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Wöchentliche Marktberichte

Jan 30, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Die „4-Billionen-$-Frage“

USD

EUR USD (1,1450)

Während das Hauptaugenmerk der Händler gestern auf die Entwicklung im britischen Unterhaus in Sachen Brexit gerichtet gewesen sein dürfte, beschäftigten sich zumindest die Kommentatoren intensiv mit der heute Abend endenden Fed-Sitzung. Dabei scheint ziemlich unumstritten zu sein, was die Hauptbotschaft des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) sein dürfte: Geduld ist gefragt. Zwar wird die Fed der US-Konjunktur wohl abermals einen gesunden Zustand attestieren, aber die schleppende Inflationsentwicklung dürfte dem FOMC genügend Zeit lassen, um sich vorsichtig und zurückhaltend zu gerieren. Zumal das sich abschwächende Wachstum außerhalb der USA, aber auch der fünfwöchige Government Shutdown, der am vergangenen Freitag vorerst endete, der Fed genügend Argumente liefern dürften, eine langsamere Gangart einzulegen. Dennoch beschäftigt die Gemüter das, was derzeit von Kommentatoren als 4-Billionen-$-Frage tituliert wird. Die Rede ist von der Bilanzsumme der Notenbank, die seit Oktober 2017 von den Finanzmarktakteuren weitgehend unbemerkt von fast 4,5 auf ca. 4,1 Billionen USD abgeschmolzen wurde. Obwohl die Fed ursprünglich plante, ihr Anleiheportfolio bis zum Jahr 2022 auf 2,3 bis 2,9 Bio. USD zu reduzieren, ist nun davon die Rede, die Notenbank könne die fortlaufende Reduzierung ihres Anleiheportfolios früher als erwartet beenden. Das einzige Risiko, so etwa das Wall Street Journal, sei Fed-Präsident Jerome Powell selbst, dessen offener Kommunikationsstil – mit Hinweis auf die Sitzung des FOMC im vergangenen Dezember (17.12.) – die Finanzmärkte gelegentlich verwirren würde. Damals brachen nicht nur die Aktienkurse in Wall Street innerhalb kürzester Zeit massiv ein, um sich zwei Wochen später wieder zu erholen, als Powell bekanntlich einen anderen Ton anschlug.
Allerdings scheint es zu einseitig, Powell einer missverständlichen Außendarstellung seiner Politik zu bezichtigen. Denn es war kein geringerer als US-Präsident Donald Trump, der die Fed-Entscheider im Dezember unter Druck setzte, nicht noch einmal die Leitzinsen zu erhöhen. Und es war Trump, der damals auch noch twitterte: „Stop with the 50 B’s!“ (50 Mrd. USD ist der monatliche Höchstbetrag, um den die Fed ihre Bilanz bislang abzuschmelzen plante). Vieles spricht nun dafür, dass sich die FOMC-Mitglieder auch dieser Forderung Trumps letztlich beugen werden.
Eigentlich eine klare Sache für Dollar-Pessimisten, könnte man meinen. Und folgt man Analystenkommentaren, bekommt man den Eindruck, der Devisenhandel habe sich bereits auf ein schwaches Jahr 2019 für den Greenback eingerichtet. Denn der Dollar wurde noch vor gut zwei Wochen von internationalen Fondsmanagern mehrheitlich für überbewertet gehalten und hat diese Überbewertung seither keineswegs abgebaut. Unterdessen konnte sich der Euro gestern vorübergehend marginal befestigen, bleibt allerdings innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1215 und 1,1585/90 etabliert, innerhalb derer wir eine Tendenz zu Kurssteigerungen oberhalb von 1,1460 sehen würden. Das beste Nachfrageniveau bleibt bei 1,1345

GBP

EUR GBP (0,8750)

Von den mehr als einem Dutzend Anträge, die dem Sprecher des Unterhauses, John Bercow, gestern vorlagen, wählte dieser sieben aus, über die abgestimmt werden sollte. Zunächst wurde für fünf Anträge zur Regelung des Brexit-Verfahrens keine Mehrheit erreicht. Der erste Antrag, der schließlich eine Mehrheit (318 zu 310 Stimmen) gefunden hatte, war das sogenannte Spelman-Amendment, das einen sogenannten No-Deal-Brexit ablehnt. Trotz dieser Mehrheit ist die Abstimmung allerdings rechtlich nicht bindend; auch ist nicht klar, wie dieser Antrag konkret umgesetzt werden soll. Der zweite Antrag, der zum Abschluss der Abstimmungsserie durchkam, war das sogenannte Brady-Amendment. So stimmten die Abgeordneten mit 317 zu 301 Stimmen dafür, dass die Regierung Nachverhandlungen mit der EU über das irische/nordirische Grenzproblem führen soll. Der sogenannte Backstop, die Notfalllösung, um eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland zu vermeiden, soll demnach durch eine alternative Absprache ersetzt werden. Die Antwort der EU kam umgehend: Änderungen am Brexit-Vertrag werde es nicht geben, so ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk. Immerhin ist die EU anscheinend mit einer Verschiebung des Austrittsdatums Großbritanniens vom 29. März einverstanden, sofern es einen begründeten Antrag für eine Verlängerung gibt.
Bereits vor diesen beiden Abstimmungen war Sterling allerdings deutlich unter Druck geraten und sorgte für eine kräftige Euro-Korrektur, die dem Abwärtstrend einen erheblichen Teil seines ohnehin hohen Momentums wegnahm. Während die Obergrenze des Abwärtstrends nunmehr bei 0,8845 zu finden ist, befindet sich der Euro, solange die Unterstützung bei 0,8665/70 nicht erneut unterlaufen wird, in einer Korrekturphase. Mit anderen Worten: Die Euphorie mancher Händler während der vergangenen Tage scheint einem gewissen Realitätssinn gewichen zu sein. Denn Theresa May kann sich zwar als Siegerin fühlen, aber Kommentatoren fragen sich, was dies der Premierministerin am Ende bringt.

CHF

EUR CHF (1,1390)

Ob sich der Franken gestern wegen des geringer als erwartet ausgefallenen Handelsbilanzüberschusses im Dezember abgeschwächt hat? Eine direkte Reaktion auf die Publizierung dieser Zahl ist jedenfalls (erwartungsgemäß) ausgeblieben. Dennoch: Hinter dem Überschuss von 1,9 Mrd. CHF (erwartet war ein Plus von 4,55 Mrd. CHF) verbirgt sich ein Rückgang der Exporte (inflations- und saisonbereinigt) von 5 Prozent gegenüber dem Vormonat. Dass der Euro schließlich die Obergrenze seiner bislang über Wochen hinweg gültigen Konsolidierungszone überschritten hat, ist weniger einer intrinsischen Eurostärke als einer leichten Frankenschwäche zu verdanken. Damit hat die Gemeinschaftswährung einen schwach ausgeprägten Aufwärtstrend zunächst in Richtung 1,1405 (darüber 1,1470) eingeschlagen. Dieser bleibt erhalten, solange 1,1280 nun nicht mehr unterlaufen wird.

CZK

EUR CZK (25,76)

Nachdem sich in der vergangenen Woche mehrere Mitglieder der Tschechischen Nationalbank (CNB) für eine Pause im Zinserhöhungszyklus ausgesprochen – unter ihnen Zentralbankchef Jiří Rusnok – und damit für eine deutliche Abschwächung der Krone gesorgt hatten, meldete sich mit Ratsmitglied Vojtěch Benda eine eher falkenhafte Stimme zu Wort. Benda wollte sich jedenfalls einer weiteren Zinserhöhung bei der Sitzung am 7. Februar nicht völlig verschließen, während sich zumindest die Devisenhändler eher auf eine Pause einrichten, die bis Mai andauern könnte. Zumindest reagierte die Krone nicht auf dieses Statement, so dass sich der Euro auf seinem Weg in Richtung 25,86 sogar geringfügig befestigen konnte. Die derzeitigen korrektiven Aufwärtsbewegungen bleiben robust, solange nunmehr 25,69 gehalten werden kann – unterhalb von 25,60 wäre die Korrekturphase beendet, und der frühere Abwärtstrend des Euro würde wieder aufgenommen werden.

PLN

EUR PLN (4,2940)

Gerade einmal 80 Stellen bewegte sich der Euro gestern gegenüber dem Zloty und blieb somit ziemlich genau in der Mitte seiner Konsolidierungszone zwischen 4,2770 und 4,3080.


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