Wöchentliche Marktberichte

Mrz 06, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Fed zu „geduldig“?

USD

EUR USD (1,1300)             

Die Stimmen derjenigen scheinen sich zu mehren, die sich die Frage stellen, ob die US-Notenbank bei ihrer Vorgehensweise womöglich zu „geduldig“ sein könnte. Zwar hat es gestern nur ein einziges richtig marktbewegendes Datum gegeben, aber es kam wieder einmal aus den USA. Die Rede ist vom ISM-Einkaufsmanagerindex außerhalb des verarbeitenden Gewerbes, der im Februar mit 59,7 deutlich höher als von den Ökonomen im Konsens prognostiziert (57,4) gestiegen war. Vor allen Dingen die neuen Aufträge im Dienstleistungssektor haben mit einem Indexwert von 65,2 weit über dem Vormonatswert (57,7) gelegen und markierten damit den höchsten Stand seit dem Jahr 2005. Zahlen, die eigentlich einige der Bedenken hinsichtlich einer möglicherweise schwächelnden US-Wirtschaft beiseite wischen sollten. Noch ein paar gute Wirtschaftsdaten – am kommenden Freitag gibt es den US-Arbeitsmarktbericht – und die Fed würde sich möglicherweise die Frage stellen müssen, ob sie nicht doch zu vorsichtig gewesen sei.

Allerdings sieht es überhaupt nicht danach aus, als ob sich die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) derzeit etwas anderes als das Wort “patient“ auf die Stirn schreiben würden. Egal, ob Taube oder Falke, Geduld ist angesagt. Dies machte auch gestern das Mitglied des Offenmarktausschusses der US-Notenbank, Eric Rosengren, deutlich, der die US-Inflation sehr nahe an ihrem Zielwert sieht. Der Chef der Fed von Boston schloss sogar nicht aus, dass es mehrere FOMC-Sitzungen dauern könne, bevor die Fed ein klares Bild über die ökonomischen Risiken haben könnte. Rosengren kann sich auch vorstellen, dass sich der Arbeitsmarkt weiter verbessert, ohne dass damit das Risiko einer höheren Inflation einhergehen müsse. Dieses Statement ist insofern bemerkenswert, als Rosengren zu den Zinsfalken im FOMC zählt und in diesem Jahr stimmberechtigt ist.

Insgesamt mehren sich die Stimmen, dass die Fed ihre „geduldige“ Haltung womöglich schon bald werde ändern müssen. So äußerte etwa Allianz-Chefberater Mohamed El-Erian in einem Interview in der Nacht zum Dienstag gegenüber Reuters, dass eine starke US-Wirtschaft die Fed bereits im Sommer zu einem Kurswechsel zwingen könnte. Aber auch zu Europa hatte El-Erian bei gleicher Gelegenheit eine Meinung parat: Die dortige Wirtschaft würde sich stärker abkühlen, als dies viele Investoren glauben würden. Mehr noch stünden der EZB nur begrenzte Werkzeuge zur Verfügung, um einer etwaigen ökonomischen Schwäche entgegenzuwirken.

So gesehen kann man verstehen, dass die Händler gestern den Euro weiter nach unten und sogar unter die wichtige Marke von 1,1300 drückten. Allerdings fehlte es wie bereits häufiger in den vergangenen Monaten an Anschlussverkäufen, weil gleichzeitig die Befürchtung umging, dass der Euro im unteren Bereich seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1215 und 1,1585 auf massive Nachfrage stoßen könnte. Dennoch bleibt die Gemeinschaftswährung unter Druck, solange sie sich unterhalb von 1,1385 bewegt.

GBP

EUR GBP (0,8605)

Das britische Pfund hat nicht zuletzt deswegen gestern zeitweise etwas Boden gewonnen, weil es offenbar zunehmend Anzeichen gibt, dass einige Brexiteers im britischen Unterhaus einen Kompromiss mit der britischen Premierministerin suchen. Damit würden sich die Chancen für Theresa May etwas erhöhen, dass das Parlament ihr Brexit-Abkommen mit der EU in der kommenden Woche tatsächlich absegnen könnte. Allerdings sehen viele Marktbeobachter die Chancen, dass der Brexit-Deal tatsächlich das Unterhaus passieren wird, immer noch unter 50 Prozent. Am Ende des Tages hatte Sterling seinen Zuwachs gegenüber dem Euro allerdings nicht verteidigen können, womit sich letztlich auch das Abwärtsmomentum des Euro etwas verringerte. Unterdessen reicht das Potenzial des derzeitigen Aufwärtstrends nur noch bis 0,8485; allerdings nur, solange auf der anderen Seite 0,8685 nicht überschritten wird.

CHF

EUR CHF (1,1355)             

Während die Europäische Zentralbank die Produktion der 500-Euro-Note einstellt, ist in der Schweiz der Wunsch nach großen Banknoten ungebrochen. Und so stellte die SNB gestern eine neue 1000- Franken-Note vor, die bereits am kommenden Mittwoch in Umlauf gebracht werden soll. Gerade in den vergangenen Jahren war dieser Geldschein wegen der Negativzinsen besonders stark gefragt. Weniger gefragt war gestern indes der Franken gegenüber dem Euro, möglicherweise, weil im Februar die Kernrate des schweizerischen Konsumentenpreisindex im Jahresvergleich mit +0,4 Prozent weniger stark als erwartet gestiegen war. Am Ende des Tages hat sich der Euro gegenüber dem Franken innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30 ein wenig befestigt.

 

PLN

EUR PLN (4,3000)             

Gestern testete der Euro gegenüber dem Zloty zwar seine Unterstützung bei 4,2930, ohne allerdings dieses Niveau tatsächlich zu zerstören. Unterhalb von 4,2900 würde nun der derzeitige Abwärtsimpuls der Gemeinschaftswährung (dieser bleibt intakt solange, 4,3250 nicht überwunden wird) in Richtung 4,2635 fortgesetzt.

CZK

EUR CZK (25,62)

Die Zinsdiskussion in Tschechien scheint derzeit keinen großen Einfluss mehr auf das Kursgeschehen zu zeitigen. So blieben die Worte von CNB-Mitglied Tomáš Holub gestern weitgehend ungehört. Denn Holub hält für 2019 ein Szenario für möglich, im Rahmen dessen noch ein bis zwei Zinserhöhungen wahrscheinlich seien. Allerdings tagt die Tschechische Nationalbank erst am 28. März, also am Tag, bevor der Austritt Großbritanniens aus der EU vollzogen werden soll. Gegenüber dem Euro zeigte die Krone auch gestern kaum Bewegung, so dass die Gemeinschaftswährung ohne Momentum in ihrem Abwärtstrend mit Potenzial bis 25,52 stagniert. Dieses Potenzial würde nach Überschreiten von 25,70 allerdings in Frage gestellt.

 


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