Wöchentliche Marktberichte

Feb 21, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Taubenhaft genug

USD

EUR USD (1,1330)

War es noch am Mittwoch die Dollarschwäche, die die Gemeinschaftswährung peu à peu nach oben trieb, kam nun gestern auch noch etwas innere Euro-Stärke hinzu. Auch wenn es sich nur um eine recht kleine Bewegung handelt, wurde deutlich, dass sich einige Händler, bereits bevor das Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) vom 29./30. Januar veröffentlicht wurde, anscheinend noch mehr taubenhafte Erkenntnisse über den zukünftigen Kurs der Fed versprochen hatten. Aber auch die Robustheit des Euro, vor allen Dingen gegenüber dem US-Dollar, ist durchaus bemerkenswert.
Nichts anhaben konnte etwa dem Euro, dass IWF-Chefin Christine Lagarde durchblicken ließ, dass die Wachstumsprognose für Deutschland noch einmal ein Stück zurückgenommen wird. Denn ein Bruttoinlandsprodukt von +1,3 Prozent, von dem der IWF noch im Januar ausgegangen war, scheint wohl nicht mehr ganz zeitgemäß, zumal sich die meisten Ökonomen bereits in Richtung 1,0 Prozent bewegt hatten. Viel gravierender und weniger günstig für den Euro dürfte indes das Damoklesschwert drohender Strafzölle der USA auf EU-Autoimporte sein. Und es gibt nicht wenige Akteure, die trotz der beschwichtigenden Worte manches Politikers mit Verweis auf ein entsprechendes Versprechen Donald Trumps, nicht glauben möchten, dass der US-Präsident tatsächlich auf Strafzölle verzichten wird. Zumal gestern vom statistischen Bundesamt noch einmal bestätigt wurde, dass die wichtigste Export-Position Deutschlands die Kraftfahrzeuge sind. Und allein im Handel mit dem größten Abnehmer von Kraftwagen und Kraftwagenteilen, den USA, schlug im vergangenen Jahr ein Überschuss von 22 Mrd. Euro zu Buche. Dabei importieren die USA mehr als fünfmal so viele Autos wie Deutschland seinerseits von den Vereinigten Staaten abnimmt.
Aber auch ein Statement des stellvertretenden italienischen Premierministers Matteo Salvini (Lega Nord) in der italienischen Zeitung Il Messaggero, wonach Italien seinen Haushalt für das Jahr 2019 trotz der schwachen Wachstumszahlen nicht anpassen möchte, wurde von Devisenhändlern gestern kaum registriert. Indes: Der Renditevorsprung italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit jeweils zehnjähriger Laufzeit ist gestern wieder auf 275 Basispunkte gewachsen – das bisherige Jahreshoch dieses sogenannten Spreads liegt bei rund 293 Basispunkten (8. Februar).
Das FOMC-Protokoll, das gestern Abend veröffentlicht wurde, enthielt keine überraschend neuen Erkenntnisse. Auf der einen Seite wurde deutlich, dass sich die Fed-Entscheider vor drei Wochen unsicher waren, ob im Jahr 2019 weitere Zinserhöhungen notwendig sein würden. Auf der anderen Seite sprach sich eine große Mehrheit dafür aus, die Abschmelzung der Bilanzsumme der Notenbank in diesem Jahr zu beenden. Mit anderen Worten: Das Protokoll war taubenhaft genug. Unterdessen hat sich die technische Umgebung des Euro insofern verändert, als die Oberseite oberhalb von 1,1405 weniger durchlässig ist als zuvor, während die derzeitige Konsolidierungszone zwischen 1,1215 und 1,1585/90 an der Unterseite etwas aufgeweichter erscheint.

USD

USD CHF (1,0015)

Vermutlich in der Hoffnung, das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank könnte womöglich noch eine taubenhafte Überraschung mit sich bringen, gab der Dollar gestern gegenüber dem Franken ein weiteres Mal nach und hat gleichzeitig sein Aufwärtspotenzial in Richtung 1,0140 gelöscht. Unterhalb von 0,9980 (gestern exakt getestet) würde der Greenback sogar in eine stärkere Korrekturbewegung in Richtung 0,9905 gezwungen. 

GBP

EUR GBP (0,8695)

Parteiaustritte scheinen in Großbritannien derzeit in Mode zu kommen. Denn gestern verließen drei Abgeordnete die Konservative Partei und schlossen sich der aus bislang acht ehemaligen Labour-Mitgliedern bestehenden „Independent Group“ im Unterhaus an. Auch wenn eine gewisse Angst vor weiteren Rücktritten bei den Torys besteht, weil die Mehrheit der Conservative Party zusammen mit der nordirischen DUP im Parlament von nunmehr 324 Stimmen – die Parlamentsmehrheit beträgt 320 Stimmen – noch weiter schrumpfen könnte, ist es ja noch gar nicht sicher, ob die abtrünnigen Abgeordneten tatsächlich ihr Abstimmungsverhalten ändern werden. Ohnehin handelt es sich bei den dreien nicht um sogenannte Brexiteers.
Wesentlich interessanter war gestern eine Meldung, wonach Spaniens Außenminister Josep Borrell durchblicken ließ, dass es beim Brexit-Abkommen trotz der bislang starren Haltung der EU etwas Bewegung geben könne. Es ist zumindest diese Hoffnung, die Sterling sich gestern in robuster Verfassung präsentieren ließ. Nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch gegenüber dem Euro, der momentan nicht sonderlich gut unterstützt scheint. Dabei würde sogar ein übergeordneter Abwärtstrend unterhalb von 0,8615 wieder aufgenommen werden, während eine Stabilisierung nun bereits nach Überschreiten von 0,8805 angezeigt wäre.

CHF

EUR CHF (1,1350)

Bereits den vierten Handelstag hintereinander konnte der Euro auch gestern gegenüber dem Franken keine Handelsspanne von wesentlich mehr als 40 Stellen produzieren. Gleichzeitig verharrte die Gemeinschaftswährung innerhalb der Konsolidierung zwischen 1,1255 und 1,1425/30, und zwar oberhalb ihres einzig wichtigen Nachfrageniveaus, das nach wie vor bei 1,1325/30 liegt. In der Region darüber bleiben die Chancen für einen Test der Oberseite des Feldes geringfügig besser.

CZK

EUR CZK (25,66)

Auch wenn gestern in Tschechien keine ökonomischen Daten publiziert wurden, meldete sich ein Mitglied des Geldpolitischen Rates der Tschechischen Nationalbank (CNB) zu Wort. Vojtěch Benda stellte nämlich die Prognose seines Hauses, wonach sich die Krone allein in diesem Jahr gegenüber dem Euro auf einen Wert von 25,00 befestigen soll, in Frage. Benda machte auch sogleich deutlich, was geschehen würde, wenn diese Vorhersage nicht in Erfüllung gehen sollte: weitere Zinserhöhungen. Benda ist bekanntermaßen ein Zinsfalke und war einer der beiden Abweichler, die sich bei der jüngsten Sitzung der CNB am 7. Februar für eine Zinserhöhung von 25 Basispunkten aussprachen. Deswegen überrascht es auch nicht, dass die Krone gestern nur wenig bewegt wurde und weiterhin in ihrem neutralen Umfeld zwischen 25,61 und 25,82 rangiert. Unterhalb dieser Zone könnte sich nach wie vor ein neuer Abwärtstrend, zunächst in Richtung 25,52, entfalten. 

PLN

EUR PLN (4,3350)

Die Industrieproduktion Polens hat gestern mit einem Zuwachs von 6,1 Prozent im Januar (ggü. Vorjahr) positiv überrascht und steht damit etwas im Widerspruch zur Entwicklung des Einkaufsmanager-Index des verarbeitenden Gewerbes zur gleichen Zeit. Letzterer war zwar im Januar etwas gestiegen, bewegte sich seinerzeit aber immer noch unter der 50er Marke, der Trennlinie zwischen Expansion und Rezession. Ungeachtet dessen schwächte sich der Zloty dennoch ab, so dass der Euro den nächsten Potenzialpunkt seines Aufwärtsimpulses endlich überwinden konnte. Das Umfeld bleibt für die Gemeinschaftswährung günstig, solange sie sich oberhalb von 4,3120 bewegt, und das mit einer Perspektive von 4,3580.


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