Wöchentliche Marktberichte

Feb 15, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Heftige Enttäuschung

EUR

EUR USD (1,1285)

Vielerorts dürften sich gestern Ökonomen gefragt haben, wie sie so daneben liegen konnten. Gemeint sind die Zahlen zu den US-Einzelhandelsumsätzen vom Dezember, die wegen des vergangenen Government Shutdown erst jetzt veröffentlicht wurden. Mit einem Minus von 1,2 Prozent hatten die Einzelhandelsumsätze nicht nur gegenüber dem Vormonat durchweg enttäuscht, sondern waren auch noch so stark wie zuletzt vor neun Jahren gefallen. Noch schlechter sah es bei der Kernrate (Umsätze ohne Autos) aus, die mit -1,8 Prozent publiziert wurde. Die Zahlen fallen vor allem deswegen so negativ ins Gewicht, weil sie das normalerweise gut ausfallende Feiertagsgeschäft widerspiegeln sollen. Zur Ehrenrettung der Ökonomen sei jedoch darauf hingewiesen, dass etwa die Zahlen der Kreditkartengesellschaft Mastercard noch im Dezember vergangenen Jahres genau das Gegenteil der gestrigen Daten vermittelten. Demzufolge waren damals die Umsätze der Einzelhändler vom 1. November bis Heiligabend um 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, wobei die Online-Verkäufe sogar mit einem Umsatzplus von 19,1 Prozent (ggü. Vorjahr) hervorstachen. Auch passen die gestern publizierten Zahlen überhaupt nicht zur Entwicklung des Arbeitsmarkts und der gestiegenen Löhne in jenem Monat.

Entsprechend ungläubig reagierte etwa der ökonomische Chefberater des Weißen Hauses, Larry Kudlow, der sich ganz offensichtlich keinen Reim auf die schlechten Zahlen machen konnte. Und sogleich meldete sich mit Lael Brainard auch ein Mitglied des Offenmarktausschusses der US-Notenbank zu Wort. Sie zeigte sich über die Zahlen zum Einzelhandel überhaupt nicht glücklich, verwies aber in erster Linie auf die Wachstumsschwäche in China und Europa. Und so wirkte es fast wie die Verabreichung einer Beruhigungspille, als Brainard äußerte, dass die Abschmelzung der Bilanz der US-Notenbank wahrscheinlich noch in diesem Jahr beendet werden könnte. Allerdings darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass Brainard tendenziell als Zinstaube gilt.

All dies ändert jedoch nichts daran, dass die US-Wachstumsprognosen für das vierte Quartal 2018 in den USA vielerorts deutlich nach unten korrigiert wurden. Das trifft insbesondere auf das viel beachtete Prognosemodell der Fed von Atlanta, GDPNow, zu, das mittlerweile nur noch von einem realen Bruttoinlandsprodukt von 1,5 Prozent in IV/2018 ausgeht, nach zuvor noch 2,7 Prozent! Auch wenn die Daten in diesem Modell als Folge des partiellen Government Shutdown immer noch nicht komplett sind, ist ein Trend erkennbar.
Aus der Eurozone gab es indes revidierte Wachstumszahlen zum vierten Quartal 2018 zu vermelden. Zwar blieb es bei der ersten Schätzung von einem Wachstumsplus von 0,2 Prozent (ggü. Vorquartal), aber das deutsche Bruttoinlandsprodukt hat im gleichen Zeitraum nur noch stagniert, nachdem das Statistische Bundesamt zunächst noch von einem kleinen Plus ausgegangen war. Der Wechselkurs des Euro reagierte nach erneuter Schwäche am Vormittag gestern mit einem kleinen Sprung, der kurzzeitig über 1,1300. Führte. Dennoch wurde auch gestern wieder deutlich, dass der Euro große Schwierigkeiten hat, die Untergrenze seiner Konsolidierung zwischen 1,1215 und 1,1585/90 tatsächlich zu durchbrechen. Nach wie vor ist die Nachfragesituation im unteren Bereich beachtlich, während ernstzunehmender Widerstand erst bei 1,1410 angezeigt ist.

USD

USD CHF (1,0050)

Dass der Dollar infolge der enttäuschend ausgefallenen Einzelhandelsumsatzzahlen (vergleiche EUR USD) gestern etwas unter Druck geraten ist, sollte niemanden überrascht haben. Allerdings wird auch deutlich, dass dem Greenback nun bereits am vierten Tag in Folge immer wieder kurz vor 1,0095 die Luft auszugehen scheint. Durch den gestrigen Rücksetzer hat der Aufwärtstrend des Dollar weiterhin an Momentum verloren. Bleiben die Rückschläge allerdings auf 0,9985 begrenzt, bleibt auch der Potenzialpunkt bei nunmehr 1,0125 erhalten.

EUR

EUR CHF (1,1345)

Die Schweizer Erzeugerpreise sind im Januar mit -0,7 Prozent (gegenüber Vormonat) nicht nur hinter den Erwartungen der Ökonomen zurückgeblieben, sondern nunmehr auch im Jahresvergleich um 0,5 Prozent gefallen. Allerdings haben sich diese ohnehin nicht besonders bedeutungsvollen Zahlen nicht im Wechselkurs niedergeschlagen. Stattdessen schien der Franken infolge einer neu aufgekommenen Risikoaversion der Marktteilnehmer gestern wieder etwas stärker gefragt zu sein. Im Zuge dessen hat der Euro zwar etwas an Boden verloren, blieb aber noch oberhalb des wichtigen Nachfrageniveaus von 1,1325/30, das nicht unterlaufen werden sollte, um die Chancen für einen Test der Oberseite der Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30 nicht zu verschlechtern.

GBP

EUR GBP (0,8810)

Auch wenn gestern im britischen Unterhaus wieder einmal über das weitere Vorgehen in Sachen Brexit diskutiert und über drei Änderungsanträge abgestimmt wurde, sind die meisten Marktbeobachter nicht davon ausgegangen, dass dabei Weltbewegendes geschehen würde. Denn die britische Premierministerin hat bereits eine dritte Abstimmungsrunde für den 27. Februar in Aussicht gestellt, letztlich mit der Absicht, noch mehr Zeit zu gewinnen. Allerdings musste Theresa May am Ende des Tages doch noch eine weitere Abstimmungsniederlage einstecken, denn das Unterhaus lehnte mit 303 zu 258 Stimmen eine Beschlussvorlage ab, die einen Auftrag der Premierministerin für Nachverhandlungen beim Brexit-Abkommen (Plan B) bestätigen sollte.

Bereits im Vorfeld konnten Händler gestern Sterling kaum etwas Positives abgewinnen und fühlten sich möglicherweise wegen vorgenannter Abstimmungen ziemlich verunsichert, weswegen der Euro gestern immerhin auf den höchsten Kurs seit dem 21. Januar katapultiert wurde. Dennoch bewegt sich die Gemeinschaftswährung immer noch im Rahmen ihrer korrektiven Aufwärtsbewegung, jetzt zwischen 0,8700 und 0,8895/00.

CZK

EUR CZK (25,78)

Wenig Bewegung hat es gestern bei der Krone gegeben, die ihre anfänglichen Kursgewinne zum Handelsschluss vermutlich auch wegen der US-Datenlage vollumfänglich wieder abgeben musste. Allerdings blieb die Tagesspanne des Euro mit rund fünf Punkten überschaubar, zumal dieser bereits an seiner ersten Unterstützung hängen blieb. Seine derzeitige, immer noch korrektive Aufwärtsbewegung reicht zwar bis 25,95, wird allerdings durch einen stärkeren Widerstand bei 25,86/87 behindert. Unter 25,71/72 wäre die Erholungsphase des Euro im Übrigen beendet.

PLN

EUR PLN (4,3290)

Das polnische Bruttoinlandsprodukt ist im vierten Quartal 2018 in einer ersten Schätzung um 0,5 Prozent (gegenüber Vorquartal) und damit nicht so stark gewachsen, wie dies von den Ökonomen im Mittel erwartet worden war. Auf das Jahr gesehen ergab sich damit ein vorläufiges Plus von 4,9 Prozent. Im Tagesverlauf hat sich der Euro gegenüber dem Zloty bis auf ganz wenige Stellen seinem Potenzialpunkt bei 4,3420/30 angenähert, fiel später allerdings deutlich zurück. Der Aufwärtsimpuls bleibt jedenfalls intakt, solange 4,3110 nicht mehr unterschritten wird.


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