Wöchentliche Marktberichte

Jan 09, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Eine „wirklich gute“ (US)-Wirtschaft

USD

EUR USD (1,1460)

Man muss schon viele Jahre im Devisenhandel tätig gewesen sein, um die Zeiten erlebt zu haben, als US-Handelsbilanzzahlen noch eine wesentliche Rolle spielten. Und gestern hatte es nach langer Zeit tatsächlich wieder einmal den Anschein, als ob gerade diese Zahlen schmerzlich vermisst worden seien. Daten, ohne die die Devisenhändler, aber viel mehr noch Ökonomen und Kommentatoren womöglich – so hatte es den Anschein – im Dunkeln stehen würden. Ursache: Die nun bereits in die dritte Woche gehende teilweise Schließung öffentlicher Einrichtungen (Government Shutdown) infolge des US-Haushaltsstreits betrifft unter anderem auch das Handelsministerium. Und deswegen gibt es bis auf Weiteres weder Zahlen zur Handelsbilanz, zum Immobilienmarkt, zu den Einzelhandelsumsätzen noch zum Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter. Bleibt zu hoffen, dass all diese Zahlen nach Beendigung des Shutdown nicht auf einen Schlag den Marktteilnehmern zur Verfügung gestellt werden!
Aber es ist bei weitem nicht so, dass der Devisenhandel deswegen gestern orientierungslos geblieben wäre. Denn die Veröffentlichung anderer US-Wirtschaftsdaten blieb durchaus gewährleistet. Dies galt für die JOLTS-Stellenangebote, deren Zahl vom November zwar hinter den Erwartungen zurückblieb, aber mit 6,888 Mio. offener Stellen immer noch auf recht hohem Niveau notierte. Mehr Orientierung wäre aber ohnehin für die Händler nicht nötig gewesen, denn US-Präsident Donald Trump machte es in einem seiner berüchtigten Tweets wieder einmal deutlich: Die US-Wirtschaftsdaten sähen WIRKLICH gut aus. Und die Handelsgespräche zwischen den USA und China? Man mache gute Fortschritte, war zu vernehmen. Aber da diese Gespräche ohnehin nicht auf höchster Ebene stattfinden, durfte man realistischerweise sowieso nicht davon ausgehen, dass es in dieser Woche bereits zu einer Einigung kommen würde. Und so lag der Schwerpunkt der Hoffnungen nur auf den eben genannten „Fortschritten“.
Richtig enttäuschend waren allerdings auf Euro-Seite die November-Zahlen zur deutschen Industrieproduktion, die nicht nur gegenüber dem Vormonat mit -1,9 Prozent deutlich hinter der Konsensprognose der Ökonomen (erwartet war ein Plus von 0,3 Prozent) zurückblieben, sondern auch noch für Oktober nach unten revidiert wurden. Bei der miserablen November-Zahl handelt es sich übrigens um den stärksten monatlichen Einbruch seit August 2014. Indes: Die Deutsche Bundesbank lässt sich einem Pressebericht zufolge als Reaktion auf diese Zahlen von der Volatilität monatlicher Daten nicht beeinflussen. Wir erinnern uns: Noch im Dezember ging die Bundesbank in ihrem Monatsbericht von einem „merklichen“ Wachstum im vierten Quartal 2018 für Deutschland aus.
Letztlich waren die gestrigen Ereignisse und Wirtschaftsdaten jedoch nicht dazu geeignet, dem Euro einen größeren Schub in die eine oder andere Richtung zu verleihen. Allerdings ist auch nicht wahrscheinlich, dass das für heute Abend zur Veröffentlichung anstehende Protokoll der jüngsten Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank vom 18./19. Dezember den Euro aus seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1260 und 1,1515/20 treiben wird.

USD

USD CHF (0,9810)

Während sich der Dollar gestern (verglichen mit dem Währungskorb des Dollar-Index) gegenüber anderen Valuten etwas erholen konnte, blieb der Zuwachs gegenüber dem Franken minimal. Damit setzt der Greenback seinen Abwärtstrend fort, dessen Unterseite nunmehr bei 0,9750 liegt. Der Stabilisierungspunkt ist auf der anderen Seite ebenfalls noch einmal gesunken und ist für heute bei 0,9920 anzusetzen.

GBP

EUR GBP (0,8995)

Auch wenn der britische Brexit-Minister Steven Barclay es dementierte, soll es ungenannten Quellen zufolge bereits in der Nacht zum Dienstag Diskussionen unter britischen und EU-Vertretern gegeben haben, ob man das Austrittsdatum Großbritanniens aus der EU vom 29. März auf einen späteren Zeitpunkt verlegen könne. Nicht zuletzt wegen der Befürchtung, dass das Brexit Abkommen vom britischen Unterhaus nicht rechtzeitig abgesegnet werden könnte. Und tatsächlich sieht es mittlerweile so aus, als ob viele Marktteilnehmer dem britischen Pfund im Falle einer positiven Überraschung, also falls der Brexit-Deal tatsächlich rechtzeitig abgesegnet werden sollte, einen Anstieg in einer Größenordnung von 5 Prozent (gegenüber dem US-Dollar) zutrauen. Dieses Bild vermittelt die Umfrage einer Investmentbank. Dagegen scheint man vielerorts für den Fall einer „Enttäuschung“ besser gerüstet zu sein. Sollte das Austrittsabkommen mit der EU im britischen Unterhaus (voraussichtlich am kommenden Dienstag) nicht die erforderliche Mehrheit bekommen, würde das Pfund dagegen nämlich „nur“ 2 Prozent an Wert verlieren. Unterdessen ist die britische Premierministerin bei den Brexit-Gesprächen offensichtlich wieder einmal in einer Sackgasse gelandet, denn auch gestern gab es keinerlei Anzeichen aus der EU, Theresa May in Sachen Backstop-Regelung, etwa in Form der Zusicherung, die Notfalllösung für die irische Grenzfrage zu befristen, in rechtlich bindender Weise entgegenkommen zu wollen. Und so ist es nicht weiter erstaunlich, dass sich der Euro innerhalb seiner Konsolidierungszone zwischen 0,8830 und 0,9090 leicht nach oben bewegt hat.

CHF

EUR CHF (1,1245)

Die Schweizer Einzelhandelsumsätze sind im November zwar gegenüber dem Vorjahr um 0,5 Prozent zurückgegangen, haben aber dennoch die mittlere Prognose der Ökonomen auf der positiven Seite übertroffen. Die Handelsspanne des Währungspaares blieb jedoch auch gestern überschaubar und zeitigte keinerlei Trend-Aktivität. Damit dauert die Seitwärtsentwicklung der Gemeinschaftswährung zwischen 1,1215 und 1,1355 an. Und falls der Euro tatsächlich 1,1280 überwinden sollte, wäre immerhin ein Test der Obergrenze dieses Feldes angezeigt.

PLN

EUR PLN (4,2950)

Gering blieben auch gestern die Kursausschläge beim Zloty, zumal heute die zweitägige Sitzung der Polnischen Nationalbank enden wird. Obgleich keine Veränderung der Leitzinsen erwartet wird, schwächte sich der Zloty vorübergehend etwas ab und hätte den Euro fast die Obergrenze seiner Konsolidierungszone zwischen 4,2770 und 4,3080 testen lassen.


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