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Feb 08, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Dunkle Wachstumswolken über Europa

USD

EUR USD (1,1340)

Eigentlich kam es, wie es kommen musste. Die EU-Kommission hat die Wachstumsvorhersage für die Eurozone für das laufende Jahr deutlich von 1,9 (November) auf 1,3 Prozent gesenkt. Auch für das Jahr 2020 erwartet die Kommission nur noch ein Bruttoinlandsprodukt von +1,6 Prozent. Die Inflationsvorhersage für das laufende Jahr wurde ebenfalls auf 1,4 Prozent (zuvor 1,8 %) zurückgenommen. In Deutschland soll das Wachstum in diesem Jahr demzufolge nur noch 1,1 Prozent betragen – vor einem Vierteljahr ging man noch von 1,8 Prozent aus. Die Risiken, die kurzfristig besonders auf diesen Prognosen lasten, sind bekannt: Die Verlangsamung des chinesischen Wachstums und die Ungewissheit über den Ausgang der US-chinesischen Handelsgespräche. Zu diesem negativen Tenor passten auch die gestern publizierten Zahlen zur deutschen Industrieproduktion, die mit -0,4 Prozent im Dezember gegenüber dem Vormonat überhaupt nicht den Erwartungen der Ökonomen entsprachen – diese waren von einem Plus von 0,8 Prozent ausgegangen. Und so fällt es immer schwerer zu glauben, dass die Europäische Zentralbank tatsächlich noch in diesem Jahr erstmals seit langem wieder die Leitzinsen erhöhen wird.
In diesem Kontext darf man natürlich auch nicht die Situation Italiens vergessen. Noch im Oktober vergangenen Jahres, im Zusammenhang mit der Neuverschuldungsthematik und dem damals daraus resultierenden Haushaltsstreit mit der EU, war man zumindest in Rom noch von einem Wachstum von 1,6 Prozent ausgegangen. Bereits seinerzeit war die EU-Kommission skeptisch gewesen und bezeichnete diese Vorhersagen als zu optimistisch. Gestern nun hat die Kommission sogar ihre eigene Prognose vom November drastisch von 1,2 auf nur noch 0,2 Prozent in diesem Jahr zusammengestrichen. Und auch für 2020 sieht es mit einem Plus von nur noch 0,8 Prozent (nach zuvor 1,3 Prozent) nicht viel besser aus.
Dass sich die Investoren ebenfalls verstärkt Sorgen machen, zeigt sich im Renditevorsprung zehnjähriger italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit ähnlicher Laufzeit, der von seinem Tiefpunkt von 240 Basispunkten Ende Januar mittlerweile bis gestern in der Spitze auf rund 285 Basispunkte, dem höchsten Stand seit Dezember 2018, angestiegen war. So gesehen hat sich der Euro gestern zwar erneut ein wenig abgeschwächt (1,1320) und zum fünften Mal hintereinander ein niedrigeres Tagestief im Vergleich zum Vortag markiert. Bedenkt man, dass die Gemeinschaftswährung sich zum Ende des Tages sogar wieder etwas befestigte, hat sie sich trotz aller negativen Nachrichten nicht wirklich schlecht geschlagen. Abgesehen davon gilt die derzeitige Konsolidierungszone zwischen 1,1215 und 1,1585/90, wobei die Oberseite (bezogen auf ein Kursband von +/-1 Prozent) etwas durchlässiger als das untere Umfeld sein dürfte.

USD

USD CHF (1,0020)

Es ist gut möglich, dass die überraschend gestiegenen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Woche zum 1. Februar dazu beigetragen haben, dass der Greenback gestern gegenüber dem Franken nicht so recht vom Fleck gekommen ist. Allerdings bleibt das Potenzial für den Dollar an der Oberseite erhalten – es reicht bis 1,0115, solange 0,9965 nicht unterlaufen wird.

GBP

EUR GBP (0,8760)

Wie erwartet hat die Bank of England (BoE) den Leitzins einstimmig bei 0,75 Prozent belassen. Allerdings nahm sie ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von zuletzt 1,7 auf 1,2 Prozent zurück und geht auch davon aus, dass die Entwicklung der Konsumentenpreise temporär unter das Inflationsziel von 2 Prozent fallen könnte. Und es waren diese Prognosen, die mancherorts negativ überraschten und demzufolge als taubenhaft für die geldpolitische Linie der BoE interpretiert wurden. Auch zeigen die Vorhersagen des Geldpolitischen Komitees (MPC), dass man wenig Sorge hat, dass die Inflation das 2-Prozent-Ziel in den kommenden drei Jahren überschreiten könnte. Selbst wenn es bis dahin keine weitere Zinserhöhung geben würde.
Auch wenn die Vorhersagen den Eindruck erwecken, dass das MPC höchstens einen Zinsschritt von 25 Basispunkten in den kommenden drei Jahren für erforderlich hält, um die Inflation unter Kontrolle zu halten, blieb das offizielle Wording unverändert: Man hält schrittweise und begrenzte Zinsanhebungen weiterhin für angemessen. Nicht nur dies sorgte dafür, dass das britische Pfund sich nach einem ersten Schwächeanfall wieder deutlich erholen konnte. Letztlich war es BoE-Chef Mark Carney, der zwar auf den „Nebel des Brexit“ verwies und vor einem Austritt Großbritanniens – die BoE sieht diesbezüglich eine erhöhte Unsicherheit – aus der EU ohne Abkommen warnte, aber dennoch im Grunde einen positiven Unterton bei seinem Statement anschlug. Vor allen Dingen sieht er die Zukunft optimistisch, sofern es zu einem Deal zwischen Großbritannien und der EU käme. Am Ende des Tages hat sich Sterling auch gegenüber dem Euro wieder besser durchgesetzt. Letzterer verbleibt allerdings noch in seiner korrektiven Aufwärtsentwicklung zwischen 0,8680 (für heute modifiziert!) und 0,8890.

CHF

EUR CHF (1,1360)

Dass der gestrige Handelstag zumindest temporär aufgrund der gekappten Wachstumsprognosen für die Eurozone eher von einer Schwäche der Gemeinschaftswährung als von einer Dollarstärke gekennzeichnet war, zeigt sich am Verhältnis des Euro gegenüber dem Franken. Denn die Gemeinschaftswährung hätte beinahe ihre wichtige Untergrenze bei 1,1340 getestet. Das Bestehen dieses Niveaus ist nämlich nach wie vor Voraussetzung dafür, dass das Aufwärtspotenzial für den Euro auf 1,1475 (minimal modifiziert) erhalten bleibt. Die Trenduntergrenze liegt nur unweit niedriger bei 1,1320/25.

CZK

EUR CZK (25,78)

Es dürfte wohl nicht allzu viele Händler gegeben haben, die angesichts der Zurückhaltung einiger Zentralbanken (Fed, BoE etc.) hinsichtlich weiterer Leitzinserhöhungen damit gerechnet hatten, dass die Tschechische Nationalbank (CNB) einen Alleingang wagen würde. Tatsächlich beließ die CNB ihren Leitzins, den zweiwöchigen Reposatz, zum zweiten Mal hintereinander bei 1,75 Prozent. Allerdings fiel das Votum der Mitglieder des Geldpolitischen Rates (5:2) nicht einstimmig aus – die beiden Abweichler hätten gerne eine weitere Zinserhöhung von 25 Basispunkten gesehen. Auch wenn die CNB ihre Wachstumsvorhersage zurücknahm und für dieses Jahr nur noch von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 2,9 Prozent (nach 3,3 Prozent) ausgeht, machte CNB-Präsident Jiří Rusnok deutlich, dass er sich trotzdem für dieses Jahr durchaus noch ein oder zwei Zinserhöhungen vorstellen könne. Was den durchschnittlichen Wechselkurs angeht, erwartet die Zentralbank im ersten Quartal 2019 gegenüber dem Euro einen Kurs der Krone von 25,60 – im November lag diese Vorhersage noch bei 25,10. Mit anderen Worten: Die Krone hat sich stärker abgeschwächt, als dies von den Entscheidern in der CNB offenbar erwartet worden war.
Im Rahmen einer volatilen Entwicklung nach der Zentralbank-Sitzung konnte sich der Euro immerhin dem Potenzialpunkt seiner derzeitigen korrektiven Aufwärtsbewegung von 25,86 um wenige Stellen annähern, beschloss aber die Handelssitzung fast unverändert. Nach wie vor gilt: Die Korrekturphase würde nur beendet werden, falls ein etwaiger Rücksetzer zu einem Bruch der Unterstützung bei 25,67 führen würde.

PLN

EUR PLN (4,3080)

Die leichten Schwächetendenzen des Zloty haben sich gestern fortgesetzt und dabei den Euro stabilisiert. Dieser hat nun das Zeug, im Rahmen eines kleinen Aufwärtsimpulses 4,3170 und danach 4,3430 zu testen. In diesem Zusammenhang darf 4,2750 allerdings nicht mehr unterlaufen werden.


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