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Dez 20, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Fed lässt sich nicht beirren

USD

EUR USD (1,1410)

Auch wenn der gestrige Handelstag ganz im Zeichen der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) stand, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sich die EU-Kommission und Italien im Haushaltstreit geeinigt haben. Demnach wird Italien eine Neuverschuldung von 2,04 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2019 anstreben. Wobei man sich die Frage stellen darf, wie stark denn Italiens Wirtschaft im kommenden Jahr überhaupt wachsen wird. Schenkt man Medienberichten vom Dienstag Glauben, geht selbst Italien nicht mehr von einem Plus beim BIP von, wie ursprünglich angesetzt 1,5, sondern von gerade einmal 0,9 bis 1,0 Prozent aus. Sollten sich die 2,04 Prozent Neuverschuldung tatsächlich auf eine um ein Drittel reduzierte Wachstumserwartung beziehen, würde es sich um eine veritable Sparleistung Italiens handeln. Immerhin: Die Märkte nahmen den Kompromiss jedenfalls positiv und ohne lange nachzufragen auf: Der Renditevorsprung italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit jeweils zehnjähriger Laufzeit ist gestern noch einmal um 13 auf zuletzt 255 Basispunkte geschrumpft und der Euro konnte allein schon deswegen gegenüber fast allen Valuten im Vorfeld der Fed-Sitzung zulegen.
Nun aber zur gestrigen FOMC-Sitzung: Die Notenbank hat gestern Abend zum vierten Mal in diesem Jahr die Zielzone für die Fed Funds einstimmig um weitere 0,25 auf 2,25-2,50 Prozent angehoben. Bei den Zinsprognosen hat der FOMC allerdings seine Projektionen, die sogenannten Dot-Plots, leicht zurückgenommen. Gegenüber September soll es gemäß der Medianprognose im kommenden Jahr nur noch zwei statt drei Zinserhöhungen geben. Für das Jahr 2020 würde schließlich noch ein Zinsschritt erfolgen, so dass die prognostizierte Zielzone der Fed Funds Ende 2020 und auch im Jahr 2021 in der Mitte bei 3,1 Prozent liegen würde. Die Notenbank betonte unterdessen, dass die globalen Risiken gestiegen seien, und scheint sich auch hinsichtlich ihrer Strategie nicht mehr ganz so sicher wie zuvor zu sein.
Die ökonomische Situation wird vom FOMC in den USA immer noch bullish gesehen und die Prognosen für das Wachstum lediglich in diesem und im kommenden Jahr etwas zurückgenommen. Mit anderen Worten: Die Wirtschaft wird zwar etwas an Dynamik verlieren, aber dennoch moderat wachsen. In der Pressekonferenz klang die Kommentierung durch Jerome Powell nicht danach, als ob der Fed-Chef den Zyklus der Zinserhöhungen demnächst für längere Zeit unterbrechen wolle. Tatsächlich, so Powell, gebe es eine größere Gruppe von FOMC-Mitgliedern, die nach wie vor von drei Zinserhöhungen im kommenden Jahr ausgehen würden. Auch hätten sich die Inflationsprognosen nicht fundamental verändert, war zu vernehmen. Unter dem Strich zeigte sich die Fed also etwas falkenhafter als vielerorts gedacht. Und nicht zuletzt deswegen mussten die Euro-Händler ihre zuvor bullishen Ambitionen ad acta legen. Allerdings wurde im gleichen Zuge auch der Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung beendet, die nun eine Seitwärtsentwicklung zwischen 1,1230/35 und 1,1525/30 eingeschlagen hat.

USD

USD CHF (0,9945)

Nachdem vorgestern bereits US-Immobiliendaten über den Erwartungen der Ökonomen lagen, sind nun auch die Verkäufe bestehender Häuser besser als der Medianwert in den Prognosen ausgefallen. Allerdings hatten diese Zahlen angesichts der später endenden Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank praktisch keine Bedeutung. Das Abwärtspotenzial des Greenback reicht übrigens nunmehr bis 0,9840, während der Punkt für eine mögliche Stabilisierung bei 1,0000 liegt.

GBP

EUR GBP (0,9030)

Dass der Euro gestern gegenüber Sterling das größte Tagesplus seit mehr als einer Woche produzierte, ist weniger einer hausgemachten Schwäche des britischen Pfunds, sondern Händlerangaben zufolge in erster Linie dem Budget-Kompromiss der EU mit Italien zu verdanken. Deswegen konnte die Gemeinschaftswährung gegenüber fast allen Valuten zulegen. Während es im britischen Unterhaus gestern teilweise zu tumultartigen Szenen kam, weil Labour-Oppositionsführer Jeremy Corbyn die Premierministerin angeblich unangemessen tituliert hatte, ereignete sich in Sachen Brexit wenig Handfestes. Immerhin gab es mit den gestern publizierten Preisdaten für den Monat November eigentlich Wichtiges zu begutachten. So ist der britische Konsumentenpreisindex gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent (Kernrate +1,8 %) entsprechend der Konsensprognose der Ökonomen angestiegen. Dies zumindest dürfte das heute tagende Geldpolitische Komitee der Bank of England nicht aus der Ruhe bringen. Unterdessen setzte der Euro seinen kurzfristigen Aufwärtstrend fort, dessen Potenzial nun bis 0,9175 reicht, und zwar unter der Voraussetzung, dass 0,8970 nicht mehr verletzt wird.

CHF

EUR CHF (1,1325)

Auch an der Entwicklung des Euro gegenüber dem Franken wird deutlich, dass die Risikofreude unter den Finanzmarktteilnehmern gestern zumindest zeitweise zurückgekehrt sein muss, was allerdings nicht allein auf den Kompromiss im Budgetstreit zwischen Italien und der EU zurückzuführen ist. Tatsächlich hatte man sich bereits im Vorfeld erhofft, dass die US-Notenbank die Geschwindigkeit ihres Zinserhöhungszyklus zumindest deutlich zurücknehmen und im Jahr 2019 womöglich zunächst erst mal pausieren würde. Eine Hoffnung, die sich indes als Trugschluss herausstellte. Immerhin ist es der Gemeinschaftswährung nach mehr als einer Woche des Zauderns gelungen, den Auslöser für Erholungspotenzial in Richtung 1,1360 bzw. 1,1390 zu überwinden. Ein bullishes Signal würde oberhalb von 1,1415 gegeben.

PLN

EUR PLN (4,2880)

Die Industrieproduktion Polens ist im November mit einem Plus von 4,7 Prozent stärker als von den Ökonomen erwartet ausgefallen. Allerdings hatte dieses Datum kaum Einfluss auf das Kursgeschehen. Und so bleibt die Konsolidierungszone für den Euro auch heute zwischen 4,2730/50 und 4,3050 (bzw. 4,3460) bestehen.


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