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Wöchentliche Marktberichte

Dez 19, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Den Markt „erfühlen“

USD

EUR USD (1,1385)

Auch gestern ließ sich Donald Trump nicht von gut gemeinten Ratschlägen an die US-Notenbank abhalten. So twitterte der US-Präsident Stunden vor der beginnenden Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC), er hoffe, „die Leute“ bei der Fed würden das Editorial des am Dienstag erschienenen Wall Street Journal lesen, um nicht noch einen weiteren Fehler zu begehen. Und wenn man den Beitrag der Herausgeber des Wall Street Journal mit dem Titel „Time for a Fed Pause“ liest, bekommt man fast den Eindruck, als ob es sich dabei um eine Hilfestellung für den US-Präsidenten und um eine Fülle von guten Ratschlägen an die Notenbank handelt. Wie schon Trump tags zuvor, betont auch das Editorial, dass der Dollar sehr stark und die Inflation in den USA praktisch nicht vorhanden sei – eine bemerkenswerte Ähnlichkeit. Bereits am Montag hatten sich im Wall Street Journal zwei nicht ganz unbekannte Persönlichkeiten zu Wort gemeldet. Die Rede ist von Stanley Druckenmiller, dem berühmten Hedgefonds-Manager, und von Kevin Warsh, einem früheren Mitglied des Fed-Direktoriums. Und die beiden kritisierten die Fed wegen ihrer Strategie steigender Leitzinsen bei gleichzeitigem Abbau ihrer Bilanzsumme. Verbunden mit dem Rat, doch einmal zumindest zeitweise mit dieser Doppelstrategie auszusetzen.
Nun muss die Fed bei ihren Entscheidungen nicht nur auf die Inflation achten, die sich während der vergangenen Monate tatsächlich nicht bedrohlich aufgebaut hat. Auch ist sie dem Wachstum verpflichtet. Und dieses soll weder zu sehr befeuert noch gehemmt werden. Trump empfahl der Fed gestern, sie solle doch den Markt „erfühlen“.
Und „der Markt“ zeigt sich derzeit ausgesprochen besorgt. Schenkt man einer Umfrage von BofA Merrill Lynch unter Fondsmanagern Glauben, die gestern publiziert wurde, sind 53 Prozent der Befragten der Meinung, dass sich das globale Wachstum in den kommenden zwölf Monaten abschwächen werde. Das ist ein Prozentsatz so hoch wie zuletzt im Jahr 2008. Dass es zumindest um die US-Konjunktur gar nicht so schlecht bestellt ist, zeigt indes die gestrige neue Berechnung des viel beachteten Prognosemodells der Fed von Atlanta, GDPNow, das für das vierte Quartal nunmehr ein saisonbereinigtes Wachstum von 2,9 Prozent für die USA ermittelt. Aber die Umfrage von BofA Merrill Lynch vom 7. bis 13. Dezember zeigt auch noch etwas anderes. Danach haben sich die Fondsmanager geradezu in US-Anleihen geflüchtet und zwar in einem Maße, wie es in einem Monat seit Beginn der Befragung noch nie vorgekommen ist. Kein Wunder, dass die Rufe an die US-Notenbank immer lauter werden, womöglich sogar heute auf eine Zinserhöhung zu verzichten. Fed-Chef Jerome Powell müsse doch nur in der Pressekonferenz betonen, dass die Notenbank in ihren Entscheidungen unabhängig sei, so das Editorial des Wall Street Journal, um sich so dem Vorwurf zu entziehen, sich den Forderungen Donald Trumps gebeugt zu haben. Psychologisch eine nicht ganz einfache Aufgabe für den Fed-Chef. Und so ist es wahrscheinlich, dass es zwar noch einmal eine Leitzinserhöhung am heutigen Tag geben wird, aber die Aussichten auf weitere Zinsschritte für 2019 drastisch reduziert werden.
Immerhin gab es gestern auch ein paar positive US-Wirtschaftsdaten zu vermelden. So liegen sowohl die Neubaubeginne als auch die Baugenehmigungen im November über den Erwartungen der Ökonomen. Unterdessen konnte sich der Euro temporär befestigen und testete im Rahmen seines Abwärtstrends die wichtige Marke bei 1,1405. Für heute sehen wir allerdings das wichtigere Niveau an der Oberseite bei 1,1425/30. Solange letztere Marke nicht überwunden wird, bleibt das Abwärtspotenzial bis 1,1235 bzw. 1,1180 trotz des schwachen Momentums des Euro erhalten.

USD

USD CHF (0,9925)

Die zeitweise schwache Tendenz des Dollar in Richtung 0,9895 wurde gestern am Ende des Tages wieder wettgemacht. Damit wurde auch gestern eine abwartende Haltung der Akteure in Bezug auf die heute stattfindende Fed-Sitzung erkennbar. Unterdessen ist der Punkt für eine mögliche Stabilisierung etwas nach unten, auf 1,0005 gerutscht, während das vorhandene Abwärtspotenzial nach wie vor bis 0,9850 reicht.

GBP

EUR GBP (0,9000)

Die britische Regierung soll sich einem Medienbericht zufolge in der Nacht zum Dienstag noch einmal rechtlichen Rat hinsichtlich eines zweiten Referendums zum Brexit geholt haben. Auch wenn die Regierung ein solches Referendum prinzipiell zuletzt ausschloss, scheint sie sich zumindest „heimlich“ über die Rechtsfolgen informiert zu haben. Und sollte dieses Referendum stattfinden, wodurch die „Deadline“ für den Austritt der Briten aus der EU wegen des langen Vorlaufs für den Volksentscheid verschoben werden müsste, hätte dies eine weitere gravierende Folge: Großbritannien müsste seine Bürger an den Wahlen zum Europäischen Parlament teilnehmen lassen, die im Mai 2019 stattfinden. Unterdessen war gestern nicht mehr viel vom geplanten Misstrauensvotum „gegen Theresa May“ (also nicht gegen die Regierung) zu vernehmen, das Labour-Oppositionsführer Jeremy Corbyn noch am Montagabend eingebracht hatte. Wahrscheinlich auch, weil dieses Votum ohnehin nur symbolischen Charakter besäße und zu keinen direkten Konsequenzen führen würde. Außerdem geriet Corbyns Vorstoß angesichts der Vorbereitungen von Theresa Mays Kabinett auf ein sogenanntes No-Deal-Szenario sowieso in den Hintergrund. Zwar betonte Brexit-Minister Steve Barkley gestern nach einer Kabinettssitzung in London, dass der Abschluss eines Brexit-Vertrags Vorrang habe, aber trotz dieser Hoffnung wolle man für einen ungeregelten Brexit gerüstet sein. Obgleich ein Brexit mit entsprechendem Abkommen das wahrscheinlichste Szenario darstellt, sollen Vorkehrungen getroffen werden, damit zum Beispiel auf Schiffen Platz für die Lieferung von medizinischen und anderen Gütern freigehalten wird. Und so konnte sich gestern das britische Pfund zumindest zeitweise befestigen und drückte dabei den Euro fast an die Untergrenze seines derzeitigen Aufwärtstrends, der nun zwischen 0,8950 und 0,9155 verläuft.

EUR

EUR CHF (1,1300)

Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat seine Wachstumsprognose für die Schweiz für das Jahr 2019 um einen halben Prozentpunkt gegenüber der September-Prognose auf 1,5 Prozent zurückgenommen. Für das laufende Jahr wird das Wachstum nur noch bei 2,6 Prozent (vormals 2,9 Prozent) gesehen. Damit hat sich das Staatssekretariat den Vorhersagen der Schweizerischen Nationalbank weitestgehend angeschlossen. Allerdings hatten die Prognosen fast keinen Einfluss auf das Kursgeschehen des Franken gegenüber dem Euro. Letzterer ist immer noch nicht in der Lage, seinen Auslöser (1,1305) für geringes Erholungspotenzial bis 1,1360 zu überwinden.

PLN

EUR PLN (4,2825)

Die Entwicklung der polnischen Löhne im November ist mit einem Plus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr stärker ausgefallen als erwartet, während die Zahl der Beschäftigten in den Unternehmen gegenüber dem Vorjahr um 3,0 Prozent (+0,1 Prozent gegenüber Vormonat) wie von den Ökonomen im Mittel vorhergesagt ausgefallen ist. Dennoch zeigte sich der Zloty gegenüber dem Euro gestern ausgesprochen träge – letzterer produzierte nicht einmal eine Bandbreite von 100 Stellen. Damit bleibt die Konsolidierungszone zwischen 4,2730/50 und 4,3050 (bzw. 4,3460) bestehen.


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