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Feb 18, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Spiel auf Zeit

USD

EUR USD (1,1310)

Auf Zeit zu spielen scheint derzeit nicht nur in Großbritannien in Mode zu sein. Auch in den USA gab es in der vergangenen Woche Ereignisse, die auf eine derartige Strategie schließen ließen. Zunächst aber zu einem „Erfolg“: US-Präsident Donald Trump unterschrieb den von Demokraten und Republikanern gemeinsam entworfenen Haushaltskompromiss, womit ein erneuter Government Shutdown vermieden wurde. Ein Kompromiss, der Donald Trump knapp 1,4 Mrd. USD zur Finanzierung der Grenzbefestigung zwischen den USA und Mexiko zubilligte. Natürlich viel zu wenig im Vergleich zu dem, was Trump ursprünglich gefordert hatte. Und so wurde auch umgehend deutlich, dass der US-Präsident seine Mittel auf andere Art und Weise zusammenkratzen würde. Trump rief den Notstand aus, um den Bau der Grenzmauer zu erzwingen. Und im Nu kamen aus anderen Haushaltsquellen mehrerer Ministerien – unter anderem aus dem militärischen Baufonds des Pentagon – noch einmal rund 6 Mrd. USD zusammen. Kein Wunder, dass die Demokraten und mehrere Bundesstaaten sogleich Verfassungsklagen ankündigten, um die Errichtung der Mauer so lange zu blockieren, bis die Angelegenheit vor dem Obersten Gerichtshof, dem „Supreme Court“, verhandelt wird. Und das dauert. Vielerorts rechnet man damit, dass die Notstandsfrage letztlich nicht vor 2020 geklärt werden kann. Und dann ist US-Wahlkampf. Auf jeden Fall hat Trump Zeit gewonnen und dennoch sein einstiges Wahlversprechen gehalten.
Das zweite Beispiel betrifft die Verhandlungen zwischen den USA und China im Handelskonflikt, deren Gespräche Medienberichten zufolge in dieser Woche fortgesetzt werden sollen. Auch wenn US-Präsident Donald Trump davon sprach, dass die diesbezüglichen Gespräche „extrem gut“ verlaufen würden, bleibt bislang unklar, in welchen Punkten Einigkeit erzielt worden ist. Aber Präsident Trump machte es ja bereits klar, dass bei entsprechend gutem Verlauf dieser Gespräche die für den 1. März vorgesehenen Strafzölle auf China-Importe für eine gewisse Zeit (die Rede ist dem Vernehmen nach von 60 Tagen) ausgesetzt werden könnten.
Von EU-Seite wird man auf jeden Fall den Ausgang dieser Gespräche besonders genau verfolgen, denn der EU-Handelsüberschuss gegenüber den USA ist nach Angaben vom Freitag im vergangenen Jahr von 119,6 auf 139,7 Mrd. EUR und damit auf einen neuen Rekord gestiegen. Dabei zogen die Exporte in die USA um 8 Prozent an, während die EU von dort nur einen Anstieg der Warenimporte von 3,9 Prozent verbuchte. Ein Missverhältnis, das Donald Trump garantiert nicht gefallen wird und damit die Diskussion über potenzielle Strafzölle auf EU-Güter, insbesondere Kraftfahrzeuge, bald wieder in den Fokus des Interesses an den Finanzmärkten rücken wird. Dazu passt auch, dass das US-Handelsministerium seinen Bericht über die Bedrohung der nationalen Sicherheit durch Kraftfahrzeug-Importe aus der EU an Donald Trump übergeben hat. Dieser wiederum hat nun 90 Tage Zeit für eine Entscheidung.
Zieht man ein Resümee für die vergangenen beiden Wochen, fällt auf, dass der Euro an neun von zehn Handelstagen gegenüber dem Vortag jeweils ein niedrigeres Tagestief und am Freitag abermals ein neues Jahrestief markierte. Dabei ist erstaunlich, dass die für den US-Dollar zuletzt überraschend schlecht ausgefallenen ökonomischen Daten wie die Einzelhandelsumsätze vom Dezember, die Industrieproduktion vom Januar (dieses Datum enttäuschte am Freitag), verbunden mit deutlich gesenkten Wachstumsprognosen, nicht mehr Schaden angerichtet hatten. Aber auch für den Euro gab es eben ökonomisch nicht viel Positives zu vermelden. Darüber hinaus haben sich mittlerweile für viele Akteure die Anzeichen verdichtet, dass es in diesem Jahr wohl keine Zinserhöhung mehr in der Eurozone geben wird. Dennoch sieht es kaum danach aus, als ob die Gemeinschaftswährung – auch bedingt durch den heutigen US-Feiertag – die Untergrenze ihrer Konsolidierungszone zwischen 1,1210/15 und 1,1585/90 überhaupt in Angriff nehmen, geschweige denn durchbrechen werde. Denn die Unterseite ist durch mehrere Nachfrageniveaus gut abgesichert, während der erste ernstzunehmende Widerstand erst bei 1,1405 angezeigt ist.

USD

USD CHF (1,0040)

Eigentlich ist es schon ein wenig erstaunlich, dass der Dollar am vergangenen Freitag zum fünften Mal hintereinander nicht über die Marke von 1,0095 ziehen wollte. Denn immerhin gab es von US-Seite die vorläufigen Zahlen der Uni Michigan zum Verbrauchervertrauen, das mit 95,5 über den Erwartungen der Ökonomen lag. Allerdings wurde die gute Erwartungskomponente durch die gesunkenen Inflationserwartungen der Befragten getrübt, aber dies dürfte den meisten Händlern vermutlich gleichgültig gewesen sein. Damit nimmt der Aufwärtstrend des Greenback weiterhin kaum Fahrt auf. Der Potenzialpunkt bei 1,0125 bleibt indes erhalten, solange 0,9985 nicht verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8760)

Man kann es natürlich so sehen wie die Fraktionsführerin der Konservativen Partei im britischen Unterhaus, Andrea Leadsom, die die Abstimmungsniederlage der Premierministerin am vergangenen Donnerstag (das Unterhaus lehnte mit 303 zu 258 Stimmen eine Beschlussvorlage ab) eher als „Problemchen“ herunterspielte, denn als wirkliches Desaster betrachtete. Da hat sie insofern Recht, als jene Abstimmung ohnehin rechtlich nicht bindend ist. Unterdessen sind für heute einem Medienbericht zu Folge neue Gespräche zwischen der EU, vertreten durch ihren Chefunterhändler Michel Barnier, und dem britischen Brexit-Minister Stephen Barclay in Brüssel anberaumt. Immerhin konnte Sterling am Freitag etwas Boden gut machen, aber vermutlich nicht wegen der besser als erwartet ausgefallenen britischen Einzelhandelsumsätze des Monats Januar, sondern weil manche Händler schlichtweg nicht mit einer Sterling-Shortposition ins Wochenende gehen wollten. Deswegen hat sich auch der Euro deutlich abgeschwächt, bleibt aber noch in seiner korrektiven Aufwärtsbewegung zwischen 0,8700 und 0,8895/00.

CHF

EUR CHF (1,1350)

Während an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks die Risikofreude der Händler zum Wochenschluss zurückgekehrt war, galt dies offensichtlich nicht für den Franken am Freitag. Tatsächlich produzierte der Euro eine Handelsspanne von weniger als 30 Stellen, blieb aber immerhin oberhalb seines wichtigen Nachfrageniveaus von 1,1325/30, das nach wie vor nicht verletzt werden darf, um die Chancen für einen Test der Oberseite der Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30 nicht zu verschlechtern.

CZK

EUR CZK (25,67)

Die vorläufigen Wachstumszahlen Tschechiens für das vierte Quartal 2018 haben auf der positiven Seite überrascht. So ist das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um 1,0 und im Jahresvergleich um 2,9 Prozent gestiegen (Konsenserwartung der Ökonomen: 0,7 bzw. 2,4 Prozent). Diese Zahl hat in Kombination mit der Erwartungshaltung, dass die Tschechische Nationalbank schon bald wieder die Leitzinsen erhöhen könnte, dazu beigetragen, dass die Krone deutlich an Boden gewinnen konnte. Dabei ist der Euro unter die wichtige Marke von 25,71 gefallen und hat damit seine korrektive Aufwärtsbewegung beendet. Mehr noch, besteht die Möglichkeit, dass unterhalb von 25,61 der frühere Abwärtstrend wieder aufgenommen würde.


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