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Feb 13, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Drei Falken üben sich in Geduld

EUR

EUR USD (1,1335)

Fast ist man versucht, nach Gründen zu suchen, warum der Euro, wie gestern geschehen, zum ersten Mal seit sieben Tagen eine Handelssitzung mit einem Plus beendet. Während sich die meisten Akteure normalerweise keinen Kopf darüber zerbrechen, wenn sich der Euro an einem Tag um knapp 90 Stellen bewegt, mag es dieses Mal vor allem dem Kontrasteffekt geschuldet sein, dass man sich hier und da doch Gedanken machte: Endlich einmal eine Gegenbewegung zum fast schon einschläfernden, scheinbar ewig währenden leicht abwärts gerichteten Euro-Handel, der sogar gestern zunächst ein neues Jahrestief markierte.

Aus Euro-Sicht hätte es auch gestern eher mehr Gründe gegen als für die Gemeinschaftswährung gegeben. Angefangen von den Kommentaren dreier Mitglieder des EZB-Rates, die mehr oder weniger deutlich zur Geduld mahnten. So räumte etwa Bundesbankpräsident Jens Weidmann gestern ein, dass sich die Schwäche der Wirtschaft der Eurozone zwar etwas länger als ursprünglich gedacht hinziehen würde, doch sehe er gute Gründe, am mittelfristigen Inflationsausblick festzuhalten. Aber auch der Chef der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, schien sich gestern an eine Art Drehbuch halten zu wollen, als er äußerte, die EZB würde erst im Sommer wieder das Zins-Thema aufgreifen wollen. Weidmann, aber auch Nowotny gelten übrigens als Zinsfalken im EZB-Rat und scheinen gewissermaßen auf Zeit spielen zu wollen. Zumal auch der Chef der Zentralbank der Niederlande, Klaas Knot, gestern für eine abwartende Haltung plädierte. Zwar sei es „eindeutig verfrüht“, von einer Rezession zu sprechen, aber die Eurozone durchlaufe mehrere Quartale mit schwächerem Wachstum. Dieses Statement ist insofern bemerkenswert, als auch Knot bislang eher für eine straffere Geldpolitik bekannt war. Und so mehren sich die Zeichen, dass die Notenbank frühestens 2020 zum ersten Mal ihre Leitzinsen nach 2011 anheben wird.

Auf US-Seite gab es bereits in der Nacht zum Dienstag die Meldung, dass sich Unterhändler von Republikanern und Demokraten prinzipiell über ein Abkommen zur Finanzierung der US-mexikanischen Grenze geeinigt hätten, um eine abermalige Schließung öffentlicher Einrichtungen im Rahmen eines erneuten Government Shutdown zu verhindern. Obwohl diese vorläufige Vereinbarung noch nicht den Segen von US-Präsident Donald Trump hat und lediglich einen Etat von 1,375 Mrd. USD für neue Grenzzäune vorsieht (Donald Trump fordert 5,7 Mrd. USD), ist die Risikofreude der Händler gestern anscheinend etwas gestiegen. Zumindest wurde damit mancherorts der Rücksetzer des Greenback begründet. Tatsächlich hätte man aber auch die Veröffentlichung der US-JOLTS-Stellenangebote, deren Zahl im Dezember mit 7,335 Millionen selbst die kühnsten Erwartungen der Ökonomen übertraf, zum Anlass nehmen können, sich abermals auf einen steigenden Dollar einzurichten.

Die plausibelste Erklärung für die gestrige Erholung des Euro dürfte die einer längst überfälligen technischen Korrektur sein, zumal die Unterseite bei der derzeitigen Konsolidierungszone der Gemeinschaftswährung zwischen 1,1215 und 1,1585/90 – wie von uns seit Beginn der Woche angedeutet – derzeit gut unterstützt scheint, während die Oberseite bis zum Stabilisierungspunkt des Euro bei 1,1415 ziemlich durchlässig bleibt.

USD

USD CHF (1,0055)

Während der Dollar gestern gegenüber einem Korb an Valuten – gemessen am Dollar-Index – einen kleinen Rückschlag hinnehmen musste, galt dies nicht im Verhältnis zum Franken. Dort wäre nämlich fast das Vortageshoch vom Wochenbeginn (vgl. die außergewöhnliche Entwicklung am Montag in Neuseeland) überwunden worden. Abgesehen davon, bleibt der Greenback in seinem Aufwärtstrend nunmehr mit Potenzial bis 1,0115, darüber 1,0200. In diesem Zusammenhang darf 0,9975/80 nun nicht mehr unterlaufen werden.

EUR

EUR CHF (1,1395)

Die zurückgekehrte Risikofreude der Akteure an den Finanzmärkten spiegelt sich auch in der gestrigen schwächeren Verfassung des Franken wider. Und fast scheint es, als ob der Euro noch einmal den Weg seiner außergewöhnlichen kurzzeitigen Befestigung im Rahmen des Franken-Mini-Crashes zu Wochenbeginn nachvollziehen wolle. Zumindest hat sich die Gemeinschaftswährung gestern wieder stabilisiert und scheint im Rahmen ihrer Seitwärtsbewegung zwischen 1,1255 und 1,1425/30 abermals einen neuen Aufwärtstrend etablieren zu wollen. Die Chancen hierfür stehen nicht schlecht, solange 1,1325/30 nicht mehr verletzt wird. Allerdings wäre die Oberseite selbst nach Überschreiten von 1,1425/30 derzeit bei 1,1470 limitiert, so dass Euro-Käufe aus Chance/Risiko-Gesichtspunkten derzeit schwierig erscheinen.

GBP

EUR GBP (0,8780)

Theresa May braucht mehr Zeit. Dies wurde bereits am Montag deutlich, als der britische Regierungssprecher James Slack klarmachte, dass es zum Brexit in dieser Woche keine Abstimmung geben werde. „Wir müssen alle die Nerven behalten“ – dies war dann auch der gestrige Tenor der Rede der britischen Premierministerin und der Aufruf zu einer erneuten Verschiebung der Abstimmung, der so genannten „meaningful vote“ über das Brexit-Abkommen. Immerhin gab es auf Seiten der Brexiteers gestern etwas Bewegung, denn einer der schärfsten Widersacher Theresa Mays, Boris Johnson, kann sich einem Bericht der britischen Zeitung The Sun zufolge vorstellen, die Premierministerin zu unterstützen, sofern der sogenannte Backstop, die Notfalllösung zur Vermeidung einer harten Grenze zwischen Irland und Nordirland, auf 18 Monate begrenzt bliebe. Darüber hinaus müsse Großbritannien eine Möglichkeit gegeben werden, den Backstop einseitig gegenüber der EU aufkündigen zu können. Andere Hardcore Brexiteers, etwa deren Anführer Jacob Rees-Mogg, bestehen allerdings darauf, dass der Backstop durch eine andere Vereinbarung ersetzt wird. Per Saldo schwächte sich Sterling gestern allerdings abermals etwas ab und ließ den Euro etwa in der Mitte seiner korrektiven Aufwärtsentwicklung zwischen 0,8695 und 0,8890 zurück.

CZK

EUR CZK (25,86)

Ohne neue ökonomische Daten scheint es dem Euro derzeit nicht zu gelingen, seine korrektive Aufwärtsbewegung gegenüber der Krone in einen Trend zu verwandeln. Denn das Niveau von 25,86/87 ist immer noch nicht endgültig überwunden worden. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass der Euro die Kraft hat, sein weiteres Potenzial (25,95) auszuschöpfen. Die Aufwärtsbewegung bleibt intakt, solange 25,72 nicht mehr verletzt wird.

PLN

EUR PLN (4,3260)

Abermals hat sich gestern der Zloty etwas abgeschwächt und somit den Euro ein Stückchen weiter in Richtung seines nächsten Potenzialpunkts an der Oberseite bei 4,3430 geschoben. Der Aufwärtsimpuls bleibt intakt, solange nun 4,3030 nicht mehr unterschritten wird.


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