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Jan 21, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Trübe Stimmung bei US-Verbrauchern

USD

EUR USD (1,1375)

Es ist immer ein zweifelhaftes Unterfangen, wenn Ökonomen versuchen, das Ergebnis von Stimmungsumfragen im Voraus zu schätzen. Denn Stimmungen können sich innerhalb von kürzester Zeit ändern und reflektieren häufig persönliche Engagements – manchmal auch in den Finanzmärkten –, psychologische Commitments, der Befragten. Aber die vorläufige Umfrage zur Verbraucherstimmung der Uni Michigan, die am Freitag für den Monat Januar publiziert wurde, hat die Konsenserwartung der Ökonomen schon sehr deutlich verfehlt: Der Index lag bei 90,7, erwartet war ein Stand von 97,0. Vor allen Dingen die Erwartungskomponente sieht ernüchternd aus, ist sie doch mit 78,3 gegenüber Dezember um fast neun Punkte gefallen. Die Ursachen dafür sind recht schnell ausgemacht: Der partielle Government Shutdown, instabile Finanzmärkte, die Folgen der Strafzölle im Handelskrieg, die globale Wachstumsschwäche sowie die fehlende Klarheit in der geldpolitischen Linie [der Notenbank] – alles zusammengenommen hat dazu geführt, dass der Ausblick für die heimische US-Wirtschaft für dieses Jahr so schlecht beurteilt wird wie zuletzt Mitte 2014.
Am wenigstens zu verstehen ist allerdings das Argument, die US-Notenbank habe hinsichtlich ihrer Geldpolitik keine klare Linie. Dabei hat es bislang von den Vertretern aus dem Offenmarktausschuss, die sich zu Wort gemeldet haben, praktisch keinen einzigen gegeben, der sich nicht für eine Pause im Zinserhöhungszyklus der Fed ausgesprochen hätte. So zuletzt der Chef der Fed von York, John Williams, der befürchtet, dass die Auswirkungen des Government Shutdown das Bruttoinlandsprodukt des ersten Quartals 2019 um 0,5 bis 1,0 Prozent schmälern könnten. Ein Verlust, der später, nach Wiedereröffnung der öffentlichen Ämter, allerdings wieder aufgeholt werden könne, so Williams.
Der Government Shutdown geht nun am Montag in die fünfte Woche, und es sieht nicht danach aus, als ob sich im Streit um die Mittel für die US-Grenze zu Mexiko eine baldige Lösung anbahnen würde. Denn es steht mittlerweile für Demokraten und Republikaner viel auf dem Spiel. Einer Umfrage zufolge unter registrierten oder wahrscheinlichen Wählern (Fivethirtyeight.com) sind 54,5 Prozent der Befragten mit der Politik Donald Trumps nicht einverstanden. 56 Prozent der Wähler machen den US Präsidenten und die Republikaner im Kongress für den Shutdown verantwortlich, während 36 Prozent den Demokraten dafür den Schwarzen Peter zuschieben. Aber gerade, weil so viele Donald Trump für das Chaos verantwortlich machen, wäre es schon ein massiver Gesichtsverlust für den Präsidenten, wenn er aus dem Streit nicht mit einem Erfolg hervorginge.
Umso erstaunlicher ist es, dass sich der US-Dollar trotz all dieser Probleme in der vergangenen Woche recht gut halten konnte. Blickt man auf den Euro, so spiegelte er fast ein wenig die Orientierungslosigkeit der kurzfristig orientierten Händler wider. Zwar bleibt die Unterseite bis 1,1215 (darunter mit Perspektive auf 1,1080) weiterhin nicht gut geschützt, aber bislang hat sich niemand getraut, dem Euro den Garaus zu machen. Wie gehabt, bleibt das ungünstige Szenario für die Gemeinschaftswährung bestehen, solange 1,1490/95 nicht überwunden wird.

USD

USD CHF (0,9955)

Von den am Freitag publizierten US-Fundamentaldaten wäre lediglich die Industrieproduktion als positiv für den Greenback zu bewerten, denn sie war mit +0,3 Prozent im Dezember etwas stärker als erwartet ausgefallen. Dagegen stand allerdings die Verbraucherstimmung der Uni Michigan, die (vgl. oben) richtiggehend enttäuschte. Dennoch ist erstaunlich, dass der US-Dollar nicht nur gegenüber dem Franken, sondern auch gegenüber anderen Währungen in der vergangenen Woche zulegen konnte. So befindet er sich gegenüber dem Franken im oberen Bereich einer Seitwärtsentwicklung zwischen 0,9785 und 0,9970 und hat sehr gute Aussichten, die Obergrenze dieses Feldes zu überwinden. Solange 0,9885 nicht verletzt wird, stehen die Chancen für einen neuen Aufwärtstrend nicht schlecht.

GBP

EUR GBP (0,8840)

Die Überraschung hinsichtlich der Korrektur von Sterling zum Wochenende dürfte etwa genauso groß wie zuvor die Verwunderung darüber gewesen sein, wie stark sich das britische Pfund zuvor während der vergangenen Woche hatte befestigen können. Denn am Freitag machte der Euro gegenüber dem britischen Pfund fast den kompletten Tagesverlust vom Donnerstag wieder wett. Händler-Begründung: Die britischen Einzelhandelsumsätze seien im Dezember schlechter als erwartet ausgefallen. Vor allen Dingen, wenn man Autos und Treibstoffe herausrechnet.
Tatsächlich dürfte die Euro-Erholung jedoch auf Positionsglattstellungen vieler Händler zurückzuführen sein, die nicht von einer überraschenden Wende im Brexit-Prozess über das Wochenende kalt erwischt werden wollten. Unterdessen beschäftigten sich Kommentatoren seit der Abstimmungsniederlage Theresa Mays und dem erfolgreich abgewendeten Misstrauensvotum gegen die britische Regierung damit, etwaige Szenarien zum Brexit zu durchleuchten und mit entsprechenden Eintrittswahrscheinlichkeiten zu versehen. Und so liegt die Wahrscheinlichkeit für ein zweites Referendum zum Brexit von allen Szenarien am höchsten, nämlich bei gut 42 Prozent. Für am wenigsten wahrscheinlich wird derzeit ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ohne Deal gehalten (rund 11 Prozent). Mit der Pfund-Korrektur vom Freitag ergibt sich nun eine gute Chance, dass der erste starke Impuls vom Wochenanfang in einen gewachsenen Trend übergeleitet wird. Dabei reicht das Abwärtsrisiko für den Euro zunächst bis 0,8650/55. Dabei darf 0,8935 nicht mehr überwunden werden.

CHF

EUR CHF (1,1325)

Dass die Schweizer Produzentenpreise im Dezember mit -0,6 Prozent (ggü. Vormonat) stärker rückläufig waren als von den Ökonomen im Mittel erwartet, hat dem Franken nur kurzzeitig ein wenig geschadet, zumal es sich ohnehin nicht um ein von Händlern für wichtig erachtetes Datum handelte. Zum Ende der Woche ist der Euro allerdings nicht mehr wesentlich vorangekommen, bewegt sich aber in der oberen Hälfte seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1210 und 1,1350. Nach wie vor würde oberhalb von 1,1360 ein Aufwärtstrend für den Euro eingeleitet.

CZK

EUR CZK (25,56)

Es wird wohl nicht am Mitglied der Tschechischen Nationalbank, Oldřich Dědek, gelegen haben, dass sich die Krone am Freitag leicht abgeschwächt hat. Dědek sieht nicht nur die Inflation des Landes auf Kurs, sondern hält eine weitere Zinserhöhung in Tschechien für unnötig. Allein: Dědek war bei den fünf Zinserhöhungen der Nationalbank im Jahr 2018 das einzige Ratsmitglied, das zweimal gegen den jeweiligen Beschluss stimmte, ist also sowieso eine Zinstaube. Abgesehen vom starken Nachfrageniveau bei 25,52, reicht das Potenzial für den Euro im Rahmen des Abwärtstrends nun bis 25,34, während der Stabilitätspunkt bei 25,67 bleibt.


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