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Feb 27, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Alles, nur keinen Brexit ohne Abkommen

USD

EUR USD (1,1370)

Wenn eine Nachrichtenagentur titelt, dass der Dollar [Anm.: gegenüber einem Korb an Währungen, gemessen am Dollar-Index] im Vorfeld der Anhörung von Fed-Chef Jerome Powell vor dem Bankenausschuss des US-Senats (Humphrey Hawkins Testimony) ein Drei- Wochen-Tief markiert habe, vermittelt das zweierlei. Zum einen eine Volatilität der Wechselkurse, die es eigentlich nicht gegeben hat. Denn tatsächlich war es während der vergangenen Tage gerade im Euro-Handel so ruhig wie zuletzt Anfang 2018 gewesen. Zum anderen entsteht der Eindruck, Jerome Powell hätte in seinem vorab verfassten Skript, das sich auf den Monetary Policy Report der Notenbank an den Kongress vom vergangenen Freitag stützt, mit hoher Wahrscheinlichkeit Überraschendes zu berichten gehabt.
Natürlich wäre das theoretisch möglich, wenn Powell sich in der anschließenden Fragerunde des Ausschusses anders als vielerorts erwartet geäußert hätte. Aber der Fed-Chef wiederholte lediglich die Strategie der Notenbank, man werde sich angesichts der Leitzinsentwicklung geduldig zeigen. Nicht ohne dabei zu vergessen, dass sich die Fed in einem unsicheren Umfeld bewege, da der Ausgang des Brexit ungewiss und das Wachstum in Europa und China verlangsamt sei. Auch versprach Powell, dass er und seine Kollegen im Offenmarktausschuss (FOMC) nun das angemessene Timing für eine Beendigung der Schrumpfung der Notenbankbilanz herausfinden wollten. Auch betrachtet der FOMC die gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen als gesund und deren Ausblick als günstig, obwohl es in den vergangenen Monaten diesbezüglich widersprüchliche Signale gegeben hat. Und so passt es auch, dass etwa die um einen Monat verspätet publizierten Daten zu den US-Neubaubeginnen im Dezember (inklusive der für November nach unten revidierten Zahlen) enttäuschten. Deswegen gab es eine neue Berechnung des viel beachteten Prognosemodells der Fed von Atlanta, GDPNow, das nun von einem annualisierten und saisonbereinigten Wachstum von 1,8 Prozent (vorgestern 1,9 %) im vierten Quartal 2018 ausgeht. Die Konsens-Erwartung der Ökonomen liegt für diesen Zeitraum mit 2,5 Prozent (annualisiert) indes deutlich höher; die erste offizielle Schätzung für das US-Bruttoinlandsprodukt wird für den morgigen Donnerstag erwartet.
Was das laufende Quartal angeht, wusste gestern der Philly Fed-Index außerhalb des produzierenden Gewerbes im Januar immerhin positiv mit einem kräftigen Rebound zu überraschen. Allein der Euro, den viele Akteure eigentlich gerne noch fester sehen würden, blieb auch gestern in der engen Bandbreite zwischen 1,1285 und 1,1405 (gestern fast getestet) gefangen, während das einrahmende größere Band zwischen 1,1215 und 1,1585 nun bereits seit Wochen auf einen Test wartet.

GBP

EUR GBP (0,8590)

Es hatte sich bereits Montagnacht angedeutet, dass die britische Premierministerin Theresa May eine Verschiebung des Brexit-Datums grundsätzlich nicht mehr ablehnt. Dies hatte sie gestern auch gegenüber dem Parlament bestätigt. In ihrer Rede machte sie allerdings auch klar, dass sie weiterhin eine Mehrheit für den mit der EU ausgehandelten Vertrag zusammenbekommen möchte. Ein Vorhaben, das bis spätestens 12. März vom britischen Unterhaus abgesegnet werden müsste. Allerdings soll das Unterhaus zunächst darüber entscheiden, ob Großbritannien die EU ohne Deal verlassen wolle, und sollte dieser Antrag (erwartungsgemäß) abgelehnt werden, dürfte es demnach – Theresa May war stets gegen eine Verschiebung des Brexit-Termins – eine zweite Abstimmung am 14.3. über eine Verschiebung des Brexit-Datums geben. Allerdings gehen die Meinungen über die Dauer einer solchen Verschiebung weit auseinander. Die Vorschläge hierfür reichen von zwei Monaten (Theresa May: „kurz und zeitlich begrenzt“) bis zwei Jahre, so etwa EU-Ratspräsident Donald Tusk.
Obwohl die im Raum stehenden Optionen bei einer Verschiebung des Brexit-Datums bei den Unternehmen weiterhin für Unsicherheit sorgen, war Sterling gestern sehr gut nachgefragt. Auch wenn noch unklar ist, was denn eigentlich während der verlängerten Austrittsfrist konkret geschehen soll, ist der Optimismus der Pfund-Händler ungebrochen. Nach dem Motto: Alles andere als ein Brexit ohne Abkommen ist auf jeden Fall besser. Eigentlich ein viel zu niedrig gesetzter Referenzpunkt. Dennoch ist der Euro an der Unterseite seiner neutralen Zone gestern durchgebrochen und markierte den niedrigsten Kurs seit Mai 2017. Gleichzeitig wurde ein neuer Abwärtstrend (ohne konkretes Kurspotenzial) eingeleitet, von dem lediglich feststeht, dass er bereits oberhalb von 0,8735 wieder beendet wäre.

CHF

EUR CHF (1,1375)

Mühsam scheint sich die kleine Aufwärtsbewegung des Euro gegenüber dem Franken zu nähren, hat aber derzeit bessere Chancen, die Oberseite der Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30 zu überwinden. Zumindest solange die nach wie vor wichtige Unterstützung bei 1,1325/30 nicht unterlaufen wird.

CZK

EUR CZK (25,64)

Immerhin gab es gestern ein wenig Bewegung bei der Krone zu vermelden, als das Mitglied des Geldpolitischen Rates der Tschechischen Nationalbank (CNB), Tomáš Holub, sich nicht nur zum Brexit äußerte, sondern auch deutlich machte, dass die Zentralbank bei ihrem kommenden Treffen am 28. März mit geldpolitischen Entscheidungen abwarten wolle. Obwohl Holub eher zu den Tauben bei der CNB zählt, schien dies für einige Händler ein willkommener Anlass zu sein, die Krone gerade auch in Hinblick auf die von uns während der vergangenen Tage erwähnte und nun enttäuschte Erwartung einer möglichen Leitzinserhöhung unter Druck zu setzen. Dabei konnte sich der Euro von der Untergrenze seiner Konsolidierung zwischen 25,61 und 25,78 etwas absetzen.

PLN

EUR PLN (4,3260)

Die Quelle für den deutlichen Aufschwung des Zloty am gestrigen Handelstag ist wohl kaum in Polen auszumachen. Vielmehr vertraten Händler die Meinung, dass die mögliche Verlängerung des Brexit als positiv für den Zloty gewertet werden sollte. Da sich der Euro jedoch ohnehin nur in einer korrektiven Aufwärtsbewegung befand, dürften auch technische Gründe für den Abverkauf der Gemeinschaftswährung verantwortlich gewesen sein. Diese bewegt sich nun in einer Konsolidierung zwischen 4,3065 und 4,3430 mit einer leichten Tendenz zur Schwäche. Vor allem, wenn auch noch 4,2975 fallen sollte.


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