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Wöchentliche Marktberichte

Dez 17, 2018 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Kommt ein zweites Brexit-Referendum?

USD

EUR USD (1,1310)

Es gibt kaum etwas, das Finanzmarktteilnehmer lieber tun, als Beispiele aus der Historie als Vorlagen für aktuelle Situationen zu verwenden. Momentan gilt der Jahreswechsel 2015/2016 als mögliches Modell zur Deutung der Gegenwart. Tatsächlich gibt es gewisse Parallelen zur derzeitigen konjunkturellen Lage. Damals drückte die Befürchtung auf die Stimmung der Finanzmärkte, dass sich Chinas Wirtschaft abschwächen könne. Ein Umstand, der die internationalen Aktienmärkte sowie den Euro bis weit ins erste Quartal 2016 belastete. Auch im aktuellen Umfeld spielt China die Hauptrolle. Der Handelsstreit mit den USA ist noch lange nicht geklärt, sondern lediglich für 90 Tage auf Eis gelegt. Und auch dies ist nicht hundertprozentig sicher, da die beteiligten Parteien – insbesondere US-Präsident Donald Trump – für ihren Wankelmut und ihre Spontanität bekannt sind.
Am vergangenen Freitag sah man deutlich, wie unruhig Marktteilnehmer derzeit auf Veröffentlichungen reagieren. China prägte den Handelstag mit dem schwächsten Anstieg der Industrieproduktion seit Anfang 2016 (um 5,4 statt wie erwartet um 5,9 Prozent ggü. Vorjahr) bereits früh und leitete damit eine ganze Reihe von Enttäuschungen ein. Schlechter als erwartet fielen auch die Einzelhandelsumsätze aus. Sie haben im November im Jahresvergleich um 8,1 Prozent zugelegt – der schwächste Wert seit Mai 2003. Europa folgte nahtlos mit mauen Einkaufsmanagerindizes: Deutschlands Zahlen blieben hinter den Vorhersagen zurück, während sich in Frankreich die Gewerbeaktivität zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren rückläufig zeigte. Am Nachmittag keimte bei Händlern ein wenig Hoffnung auf. In den USA wiesen Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz moderate Zuwächse auf. Doch dann sorgte der IHS Markit-Index für einen weiteren Rückschlag. Die erste Veröffentlichung des Einkaufsmanagerindex, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, fiel gegenüber dem Vormonat um 1,1 auf 53,6 Punkte. Die Mitteilung des chinesischen Handelsministeriums, Strafzölle auf US-Einfuhren von Autos und Autoteilen mit Beginn des kommenden Jahres für drei Monate aussetzen zu wollen, konnte den Frust der Investoren nicht mehr auffangen. US-Aktienmärkte schlossen, genauso wie der Euro, schwach.
Der Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung bleibt somit weiter gegeben und kann den Euro zunächst noch bis 1,1235 oder auch 1,1180 drücken. Die obere Trendbegrenzung liegt weiter bei 1,1415.

USD

USD CHF (0,9975)

Während der Schweizer Konjunkturkalender am Freitag leer blieb, gaben US-Daten ein sehr gemischtes Bild ab (für US-Einzeldaten siehe EUR/USD-Bericht). Dennoch schaffte es der Greenback, sich innerhalb eines kurzfristigen Abwärtstrends aufzubäumen. Das Abwärtspotenzial bis 0,9850 existiert zwar noch. Andererseits ist der Stabilitätspunkt erneut leicht gesunken und liegt nun mit 1,0015 in greifbarer Nähe.

GBP

EUR GBP (0,8990)

Nach Abschluss des EU-Treffens in Brüssel gab sich Premierministerin Theresa May wortkarg. Ihr gelang es immerhin, ihre Lage kurz, knapp und treffend zu beschreiben: „Es gibt noch viel zu tun", erklärte sie. Vermutlich meint sie damit, dass sie EU-Vertreter davon überzeugen muss, den Briten eine rechtlich verbindliche Backstop-Regelung mit einem End-Datum zuzusichern. Denn die sogenannten Brexiteers wollen verhindern, dass Großbritannien und die EU anderenfalls für immer in einer Zollunion gefangen blieben. Insbesondere über diesen Punkt scheint May in den „kommenden Tagen“ mit der EU weiter verhandeln zu wollen. Aus der Gestik von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, die er während eines zufällig von TV-Kameras eingefangenen Dialoges am Rande des Treffens darbot, lasen Beobachter jedoch heraus, dass die EU-Beteiligten langsam, aber sicher Interesse und Geduld verlieren. Tatsächlich lassen jüngste Kommentare darauf schließen, dass es seitens der Europäer kaum noch Bereitschaft geben dürfte, stärker auf die Belange der Briten einzugehen bzw. irgendwelche Änderungen am vorgeschlagenen Vertragswerk vornehmen zu wollen. Der ehemalige britische Regierungschef Tony Blair hat May wohl aus genau diesem Grund den Vorschlag gemacht, ein zweites Brexit-Referendum abzuhalten. Die "Times" will erfahren haben, dass führende Minister Mays Brexit-Plan für nicht realisierbar halten und ebenfalls zu einem weiteren Referendum tendieren – darunter Arbeitsministerin Amber Rudd. Der Euro pendelte sich am Freitag bei geringer Schwankungsfreude aus, verteidigt gegenüber dem Pfund aber nach wie vor seinen kurzfristigen, zwischen 0,8930 und 0,9140 verlaufenden Aufwärtstrend.

EUR

EUR CHF (1,1285)

Das Rahmenabkommen mit der EU ist mittlerweile zum Reizthema geworden, da zahlreiche Schweizer Politiker Vorbehalte gegenüber dem Vertragswerk geäußert haben, eine verbindliche Stellungnahme der Schweiz aber immer noch aussteht. Dies liegt unter anderem daran, dass die einzelnen Kantone noch keine Stellungnahmen veröffentlicht haben. Sie haben noch bis zum 29. März Zeit, sich mit dem Thema zu befassen. Sobald 18 Kantone dem vorliegenden Vertragswerk zustimmen, könnte die Konferenz der Kantonsregierungen eine offizielle Position beziehen. Die EU, so scheint es, wird sich mit einer Antwort demnach wohl noch gedulden müssen.
Der Euro notiert derzeit nicht weit von seinem 1,1315er Stabilitätspunkt (modifiziert) entfernt. Ein Überschreiten würde ihm Erholungspotenzial bis 1,1365 eröffnen.

PLN

EUR PLN (4,2900)

In Polen wurden am Freitag die Preise von Konsumgütern und Dienstleistungen für den Monat November veröffentlicht. Ökonomen, die zuvor von der staatlichen Nachrichtenagentur PAP befragt wurden, rechneten damit, dass die Teuerung im Jahresvergleich bei 1,5 Prozent liegen bzw. sich im Monatsvergleich um 0,3 Prozent erhöhen könnte. Wie das Statistische Zentralamt (GUS) mitteilte, stieg der Wert im Vergleich zum Vorjahr aber nur um 1,3 Prozent und blieb gegenüber dem Vormonat unverändert. Der Zloty tendierte daraufhin zum Euro etwas freundlicher, nachdem die Gemeinschaftswährung zuvor an unserem Widerstand bei 4,3050 abgeprallt ist. Das Kursgeschehen spielt sich aber nach wie vor innerhalb der bekannten Konsolidierungszone ab, die weiterhin zwischen 4,2730/40 und 4,3460 verläuft.


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