Wachstumserwartungen nach den enttäuschend ausgefallenen Einkaufsmanagerindices der Eurozone. Eine Einschätzung, an der auch der gestern vordergründig besser als erwartet ausgefallene ifo-Geschäftsklimaindex nicht viel änderte. Denn bei genauem Hinsehen stellte sich heraus, dass ein Unterindex, der Erwartungsindex der Industrie, auf den niedrigsten Wert seit November 2012 gefallen war.

Eine Hauptursache für die global gestiegene Risikoaversion scheint aber auch in den USA zu liegen. Gemeint ist der US-Anleihemarkt, wo die Rendite der zehnjährigen US Staatsanleihen gestern den zweiten Tag unter derjenigen dreimonatiger T-Bills lag. Damit blieb die teilweise inverse Zinsstrukturkurve erhalten. Und die Tatsache, dass die Rendite langlaufender Anleihen teilweise unter der Rendite von Kurzläufern liegt, gilt landläufig als Vorbote einer Rezession mit einem Vorlauf von 6 bis 24 Monaten. Vor allen Dingen bei Betrachtung der dreimonatigen und zehnjährigen Laufzeiten. Zwar ergab eine Studie (Fed von San Francisco), dass neun Rezessionen in den USA seit 1955 eine inverse Zinsstrukturkurve vorausgegangen ist. Allerdings relativiert sich diese Erkenntnis, wenn man bedenkt, dass sich zwei Rezessionen nicht im Voraus durch eine inverse Zinsstrukturkurve angekündigt hatten und es auch noch den Fall gab, dass auf eine inverse Zinsstruktur keine Rezession (= Fehlsignal) folgte. Auch wenn die Statistik Jahrzehnte zurückgeht, ist die Anzahl der besagten wichtigen Ereignisse vermutlich zu niedrig, als dass man daraus belastbare Schlüsse für heute ziehen könnte.

Vielmehr entsteht der Eindruck, dass am US-Bondmarkt so etwas wie eine „self-fulfilling prophecy“, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, stattfindet. Aber man sollte sich die Frage stellen, ob die Anleihe-Renditen tatsächlich nur wegen bevorstehender Rezessionsängste unter Druck geraten sind. Ein Blick auf die jüngsten CFTC-Daten vom Chicagoer Terminmarkt vermittelt, dass bereits in der vergangenen Woche vor der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) die Wetten auf steigende Renditen peu à peu zurückgefahren wurden. Dieser Trend zu Eindeckungskäufen von Anleihe-Shortpositionen (im September befanden sich diese noch auf Rekordstand) durch Hedgefonds und die Short-squeeze bei spekulativen Engagements haben den Run in als sicher geltende Anlagen verstärkt. Und weil dabei auch – wenn eben auch nicht in gleichem Maße – die Renditen kurzfristiger Papiere ebenfalls unter die Räder kamen, hat sich die implizite Wahrscheinlichkeit für mindestens eine Zinssenkung bis Ende Januar 2020 (vgl. CME FedWatch Tool) innerhalb von einer Woche per gestern drastisch von 33 auf rund 75 Prozent erhöht – die Wahrscheinlichkeit für mindestens zwei Zinssenkungen lag gestern übrigens bereits bei 36 Prozent! Mit anderen Worten: Der Geldmarkt ist schon erheblich weiter, als dies den Zinsprognosen des FOMC am vergangenen Mittwoch zu entnehmen war: Dort ging man nämlich im Mittel zumindest noch von einer einzigen Zinserhöhung in den kommenden beiden Jahren aus. Und somit entsteht der Eindruck, die Anleihemärkte hätten eine sich selbst verstärkende Angstspirale, verbunden mit Positionsglattstellungen schiefliegender Marktteilnehmer, losgetreten.

Der Euro produzierte indes gestern recht wenig Bewegung und bleibt oberhalb von 1,1270/75 noch stabil, darunter aber recht schlecht unterstützt. Die bis dahin positive Perspektive wird mittlerweile durch hartnäckige Widerstände bei 1,1380 und 1,1480 vorerst deutlich eingegrenzt.

USD

USD CHF (0,9925)              

Da es aus den USA gestern nur weniger wichtige ökonomische Daten zu verarbeiten gab, bewegte sich der Dollar gegenüber dem Franken lediglich in einer Handelsspanne von 0,5 Prozent. Deswegen bleibt der Dollar etwa in der Mitte seiner neutralen Zone mit leichter Schwächeneigung zwischen 0,9810 und 1,0035/40.

GBP

EUR GBP (0,8570)             

Ursprünglich hatte Großbritannien die EU am 29. März verlassen wollen. Und es war die EU, die der britischen Premierministerin Theresa May eine Verschiebung des Brexits bis zum 22. Mai unter der Bedingung anbot, dass das Unterhaus in dieser Woche ihrem Deal zustimmt. Sollte die Premierministerin diese Zustimmung nicht erhalten, soll der Austritt Großbritanniens aus der EU bereits per 12. April erfolgen. Obwohl es gestern den ganzen Tag über so aussah, als ob Theresa May heute ihre dritte Abstimmung (meaningful vote) zum Austrittsabkommen mit der EU durchführen wollte, musste sich die Premierministerin am Nachmittag eingestehen, immer noch nicht über die erforderliche Mehrheit zu verfügen.

Nun dürften noch am Mittwoch Abstimmungen über (rechtlich nicht bindende) Alternativen zum Brexit-Abkommen stattfinden. Denn ein entsprechender Antrag passierte am späten Montagabend mit 27 Stimmen Vorsprung und gegen den Willen der Regierung eine Mehrheit. Obwohl sich die EU mittlerweile verstärkt mit allen erforderlichen Vorbereitungen für einen ungeregelten Brexit beschäftigt, hat sich Sterling gestern gegenüber dem Euro nur unwesentlich abgeschwächt. Am Ende bleibt der Euro weiterhin unterhalb von 0,8710/15 (niedriger!) in seiner schwachen Position, wobei die Unterseite noch am besten bei 0,8425/30 unterstützt ist.

CHF

EUR CHF (1,1225)             

Das Barometer für Risikoaversion, der Schweizer Franken, ist gestern gegenüber dem Euro nicht weiter gestiegen. Allerdings konnte sich der Euro auch nicht erholen und bleibt daher angeschlagen in seinem schwachen Abwärtstrend mit Potenzial bis 1,1140 und zwar solange, wie an der Oberseite 1,1280 nicht wieder überschritten wird.

CZK

EUR CZK (25,75)   

Die relative Ruhe in den Währungsmärkten am gestrigen Handelstag wirkte sich auch auf den Handel mit der Krone aus. Dabei blieb der Euro an der Obergrenze seiner Konsolidierung zwischen 25,57 und 25,77 regelrecht kleben. Nach wie vor würden wir vor Überschreiten von 25,88 ohnehin keine Trendänderung bestätigen.


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