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Wöchentliche Marktberichte

Jan 07, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ein bisschen Zuversicht 

USD

EUR USD (1,1420)

Eigentlich ist während der ersten Handelstage im neuen Jahr Volatilität ein Fremdwort an den Devisenmärkten. Aber für 2019 scheint diese Faustregel nicht zu gelten. Denn am vergangenen Donnerstag, dem 3. Januar, brach, entgegen jahrzehntelangen Gepflogenheiten, in einem Markt, an dem normalerweise handelstäglich mehr als 5 Billionen USD weltweit umgesetzt werden, eine ziemlich große Unruhe aus. Und zwar bereits im frühen Tokioter Handel, als der Yen gegenüber dem Dollar innerhalb weniger Minuten rund 3 Prozent und im Verhältnis zur türkischen Lira gar 8 Prozent an Wert gewann. Sicherlich geschah dies während der wohl umsatzschwächsten Zeit des Tages, begünstigt durch einen Feiertag in Japan. Und da deshalb – wenn man einmal von etwaigen Stopp-Loss-Orders absieht – institutionelle Marktteilnehmer nicht in großer Zahl präsent gewesen sein dürften, mutmaßten Händler, dass womöglich japanische Privatanleger für diesen sogenannten „flash crash“ – so nennt man einen Kurseinbruch, der zwar dramatisch, aber meist nicht von Dauer ist – verantwortlich gewesen sein dürften. Dennoch: Überzeugende Gründe für die starken Kursausschläge lassen sich nicht erkennen.
Natürlich kann man argumentieren, die anhaltend schlechte Stimmung, verbunden mit der erhöhten Volatilität an den Aktienmärkten, habe für Unsicherheit unter den Akteuren gesorgt, die sich in der Flucht in den japanischen Yen schlagartig entlud. Handelt es sich also nur um das Aufeinandertreffen ungünstiger Umstände zur falschen Zeit und am falschen Ort? Tatsächlich hatte man doch bereits Tage und Wochen zuvor eine schier endlos lange Liste der großen Bedenken und Horrorszenarien, und das nicht nur in Zusammenhang mit der sich verlangsamenden globalen Wirtschaftsentwicklung, zusammenstellen können. So sieht es nicht nur so aus, als nähere sich der ökonomische Aufschwung in den USA langsam seinem Ende, angeblich verursacht durch eine US-Notenbank, die die Zinsschraube womöglich eine Windung zu weit gedreht haben könnte. Ganz zu schweigen vom Handelskrieg zwischen den USA und China, der sich nun auch auf die Gewinnsituation von US-Unternehmen (siehe Apple) negativ auszuwirken scheint. Zumindest waren entsprechende Warnungen aus dem Weißen Haus zu Jahresbeginn zu vernehmen.
Aber auch mit der Wirtschaft in der Eurozone scheint es nicht allzu gut bestellt zu sein, wenn man den Vorhersagen der Auguren Glauben schenken möchte. Und die Europäische Zentralbank, die zwar eine Normalisierung ihrer Geldpolitik anstrebt, könnte sogar in eine schwierige Position gedrängt werden, sollte es zu einem Abschwung oder gar einer Krise kommen. Dennoch: Zumindest blieb der Euro gegenüber dem US-Dollar von all diesen dramatischen Entwicklungen weitgehend unberührt und zeigte trotz der verständlichen Risikoaversion mancher Akteure kaum Anzeichen für einen drohenden Kursverfall.
Und so gab es am vergangenen Freitag womöglich nicht wenige Marktteilnehmer, die auf einen „nicht zu guten“ US-Arbeitsmarktbericht hofften, damit die US-Notenbank überhaupt nicht erst auf die Idee käme, über weitere Zinserhöhungen nachzudenken. Aber der Job-Report fiel bedeutend besser aus, als dies die Ökonomen im Mittel prognostiziert hatten. So betrug der Zuwachs der Stellen im Nicht-Agrarbereich (Nonfarm Payrolls) im Dezember 312.000, aber auch die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen im Jahresvergleich um 3,2 Prozent an – dies ist der stärkste Anstieg seit dem Jahr 2009. Damit wurde ein weiteres Indiz dafür geliefert, dass der Arbeitsmarkt sich in anhaltend gesunder Verfassung befindet. Fed-Chef Jerome Powell brachte es in Atlanta in seiner Rede auf den Punkt: Datenlage und Einschätzung der Märkte würden einander widersprechende Signale aussenden, was zu Spannungen führe. Dennoch würde die Fed, so Powell, sorgfältig auf die Risikobedenken der Marktteilnehmer hören, was vielerorts zu dem Schluss führte, dass es für die Finanzmärkte, insbesondere die Aktienmärkte, im schlimmsten Fall so etwas wie einen sogenannten Powell-Put geben dürfte. Zumindest wurde in Powells Rede durchaus ein leicht taubenhafter Unterton wahrgenommen, weswegen der Dollar nur zeitweise von den guten ökonomischen Daten profitieren konnte. Und so ergab sich während der beiden Feiertagswochen kein neuer Trend für den Euro, der sich immer noch in einer Konsolidierungszone zwischen 1,1260 und 1,1515/20 befindet.

GBP

EUR GBP (0,8960)

Die britische Premierministerin scheint eine unbeirrbare Optimistin zu sein. Diesen Eindruck musste man bekommen, wenn man Theresa Mays Neujahrsansprache lauschte, in der sie die Einheit der Briten beschwor und zur Überwindung der durch das Brexit-Referendum ausgelösten Spaltung aufrief. Aber die Premierministerin selbst hat nun auch nicht mehr allzu viel Zeit, die Einheit unter den Abgeordneten der britischen Konservativen Partei herzustellen und auch noch die nordirische DUP für das Brexit-Abkommen mit der EU zu gewinnen, über das spätestens am 15. oder 16. Januar im Unterhaus abgestimmt werden soll. Immerhin scheint es, wie die britische Times berichtete, seitens der EU noch Zugeständnisse hinsichtlich des sogenannten „Backstop“, der Notfalllösung, um eine harte Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland zu vermeiden, geben zu können. Dabei soll die EU dem Vernehmen nach bereit sein, eine derartige Notfalllösung zeitlich zu begrenzen, um auf diesem Wege diejenigen britischen Abgeordneten zu beschwichtigen, die befürchten, dass Großbritannien ansonsten womöglich für immer an die EU gebunden bliebe. Abgesehen von einem kleinen Schwächeanfall am 3. Januar blieb Sterling im Verhältnis zum Euro während der vergangenen beiden Wochen recht robust und wenig bewegt, so dass die Gemeinschaftswährung offenbar eine Konsolidierung zwischen 0,8830 und 0,9090 (mit leichter Neigung zur Schwäche) anzustreben scheint.

CHF

EUR CHF (1,1245)

Eigentlich hätte der Franken angesichts der teils deutlichen Risikoaversion an den Aktienmärkten während der Feiertagswochen stärker profitieren müssen. Aber selbst am volatilen 3. Januar geriet der Euro gegenüber dem Franken (im Gegensatz zur anderen typischen Fluchtwährung, dem Yen) nicht nachhaltig unter Druck. Per Saldo können wir der Gemeinschaftswährung eine Seitwärtsentwicklung zwischen 1,1215 und 1,1355 attestieren, wobei bereits nach Überwinden von 1,1280 ein Test der Obergrenze wahrscheinlich wäre.

PLN

EUR PLN (4,2900)

Per Saldo wenig Bewegung gab es während der Feiertage im Zloty-Handel, so dass nun eine engere Konsolidierungszone für den Euro zwischen 4,2770 und 4,3080 vorgezeichnet ist.

CZK

EUR CZK (25,57)

Das Protokoll der Sitzung der Tschechischen Nationalbank vom 20. Dezember, aus dem hervorging, dass die Zentralbank die Entwicklung des Wechselkurses als wichtigen Faktor für einen Zinsschritt betrachten würde, hat dem ohnehin schon vorhandenen Aufwärtstrend der Krone weiteren Schub verliehen. Denn, so die Mehrheit der Zentralbanker, sollte sich die Krone im kommenden Jahr schwächer als erwartet entwickeln, ergäbe sich Spielraum, darauf mit schnelleren Leitzinserhöhungen zu reagieren. Und so bleibt der Euro in seinem Abwärtstrend, nunmehr mit Potenzial bis 25,40, solange der Stabilitätspunkt bei 25,80 Bestand hat. Erstes Angebot aus gestrandeten Long-Positionen erwarten wir bereits bei 25,62.


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