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Wöchentliche Marktberichte

Jan 23, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Euro bewegt sich in Mini-Schritten

USD

EUR USD (1,1370)

Seit einer Woche dümpelt der Euro vor sich hin und hat gestern zum fünften Mal hintereinander ein marginal tieferes Tief markiert. Und ein wenig scheint es so, als ob die Akteure abwarten wollten, was die morgige Sitzung der Europäischen Zentralbank mit sich bringen wird. Tatsächlich haben die Beobachter zunehmend den Eindruck gewonnen, dass es vor allen Dingen die Wachstumsschwäche in der Eurozone ist, die der EZB zu schaffen macht. Zwar waren deren Vertreter bis zuletzt bemüht, den Anschein zu erwecken, dass die ganze Angelegenheit eher temporärer Natur sei und man lieber abwarten möchte, ob sich die derzeitige ungünstige Datenlage verfestigt – im März wird man vermutlich klarer sehen, so die Hoffnung einiger EZB-Ratsmitglieder. Allerdings wird vielerorts erwartet, dass EZB-Präsident Mario Draghi bei der morgigen Sitzung einen etwas taubenhafteren Ton anschlagen wird. Auch weil die jüngst gesenkten Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu denken geben dürften. So senkte der IWF nicht nur die Prognose für das globale Wachstum für das laufende Jahr auf 3,5 Prozent, sondern nahm auch die Vorhersage für die Eurozone von 1,9 Prozent im Oktober auf nunmehr 1,6 Prozent zurück. Gleichzeitig wurde die Prognose für die USA dagegen bei 2,5 Prozent gegenüber der Vorhersage vom Herbst belassen. Im Tennis würde man sagen: Vorteil USA.
Wer indes Argumente pro Euro suchte, wurde gestern bei den deutschen ZEW-Zahlen fündig. Zwar blieb der Index hinsichtlich der Lageeinschätzung deutlich hinter der Konsensmeinung der Ökonomen und den Daten der Dezember-Umfrage zurück. Aber die Konjunkturerwartungen, immer noch deutlich im negativen Bereich, fielen besser als im Vormonat und als von den Ökonomen erwartet aus. Trotz dieser Zahlen wollte sich der Euro in den Stunden nach Publikation der ZEW-Daten, die übrigens sehr häufig Erwartungen von Analysten und Börsianern widerspiegeln, nicht so recht bewegen. Auch dass der US-Government Shutdown gestern nun schon den 32. Tag anhielt, hat – so die allgemeine Marktmeinung – keine Auswirkung auf den Dollar. Immerhin: Sollte die Teil-Schließung der öffentlichen Einrichtungen, die rund 800.000 Arbeitskräfte auf Bundesebene betrifft, bis zum Wochenende andauern, müssten diese zum zweiten Mal auf einen Gehaltsscheck verzichten.
Per Saldo bleibt der Euro auch heute auf leicht niedrigerem Niveau bei 1,1325 gut nachgefragt, dann aber erst wieder bei 1,1185. Allerdings ist die Gefahr einer schärferen Aufwärts-Gegenbewegung mittlerweile deutlich gestiegen, und selbst eine Reaktion von nicht einmal einem Prozent würde nicht nur die Kursverluste von fünf Handelstagen wettmachen, sondern einen deutlichen Kontrast zum derzeit fast einschläfernden Marktumfeld bilden. Nachhaltig stabil wäre der Euro allerdings erst nach Überschreiten von 1,1490/95.

USD

USD CHF (0,9975)

Dass der Dollar gestern gegenüber dem Franken auf der Stelle getreten ist, könnte dem Umstand zu verdanken sein, dass die Verkäufe bestehender Häuser in den USA im Dezember deutlich hinter den Erwartungen der Ökonomen zurückgeblieben sind. Unter dem Strich bleibt der Greenback gegenüber dem Franken jedoch im Aufwärtstrend mit Potenzial bis 1,0055, solange nunmehr 0,9925/30 nicht verletzt wird. Ein Unterschreiten dieser Marke würde zwar nicht zu einem Ende des Trends, aber zu einem Momentum-Verlust des Dollar führen.

GBP

EUR GBP (0,8775)

Das typische Kennzeichen eines Trends besteht darin, dass sich Marktteilnehmer schwertun, ihn plausibel zu begründen. Nachdem fast schon wochenlang britische Wirtschaftsdaten von den Devisenhändlern kaum wahrgenommen wurden, sollten es gestern ausgerechnet die Zahlen zum britischen Arbeitsmarkt gewesen sein, die für eine neue Sterling-Nachfragewelle sorgten. Allen voran die durchschnittlichen Wochenlöhne für die drei Monate bis November 2018, die (inklusive der Bonuszahlungen) gegenüber dem Vorjahr um 3,4 Prozent und damit minimal höher als erwartet ausgefallen waren. Indes: Es handelte sich um den stärksten Anstieg der Wochenlöhne (jeweils auf Dreimonatssicht) seit Juli 2008 und war somit für eine Gruppe von Händlern Grund genug, sich euphorisch zu gerieren.
Der Pfund-Anstieg ist umso bemerkenswerter, als sich an der Brexit-Front kaum etwas Bedeutsames getan hat. Aber die Initiative des Labour-Chefs Jeremy Corbyn, der eine Reihe nicht bindender Abstimmungen über diverse Brexit-Optionen im britischen Unterhaus vorschlug, um Möglichkeiten auszuloten, inwieweit Großbritannien um einen No-Deal-Brexit herumkommt, wurde positiv bewertet. Eine dieser Optionen wäre ein zweites Referendum, das nun zum ersten Mal auch von Corbyn unterstützt wird. Allerdings ist auch dieser Vorschlag nach Ansicht mancher Kommentatoren genau wie einige andere Optionen, über die am 29. Januar abgestimmt werden könnte, vermutlich nicht mehrheitsfähig. Aber der Euro bleibt gegenüber dem Pfund im Abwärtstrend mit Risiko bis 0,8650/55, solange 0,8935 nicht überwunden wird.

CHF

EUR CHF (1,1340)

Auch gestern hatte es den Anschein, als ob der Euro gegenüber dem Franken nicht so recht die Obergrenze seiner Konsolidierung zwischen 1,1210 und 1,1350/60 in Angriff nehmen wollte. Kurz davor brach der Nachfragestrom erneut ab. Und das, obwohl man ein Statement des Direktoriumsmitglieds der Schweizerischen Nationalbank, Andréa Maechler, durchaus als Treiber für eine Frankenschwäche hätte interpretieren können. Jene hatte nämlich gestern geäußert, dass immer noch Interventionen und Negativzinsen vonnöten seien, um einen Anstieg des Franken zu verhindern. Wie gehabt würde oberhalb der Konsolidierung ein Aufwärtstrend für den Euro eingeleitet – zunächst mit Potenzial bis 1,1410.

PLN

EUR PLN (4,2840)

Ökonomische Daten scheinen die Händler derzeit nicht wirklich zu interessieren. Denn der Zloty blieb gestern fast unbewegt, obwohl die polnischen Einzelhandelsumsätze im Dezember gegenüber dem Vorjahr mit einem Plus von 4,7 Prozent nicht nur deutlich hinter der Konsenserwartung der Ökonomen (+7,7 %), sondern auch hinter den Vormonatswert zurückblieben. Und so zeigte sich der Euro einen weiteren Tag lang in seiner Konsolidierung zwischen 4,2770 und 4,3080 gefangen.

CZK

EUR CZK (25,64)

Es ist nicht gesichert, ob die angedachte Verschiebung der geplanten Steuersenkungen in Tschechien, die ursprünglich für das Jahr 2020 geplant waren, zu weiterer leichter Schwäche der Krone geführt hat. Immerhin hat der Euro seinen Abwärtstrend, der bis 25,34 reicht, gestern weiter korrigiert und sich seinem Stabilitätspunkt bei 25,67 abermals angenähert.


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