Wöchentliche Marktberichte

Feb 26, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Frist-Verlängerungen

USD

EUR USD (1,1350)

Nun ist es sicherlich keine große Überraschung, wenn US-Präsident Donald Trump, wie Sonntagnacht geschehen, große Fortschritte bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China vermeldet. Auch dass die Verschärfung der Strafzölle, die für den 1. März vorhergesehen war, zunächst ausgesetzt wurde, um angesichts der positiven Entwicklungen bei den Verhandlungen mehr Spielraum für die Ausarbeitung der einzelnen Schritte zu gewinnen, ist nicht wirklich neu. Aber immerhin wurden aus nebulösen Andeutungen konkrete Ankündigungen. Und geht es nach Donald Trump, werden die endgültigen Einzelheiten eines wie auch immer gearteten „Deals“ im Rahmen eines Sondergipfels mit seinem chinesischen Gegenüber, dem Staatspräsidenten Xi Jinping erörtert. Allerdings äußern Kritiker erhebliche Zweifel daran, dass ein Handelsabkommen der USA mit China tatsächlich so umfassend sein wird, wie es der US-Präsident darstellt. Auch zeigen sich Kommentatoren skeptisch, ob damit auch eine langfristige Beilegung des Handelsstreits erreicht wird. Denn es ist unklar, inwieweit China echte Konzessionen im Rahmen der vielbeschworenen „wesentlichen Fortschritte“ gemacht hat. Tatsächlich steht für viele politische Falken bereits jetzt schon fest, dass Trump mit der Verschiebung des Datums für die Erhöhung der Strafzölle ein wichtiges Druckmittel aus der Hand gegeben hat. Nicht zuletzt, weil Trump daran gelegen sei, das Momentum der US-Wirtschaft gerade hinsichtlich seiner möglichen Kandidatur für eine Wiederwahl zum Präsidentenamt im Jahr 2020 aufrecht zu erhalten. Und was käme da mehr gelegen als der schnelle Abschluss eines „Deals“?
Die Risikofreude an den Finanzmärkten sei auf jeden Fall gestiegen, hieß es gestern. Dies gilt zumindest für die Aktienmärkte, die mit Kursgewinnen auf die Ankündigung Trumps reagierten – ganz besonders und geradezu euphorisch der chinesische Shanghai Composite-Index, der mit einem Kursplus von mehr als 5 Prozent aufwartete. Nicht zuletzt auch, weil ein hochrangiger chinesischer Diplomat bestätigte, dass die Verhandlungen mit den USA konkrete Fortschritte gemacht hätten.
Allein die Devisenmärkte wollten – abgesehen von den Währungen Australiens und Neuseelands – nicht so recht reagieren. Aber auch andere Neuigkeiten ließen vor allen Dingen Dollar-Händler kalt. Möglicherweise auch, weil die wenigen Wirtschaftsdaten, die gestern publiziert wurden, im Kern bestätigt haben, dass sich das Wachstum im vierten Quartal 2018 – die erste offizielle Schätzung des US-Bruttoinlandprodukts wird mit vierwöchiger Verspätung am kommenden Donnerstag bekannt gegeben – nicht so gut wie ursprünglich erwartet entwickelt haben dürfte. Immerhin: Die gestrige Berechnung des viel beachteten Modells der Fed von Atlanta, GDPNow, geht nun für besagten Zeitraum von einem Wachstum von 1,9 Prozent (annualisiert und saisonbereinigt) aus, deutlich höher als zuletzt (+1,4 Prozent). Am Ende des Tages bewegte sich der Euro abermals nur wenig innerhalb seiner engen Handelsbandbreite zwischen 1,1285 und 1,1405/10, die von der breiten Konsolidierungszone zwischen 1,1215 und 1,1585 eingerahmt wird.

USD

USD CHF (1,0005)

Während sich der Euro gegenüber dem Franken gestern zumindest etwas befestigen konnte, blieb der Dollar fast impulslos. Und dies trotz der gestiegenen Hoffnung auf eine Lösung des US-chinesischen Handelskonflikts. Vielmehr scheint sich immer mehr eine Konsolidierung zwischen 0,9980 (möglicherweise auch tiefer mit 0,9905) und 1,0095 herauszukristallisieren.

GBP

EUR GBP (0,8640)

Als ob es im britischen Unterhaus für Theresa May nicht schon heiß genug herginge, flog die Premierministerin nach Sharm el-Sheikh, um EU-Vertretern am Rande des Gipfels mit Staaten des Mittleren Ostens doch noch Konzessionen abzuringen. Doch EU-Ratspräsident Donald Tusk machte May deutlich, dass es nur eine Alternative zu den bisherigen Brexit-Abkommen gebe: eine Verlängerung der EU-Mitgliedschaft um zwei Jahre, sofern die Premierministerin den Brexit-Deal nicht durch das Unterhaus bekommen würde. Aber auch andere europäische Politiker drängten Theresa May, den Austritt Großbritanniens aus der EU zu verschieben. Eine Option, die für May allerdings bislang nicht in Frage kam.
Aber Medienberichten von gestern Nacht zufolge scheint die Premierministerin nun den Plan, das Brexit-Datum zu verschieben, doch in Betracht zu ziehen, um einen Austritt Großbritanniens aus der EU ohne entsprechendes Abkommen zu vermeiden. Zumindest berichteten Insider, dass May das Parlament bereits heute darüber informieren möchte. Nachdem sich Sterling bereits gestern den ganzen Tag recht gut schlug, konnte die britische Währung in der Nacht sogar zulegen und drückte den Euro im Rahmen der neutralen Zone zwischen 0,8615 und 0,8760/65 (niedriger) auf das niedrigste Kursniveau seit vier Wochen.

CHF

EUR CHF (1,1355)

Risikofreude sieht anders aus, wenn man die Entwicklung der Schweizer Währung während der vergangenen Tage betrachtet. Denn der Franken hat vergleichsweise wenig Boden verloren, wobei sich der Euro auf der anderen Seite auch nicht unter die erste Unterstützung bei 1,1325/30 drücken ließ. Insofern macht die gestrige robuste Position der Gemeinschaftswährung zum Handelsschluss etwas Hoffnung, dass am Ende (sofern oben genannte Unterstützung gehalten werden kann) die derzeitige Konsolidierung zwischen 1,1255 und 1,1425/30 doch noch an der Oberseite aufgerissen werden kann.

CZK

EUR CZK (25,63)

Die Erwartung, dass die tschechische Zentralbank bei ihrer kommenden Sitzung Ende März die Zinsen abermals erhöhen könnte, haben sich jüngst unter den Marktteilnehmern zunehmend verstärkt. Zumal die gestern publizierten Erzeugerpreise in Tschechien im Januar deutlich stärker (1,0 Prozent gegenüber Vm. bzw. 2,9 Prozent ggü. Vorjahr) als von den Ökonomen erwartet angezogen haben. Allerdings konnte der Euro auch gestern nicht die Untergrenze seiner Konsolidierung zwischen 25,60/61 und 25,80 (modifiziert) durchbrechen. Nach wie vor gilt, dass nach Versagen der Untergrenze ein schwacher Abwärtstrend in Richtung 25,52 ausgelöst würde.

PLN

EUR PLN (4,3360)

Die Ankündigung der polnischen Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit), die öffentlichen Ausgaben um bis zu rund 10 Mrd. USD im Jahr erhöhen zu wollen, um Steuervergünstigungen, Pensionen und Ausgaben für Transport und Infrastruktur finanzieren zu können, hat den Zloty gestern kurzzeitig etwas unter Druck gesetzt. Allerdings blieben die Fortschritte des Euro in Richtung 4,3580 auch gestern nur marginal, und am Ende des Tages gab es für die Gemeinschaftswährung sogar einen kleinen Verlust. Vorgenannter Potenzialpunkt an der Oberseite bleibt übrigens gültig, solange 4,3240 nicht unterschritten wird.


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