Wöchentliche Marktberichte

Jan 22, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wenn „Plan B“ wie „A“ aussieht 

USD

EUR USD (1,1355)

Es war zu erwarten, dass der Euro gestern nicht viel Volatilität entwickeln würde, denn in den USA wurde der 90. Geburtstag von Martin Luther King als Feiertag begangen. Dennoch gab es ein paar interessante Daten. Dazu gehörte die Entwicklung des chinesischen Wachstums im vierten Quartal 2018, das mit einem Plus von 6,4 Prozent im Jahresvergleich wie erwartet ausfiel. Und somit wuchs das Bruttoinlandsprodukt 2018 insgesamt um 6,6 Prozent – im Jahr 2017 waren es noch 6,8 Prozent gewesen. Damit – und dies war den Kommentatoren mancherorts immerhin eine wuchtige Schlagzeile wert – ist die chinesische Wirtschaft so langsam wie zuletzt im Jahr 1990 gewachsen. Auch wenn die US-Strafzölle auf die chinesischen Exporte vordergründig noch keinen großen Schaden bei den Wachstumszahlen angerichtet haben, weisen Ökonomen und Unternehmenslenker zu Recht darauf hin, dass sich der Handelskonflikt mit den USA negativ auf die Stimmung ausgewirkt und so zu einer Verlangsamung des privaten Verbrauchs und verringerten Investitionsausgaben geführt hätten. Indes: Die chinesiche Industrieproduktion lag im Dezember im Jahresvergleich über den Erwartungen der Ökonomen.
Kein Wunder, dass sich die Devisenakteure die Frage stellen, ob es denn bei den US-chinesischen Handelsgesprächen, deren nächste Runde für den 30./31. Januar angesetzt ist, tatsächlich so große Fortschritte gegeben habe, wie sie etwa US-Präsident Donald Trump gerade infolge der Kursrückgänge an den globalen Aktienmärkten nach Weihnachten immer wieder beschworen hatte. Als ob er damit die Investoren beruhigen wollte. Zumindest vermittelt ein interessanter Beitrag, der gestern auf Bloomberg zu lesen war, dass sogenannte Quellen, die mit dem Diskussionsverlauf vertraut sein sollen, hinsichtlich eines wesentlichen Aspekts in den Gesprächen bislang nur geringe Fortschritte gesehen haben wollen: Es geht um den mutmaßlichen Diebstahl geistigen Eigentums (Intellectual Property, IP) und die Verletzung von Urheberrechten, dessen die USA China immer wieder beschuldigt.
Ach ja, in Davos sind seit gestern wie in den Jahren zuvor die „globalen Spitzenkräfte“ aus Politik und Wirtschaft nach und nach eingetroffen. Allerdings haben alle erwarteten US-Minister sowie der Präsident höchstselbst wegen des Government Shutdown ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt, und auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird sich angeblich wegen des Aufstands der Gelbwesten nicht auf den Weg in die Schweizer Berge machen. Immerhin: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der japanische Premier Shinzo Abe werden für Mittwoch erwartet. Unterdessen hat der US-Dollar gegenüber einem Korb an verschiedenen Valuten (gemessen am Dollar Index) die vergangene Woche zur Überraschung vieler Akteure erstmals seit Mitte Dezember wieder mit einem deutlichen Plus abgeschlossen. Für den Euro bleibt deswegen die Unterseite nun bis 1,1185 (darunter mit Perspektive auf 1,1080) weiterhin nicht gut geschützt. Zumindest, solange 1,1490/95 nicht überwunden wird.

USD

USD CHF (0,9955)

Trotz des gestrigen US-Feiertages blieb der Dollar in überzeugender Position und hat nun gegenüber dem Franken erwartungsgemäß einen neuen Aufwärtstrend eingeleitet. Dessen Potenzial reicht nun bis 1,0055 und bleibt gültig, solange 0,9905 nicht verletzt wird.

GBP

EUR GBP (0,8810)

Wenn Kommentatoren behaupten, dass der gestern von Theresa May vorgestellte Plan B zum Brexit im britischen Unterhaus fast eine Blaupause des vom Parlament in der vergangenen Woche mit massiver Mehrheit abgelehnten ursprünglichen Brexit-Abkommens sei, liegen sie nicht falsch. In ihrer gestrigen Rede schloss die Premierministerin eine Verschiebung des Austrittdatums aus der EU vom 29. März sowie ein zweites Referendum rundweg aus. Zumindest beim Datum lenkte sie später etwas ein. Außerdem möchte sie erneut diskutieren, diskutieren und diskutieren. Hauptsächlich über das fast schon leidige Backstop-Problem, die Notfalllösung, um eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland zu vermeiden. Einmal mit der nordirischen DUP, aber natürlich auch mit der Labour-Opposition. Indes besteht deren Chef Jeremy Corbyn immer noch darauf, die Premierministerin müsse einen Brexit ohne Deal ausschließen, bevor es zu Gesprächen kommen könne.
Was hat sich tatsächlich geändert? Theresa May will die Gebühr von 65 Pfund fallen lassen, die jeder EU-Bürger entrichten muss, um nach dem Brexit ein etwaiges Aufenthaltsrecht in Großbritannien zu erhalten. Unterdessen scheint der Devisenhandel die Diskussionen gelassen hinzunehmen. Am Ende der europäischen Handelssitzung ging Sterling nach der deutlichen Korrektur vom Freitag, die gestern früh anfangs noch fortgesetzt wurde, gestärkt hervor. Im Rahmen des derzeitigen Abwärtstrends reicht das Risiko daher für den Euro bis 0,8650/55, solange 0,8935 nicht überwunden wird.

CHF

EUR CHF (1,1340)

Ausgesprochen ruhig verlief gestern der Franken-Handel. Dennoch gelang es dem Euro, beinahe die Obergrenze seiner Konsolidierung zwischen 1,1210 und 1,1350/60 zu testen. Nach wie vor würde oberhalb davon ein Aufwärtstrend für den Euro eingeleitet – zunächst mit mäßigem Potenzial bis 1,1400. Für diesen Fall müssten darüber hinaus Rücksetzer der Gemeinschaftswährung auf 1,1280 begrenzt bleiben.

PLN

EUR PLN (4,2810)

Ohne neue ökonomische Einflussfaktoren blieb der Euro auch gestern gegenüber dem Zloty in seiner Konsolidierung zwischen 4,2770 und 4,3080 gefangen. Immerhin werden für heute die polnischen Einzelhandelsumsätze des Monats Dezember erwartet, so dass sich zumindest ein kleiner Impuls für das Währungspaar ergeben könnte.


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