Wöchentliche Marktberichte

Dez 21, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Nachwehen einer Entscheidung

USD

EUR USD (1,1460)

Die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC), die am Mittwochabend endete, ist den Marktteilnehmern unterschiedlich gut bekommen. Vor allen Dingen an den US-Aktienmärkten kam es anschließend zu den größten Kursverlusten nach einer Fed-Zinserhöhung seit mehr als zwei Dekaden. Dabei hatten Fed-Präsident Jerome Powell und seine Fed-Kollegen nichts Unerwartetes getan. Die vierte Zinserhöhung in diesem Jahr von 25 Basispunkten war weithin antizipiert worden, und die leicht gesenkten Zinsprognosen – die Median-Vorhersage wurde von drei auf zwei Zinserhöhungen für das Jahr 2019 gesenkt – entsprachen dem, was man als einen sogenannten „dovish hike“, eine Zinserhöhung mit taubenhafter Begleitmusik, bezeichnet. Und angesichts der Datenlage hatte Jerome Powell glaubwürdig gehandelt. Denn Wachstum und Beschäftigung haben sich bislang genauso entfaltet, wie es die Fed erwartet hatte. Tatsächlich hat der FOMC sich auch nicht durch die Tiraden von US-Präsident Donald Trump beeinflussen lassen, der am liebsten überhaupt keine Zinserhöhung gesehen hätte. Ein Wunsch, der zwar sehr laut vorgetragen und von einigen Kommentatoren massiv unterstützt wurde, aber letztlich auf der rationalen Ebene vielerorts nicht ernst genommen wurde.
Dennoch: Auch wenn die Finanzmarktakteure genau wissen, dass die US-Notenbank unabhängig entscheiden muss, hatte sich in den Köpfen vieler Akteure unbemerkt ein Referenzpunkt festgesetzt. Selbst wenn dieser Referenzpunkt nicht vernünftig sein sollte, wird man ihn so leicht nicht mehr los. Ähnliches erfahren Finanzmarktteilnehmer auch, wenn sie völlig unsinnig scheinende ökonomische Prognosen zu hören bekommen – sie bilden häufig unbewusst eine Schwelle zwischen Gewinn und Verlust, eine Trennlinie zwischen genug und unzureichend. Und das, was die Fed gemacht hatte, mag, gemessen an diesem Referenzpunkt, für viele enttäuschend gewesen sein. Vor allen Dingen, wenn man wie an den Aktienmärkten geschehen insgeheim auf eine, wenn auch nicht realistische, Außenseiterchance gerechnet hatte, dass sich Jerome Powell und seine Kollegen dem Druck Donald Trumps beugen würden. Dabei ist auch nicht auszuschließen – die Reaktion an den Aktien- und Anleihemärkten spricht dafür –, dass man auf einen derartigen, wenn auch unwahrscheinlichen Ausgang der Notenbanksitzung gewettet hatte. Wetten, die sich als Verlustbringer herausgestellt haben.
Blickt man auf den Euro, hat es den Anschein, als ob es dort keine größeren Positionierungen bzw. Schieflagen im Vorfeld der Notenbanksitzung gegeben hatte. Denn die Reaktionen blieben überschaubar, und der Euro reagierte mit seiner zeitweisen starken Performance angemessen auf die Entscheidung der Fed. Zumindest bestätigte der jüngste Kursverlauf eine neue Konsolidierungszone zwischen 1,1260/65 und 1,1520/25.

USD

USD CHF (0,9890)

Zumindest die Währungshändler haben dem Dollar im Gefolge der Fed-Sitzung einen angemessenen Stoß nach unten versetzt, wobei das Potenzial an der Unterseite (0,9840) gestern vollends ausgeschöpft wurde. Das Niveau einer möglichen Stabilisierung liegt nunmehr bei 0,9995.

GBP

EUR GBP (0,9045)

Auch der Sterling-Handel hat sich angesichts der bevorstehenden Feiertage etwas beruhigt. Zumindest verlief die gestrige Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses der Bank of England (MPC) ohne große Überraschungen. So beschloss der MPC einstimmig, den Leitzins unverändert bei 0,75 Prozent zu belassen. Im Großen und Ganzen wiederholte der Ausschuss, was er bereits im November festgestellt hatte: Sofern es einen problemlosen Brexit mit einer Übergangsperiode gebe, benötige die britische Wirtschaft etwa einen Zinsschritt von 25 Basispunkten pro Jahr, um die Inflation an ihrem Ziel von 2 Prozent festzumachen. Offen blieb jedoch, was im Falle eines ungeordneten Brexits geschehen würde. Denn die diesbezüglichen Unwägbarkeiten hätten sich seit der vergangenen Sitzung des MPC beträchtlich verstärkt, so die BoE. Tatsächlich sieht die BoE die Inflation im Januar unter die Zielmarke von 2 Prozent fallen, während sich der Wachstumsausblick für das vierte Quartal und auch für die ersten drei Monate des Jahres 2019 jeweils auf 0,2 Prozent abschwächen würde. Der Euro bleibt unterdessen gegenüber dem britischen Pfund in seinem Aufwärtstrend mit Potenzial bis 0,9185, und zwar, solange 0,8980 nicht unterlaufen wird.

CHF

EUR CHF (1,1305)

Abgesehen von der Schweizer Handelsbilanz, deren Überschuss höher als von den Ökonomen erwartet ausgefallen war, gab es gestern keine wichtigen ökonomischen Daten. Obwohl der Euro tags zuvor ein positives Signal gegeben hatte, mangelt es offensichtlich an Anschlusskäufen in Richtung 1,1360 bzw. 1,1415. Stattdessen machte sich (wie auch im japanischen Yen) eine gewisse Risikoaversion breit. In diesem Zusammenhang ist die beste Unterstützung bei 1,1260 ausgewiesen.

PLN

EUR PLN (4,2840)

Wenig Aktivität gab es gestern im Zloty-Handel, vermutlich auch aufgrund fehlender neuer wichtiger ökonomischer Nachrichten. Damit bleibt die Konsolidierungszone für den Euro vor den Feiertagen zwischen 4,2730/50 und 4,3050 (bzw. 4,3460) bestehen.


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