Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Feb 20, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wachen oder schlafen?

USD

EUR USD (1,1345)           

Auch am gestrigen Handelstag wurde wieder einmal eine alte Händlerweisheit bestätigt: Was nicht fallen kann, muss steigen. Und genau dies scheint – wie von uns erwartet – für den Euro bereits seit einigen Tagen zu gelten. Allerdings sind die Begründungen für den Euro-Anstieg eher dürftig. Denn außer einer angeblich gestiegenen Risikofreude infolge der Hoffnung auf eine baldige Einigung im US-chinesischen Handelsstreit haben die Kommentatoren nicht viel anzubieten. Folgt man deren Stimmen und den Meinungen vieler Analysten, müsste man unter dem Strich eher zu dem Schluss kommen, dass der Dollar gegenüber dem Euro im Vorteil ist. Tatsächlich vermittelt ein Blick auf diese beiden Valuten gegenüber jeweiligen Währungskörben zum gestrigen Ende der europäischen Handelssitzung, dass der Euro einen leicht schwachen und der Dollar einen noch schwächeren Tag hinter sich hatte. Richtig nachgefragt war keine der beiden Valuten. Und tatsächlich hat es auch keine von beiden verdient.

Blickt man allein auf die derzeitige Politik der Zentralbanken, stehen sowohl die EZB als auch die US-Notenbank in der Kritik. Und es ist schon bezeichnend, wenn ein Kommentar von Bloomberg gestern die Überschrift trug, die EZB sei wach und gleichzeitig am Schlafen. Tatsächlich wird den Entscheidern in der EZB darin vorgeworfen, dass diese im Vergleich zu vielen anderen Zentralbanken der Welt, die sich entweder taubenhaft geäußert oder sogar die Leitzinsen gesenkt hätten, eigentlich zu spät zu Werke gehen würde. Trotz des schleppenden Wachstums in der Eurozone. Tatsächlich blieb es dem Chefökonom der EZB, Peter Praet, vorbehalten, am Montag etwas deutlicher zu werden, als er äußerte, die EZB könne womöglich ihren Zinsausblick anpassen und dies durch andere Maßnahmen ergänzen, falls sich die Euro-Wirtschaft stärker abschwächen sollte. Andere Ratsmitglieder wollen erst einmal die Datenlage bis zum 7. März, dem Tag der nächsten EZB-Sitzung, abwarten, sich also gedulden. Indes: Die Teilnehmer an den Finanzmärkten haben sich schon längst eine Meinung gebildet und rechnen nicht mehr damit, dass die EZB ihren Leitzins in diesem Jahr überhaupt noch erhöhen wird.

Allerdings bekam auch die Fed von den Kommentatoren ihr Fett ab. So wurde allenthalben kritisiert, wie denn die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Notenbank bei ihrer Sitzung im Dezember bei der Anfertigung der Zinsprognosen, den sogenannten Dot-Plots, im Mittel noch von zwei weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr ausgehen konnten. Und ein kluger Professor hat sogleich das Problem ausgemacht: Zwar gebe es auf der einen Seite diese vierteljährlich erscheinenden Vorhersagen, aber keine Angaben über die Wahrscheinlichkeit ihres Eintreffens. Dabei ist doch eigentlich davon auszugehen, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses den Verlauf des Zinspfades bei aller Unsicherheit so kommunizieren, wie sie ihn für am wahrscheinlichsten halten. Andere wiederum haben den gut gemeinten Rat zur Hand, der Offenmarktausschuss solle doch jetzt, da nach jeder Notenbanksitzung seit Beginn dieses Jahres eine Pressekonferenz anberaumt sei, nicht nur vierteljährlich, sondern eben nach jeder Notenbanksitzung seine Prognosen zum Zinspfad abgeben. Tatsächlich wäre die Notenbank damit flexibler, würde aber möglicherweise zu stark auf kurzfristige ökonomische Entwicklungen reagieren. Ob das wirklich sinnvoll ist?

Immerhin: Heute Abend gibt es das Protokoll der vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank vom 29./30. Januar zu begutachten. Was die derzeitige Verteilung von Angebot und Nachfrage beim Euro betrifft, lässt sich zumindest sagen, dass sich dieser weiterhin im Rahmen seiner Konsolidierung zwischen 1,1215/20 und 1,1585/90 mit Aufwärtsbewegungen etwas leichter tut. Denn nach wie vor ist der erste und derzeit einzig ernsthafte Widerstand innerhalb der Konsolidierungszone nicht vor 1,1405 angezeigt, während die Unterseite gut abgesichert ist.

USD

USD CHF (1,0010)             

Gegenüber dem US-Dollar präsentierte sich der Franken gestern sogar in noch besserer Verfassung als im Vergleich zum Euro. Ersterer hätte durchaus vom besser als erwartet ausgefallenen NAHB- Hauspreisindex in den USA profitieren können, musste aber stattdessen im Rahmen seines ohnehin schwachen Aufwärtstrends noch einmal einen kleineren Rückschlag hinnehmen. Das Potenzial des Trends (1,0140) bleibt allerdings nur erhalten, sofern 0,9990/95 nicht unterschritten wird. Unterhalb von 0,9970 würde der Greenback sogar in eine stärkere Korrekturbewegung gezwungen.

 

GBP

EUR GBP (0,8685)           

Es ist schon beachtlich, dass sich Sterling zuletzt gegenüber dem Euro so stark befestigte, dass dessen rund zweieinhalb Wochen andauernde korrektive Aufwärtsbewegung innerhalb von drei Handelstagen beendet wurde. Auch wenn es hierfür – abgesehen vom übergeordneten Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung – keinen triftigen Grund gab. Man könnte natürlich anführen, dass die Akteure vermehrt darauf hoffen, dass die in dieser Woche stattfindenden Gespräche zwischen Großbritannien und der EU irgendwelche Fortschritte hinsichtlich des Brexit-Abkommens erzielen werden. Aber der Pressesprecher der britischen Premierministerin, James Slack, bezeichnete das Treffen zwischen Theresa May und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am heutigen Tage zwar als bedeutungsvoll, ohne allerdings irgendeinen Hinweis darauf zu geben, dass sich die Gesprächsinhalte seit Dezember vergangenen Jahres verändert hätten. Auf der ökonomischen Seite könnte man immerhin auf die recht robusten britischen Arbeitsmarkdaten als Grund für eine etwaige Pfund-Nachfrage verweisen. Aber angesichts der Brexit-Unsicherheiten dürften auch diese Zahlen die Händler gestern kaum nachhaltig interessiert haben. Am Ende des Tages war die Aufwärtskorrektur des Euro abgeschlossen und der übergeordnete Abwärtstrend würde unterhalb von 0,8615 wieder aufgenommen werden. Eine Stabilisierung der Gemeinschaftswährung wäre dagegen lediglich jenseits von 0,8815 denkbar.

CHF

EUR CHF (1,1360)           

Auch gegenüber dem Franken präsentierte sich der Euro gestern nicht in überzeugender Verfassung, ganz zu schweigen von der angeblichen Risikofreude (vgl. auch EUR USD) und einer damit einhergehenden Schwäche des Franken, die den Händlern von Kommentatoren zurzeit immer wieder nachgesagt wird. Immerhin testete der Euro gestern beinahe unser wichtiges Nachfrageniveau bei 1,1325/30, das nunmehr einem weiteren Angriff nicht mehr standhalten dürfte. Im größeren Bild bleibt die Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30 erhalten, und solange vorgenannte Schlüsselunterstützung nicht gefallen ist, bleiben die Chancen für einen Test der Oberseite geringfügig besser.

CZK

EUR CZK (25,66)             

Der Euro hat sich gestern ohne den Einfluss ökonomischer Daten gegenüber der Krone wieder etwas abgeschwächt, bleibt aber in technisch neutralem Umfeld zwischen 25,61 und 25,82. Unterhalb dieser Zone könnte sich immerhin ein neuer Abwärtstrend entfalten, der sich noch einmal nach Durchbrechen der wichtigen Unterstützung bei 25,52 deutlich verstärken dürfte.

PLN

EUR PLN (4,3310)           

Die Löhne im Unternehmenssektor und das Beschäftigungswachstum Polens haben im Januar auf der positiven Seite überrascht. So waren die Löhne entgegen der Konsensprognose von 6,8 Prozent (ggü. Vorjahr) um 7,5 Prozent und die Beschäftigung (erwartet war ein Plus von 1,9 % im Median) um 2,9 Prozent gewachsen. Allerdings ohne bleibenden Effekt auf den Zloty, der im Tagesvergleich gegenüber dem Euro sogar etwas nachgab. Dessen Aufwärtsimpuls bleibt intakt (4,3420, 4,3580), solange 4,3120 unverletzt bleibt.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.