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Wöchentliche Marktberichte

Jan 24, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Pfund-Stärke kommt nicht überall gut an 

USD

EUR USD (1,1380)

Auch gestern musste man Euro-Impulse mit der Lupe suchen. Und als es dann am späten Nachmittag tatsächlich einmal einen Sprung der Gemeinschaftswährung von 30 Punkten innerhalb von weniger als einer Stunde gab, schienen Kommentatoren gleich zu den Nachrichtenbildschirmen springen zu wollen, um Ursachenforschung zu betreiben. Aber es gab kaum neues Material zu begutachten. Am interessantesten schienen noch die beiden Vorschläge zu sein, über die im US-Senat morgen abgestimmt werden soll, um womöglich den sogenannten partiellen Government Shutdown zu beenden. Denn der Mehrheitsführer und Fraktionschef der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, will nun entgegen seiner ursprünglichen Einstellung doch über zwei gesetzliche Eingaben abstimmen lassen, die nicht von Donald Trump und den oppositionellen Demokraten gleichermaßen unterstützt werden. So soll in der ersten Abstimmung über den „Kompromissvorschlag“ von Donald Trump entschieden werden, demzufolge der US-Präsident im Gegenzug für eine Reihe von Änderungen des derzeitigen Einwanderungssystems 5,7 Milliarden USD für die Mauer an der US-Grenze zu Mexiko bewilligt bekäme. Der zweite Vorschlag kommt von den Demokraten, die ein kurzfristiges Ausgabengesetz zur Abstimmung stellen möchten, das eine zeitweise Öffnung der öffentlichen Einrichtungen bis zum 8. Februar ermöglichen und so dem Kongress und dem Weißen Haus zwei Wochen Zeit geben würde, um die Krise zu lösen. In jedem Fall wäre allerdings im Senat eine Mehrheit von mindestens 60 Stimmen vonnöten, um einen der beiden Vorschläge durchzubringen – die Republikaner verfügen derzeit allerdings nur über eine leichte Mehrheit von 53 zu 47 Stimmen.
Ein kleiner negativer Nebeneffekt der Schließung betrifft auch einen Teil der Wirtschaftsdaten, die nun schon seit einem Monat nicht mehr vollumfänglich veröffentlicht werden können. Nicht davon betroffen sind jedoch die heute zur Publizierung anstehenden Schnell-Schätzungen zu den Einkaufsmanagerindices der Eurozone und der USA, die möglicherweise wie die heute ebenfalls stattfindende EZB-Sitzung für etwas Belebung im Handel sorgen könnten.
Vom Shutdown ebenfalls betroffen sind die CFTC-Meldungen zu den spekulativen Positionen kurzfristig orientierter Marktteilnehmer an der Chicagoer Futures-Börse, die normalerweise jeweils per Dienstag erhoben und am darauffolgenden Freitag publiziert werden. Auch wenn diese Daten vielerorts nicht als repräsentativ für den Gesamtmarkt gesehen werden, geben sie doch für manche Währung zeitweise ein recht gutes Stimmungsbild ab. Aber auch ohne diesen Wegweiser gibt es Berechnungsmöglichkeiten – so etwa unser modellhafter Ansatz aus der Behavioral Finance –, wonach der Euro bei 1,1400 derzeit fair bewertet wäre. Und das ist auch einer der Gründe, warum die Gemeinschaftswährung momentan gegenüber dem Dollar keine großen Kursausschläge zeitigt. Immerhin hat sich seit Dienstag, wie von uns angedeutet, die Gefahr einer vergleichsweise schärferen Aufwärts-Gegenbewegung in der Größenordnung von etwa einem Prozent (gerechnet ab 1,1350) angedeutet. Denn an den Tagen zuvor waren die Nachfrager, wenn auch auf graduell jeweils niedrigerem Niveau, immer wieder in der Oberhand. Diese Unterstützung liegt heute bei 1,1335 (darunter ist nach wie vor Platz bis 1,1185), während besagte Gegenbewegung spätestens bei 1,1490/95 zum Erliegen kommen sollte – nur oberhalb davon wäre der Euro allerdings als stabil zu bezeichnen.

USD

USD CHF (0,9940)

Am Produktionsindex der Fed von Richmond wird es nicht gelegen haben, dass sich der US-Dollar gestern nicht nur gegenüber dem Franken etwas zurückgebildet hat. Denn jener entsprach zwar den Erwartungen, hat sich aber gegenüber dem Vormonatswert vom Dezember wieder leicht verbessert. Dennoch musste der Greenback im Rahmen seines Aufwärtstrends einen leichten Rücksetzer hinnehmen. Indes: Das Momentum für einen Test von 1,0055 bleibt erhalten, solange 0,9925 nicht verletzt wird. Wie gehabt würde ein Unterschreiten dieser Marke jedoch kein Ende des Trends bedeuten.

GBP

EUR GBP (0,8710)

Auch gestern dürfte die Rallye des britischen Pfundes mancherorts für Verblüffung gesorgt haben. Denn allein mit einer Verzögerung des Austritts Großbritanniens aus der EU ohne plausible mehrheitsfähige Lösungsvorschläge zum Brexit ist der vorherrschende Aufwärtstrend nicht zu erklären. Etwas Aufschluss könnten in der Tat die CFTC-Daten zu den spekulativen Positionierungen an der Chicagoer Futures-Börse geben, aber jene stehen (vgl. EUR USD) aufgrund des Government Shutdown nicht zur Verfügung. Die letzte Positionserhebung geht auf den 21. Dezember des vergangenen Jahres zurück und zeigt eine Short-Position spekulativer Investoren in Höhe von insgesamt umgerechnet fast 5 Mrd. USD. Seinerzeit wurde das Risiko eines Brexit ohne Abkommen allerdings noch wesentlich höher als heute eingeschätzt. Dass sich zurzeit immer weniger Akteure einen „No Deal Brexit“ vorstellen können, zeigt ein gestriger Kommentar von Reuters, der sich auf die teils näherungsweisen Positions-Daten mehrerer großer Banken beruft. Danach wurden einige hohe Short-Positionen in Sterling Ende 2018 mittlerweile deutlich zurückgefahren. Und so war das britische Pfund auch gestern gegenüber dem Euro gut nachgefragt. Letzterer nähert sich im Rahmen seines Abwärtstrends immer mehr seinem modifizierten Potenzialpunkt bei 0,8635 an. Das Momentum des Trends bleibt intakt, solange sich die Gemeinschaftswährung unterhalb von 0,8815 bewegt.

CHF

EUR CHF (1,1315)

Dass der Euro gestern so gut wie kein Eigenleben führte, zeigt sich ganz besonders im Verhältnis zum Franken. Und so blieb ein Test der Obergrenze seiner Konsolidierung zwischen 1,1210 und 1,1350/55 ein weiteres Mal aus. Oberhalb dieser Zone hat sich das mögliche Potenzial eines Aufwärtstrends abermals ein wenig vergrößert und reicht nun bis 1,1420.

PLN

EUR PLN (4,2900)

Obgleich das Mitglied des Geldpolitischen Komitees der Polnischen Nationalbank, Jerzy Osiatyński, gestern eine Leitzinserhöhung in Polen bereits für Mitte 2019 ins Gespräch brachte, hat der Zloty nicht reagiert. Das Statement Osiatyńskis ist insofern bemerkenswert, als es in deutlichem Widerspruch zu dem steht, was Zentralbankchef Adam Glapinski noch in der vergangenen Woche geäußert hatte. Dieser kann sich nämlich vorstellen, dass die Leitzinsen in Polen bis Ende 2022 unverändert bleiben – eine Hypothese, die Osiatyński „nicht wagen“ möchte. Unterdessen hat sich der Euro gestern leicht befestigt und liegt nun etwa in der Mitte seiner Konsolidierung 4,2770 und 4,3080.
E

CZK

EUR CZK (25,69)

Es war das Statement von Tomáš Holub, Mitglied im Geldpolitischen Rat der Tschechischen Nationalbank (CNB), das die Krone gestern weiter unter Druck gesetzt hat. So schloss sich Holub Zentralbankchef Jiri Rusnok an, der sich, wie bereits ein anderes Ratsmitglied in der vergangenen Woche, Oldřich Dědek, mit weiteren Zinserhöhungen – im vergangenen Jahr hatte es deren fünf gegeben – vorerst Zeit lassen möchte. Den Worten Holubs konnte man übrigens entnehmen, dass diese Pause durchaus für die kommenden drei CNB-Sitzungen bis Anfang Mai vorstellbar wäre. In der Folge hat der Euro seinen Stabilitätspunkt überwunden und den seit Ende vergangenen Jahres bestehenden Abwärtstrend unterbrochen. Während weitere Korrekturen bis 25,77/78 bzw. 25,86 denkbar sind, würde der vorherige Trend zurzeit nach Versagen der markanten Unterstützung von 25,52 wieder aufgenommen.


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